Brandschutz historischer Sonderbauten: Kirchen

Eine Beitragsserie im FeuerTRUTZ Magazin bietet eine Darstellung ausgewählter Baudenkmaltypen (Sonderbauten). Dieser Beitrag behandelt Kirchen und geht auf deren Brandgefahren und Brandschutzmaßnahmen ein.

Brandschutz historischer Sonderbauten - Kirchen
Abb. 1: Michaeliskirche in Hildesheim (Niedersachsen); 11. Jh., außergewöhnliches Zeugnis der Baukunst der Romanik; UNESCO-Weltkulturerbe seit 1985 (Quelle: Sylwester Kabat)

August 2017 / Von Sylwester Kabat. Entsteht in einer Kirche ein Feuer, so brennt sie häufig entweder bis auf die Außenmauern ab oder aber Rauch und Ruß richten solche Schäden im Kircheninneren und an der Ausstattung an, dass sie vollständig renoviert werden muss und die Ausstattung verloren geht. Kirchen sind den Bränden in den meisten Fällen wehrlos ausgesetzt, da an ihnen noch immer zu selten vorbeugende Brandschutzmaßnahmen vorgenommen werden und die Feuerwehr entsprechend kaum Chancen zur Rettung hat. Die überwiegende Zahl der Kirchen stellt als Gebäude einen einzigen großen und sogar mehrgeschossigen Brand- und Rauchabschnitt dar. Getrennt sind Teile des Kirchengebäudes meistens durch brandschutztechnisch unwirksame Holztüren, -klappen, -decken, -kuppeln und -wände. So sind auch die Hauptteile der Kirchen voneinander brandschutztechnisch nicht abgetrennt: die Kirchtürme nicht von den Dachräumen, die Sakristei nicht vom Kirchenschiff, die Untergeschosse nicht vom Kirchenschiff, das Kirchenschiff nicht von den Dachräumen (s. Abbildung 2).

Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 4.2017 des FeuerTRUTZ Magazins (Juli 2017) erschienen.
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Brandgefahren

Brandschutz historischer Sonderbauten: Kirchen
Abb. 2: Die Holztür bzw. der offene Durchgang zwischen Kirchturm und Dachboden ist der häufigste und gefährlichste Brandschutzmangel in Kirchen. (Quelle: Sylwester Kabat)

Brände in Kirchen werden oft spät entdeckt und können somit nur selten auf ihren Entstehungsort begrenzt werden. Auf Dachböden, an Altären, Krippen, der Sakristei, dem Kirchturm und der Orgelempore, wo in Kirchen laut Statistiken am häufigsten Brände ausbrechen, sind i.d.R. keine Brandmelder montiert. Abgesehen von Dacharbeiten als große Gefahrenquellen entstehen Brände in Kirchen vor allem durch mangelhafte und fahrlässig genutzte elektrische Anlagen. Anscheinend wird seitens der Pfarrer und Kirchengemeinden den unzugänglichen, veralteten sowie überlasteten und auf Holz verlegten Elektrokabeln und Elektrogeräten wenig Aufmerksamkeit geschenkt und der Gefahr von nicht abgeschalteten Heizkissen in Beichtstühlen oder anderen Heizgeräten wenig Bedeutung beigemessen. Elektrische Anlagen gelten in Kirchen als häufigste Brandursache (Tabelle 1). In den meisten Kirchen brennen zudem unbeaufsichtigt Kerzen, insbesondere Opferkerzen. Sie können meist an bereits brennenden Kerzen oder in manchen Kirchen mit bereitliegenden Zündhölzern oder sogar Feuerzeugen angezündet werden. Diese bereitgestellten Hilfsmittel werden offensichtlich auch für Brandlegungen eingesetzt.

Brandschutz historischer Sonderbauten: Kirchen - Tabelle
Tabelle 1: Brandursachen in Kirchen in Deutschland – Zündquellen und Zündursachen bei 188 Bränden im Zeitraum 1949 – 1999 (Quelle: Kabat)

Kirchtürme stellen eine besonders hohe Brandgefährdung dar: Wenn brennende Kirchturmspitzen auf Dachstühle stürzen, setzen sie diese sofort in Brand. Nicht selten nehmen Kirchenbrände ihren Anfang in den Türmen. Brandursachen sind Brandstiftung, Blitzeinschlag, defekte elektrische Anlagen oder Dacharbeiten an der Turmspitze.

Vor allem jedoch sind die oft gewaltigen Dachstühle und Kuppeln die Hauptgefährdungsbereiche: An Kirchendächern entstehen die meisten Brände, sie breiten sich dort am schnellsten aus und richten dadurch die größten Zerstörungen an. Den Einsatzberichten von Kirchenbränden ist zu entnehmen, dass Feuer in ausgetrockneten Holzdachstühlen nicht zu beherrschen sind und an Kirchen mit barocken Dachstühlen, Hängedecken und -kuppeln weitgehende Verwüstungen anrichten. Ohne vorbeugende bauliche Brandschutzmaßnahmen am Kirchengebäude ist sowohl ein Innenangriff als auch ein Außenangriff wegen der Vielzahl der Holzkonstruktionen und der akuten Einsturzgefahr nicht möglich. Stahldachstühle und Stahlkonstruktionen der Kuppel stellen im Brandfall einer Dacheindeckung ebenfalls eine sehr hohe Einsturzgefahr dar.

Vielerorts ist eine wirksame Brandbekämpfung an Kirchen schon durch die fehlenden Feuerwehrzufahrten ausgeschlossen. Durch Erweiterung der Fußgängerzonen und Grünflächen in den Städten erscheinen plötzlich vor den Kirchen große Bäume, Treppenanlagen, Blumentröge, Bänke, ­Verkaufsstellen u.a. Einrichtungen, die nicht selten die schon enge Bebauung in Hinblick auf die Brandbekämpfung zusätzlich beengen.

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Nutzungsveränderungen

Kirchen werden in den letzten Jahren vermehrt als Konzertsäle genutzt. Entsprechend muss sich ernsthaft damit auseinandergesetzt werden, ob einige Kirchengebäude, die ja der Versammlungsstätten-Verordnung nicht unterliegen, überwiegend dem Gottesdienst oder aber sonstigen Veranstaltungen dienen und somit die Anforderungen der jeweiligen Versammlungsstätten-Verordnung erfüllen müssen. Brandschutz wird heutzutage nicht nur in Schulen, Flughäfen, Türmen oder historischen Theaterbauten strenger hinterfragt, sondern auch in Kirchen. Es wird insbesondere beklagt, dass Kirchen keine Kennzeichnung oder Sicherheitsbeleuchtung der Rettungswege haben [1]. Abgesehen von der zusätzlichen Nutzung für Konzerte sollten auch für Gottesdienste alle erforderlichen Ausgänge sichtbar zur Verfügung stehen.

Im Zuge der Misch- oder Umnutzungen werden oft mehrere Geschosse eingebaut, auf denen unterschiedliche Nutzungen stattfinden (z.B. Gemeindezentrum, Café, Bibliothek, Kindergarten). Für den Gottesdienst verbleibt nicht selten nur weniger als die Hälfte des Kirchenschiffes. Die gravierendsten Eingriffe in die Bausubstanz und Gestalt des Kirchengebäudes, die sich daraus ergeben, betreffen in erster Linie die bauliche Sicherung von Rettungswegen und die brandschutztechnisch wirksame Abtrennung der Nutzungseinheiten voneinander.

In den letzten Jahren werden zudem Kirchturmbesteigungen immer stärker gewünscht: Die Kirchtürme sollen bis zu einer Aussichtsplattform oder einer möglichst hochgelegenen Turmstube für das Publikum frei zugänglich gemacht werden. Hier ergeben sich Sicherheitsfragen insbesondere nach der Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig im Turm aufhalten dürften, und nach den Rettungsmöglichkeiten aus den höheren Ebenen im Brandfall.

Brandschutzmaßnahmen in Kirchen

Kirchen als Gebäude unterliegen den für alle geltenden Gesetzen wie z.B. der Landes-bauordnung, dem Denkmalschutzgesetz und dem Feuerwehr- bzw. Brandschutzgesetz. Obwohl Kirchen Versammlungsräume sind, unterliegen sie nicht der jeweiligen Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) [2]. Damit können an Kirchen als Sonderbauten besondere Anforderungen insbesondere nach Bauordnung gestellt bzw. Erleichterungen erteilt werden. Da jedoch historische Kirchen Bestandsbauten sind, genießen auch sie den baurechtlichen Bestandsschutz. Somit ist in der Praxis die brandschutztechnische Ertüchtigung von historischen Kirchen eine freiwillige Maßnahme des Eigentümers, es sei denn, gravierende Zustände gefährden die Rettungswege. Es hat sich jedoch schon mehrmals gezeigt, dass vorhandene und funktionsfähige Brandschutzmaßnahmen Kirchengebäude und deren Ausstattung wirksam schützen können. […]

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Autor

Dipl.-Ing. Sylwester Kabat: Studium an der Offiziers-Hochschule für Feuerwehrwesen in Warschau; Tätigkeit bei Berufsfeuerwehren und als Brandschutzingenieur in der Industrie und Kommunalverwaltung; 1985–2000 Feuerwehrtechnischer Bediensteter bei der Stadt Worms, seit 2000 Brandschutzingenieur beim Kreis Gütersloh (Kreisbrandamtsrat); Fachplaner und Freier Sachverständiger für Brandschutz in Baudenkmälern, Altbauten und für Kulturgut; mehrjährige Dozententätigkeit

Literatur

[1] Tobias Bolsmann: Der Brandschutz in Herner Kirchen weist offenbar Lücken auf. In: WAZ vom 10.03.2016. URL: http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/der-brandschutz-in-herner-kirchen-weist-offenbar-luecken-auf-id11641038.html [Zugriff: 20.08.2016]

[2] Siehe auch: Ev.-luth. Landeskirche Hannover, Rundverfügung G 6 / 2005 vom 12.07.2015

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