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Mängel im Brandversuch



Die eine Hälfte der Probewand enthielt mangelhafte Einbauten in einer Massivwand, die andere Hälfte bestand aus einer feuerbeständigen Gipskartonwand.

Von Dipl.-Ing. (FH) Günter Ruhe

 

Zum vierten Mal lud die BELFOR-Relectronic GmbH am 18. Juni zu einem Brandschutztag ein. Über 60 Besucher folgten der Einladung und konnten einen spektakulären Brandversuch erleben.

 
Zum Auftakt der Veranstaltung im reizvollen Schlosshotel Erwitte erläuterte Thomas Krause-Czeranka, Leiter des Technischen Vertriebs in der Abteilung Brandschutz, seine Beweggründe für den Versuch: „Die BELFOR-Relectronic hat ihren Schwerpunkt in der Brandschutzsanierung von Bestandsgebäuden. Dort stoßen wir immer wieder auf die gleichen Mängel in der Bauausführung. Zur Bewertung dieser Bauteile mit Schwächen führen wir diesen Brandversuch durch.“




Die Referenten (v.l.n.r): Karl-Olaf Kaiser, Dr. Peter Nause, Thomas Krause-Czeranka, Manfred Lippe, Jürgen Pennings

In den folgenden Referaten wurden sowohl aktuelle Themen behandelt als auch den Hintergrund des Brandversuchs erläutert. Dipl.-Phys. Jürgen Pennings, Dezernent des Bereichs Brandverhalten von Bauteilen am MPA NRW referierte über die grundlegenden Anforderungen bei der Brandprüfung von Bauteilen in Deutschland. Der Brandschutzexperte Manfred Lippe erläuterte seine Erfahrungen zum Umgang mit Bestandsschutz und Abweichungen. Über die Bedeutung eines durchgehenden Qualitätsmanagement referierte Karl-Olaf Kaiser. Zum Abschluss des Vormittags zeigte Dr.-Ing. Peter Nause von der MFPA Leipzig einen Brandversuch zur Prüfung von Zimmertüren eines Hotels. Über die Randbedingungen und die Bewertung der Ergebnisse diskutierten die Teilnehmer noch während des Brandversuchs am Nachmittag.

 


90 Minuten Brandversuch



Starke Rauchentwicklung gefährdete zu Beginn die Fortsetzung des Brandversuchs.

Nach der Mittagspause wurde der Brandschutztag am MPA NRW, Außenstelle Erwitte, fortgesetzt. Thomas Krause-Czeranka, ein ehemaliger Mitarbeiter der MPA, hatte einen Großbrandversuch mit mangelhaft ausgeführten Leitungsdurchführungen, Abschottungen, brennbaren und nichtbrennbaren Rohrleitungen und Brandschutzklappen aufbauen lassen.

 

Die 5 m x 4 m große Wand mit F 90-Anforderung wurde zur Hälfte als leichte Trennwand mit Gipskartonbrandschutzplatten und zur anderen Hälfte als Massivwand mit Porenbetonsteinen ausgeführt. Vierzig z.T. fehlerhafte Einbauten wurden mit 87 Temperaturmessstellen versehen. Der Aufbau des Brandversuchs hatte etwa eine Woche gedauert.

 




Die F 30-Verglasung versagte kurz nach Ablauf von 30 Minuten.

Folgende Mängel wurden u.a. eingebaut:

  • Klappenblatt einer Brandschutzklappe (BSK) nicht in Wandebene
  • Vermörtelung und Dämmung der BSK mangelhaft
  • Durchführung von Kabelbündeln mit größerer Anzahl als nach MLAR erlaubt
  • Elektrische Leitungen mit und ohne Funktionserhalt
  • F 30- und F 90-Verglasungen
  • Abschottung einer Kabelbündeldurchführung mit unsachgemäßem Material
  • Rohrdurchführungen brennbarer und nichtbrennbarer Rohre
  • Kabel ohne ausreichende Brandschutzbeschichtung
  • beidseitige Elektroschalter in GK-Wand ohne Abstand
  • Weichschott mit Glaswolle statt Steinwolle
  • Durchführung von Kabelkanälen
  • E 30-Kabelkanal im Brandofen




Das Schloss Erwitte bot einen reizvollen Rahmen für die Auftaktreferate.

Der Brandversuch im größten Brandofen des MPA wurde nach den üblichen Kriterien mit der Einheitstemperaturzeitkurve (ETK) nach DIN 4102-2 durchgeführt. Die Dauer des Brandversuchs betrug 90 Minuten. Besonders zu Beginn des Versuchs kam es zu extremer Rauchentwicklung, die kurzzeitig auch die Fortsetzung des Brandversuchs gefährdete.

 

In der ersten Bilanz direkt nach dem Brandversuch erläuterten Thomas Krause-Czeranka und Jürgen Pennings das Verhalten der Bauteile. Die Auswertung der Fülle von erhobenen Daten dauerte zum Redaktionsschluss noch an. In der nächsten Ausgabe des FeuerTRUTZ Magazin 5.2009 werden wir ausführlich über die Ergebnisse des Brandversuchs berichten.



Fotos des Brandversuchs


  
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