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Zum 10. Mal am Elbufer



Zum 10-jährigen Jubiläum der EIPOS Sachverständigentage Brandschutz kamen rund 400 Teilnehmer in das Internationale Congress Center nach Dresden
(Fotos: FeuerTRUTZ Magazin)

Unter dem Slogan „Qualifikation schafft Zukunft“ unterstützt EIPOS seit 1990 die berufliche Entwicklung von Fach- und Führungskräften.  Bereits zum zehnten Mal in Folge trafen sich Architekten, Ingenieure, Gebäudetechniker, Materialprüfer sowie Mitarbeiter von Baubehörden zu den Dresdner Sachverständigentagen.  Das Programm zeichnete sich auch in diesem Jahr wieder durch hochkarätige Vorträge aus, die neben normativen und bauordnungsrechtlichen Neuigkeiten schwerpunktmäßig risiko- und schutzzielorierentierte Betrachtungen im Brandschutz behandelten.  Durch das Programm führte Dipl.-Ing. Josef Mayr. Er schaffte es mit seiner kurzweiligen Moderation, die Teilnehmer nicht nur bei Laune, sondern auch in Konzentration zu halten.
Für offene Diskussionen, branchen- und themenübergreifend, hatten die Teilnehmer nicht nur im Vortragssaal die Gelegenheit, sondern sie  konnten diese bei ihrem Besuch der begleitenden Fachausstellung auch fortführen. Insgesamt waren dort rund 30 Hersteller mit ihren Produktneuheiten vertreten.

 


Vorträge am 16. November 2009

 
Dr.-Ing. Kerstin Görhs „Erfolgreicher Brandschutz – mehr als reines Fachwissen“
Die Tagung eröffnete Dr. Görhs mit ihrem unkonventionellen Vortrag, der sich nicht dem technischen Fachgebiet eines Sachverständigen widmete, sondern der menschlichen Seite. Nicht immer bedeutet fachliche Kompetenz auch fachlichen Erfolg. Bei der Umsetzung spielen menschliche Aspekte eine große Rolle.  Dr.–Ing. Kerstin Görhs:  „Fehler werden von Menschen gemacht und sind deshalb vermeidbar.“ In Ihren Ausführungen gab sie keine Handlungsanleitung, sondern vielmehr einige Denkanstöße für die tägliche Arbeit eines Brandschutzsachverständigen.

 




Einige der Referenten des ersten Tagungstages: oben v.l.n.r. : Prof. Dr.-Ing. habil Günter H. Hertel, Dipl.-Ing. Sabine Schönherr, Dr.-Ing. Claus Schwenzer; unten v.l.n.r.: Dipl.-Ing. Volker Middelstaedt, Dipl.-Ing. Josef Mayr, Dipl.-Ing. Manfred Lippe, Dr.-Ing. Kerstin Görhs, Prof. Dr. Horst A. Ermer M.A. Dr.-Ing. Frank Riesner

Dipl.-Ing. Manfred Lippe „Scheinbar aussichtslose Situationen meistern – gebäudetechnischer Brandschutz im Praxistest“
Der gebäudetechnische Brandschutz bekommt einen immer höheren Stellenwert. Herr Lippe ist auf dem Gebiet zwischen gebäudetechnischem und vorbeugendem Brandschutz des Hochbaus spezialisiert. In seinem Vortrag ging er auf die Behandlung von Brandlasten in Flucht- und Rettungswegen ein und zeigte dabei verschiedene Möglichkeiten zur brandschutztechnischen Kapselung auf.  Seiner Meinung nach setzt eine schutzzielorientierte Qualitätskette eine übergreifende brandschutztechnische Planung voraus. Dipl.-Ing. Manfred Lippe: „Brandschutz um jeden Preis kann zum Problem werden.“ Für ihn reicht die Formulierung „Die LAR (MLAR) und die LüAR (M-LüAR) ist anzuwenden“ nicht aus.  

 

Dr.-Ing. Frank Riesner „Brandschutznachweise für Schulen – Erfahrungen aus dem Tagesgeschäft des Brandschutzplaners“
In seinem Vortrag ging Dr. Riesner  u.a. auf die Problematik eines nicht realisierbaren zweiten baulichen und unabhängigen Rettungsweges bei Bestandsschulen ein. Dr.-Ing. Frank Riesner: „Eine Rettungsrutsche ist nicht automatisch ein gesegneter Rettungsweg.“
Bei Sanierungs- und Umbauvorhaben in Bestandschulen sind die bauordnungsrechtlichen Vorgaben an den Sonderbau Schule nicht immer umzusetzen. Umso wichtiger ist der Nachweis der beiden voneinander unabhängigen Rettungswege, die ohne Mitwirkung der Feuerwehr funktionieren müssen. Dr. Riesner empfiehlt mindestens zweimal jährlich Evakuierungsübungen.

 

Prof. Dr. Horst A. Ermer  M.A. „Rauchfreihaltung durch Überdruck – eine Bestandsaufnahme“
Prof. Dr. Ermer referierte über die bisherige Entwicklung von Überdruckbelüftungssystemen in Deutschland. Dabei ging er u.a. auf die Umsetzung der Forschungsergebnisse in der Praxis ein. Für die Zukunft nimmt er an, dass die Technik des Überdruckbelüftungssystems überall dort angewendet werden wird, wo der bauliche Brandschutz seine Grenzen hinsichtlich der Rettungswege finden wird.

 

Dipl.-Ing. Volker Middelstaedt „Sicherheitstechnik im Brandschutzkonzept – eine Herausforderung für den technischen Fachplaner“
Der Vortrag thematisierte anhand ausgewählter praktischer Beispiele die Zusammenarbeit zwischen dem Brandschutzgutachter und dem Fachplaner für BMA. Dipl.-Ing. Volker Middelstaedt: „Es genügt nicht, im Brandschutznachweis die mehr oder weniger ausführlichen Passagen der Bauvorschriften abzuschreiben, ohne sie mit den objektspezifischen Anforderungen zu untersetzen.“
Nach der Einführung zu baurechtlichen Regelungen, ging der Referent auf die Anforderungen an den Brandschutznachweis aus Sicht des technischen Fachplaners ein.  Zu seinen Ausführungen über Alarmierungsbereiche und Alarmierungseinrichtungen stellte er verschiedene Beispiele vor. Dabei plädierte er für den internen Alarm in Altenheimen. Zuletzt sprach er die Aufgaben des Prüfsachverständigen an. Seiner Meinung nach sollten die Prüfsachverständigen so früh wie möglich in die Projektphase einbezogen werden.

 

Dr.-Ing. Henry Portz „Anwendung von Ingenieurmethoden in der Brandursachenermittlung“
Anhand von Praxisbeispielen zu  einer Küchenexplosion sowie zu den unterschätzten Brandgefahren bei binären Gasgemischen, stellte Dr. Portz weitere Ingenieurmethoden zur Brandursachenermittlung vor. Er wies darauf hin, dass es bei binären Dampf- und Gasgemischen, bei denen eine Komponente leichter, die andere schwerer als Luft ist, zu Fehleinschätzungen hinsichtlich der Dampfdichte kommen kann. Dadurch können  Fehler in der Auslegung des Explosionsschutzes entstehen.

 




In der begleitenden Fachaus- stellung zeigten 30 Aussteller ihre Produktinnovationen.

17. November 2009

 
Zu Beginn des zweiten Tages fiel krankheitsbedingt der Vortrag von Herrn Dipl.-Ing. Erhard Arnold aus. Deshalb fand kurzfristig eine Podiumsdiskussion statt. Dazu thematisierten Dr.-Ing. Kerstin Görhs, Dr.-Ing. Frank Riesner sowie Dipl.-Ing. Manfred Lippe folgende Themen:

  • Rettungsrutsche als zweiter Rettungsweg
  • Sicherheitsbeleuchtung an Außentreppen.

Anschließend fanden die geplanten Vorträge statt.

 

O. Univ. Prof. Dipl-Ing. Dr. techn. Dr. h. c. Ulrich Schneider „Brandschutz im Industriebau – DIN 18230-1 und MIndBauRL, Stand der Überwachung“
Seit knapp 3 Jahren laufen die Überarbeitungen der DIN 18230-1. Rund 600 Einsprüche sind für die Normbearbeitung eingegangen. Von der DIN 18230-1 liegt bereits ein Gelbdruck vor, sodass mit einem Weißdruck ggf.  im Frühjahr 2010 zu rechnen ist.  Die Diskussionen über die Vorlage einer neuen Industriebaurichtlinie sind ebenfalls weiter vorangeschritten.  Hierbei ist das Inkrafttreten jedoch von den Entscheidungen in der Fachkommission Bauaufsicht der 16 Bundesländer abhängig.

 

Dr.-Ing. Claus Schwenzer „Feuerschutz- und Rauchschutzvorhänge – Eigenschaften, Verwendbarkeitsnachweise und Einbaubeispiele“
In Kürze erteilt das DIBt erste abZ für Feuerschutzvorhänge, die Einsatzbedingungen und -vorausetzungen regeln. Dr. Schwenzer ging in seinem Vortrag auf den aktuellen technischen Stand der Kompensationsmaßnahmen sowie auf Einsatzbeispiele ein.
Dr.-Ing. Claus Schwenzer: „Der Preis ist die wichtigste technische Eigenschaft.“
Für Feuerschutzvorhänge zeigte er folgende Anwendungsbeispiele:
1. mit Kompensation durch brandlastfreie Bereiche
2. mit Kompensation durch Sprühwasserbeaufschlagung
3. an Außenfenstern
4. in Altbauten, „wenn nichts anderes geht“.
Insbesondere empfahl er eine Beschränkung der Größe der Vorhänge, da mit Zunahme der Größe auch die durch den Vorhang strahlende Wärmemenge  sowie die Wärmeausbeulung zunehmen.

 

Dipl.-Ing. Josef Mayr „Der Planer im Labyrinth der Rettungswege“
In seinem Vortrag erläuterte Mayr die bauaufsichtlichen Anforderungen an Rettungswege anhand von Beispielen. Dabei ging er zunächst auf die grundlegenden Begrifflichkeiten (u.a. Nutzungseinheiten, Teilnutzungseinheiten, Aufenthaltsraum, Fliehen und Fluchtwege, Retten und Rettungswege) ein. Bei seiner Auslegungen der Anforderungen der LBOs führte er Beispiele aus der Praxis an.

 


Ausblick auf die Termine 2010

Neue Tagesseminarreihen:

  • Brandschutz in der Gebäudetechnik:
    - Planung und Bemessung von maschinellen Rauchabzugsanlagen 09.02.2010
    - Aktuelle Baubestimmungen für Lüftungsanlagen 08./09.03.2010
    - Brandschutz in der Gebäudetechnik (Funktionen und Wechselwirkungen) 15./16.06.2010
  • Ingenieurmethoden im Brandschutz:
    - Rauchableitung (Handrechenverfahren und Plausibilitätskontrollen) 02.03.2010
    - Brandsimulationsmodelle (Anwenderschulung für Fachplaner und Sachverständige) 28./29.04.2010
    - Brandschutzbemessung nach Eurocode 07./08.09.2010
    - Evakuierungsberechnungen (Personenstromanalyse mit rechnerischen Nachweisverfahren) 08.06.2010
  • Brandschutzkonzepte für Sonderbauten:
    - Schulen und Kindergärten 23.02.2010
    - Betreutes Wohnen / Alten-WGs / Pflegeheime 25.01.2010
    - Organisatorischer Brandschutz als Kompensation? 15.03.2010

Neues Intensivseminar:

  • Brandschutz und Evakuierungstechnik (Kooperation mit ZVEI)
    - Eine Zusammenarbeit zwischen EIPOS  und dem Fachverband Sicherheitssysteme im ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.

Neues Symposium:

  • „Sicherheit und Brandschutz in verkehrstechnischen Anlagen“:
    - Brandschutz- und Evakuierungstechnik,  Sicherheit und Brandschutz in verkehrstechnischen Anlagen; eine gemeinsame Veranstaltung von EIPOS und DMT



Fotos der 10. EIPOS Sachverständigentage Brandschutz 2009


 

Fotos: Michael Kaden (Fotograf) und FeuerTRUTZ Magazin


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