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Europäischer Brandschutzgipfel 2011



Über 50 Experten aus der Brandschutzindustrie informierten sich über die Folgen der neuen Bauproduktenverordnung. (Fotos: FeuerTRUTZ Magazin)

Auf der Schweizer Seite des Bodensees in Bad Horn veranstaltete die Dr. Kuhn Consulting den 20. Europäischen Brandschutzgipfel. 55 Teilnehmer, überwiegend aus der Industrie, besuchten die Jubiläumsveranstaltung. Schwerpunktthema des diesjährigen Workshops am 1. und 2. September war die im März von der EU-Kommission erlassene Bauproduktenverordnung (BauPVO) und deren Folgen für die Produkthersteller im vorbeugenden Brandschutz.

 

Die BauPVO tritt die Nachfolge der Bauproduktenrichtlinie an, ist aber im Gegensatz zu dieser direkt nationales Recht geworden. Derzeit sind in der Praxis noch wenig Auswirkungen zu spüren, aber zum 1.7.2013 sind Hersteller verpflichtet, ihre Produkte mit einem CE-Kennzeichen zu versehen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Konsequenzen für Produkthersteller und dementsprechend auch für den Anwender. Im FeuerTRUTZ Magazin 5.2011 behandelte Dr. Peter Kuhn dieses Thema.

 

Im Eröffnungsvortrag erläuterte Dr. Rainer Mikulits, Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für Bautechnik OIB, die Konsequenzen, die sich aus der Anwendung der BauPVO ergeben. So sind seiner Ansicht nach nicht alle Punkte klar geregelt und bedürfen noch der Interpretation durch die nationalen Institute. Vertiefend behandelte er daher u.a. den Artikel 5 der BauPVO, der Ausnahmen von der Pflicht zur Erstellung einer Leistungserklärung regelt.

 

Andreas Bossenmeyer vom Schweizer Bundesamt für Bauten und Logistik stellte die Situation für sein Land dar. Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, gilt die BauPVO hier nicht. Dennoch wird man sich bei der Zulassungen von Bauprodukten am europäischen Standard orientieren.

 

Gerhard Breitschaft, Präsident des DIBt, erläuterte schließlich die Konsequenzen  für Deutschland. Auch er sah offene Punkte, die für die Praxis noch zu klären sind. Viele Fragen der Teilnehmer blieben offen, weil Vorgaben zur Anwendung der BauPVO noch fehlen. Gerhard Breitschaft bestätigte auch in einzelnen Punkte eine andere Auffassung Deutschlands bzw. des DIBt im Gegensatz zur Position der EU-Kommission. An diesen Punkten müsse wohl die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abgewartet werden.

 

Paul Caluwaerts, Generalsekretär der EOTA (European Organisation for Technical Approval), erläuterte am Nachmittag das zukünftige Verfahren zur Erlangung der CE-Kennzeichnung. Die Leistungserklärung zum Bauprodukt wird zukünftig verbindlich, sobald eine harmonisierte Norm oder eine eingeführte technische Baubestimmung dazu vorliegt.




Referenten des Europäischen Brandschutzgipfel 2011 (v.l.n.r.): Dipl.-Ing. P. Caluwaerts (Generalsekretär EOTA), Andreas J. Bossenmayer (Schweizer Bundesamt für Bauten und Logistik), Dr. Rainer Mikulits (Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für Bautechnik OIB), Dr. Peter Kuhn (Dr. Kuhn Consulting), Dr. Holger Grieb (Ksi Consult), Dipl.-Ing. Gerhard Beitschaft (Präsident des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBt)

Mit dem neuen Thema „Compliance – Notwendigkeit, Chance oder Zeitgeist“ beschäftigte sich der Vortrag von Dr. Holger Grieb. Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen, regulatorischer Standards und Erfüllung weiterer, wesentlicher und in der Regel vom Unternehmen selbst gesetzter ethischer Standards und Anforderungen.

 

Als Abschuss des ersten Tages referierte Prof. Dr. Dr. F.J. Radermacher vom Forschungsinstut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung FAW der Universität Ulm über Zukunftsfragen nach der Weltfinanzkrise. Seine Ausführungen zum Zusammenhang von Wachstum der Weltbevölkerung und Ernährung sowie zur Klimaentwicklung und Weltfinanzkrise stimmte alle Teilnehmer nachdenklich.

 

Am zweiten Tag des Workshops wurden die Fragen der Teilnehmer behandelt. Da es hinsichtlich der CE-Kennzeichnung noch viele offene Frage gab, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Auf dem nächsten Europäischen Brandschutzgipfel wird die Thematik des diesjährigen Workshops weiter vertieft.


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