FeuerTRUTZ 2011: Frühjahrstreffen der deutschen Brandschutzbranche

Die FeuerTRUTZ, erste Fachmesse mit Kongress für vorbeugenden Brandschutz, erlebte vom 15. bis 16. März 2011 eine beeindruckende Feuertaufe. 108 Aussteller, 35 Expertenvorträge, Diskussionsrunden und Workshops sowie ein fachspezifisches Rahmenprogramm lockten aus dem Stand über 2.300 Messe- und Kongressbesucher zum intensiven Dialog nach Nürnberg. Dort konnten sie sich zielgerichtet über innovative Lösungen und Produkte zur Brandvermeidung und -eindämmung informieren. Das Thema des diesjährigen Brandschutzkongresses, „Brandschutz in Sonderbauten“, traf den Nerv der Branche.

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Bei strahlendem Frühlingswetter startete am 15. März die FeuerTRUTZ 2011. (Fotos: NuernbergMesse / Thomas Geiger)

„Der vorbeugende Brandschutz hat mit der FeuerTRUTZ 2011 in Nürnberg seine Heimat gefunden. Die überwältigende Resonanz der Aussteller, Besucher und Teilnehmer macht uns stolz und bestätigt unser neues Konzept. Wir freuen uns deshalb schon jetzt mit allen Beteiligten auf eine Fortsetzung“, erklären die Veranstalter vom Feuertrutz Verlag und der NürnbergMesse gemeinsam. Als erste deutsche Veranstaltung deckt die FeuerTRUTZ die drei Teilbereiche des vorbeugenden Brandschutzes ab. Unter einem Dach wurden sowohl bauliche, anlagentechnische als auch organisatorische Maßnahmen präsentiert und diskutiert.

Ausgebuchter Brandschutzkongress

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Feuertrutz Verlagsleiter Günter Ruhe begrüße 650 Teilnehmer.

Der bereits etablierte FeuerTRUTZ Brandschutzkongress fand parallel zur ersten Fachmesse FeuerTRUTZ im Nürnberger Messezentrum statt. Trotz größerer Räume und eine Verteilung auf drei Kongresszüge, war die Veranstaltung auch in diesem Jahr frühzeitig ausgebucht. Insgesamt bildeten sich 650 Brandschützer in Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops rund um das Thema vorbeugender Brandschutz fort.
Fachplaner, Architekten und Sachverständige sowie Mitarbeiter von Behörden und Brandschutzbeauftragte nutzen die zwei Veranstaltungstage um sich auf den neuesten Stand zu bringen und Kontakte zu pflegen.
Ob Industriebau, Schule, Versammlungsstätte oder Altenpflegeheim, der Brandschutz in Sonderbauten stellt stets hohe Anforderungen. Dabei sind sowohl Konzepte als auch Lösungen gefragt, die die vielfältigen Nutzungsanforderungen der Betreiber berücksichtigen und die notwendige Sicherheit gewährleisten. Der FeuerTRUTZ Brandschutzkongress 2011 widmete sich diesen wichtigen Gebäudetypen und stellte u.a. die bevorstehende Muster-Industriebaurichtlinie und Lösungsansätze für Pflegeeinrichtungen ausführlich vor.
Die anerkannten Brandschutzexperten referierten in den einzelnen Kongresszügen. Dabei wurden u.a. folgende Themen behandelt: Abweichung von Verwendbarkeitsnachweisen, Brandschutzmaßnahmen bei WDVS, Haftung im Brandschutz, Sicherheitssysteme aus rechtlicher Sicht, Brandvermeidung und Brandfrüherkennung sowie Neue Konzepte für Pflegeeinrichtungen und Brandschutz in Kindergärten und Schulen.
Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die neuen Kongresszüge zu organisatorischen Brandschutz sowie zu Sicherheitssystemen und Löschtechnik.
Der erste Tagungstag begann mit gemeinsamen Vorträgen für alle Teilnehmer im Saal Brüssel. Nach der Eröffnung durch Verlagsleiter Günter Ruhe begrüßten Bürgenmeister Horst Förther und Rolf Keller von der NürnbergMesse die Teilnehmer. Es folgte die erste Vortragsreihe zu Grundlagen des Brandschutzes bei Sonderbauten. Der erste Vortrag vom Gründer des Feuertrutz Verlages, Josef Mayr, enthielt eine informative und unterhaltsame Einführung mit Fallbeispielen aus der Praxis dar. Josef Mayr thematisierte die grundlegende Frage: „Sind die hohen Anforderungen beim Brandschutz von Sonderbautenangesichts geringer Opferzahlen überhaupt notwendig? Er ging dann auf die wesentlichen Schutzziele der unterschiedlichen Sonderbauten ein, bevor er anhand verschiedener Brandszenarien den bestehenden Handlungsbedarf diskutierte.
RA Stefan Koch widmete sich aus juristischer Sicht dem viel diskutierten Thema „Konkrete Gefahr“. Seiner Darstellung nach, wird dieser zentrale Begriff im vorbeugenden Brandschutz, an dessen Auslegung oft Auflagen gebunden sind, häufig nicht richtig verwendet. Nach einer Einleitung zur Gefahr im allgemeinen Ordnungsrecht, ging er u.a. auf aktuelle Rechtssprechungen zur konkreten Gefahr im Bauordnungsrecht ein. Zu den dabei vorgestellten Urteilen, nahm er anschließend Stellung.
Die problematische Definition der „konkreten Gefahr“ wurde in der nachfolgenden Diskussionsrunde auf dem Podium weitergeführt.

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Der neue Tagungssaal des CongressCenters Mitte der NürnbergMesse war komplett gefüllt.

Am Nachmittag starteten die drei parallel veranstalteteten Kongresszüge „Brandschutzkonzepte“, „Evakuierung und Kompensationen“ und „Organisatorischer Brandschutz“ in verschiedenen Sälen des neuen CongressCenters statt. So stellte Manfred Steglich die Grundzüge seines Brandschutzkonzeptes für das „Neue Rathaus Leipzig“ vor, einem historischen Bau, der komplett saniert wurde. Die erste Brandschutzbegutachtung ergab dabei, dass allein die Erneuerung der Türen zwischen Fluren und notwendigen Treppenräumen Gesamtkosten in Höhe von ca. 2,5 Mio. € nach sich gezogen hätten. Sofort entzündete sich daran die Frage nach möglichen kostengünstigeren, aber dennoch denkmalschutzgerechten Lösungen auf. Mit Nachweisen durch Brandsimulationsberechnungen und Rauchversuchen, konnte letztlich eine ingenieurtechnische Lösung mit nur 750.000 € umgesetzt werden.
Über ein weiteres, herausragendes Praxisbeispiel sprach im Anschluss Thomas Kempen. Er stellte dabei das Brandschutzkonzept des „Studienfunktionalen Zentrums Super C und dem Hörsaalgebäude Ehemaliges Heizkraftwerk der RWTH Aachen“ vor.
Im Kongresszug „Organisatorischer Brandschutz“ erfuhren die Teilnehmer u.a von Dirk Grüttjen, wie die neue Gefährdungsbeurteilung von Brandschutzbeauftragten anzuwenden ist.
Die Gespräche unter den Brandschutzexperten wurden während der Abendveranstaltung im „Bratwurst Röslein“ in angenehmer Atmosphäre fortgesetzt.
Auch am zweiten Tagungstag wartete ein abwechslungsreiches Programm auf die Teilnehmer. Zu den parallel stattfindenden Kongresszügen zählten an diesem Tag: „Baulicher Brandschutz“ sowie „Sicherheitssysteme“ und „Löschtechnik“ als unverzichtbare Teile des anlagentechnischen Brandschutzes. Prof. Jürgen Wesche eröffnete mit seinem Vortrag „Abweichung von Verwendbarkeitsnachweisen“ den Kongresszug zum Thema „Baulicher Brandschutz“. Dabei richtete er den Fokus auf korrekten Umgang mit Abweichungen und unterschied zwischen „Abweichungen von Verwendbarkeitsnachweisen“ und „Abweichungen von Technischen Baubestimmungen“. Abschließend bemerkte Jürgen Wesche: „Es ist daher an alle Beteiligten zu appellieren, speziell bei der Bewertung von Bauarten und auch Bausätzen nicht nur auf die formale Betrachtungsweise im Sinne der „Bauprodukte“ zu setzen, sondern den Ingenieurverstand nicht außen vor zu lassen und im Sinne eines optimalen Bauablaufes unter Berücksichtigung der angestrebten Produkt- und Anwenderhaftung und der Kompetenz von Prüfstellen das Schutzziel in den Vordergrund zu stellen.“
Ein interessantes Fachgespäch auf der Bühne entwickelte sich zwischen Moderator Prof. Jürgen Wesche und den Referenten Karl-Olaf Kaiser und Rechtsanwalt Till Fischer. Im Mittelpunkt stand dabei die unterschiedliche Sichtweise zu den Mängeln. Was für Jürgen Wesche aus baurechtlicher Sicht eine nicht wesentliche Abweichung war, sahen die anderen als mangelhafte Leistung im Sinne des Werkvertrages.

Fachmesse FeuerTRUTZ

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2.300 Messebesucher informierten sich an zwei Tagen bei 108 Ausstellern über aktuelle Brandschutzlösungen..

In der parallel geöffneten Fachmesse in der angrenzenden Halle 10.1. präsentierten 108 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen rund um den vorbeugenden Brandschutz. Erstmals waren nahezu alle namhaften Aussteller in einer Halle vereint und zeigten die gesamte Bandbreite des vorbeugenden Brandschutzes in einer gemeinsamen Fachschau. Die Fachaussteller kamen aus den Bereichen spezieller Baustoffe, Bauelemente, Erzeugnisse der technischen Gebäudeausrüstung sowie Flucht- und Rettungssystemen. Das umfassende Fachangebot reichte von Wänden/ Fassaden über Entrauchung/ Lüftung und Warn-/ Meldesysteme bis hin zu Werkzeugen/ Geräten.
Im Aussteller-Fachforum stellten 13 Aussteller stellten in praxisnahen Vorträgen ihre innovativen Produktlösungen vor und zogen damit an beiden Tagen viele interessierte Besucher an.
Auch der Treffpunkt Aus- und Fortbildung war ein Anlaufpunkt der Messebesucher, die sich bei den Ausbildungsträgern einen Überblick über Seminare und Studiengänge verschafften. 6 Institute für Aus- und Fortbildung waren an diesem Gemeinschaftsstand vertreten. Ein weiteres Highlight waren die Vorführungen auf der Aktionsfläche Brandschutz im Außenbereich der Messe. Spektakuläre Brandversuche des Instituts für Industriedynamik auf dem Außengelände zeigten den Fachbesuchern neue Brandschutzansätze.

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Zum Gewinner in der Kategorie „Brandschutzkonzept“ kürte die Fachjury die Spitthöver Brandschutzconsult für die Umgestaltung der EVAG Passarelle im Essener Hauptbahnhofs. Preisträger Markus Kraft nahm den Preis in Höhe von 5.000,- € von Dirk Egel als Vertreter des Sponsor 3M in Empfang.

Preisverleihung „Brandschutz des Jahres“

Am 15.3. verlieh der Feuertrutz Verlag im Rahmen der neuen Fachmesse FeuerTRUTZ Fachmesse in Nürnberg erstmal die Auszeichnung „Brandschutz des Jahres 2011“. Der Preis wurde in den Kategorien „Brandschutzkonzept“, „Produkt baulicher Brandschutz“ und „Ehrenpreis“ verliehen. Die Fachjury unter Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Wesche wählte im Februar 2011 aus den durchweg hochkarätigen Einsendungen die Preisträger aus.
Zu den Gewinnern zählten in der Kategorie „Brandschutzkonzept“ die Umgestaltung der EVAG Passarelle des Essener Hauptbahnhofs. Das Konzept stammt von der Brandschutzconsult Spitthöver in Essen. Die Jury lobte dabei die vorbildliche Umsetzung des Brandschutzkonzeptes bei komplexen Nutzungsanforderungen und mit schwierigen Geometrien unter der besonderen Schwierigkeit der Sanierung im laufenden Betrieb.
In der Produktkategorie „Baulicher Brandschutz“ gewann das Produkt „Hidden Shield“ von der Stöbich Brandschutz GmbH. Nach Ansicht der Jury deckt der neuartige Feuerschutzabschluss ohne Führungsschiene eine wesentliche Lücke bei der Brandschutzplanung ab. In der ebenfalls ausgelobten Produktkategorie „Anlagentechnischer Brandschutz“ konnte die Fachjury leider keinen Preisträger auszeichnen. Trotz einer Fülle von Einreichungen mit durchweg herausragender Produktqualität, wurden die in der Auslobung geforderten Kriterien nach Ansicht der Jury nicht überzeugend erzielt.
Ihren Höhepunkt erreichte die Verleihung mit der Vergabe des Ehrenpreises an Dr. Friedrich Mehl. Als langjähriger Leiter der Landesstelle Bautechnik in Leipzig und als Vertreter in der Projektgruppe Brandschutz der ARGEBau prägte Dr. Mehl nachhaltig den Brandschutz.