Interview: Anforderungen und Trends bei Brand- und Rauchschutztüren

Die FeuerTRUTZ Redaktion sprach auf der Weltleitmesse BAU 2017 in München mit Schörghuber-Geschäftsführer Jürgen Ruppel über die Veränderungen des Bauproduktenrechts, die europäische Harmonisierung von Normen für Brand- und Rauchschutztüren und über die Messe-Neuheiten des Spezialtürenherstellers aus Ampfing.

Interview: Anforderungen und Trends bei Brand- und Rauchschutztüren mit Jürgen Ruppel von Schörghuber
Schörghuber-Geschäftsführer Jürgen Ruppel (rechts) auf der BAU 2017 in München im Gespräch mit FeuerTRUTZ Redakteur André Gesellchen (Bild: FeuerTRUTZ)

April 2017. Es verändert sich derzeit einiges bei der Normung für Türen, Tore und Fenster mit Feuer- und Rauchschutzeigenschaften, z.B. durch die europäische Produktnorm DIN EN 16034 für Feuerschutzabschlüsse oder durch die Neuordnung des Bauproduktenrechts mit novellierter MBO samt Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen. Was bedeutet das für Schörghuber als Hersteller von Spezialtüren?

Dieses Thema ist ja nicht von heute auf morgen auf uns zugekommen, wir beschäftigen uns schon lange damit, sodass wir sehr gut aufgestellt sind. Wir prüfen z.B. bereits seit vielen Jahren bei allen Brandschutzprüfungen nach der neuen Norm, was bei unserer großen Produktpalette durchaus ein Kraftakt war.
Das größere Problem war, dass die Einführung der Normen sehr oft verschoben wurde, sodass wir in der Frage, ob wir "alte Zulassungen" oder bereits CE-Kennzeichnungen erwirken sollten, lange "zweigleisig fahren" mussten. Jetzt scheint aber Klarheit zu herrschen und seit einigen Monaten gehen wir zunehmend in Richtung CE-Kennzeichnung.

Das Interview ist in Ausgabe 2.2017 (März 2017) des FeuerTRUTZ Magazins erschienen.
Hier erhalten Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 2.2017

Unterstützt Schörghuber die Planer und Errichter dabei, die neuen Regelungen kennenzulernen und korrekt umzusetzen? Schließlich müssen diese sehr viele Themen im Blick behalten.

Die Beratung steht bei uns seit jeher im Vordergrund. Unsere Produkte kommen nicht von der Stange, sondern sie sind sehr speziell und auftragsbezogen, sodass wir immer mit Architekten und Planern im Dialog stehen. Das geht über unsere Produkte oft hinaus und erstreckt sich auch auf das Thema Normenkompetenz. Dieses setzen wir durch Schulungen bei Architekten und bei uns im Haus sowie mit unserer Architektenhotline, wo kompetente Mitarbeiter als Ansprechpartner bereitstehen, um.

Erstreckt sich das auch auf das Thema Verwendbarkeitsnachweise, bei dem offenbar bei vielen noch Wissenslücken vorhanden sind?

Vor allem die Verwender melden sich mit Fragen zu Verwendbarkeitsnachweisen bei uns, da spüren wir tatsächlich eine gewisse Verunsicherung, auf die wir mit sehr vielen Dialogangeboten reagieren. Unsere Kunden können sich selbstverständlich auch zukünftig darauf verlassen, dass die jeweils zutreffenden und gültigen Verwendbarkeitsnachweise auftragsbezogen bereitgestellt werden.

Wie stehen Sie zu der scheinbar noch nicht ganz geklärten Frage, ob man künftig bei CE-gekennzeichneten Türen von den Verwendbarkeitsnachweisen abweichen darf?

Auf der einen Seite gibt es ja den normativ geregelten erweiterten Anwendungsbereich, offen ist aber die für uns als Spezialtürenhersteller ganz wichtige Frage nach Abweichungen im Einzelfall. Leider kann sie momentan noch nicht klar beantwortet werden.

Viele Brand- und Rauchschutztüren werden nicht korrekt eingebaut. Als Hersteller muss es in Ihrem Interesse sein, dass die gelieferten Türen später im Gebäude auch ihre Funktionen erfüllen. Was kann die Industrie hier tun, um auf eine Verbesserung der Situation hinzuwirken?

Der Einbau gerade von Brandschutztüren und Rauchschutztüren ist von großer Bedeutung. Wir können noch so gute Türen herstellen – wenn sie nicht, richtig eingebaut werden, halten sie nicht was sie versprechen. Deshalb haben wir ein sehr großes Interesse daran, die Händler und Verarbeiter fit zu machen. Es reicht nicht, die Türen über den Handel zu verkaufen und die Kette dann abbrechen zu lassen. Durch ein umfangreiches Schulungsprogramm stehen wir in ganz engem Kontakt zu den Verarbeitern und dabei steht eben nicht nur das Produkt, sondern auch der korrekte Einbau, die Montage, im Fokus. Das ist ein Schwerpunkt unserer Schulungen und unverzichtbar für die Zukunft.

Manch deutscher Hersteller von Brandschutzprodukten befürchtet aufgrund der fortschreitenden europäischen Harmonisierung einen Preisverfall durch den Markteintritt ausländischer Anbieter in Deutschland. Im aktuellen FeuerTRUTZ Konjunkturbarometer von Dezember 2016 sagten aber fast 75 % der Befragten, dass sie es ablehnen, aus Kostengründen Brandschutzprodukte aus dem europäischen Ausland zu beschaffen. Wie sieht Ihre Einschätzung aus?

Grundsätzlich soll durch die europäische Harmonisierung der Normen Chancengleichheit, Vergleichbarkeit der Produkte und eine Förderung des freien Handels innerhalb von Europa hergestellt werden. Das ist eine gute Herangehensweise und eröffnet uns auch Chancen auf anderen Märkten. Wichtig dabei ist aber, dass fair gespielt wird und alle Hersteller das, was sie in den Leistungserklärungen schreiben, auch in der Praxis nachweisen und nicht nur in einer erfolgreichen Prüfung. Wir setzen großes Vertrauen in die Marktüberwachungsbehörden und hoffen, dass dadurch auch in der Praxis Chancengleichheit hergestellt wird.
Es ist zudem sehr gut, dass die Befragten in Ihrem Konjunkturbarometer keine Abstriche in Sachen Qualität machen wollen, schließlich geht es beim Brandschutz letztlich um Menschenleben.

Auch an Türen geht der Trend zur Digitalisierung und Vernetzung nicht vorbei. Welche Anwendungen gibt es hier schon und wohin wird die Entwicklung in den nächsten zwei bis fünf Jahren gehen?

Digitalisierung und digitale Transformation sind die Schlagworte der Gegenwart und auch bei den Bauelementen gibt es mittlerweile eine Flut von Lösungen für Smart-Home-Konzepte. Bei Türen spielt das natürlich ebenso eine Rolle und wir haben hier auf der BAU als Studie eine "Tür der Zukunft" vorgestellt, die u.a. unser innovatives System Light Access beinhaltet. Die Features Öffnen mit dem Smartphone, Versenden von digitalen Schlüsseln und Kommunikation über Videoklingeln sind interessante Zukunftsfelder und wir haben da bereits Kompetenzen für gute und sichere Lösungen aufgebaut.

Schörghuber zeigt auf der BAU eine ganze Reihe von Neuheiten, u.a. das neue Türsystem Typ Zeroline. Was zeichnet dieses System aus und gibt es Brand- und Rauchschutzausführungen?

Interview: Anforderungen und Trends bei Brand- und Rauchschutztüren mit Jürgen Ruppel von Schörghuber
Die neue Serie Zeroline ist eine komplett in die Wand integrierte Aluminiumzarge, die bis zu einer Höhe von 2,5 m puristische Anmutungen bietet. (Foto: Schörghuber)

Der Typ Zeroline ist eines der großen Messehighlights, die wir hier zeigen. Zeroline ist eine Zarge, die man nicht sieht, da sie beim Einbau komplett in die Wand integriert wird. Es entsteht dadurch der Eindruck einer komplett rahmenlosen Tür, was dem Anspruch nach schlanken Türen und puristischer Gestaltung gerecht wird. Mit einer technischen Finesse verhindern wir zudem, dass Haarrisse zwischen der Konstruktion und der Tür entstehen.
Typisch für Schörghuber ist, dass natürlich auch diese Türen mit Brand-, Rauch-, und Schallschutzfunktionen sowie Einbruchhemmung ausgestattet werden können.

Schiebetüren erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Auch in diesem Bereich zeigen Sie eine Neuheit. Setzen Sie uns ins Bild?

Schiebetüren spielen seit einigen Jahren eine wichtige Rolle für uns und in der Tat mit zunehmender Bedeutung. Sie werden mittlerweile oft im Wohnbereich eingesetzt, aber vor allem in Krankenhäusern, Laboren etc., wo es auf die Kombination wichtiger Eigenschaften wie Brandschutz, Schallschutz, Stoßfestigkeit und Reinigungsresistenz ankommt. Wir bieten bei Schiebetüren jetzt breitere Türen mit mehr lichtem Durchgang an und arbeiten auch an einer weiteren Verbesserung des Schallschutzes.

Welche Lösungen für Brand- und Rauchschutztüren stellen Sie darüber hinaus vor?

Interview: Anforderungen und Trends bei Brand- und Rauchschutztüren mit Jürgen Ruppel von Schörghuber
Eine der Neuheiten, die Türenspezialist ­Schörghuber auf der BAU zeigte: die Serie Seamless (Fugenlos) ganz ohne Glashalteleisten (Foto: Schörghuber)

Ganz wichtig im Brandschutzbereich sind unsere Massivholzkonstruktionen. Hier haben wir mit der Serie Seamless (Fugenlos) eine Tür ganz ohne Glashalteleisten geschaffen. Das bedeutet eine Friesbreite von nur 70 mm, absolute Transparenz, ganz klare, filigrane Strukturen, und das ein- und zweiflügelig sowie mit Brand-, Rauch- und Schallschutzeigenschaften. Auch dieses System zeigen wir hier auf der BAU.

An ihrem Produktionsstandort Ampfing setzen Sie künftig eine datengesteuerte Fertigung ein. Was verstehen Sie darunter und welche Vorteile ergeben sich?

Aktuell investieren wir bei uns in Ampfing kräftig und haben u.a. gerade eine neue Produktionshalle mit 17.000 m2 gebaut. Das Ziel ist, Produktion und Logistik fit für die Zukunft zu machen. Das heißt z. B., dass die einzelnen Produktionsprozesse optimal verkettet werden, sodass eine verbesserte Anordnung der Maschinen erreicht wird sowie maximale Produktionszeiten und minimale Durchlaufzeiten. Dabei spielt die datengesteuerte Produktion und Logistik eine Rolle. Bei der Größenordnung und Vielfalt unserer Fertigung versprechen wir uns davon Vorteile.

Das Interview ist in Ausgabe 2.2017 (März 2017) des FeuerTRUTZ Magazins erschienen.
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