Interview: Brandschutz im digitalen Wandel

Peter Ohmberger, Geschäftsführer der Hekatron Vertriebs GmbH, spricht in einem Interview über die Entwicklung des Sicherheitsmarktes, neue Technologien und wie Hekatron sich für die Zukunft aufstellt.

Februar 2017. Der Sicherheitsmarkt steht in den nächsten zehn Jahren vor großen Umwälzungen. Für den größten Wandel sorgt die rasant um sich greifende Digitalisierung und Vernetzung – von Smart Home und Smart Building bis hin zur Smart City. Die neuen Technologien steigern die Sicherheit im Gebäude entscheidend.
Peter Ohmberger ist Geschäftsführer der Hekatron Vertriebs GmbH und erläutert im Interview, was Unternehmen der Sicherheitsbranche tun müssen, um hier im Spiel zu bleiben, und wie Hekatron sich für die Zukunft aufstellt.

Interview: Brandschutz im digitalen Wandel
Interview mit Peter Ohmberger, Geschäftsführer der Hekatron Vertriebs GmbH: "Als Innovationsführer den digitalen Wandel aktiv gestalten" (Bild: Hekatron)

Herr Ohmberger, bitte wagen Sie zunächst einmal ganz allgemein einen Blick in die Zukunft: In welche Richtung wird sich das Umfeld, in dem die Sicherheitsbranche agiert, bewegen?
Ohmberger: "Die Digitalisierung wird mehr und mehr alle Lebensbereiche mit Informations- und Kommunikationstechnologien durchdringen. Weit über Computer und Smartphones hinaus werden sich in diesem Zuge alle Gegenstände, deren Nutzen sich durch Vernetzung steigern lässt, zu Internetgeräten entwickeln. Das ist mehr als nur meine persönliche Zukunftsvision – es ist vielmehr eine Vorhersage der von uns auf der security 2016 vorgestellten wissenschaftlichen Trendstudie "Das sichere Gebäude der Zukunft", die das renommierte Zukunftsforschungsinstitut 2b AHEAD ThinkTank in Zusammenarbeit mit uns und dem Berliner Sicherheitsfacherrichter Schlentzek & Kühn erstellt hat."

Was bedeutet das für die Sicherheitstechnik im Gebäude?
Ohmberger: "Ganz entscheidend für die Entwicklung der Sicherheitstechnik ist, dass in Zukunft alle elektrisch/elektronischen Bauteile eines Gebäudes – also wirklich jedes einzelne Teil – zur Sicherheit des Gebäudes beitragen werden. Dies wird durch die Tatsache ermöglicht, dass einerseits die notwendige Sensorik und Mikroprozessortechnik in den nächsten Jahren noch deutlich kostengünstiger und dadurch automatisch in jedes Gerät oder Bauteil im Gebäude integriert sein werden, zweitens die unterschiedlichen Gewerke über interoperable Netzwerke verbunden sind und drittens die notwendige Rechnerleistung mit den entsprechenden intelligenten Algorithmen zur Verfügung steht.
Dabei sprechen wir nicht über die ferne Zukunft, sondern über Entwicklungen innerhalb des von der Trendstudie abgedeckten Zeitrahmens von zehn Jahren. In diesem Umfeld werden ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, das Produkt wird dabei Mittel zum Zweck, viele ‚analoge‘ Prozesse werden ‚digitalisiert‘ werden und daraus resultierend ganze Wertschöpfungsketten und Wertschöpfungscluster einfach verschwinden."

FeuerTRUTZ Brandschutzkongress 2017

Beim FeuerTRUTZ Brandschutzkongress in Nürnberg hält Peter Ohmberger am 23. Februar 2017 um 16 Uhr den Abschlussvortrag zum Thema "Brandschutz 4.0 – BigData für die Sicherheit".

Der Impulsvortrag mit Diskussion steht neben den Kongress- und Seminarteilnehmern auch allen Messebesuchern der FeuerTRUTZ Fachmesse offen und kann ohne Anmeldung besucht werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Brandschutzkongress

Dies bedeutet ja sicherlich auch für viele Unternehmen der Sicherheitsbranche, dass sie neue Wege gehen müssen?
Ohmberger: "Firmen, die heute nur Teilgewerke wie Brandmeldeanlagen, Einbruchmeldeanlagen oder z.B. Zutrittskontrollen herstellen und vertreiben, müssen sich grundlegend neu aufstellen, wenn sie im digitalen und vernetzten Zeitalter der Gebäudetechnik am Markt bestehen wollen. Sie müssen sich vom Anbieter einer begrenzten Palette technischer Produkte zum Anbieter von Komplettlösungen, die das individuelle Sicherheitsbedürfnis ihrer Kunden bedienen, entwickeln. Wir bei Hekatron haben diesen Weg bereits eingeschlagen – dafür steht zum Beispiel unser neues, umfassendes Service- und Dienstleistungsprogramm HPlus, das wir erstmals auf der security 2016 vorgestellt haben."

Interview: Brandschutz im digitalen Wandel
Die Entwicklung des Sicherheitsmarktes ist durch eine rasant um sich greifende Digitalisierung und Vernetzung gekennzeichnet. (Bild: Hekatron)

Was genau umfasst dieses Dienstleistungsprogramm und wie können Ihre Kunden davon profitieren?
Ohmberger: "Mit HPlus haben wir ein speziell auf die Bedürfnisse von Fachplanern, Errichtern und Betreibern zugeschnittenes Angebot rund um unsere Produkte aus dem anlagentechnischen Brandschutz entwickelt, das relevante Praxisfelder entlang der gesamten Wertschöpfungskette abdeckt – von der Planung, der Finanzierung und der Personaldienstleistung mit umfassender Wissensvermittlung bis hin zur intelligenten Vernetzung unserer Technik. Damit unterstützen wir unsere Partner nicht nur bei der Effizienzverbesserung bestehender Abläufe und Prozesse, sondern eröffnen auch Potenziale für neue Geschäftsmodelle, gerade was den Weg ins digitale Zeitalter angeht. Beispielsweise bieten wir unseren Kunden Unterstützung bei Ausschreibungen, bei der Angebotserstellung oder bei der Projektierung von komplexen Anlagen – sowohl persönlich durch unsere ausgewiesenen Experten als auch in Form von praktischen Tools über unser digitales Portal. Zukünftig bieten wir ihnen darüber hinaus auch die Möglichkeit an, Anlagen und Produkte über Leasing oder Mietmodelle zu finanzieren. Bei Bedarf unterstützen wir sie mit Manpower im Installationsprozess von Anlagen und sorgen mit spezifischen Weiterbildungen für Fachkräfte und Nachwuchs dafür, dass sie im Arbeitsalltag gut aufgestellt sind.
Vernetzung bedeutet für uns weit über die Vernetzung technischer Anlagen im Gebäude hinausgehend auch die Vernetzung von Menschen und Firmen, die Förderung des Gedankenaustausches mittels Foren und gemeinsamen Plattformen, um so gemeinsam zu wachsen und die Zukunft des Brandschutzes zu gestalten. Unabhängig von HPlus ist für uns von Hekatron auf Unternehmensebene auch die intensive Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern ein wichtiger Aspekt der Vernetzung – das Generieren von Partnerschaften, um den möglichen Kundennutzen über ein intelligentes Geschäftsmodell voll auszuschöpfen und beispielsweise den wechselseitigen Zugang in eine größere Gebäudewelt zu ermöglichen."

Ist das noch Zukunftsmusik oder gibt es bereits konkrete Beispiele für solche Partnerschaften?
Ohmberger: "Auf dem Weg ins Smart Home ist beispielsweise die digitalSTROM AG einer unserer Partner, dessen Smart-Home-System über die bestehenden Stromleitungen eines Gebäudes sämtliche elektrischen Geräte miteinander vernetzen kann. Durch die Verbindung unseres Systems Genius Plus mit digitalSTROM lassen sich ab 2017 erstmals auch Funk-Rauchwarnmelder von Hekatron in aktuelle Smart-Home-Lösungen integrieren. So können im Alarmfall lebensrettende Aktionen wie etwa das Beleuchten von Fluchtwegen oder das Öffnen von Rollläden im Brandfall automatisch erfolgen. Ein weiteres praktisches Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der g+m Elektronik AG, einem Unternehmen, das seit jüngster Zeit ebenso wie Hekatron Teil der Securitas-Gruppe Schweiz ist. Ab sofort bieten wir deren Sprachalarmierungsanlagen an und entwickeln gemeinsam Lösungskonzepte für die Branddetektion mit elektroakustischer Notfallwarnung. Auch die bereits angesprochenen Finanzierungsangebote erfolgen in Zusammenarbeit mit der GRENKE Leasing als starkem Finanzierungspartner. Solche Kooperationspartner, die mit uns die Entwicklungen in Richtung digitales Zeitalter vorantreiben können und werden, unterstützen uns ganz wesentlich bei der Verfolgung unseres Ziels, als Innovationsführer unserer Branche den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten."

Gesprächspartner

Peter Ohmberger ist Geschäftsführer der Hekatron Vertriebs GmbH in Sulzburg/Baden. Er verantwortet den Vertrieb im Wiederverkaufsgeschäft in Deutschland und den Bereich Forschung und Entwicklung Brandmelder/Sensorik für den gesamten Unternehmensverbund der Securitas Gruppe. Peter Ohmberger ist in verschiedenen Zukunftsforen tätig, u.a. im ZVEI-Lenkungskreis für SMART Home und Building sowie in der Initiative Deutschland 2030.

Trendstudie „Das sichere Gebäude der Zukunft“

 Die komplette Trendstudie, die das Zukunftsforschungsinstitut 2b AHEAD ThinkTank in Zusammenarbeit mit dem Sulzburger Brandschutzspezialisten Hekatron und dem Berliner Sicherheitsfacherrichter Schlentzek & Kühn erstellt hat, steht auf der Webseite von Hekatron kostenlos zum Download zur Verfügung .

Das Interview ist in Ausgabe 6.2016 (November 2016) des FeuerTRUTZ Magazins erschienen.
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