Anlagen zur Brandmeldung und Alarmierung: Brandschutznachweis oder Elektrofachplanung?

Die erforderliche Detailtiefe der Ausführungen zu Brandmeldung und Alarmierung im Brandschutznachweis führt immer wieder zu ausgiebigen Diskussionen zwischen den Beteiligten. Der Beitrag erläutert, welche Informationen im Brandschutznachweis für die darauf aufbauende Fachplanung und Errichtung enthalten sein sollten.

Brandschutznachweis oder Elektrofachplanung
Abb. 1: Durch die Möglichkeit, bei automatischen Brandmeldern Sensoren einzeln zu- und abzuschalten ist es möglich, verschiedenen Betriebszuständen (z.B. Tag-/Nachtbetrieb in Großküchen) gerecht zu werden. Die Vorgabe einer Melderart im Brandschutznachweis ist somit nicht immer förderlich. (Bild: Hekatron)

August 2020 / Von Bastian Nagel, Dirk Borrmann und Steffen Tietze. Anlagen zur Brandmeldung und Alarmierung kommen regelmäßig in Sonderbauten zum Einsatz. Während die Anlagen bei den sog. geregelten Sonderbauten in Sonderbauvorschriften gefordert werden, erfolgt die Festlegung für ungeregelte Sonderbauten in individuellen Brandschutznachweisen oder in der Baugenehmigung. Dies gilt auch für kleinere Sonderbauten (z. B. Heime oder Kindergärten mit mehr als zehn Kindern), für die es in den meisten Bundesländern keine Sonderbauvorschriften gibt.

Um im Rahmen einer ganzheitlichen Brandschutzplanung zu beurteilen, welche Maßnahmen zur Branderkennung und Alarmierung erforderlich sind, sollten u.a. folgende Fragen gestellt werden:

  • Gibt es für das zu betrachtende Objekt Regelungen zu Brandmeldung und/oder Alarmierung in den anzuwendenden Sonderbauvorschriften?
  • Wenn für das zu betrachtende Objekt keine Vorgaben im Bauordnungsrecht des jeweiligen Bundeslandes verankert sind: Gibt es andere Dokumente, an denen Sie sich orientieren können (z.B. Musterdokumente der ARGEBAU, Regelungen anderer Bundesländer oder Empfehlungen von Fachverbänden und Herstellern)?
  • Besteht die Notwendigkeit, zum Erreichen der bauordnungsrechtlichen Schutzziele oder zur Erfüllung von Versicherungsauflagen (zusätzliche) Maßnahmen zur Branderkennung und Alarmierung vorzusehen (bspw. als Kompensation bei Abweichungen)?

Auf der Basis dieser und weiterer Fragen muss eine Konkretisierung der ermittelten Anforderungen unter Bezugnahme auf die anzuwendenden technischen Regeln erfolgen. Dabei sollten stets die im Bauordnungsrecht verwendeten Bezeichnungen genutzt werden. Die Begriffe "Brandmeldeanlage", und "Alarmierungsanlage" werden in der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) konkretisiert. Im Anhang 14 der MVV TB 2019/1 [1] wird ausgeführt, bei Anwendung welcher technischen Regeln die bauaufsichtlichen Anforderungen an Brandmeldeanlagen und Alarmierungsanlagen erfüllt sind. Bezogen auf Brandmeldeanlagen sind dort die Normen DIN 14675-1, DIN VDE 0833-1 sowie DIN VDE 0833-2 genannt. Bezogen auf Alarmierungsanlagen werden dieselben Normen sowie zusätzlich DIN VDE 0833-4 und DIN EN 50849 genannt. Weiterhin wird festgehalten, dass Brandmeldeanlagen mit Alarmierungseinrichtungen die Funktion von Alarmierungsanlagen übernehmen können. Weicht der Brandschutzkonzeptersteller von diesen in den Technischen Baubestimmungen genannten technischen Regeln ab, muss er genau darlegen, wie er die bauordnungsrechtlichen Schutzziele erreicht.

Die MVV TB lässt im Anhang 14 jedoch auch explizit zu, dass im Zuge des bauaufsicht­lichen Verfahrens abweichende Anforderungen gestellt werden.

Somit können über entsprechende Formulierungen auch Alarmierungsanlagen nach DIN 14675-1 und DIN VDE 0833-2 gefordert werden, die durch Brandmelder aktiviert werden und nicht – wie eine Brandmeldeanlage – zur Feuerwehr aufgeschaltet sind [1].

Auch wenn Dokumente mit vermeintlich normativem Charakter oder einzelne Marktteilnehmer etwas anderes suggerieren, sind Begriffe wie "Hausalarmanlage" oder "Brandwarnanlage" im deutschen Bauordnungsrecht nicht verankert. Darüber hinaus sind Vornormen, wie z.B. die DIN VDE V 0826-2, nicht Bestandteil des deutschen Normenwerks [2]. Anforderungen an die in solchen Dokumenten beschriebenen Anlagen sollten deshalb stets auf der Basis der in der MVV TB aufgeführten Technischen Regeln formuliert werden. Darauf weisen auch die obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder regelmäßig hin [3].

Festlegungen zur Branderkennung

Um Missverständnisse im Zuge der Planung, Errichtung, Prüfung und Abnahme von Anlagen zur Brandmeldung und Alarmierung zu vermeiden, sollten diese im Brandschutznachweis bzw. in der Baugenehmigung so eindeutig definiert sein, dass in der darauf aufbauenden Fachplanung und Errichtung keine Interpretationsspielräume auftreten können.

Brandschutznachweis oder Elektrofachplanung
Abb. 2: Erforderliche und zu detaillierte (durchgestrichen) Inhalte eines Brandschutznachweises bezogen auf Brandmeldung, Alarmierung und Brandfallsteuerung [5]

Es geht nicht darum, die genannten Anlagen bereits im Brandschutznachweis detailliert zu planen (das ist die Aufgabe des jeweiligen Elektroplaners), sondern vielmehr darum, die Anforderungen so genau wie möglich zu definieren, ohne dabei die technischen Umsetzungsmöglichkeiten mehr als unbedingt notwendig einzuschränken. Denn: Eine Fachplanung ohne klare bauordnungsrechtliche Vorgaben zu erstellen ist nahezu unmöglich. Bezogen auf die Funktion der Brandmeldeanlage sind im Rahmen des bauaufsichtlichen Verfahrens mindestens folgende Informationen erforderlich:

  • Angabe des Überwachungsumfangs unter Angabe der Überwachungskategorie nach DIN 14675-1.
  • Angabe der Ausnahmen von der Überwachung inkl. Begründung. Dabei muss abgewogen werden, ob die Ausnahmen schutzzielbezogen definiert werden müssen (Brandschutznachweis) oder auf der Basis gegebener Randbedingungen erfolgen kann (Elektrofachplanung). Während z.B. "sonstige kleine Bereiche, [in denen] wegen der Brandlast keine Bedenken bestehen, keine Personengefährdung vorliegt und keine Rauchausbreitung möglich ist" [4], durch den Brandschutzplaner definiert werden müssen, kann die Notwendigkeit einer Überwachung von Zwischendecken durch den Elektrofachplaner ermittelt werden.
  • Angabe der Sachverhalte, bei denen bewusst von den angegebenen technischen Regeln abgewichen werden soll.
  • Grundsätzliche Angaben zu den geplanten und erforderlichen Ansteuerungen von anderen sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen durch die Brandmeldeanlage. Ein sicherheitstechnisches Steuerungskonzept ist zwingend Bestandteil des Brandschutznachweises [5].
  • Falls erforderlich: Hinweise zum Funktionserhalt für einzelne Komponenten, sofern das Schutzziel aus Kap. 5 MLAR mit den Regelungen in 5.3.2 c) MLAR nicht erreicht wird (z.B. Funktionserhalt für die Zuleitungen zu Feuerwehr-Anzeigetableau und Feuerwehr-Bedienfeld).

Folgende Punkte sollten im Brandschutznachweis nicht explizit angegeben werden, um die technischen Lösungen nicht unnötig einzuschränken:

  • Art der automatischen Brandmelder, sofern nicht über die Sonderbauvorschriften explizit gefordert. Durch die Festlegung der Melderart im Brandschutznachweis bzw. der Baugenehmigung besteht im Fall von späteren, nutzungsbedingten Änderungen oder bei häufigen Täuschungsalarmen keine Möglichkeit, die Melderart anzupassen, ohne dass auch der Brandschutznachweis und ggf. die Baugenehmigung angepasst werden muss.
  • Konkrete Umsetzung des Funktionserhalts. Beim Funktionserhalt geht es um den Erhalt der Funktion der Anlage im Brandfall. Um dies zu erreichen, sind verschiedene technische Lösungen möglich, die zum Teil auch ohne Leitungen mit integriertem Funktionserhalt realisiert werden können.
  • Technischer Aufbau der Brandmeldeanlage. Die Entscheidung, ob die Komponenten via Ringleitung, Stichleitung oder Funk miteinander verbunden werden, obliegt dem Fachplaner. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 3.2020 des FeuerTrutz Magazins (Juli 2020) erschienen. Darin geht es außerdem u.a. um die Anforderungen an die Alarmierungsfunktion und die Angaben zu Sprachalarmanlagen im Brandschutznachweis.

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Autoren

Bastian Nagel VDI, M.Eng.: beschäftigt sich bei Hekatron Brandschutz mit den Themenfeldern Bauordnungsrecht, Normen und Richtlinien und engagiert sich in der Lehre u.a. bei EIPOS

Dipl.-Ing. (FH) Dirk Borrmann: Prüfsachverständiger für technische Anlagen. Arbeitet bei einer großen Sachverständigenorganisation und ist Dozent für Brandschutz an der Beuth Hochschule für Technik Berlin

Dipl.-Ing. Steffen Tietze, M.Eng.: arbeitet als Brandschutzplaner in diversen Richtliniengremien bei VDI mit und engagiert sich in der Lehre u.a. bei EIPOS

Literatur

[1] DIBt. 2020. Veröffentlichung der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen. Ausgabe 2019/1. Berlin

[2] VDE 0022:2008-08. Satzung für das Vorschriftenwerk des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

[3] TÜV Rheinland. 2018. Erfahrungsaustausch der Prüfsachverständigen der Länder Hansestadt Bremen, Hansestadt Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Beantwortung der vorab eingereichten Fragen. Hamburg: TÜV Rheinland (Frage 27) [online verfügbar unter: www.hamburg.de/contentblob/11962236/1499dca7d313aa4b287d3f1a81155aa4/data/beantwortung-von-fachfragen-zur-pvo-november-2018).pdf ; aufgerufen am 15.04.2020]

[4] DIN VDE 0833-2:2017-10 "Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall – Teil 2: Festlegungen für Brandmeldeanlagen" (VDE 0833-2)

[5] Balow J. (Hrsg.). 2020. Gefahrenfallmatrizen für Gebäude. Vom sicherheitstechnischen Steuerungskonzept (sSK) zur Brandfallsteuermatrix – Kommentar zur VDI 6010 Blatt 1. Berlin: Beuth. ISBN 978-3-410-28380-5

[6] DIBt. 2017. Veröffentlichung der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen. Ausgabe 2017/1 mit Druckfehlerkorrektur vom 11. Dezember 2017. Berlin

[7] DIN VDE 0833-2:2017-10, Entwurf, "Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall – Teil 2: Festlegungen für Brandmeldeanlagen; Änderung A1" (VDE 0833-2/A1:2020-05 – Entwurf)

[8] KÜSTER, Norbert. 2019. SAA planen und errichten: nichts für schwache Nerven. In: VdS-Fachtagung: Sprachalarmanlagen, Köln, 04.12.2019

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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020