Antworten des DIBt

Gleich zu drei aktuellen Themen ist die Meinung des DIBt von großem Interesse für Brandschutzplaner: Allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse (abP) mit erweitertem Anwendungsbereich, Folgen des EuGH-Urteils und WDVS mit EPS-Dämmstoff. FeuerTRUTZ hat in einem Kurzinterview nachgefragt.

FeuerTRUTZ Magazin 1.2015 Interview DIBt
Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) äußert sich zu aktuellen Fragen. (Bild: Mareike Quassowski)

Allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse (abP) mit erweitertem Anwendungsbereich

Zum 1. Januar 2015 liefen die so genannten Deckblatt-abP aus. Die Verwendung von Bauprodukten auf Basis extrapolierter Prüfergebnisse ist damit nicht mehr möglich. Auf den Baustellen herrscht dazu große Ratlosigkeit.

FeuerTRUTZ: Wie beurteilt das DIBt die Situation für Anwender dieser Systeme ab 1. Januar 2015?
DIBt: Aufgrund der relativ geringen Rückmeldung aus dem Bereich der Anwender als auch der für den Bereich anerkannten Brandprüfstellen scheint es nach unserer Auffassung keine größeren Probleme mit der Erteilung und Anwendung von allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen zu geben. Wir wissen, dass die Brandprüfstellen regelmäßig Beschlüsse erarbeiten, die dazu beitragen, die Situation der fehlenden Extrapolationsregeln kontinuierlich zu verbessern.

FeuerTRUTZ: Ist eine Verwendung der Produktue im Rahmen einer Zustimmung im Einzelfall (ZiE) möglich?
DIBt: Nach unserer Auffassung, ja. Wir haben jedoch für den Bereich der ZiEs den Eindruck gewonnen, dass die große Antragsflut bislang ausblieb. Ob sich die Situation zum 1. Januar 2015 gravierend ändern wird, ist schwer vorhersehbar.

FeuerTRUTZ: Hersteller können nun Zulassungen anstelle von abP beantragen. Wurden bereits welche erteilt?
DIBt: Wir haben bereits einige Zulassungen erteilt. Dabei handelt es sich vorwiegend um die Bereiche feuerwiderstandsfähige Trennwände, Revisionsöffnungsverschlüsse und Rohrabschottungen. Die ganz große Flut von Anträgen blieb allerdings bislang aus.

Folgen des EuGH-Urteils

Auf Seite 56 wird in Ausgabe 1.2015 des FeuerTRUTZ Magazins das Urteil des EuGH zu harmonisierten Bauprodukten vorgestellt. Das DIBt äußert sich zu den Folgen.

FeuerTRUTZ: Wie beurteilt das DIBt das Urteil des Europäischen Gerichtshofes?
DIBt: Das Urteil bezieht sich auf Zusatzregelungen zu drei namentlich genannten Produkten. Dabei handelt es sich um Anforderungen der Dauerhaftigkeit der Dichtwirkung von Rohrleitungsdichtungen aus thermoplastischen Elastomeren, um die Eigenschaft des Glimmens von Dämmstoffen aus Mineralwolle und um das Brandverhalten von Toren ohne Feuer- und Rauchschutzeigenschaften.
Die vom EuGH-Urteil direkt benannten Regelungen in der Bauregelliste B Teil 1 werden bis auf Weiteres außer Vollzug gesetzt (Anlagen 1/12.3 und 1/12.4 zur lfd. Nr. 1.12.10, Anlage 1/5.2 zur lfd. Nr. 1.5.1 und Anlage 1/6.1 zur lfd. Nr. 1.6.7). Das Urteil stützt sich auf die Bauproduktenrichtlinie (Richtlinie 89/106/EWG), die inzwischen außer Kraft ist und an deren Stelle die Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) Nr. 305/2011) getreten ist. In den zuständigen Gremien der Bauministerkonferenz wird derzeit intensiv beraten, wie sich die Feststellungen des Urteils auf die Bauproduktenverordnung übertragen lassen und welche Konsequenzen aus dem Urteil für das System der Bauregellisten zu ziehen sind.
Bis zur Klärung dieser Fragen werden die betroffenen bauaufsichtlichen Vorschriften vorläufig weiter vollzogen. Auf Antrag werden allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen erteilt bzw. deren Geltungsdauer verlängert.

FeuerTRUTZ: Welche Folgen sind für die Bauregellisten zu erwarten und wann wird es ggf. eine überarbeitete Fassung geben?
DIBt: Die Auswirkungen auf die Bauregellisten B werden momentan in den zuständigen Gremien der ARGEBAU beraten.

FeuerTRUTZ: Gibt es zukünftig ein stärkeres deutsches Engagement bei der europäischen Normung?
DIBt: Das wäre wünschenswert. Darüber hinaus werden die Instrumente der Bauproduktenverordnung bei mangelbehafteten Normen zukünftig stärker genutzt, d. h. die Anwendung von Artikel 18 nach EU-Bauproduktenverordnung.

WDVS mit EPS-Dämmstoff

Nach einer längeren Untersuchung (FeuerTRUTZ Magazin 1.2015, Seite 20) forderte die Bauministerkonferenz in ihrer Sitzung am 13./14. November 2014 in Chemnitz eine verbesserte konstruktive Ausführung von WDV-Systemen auf Polystyrolbasis, um den Brandschutz, insbesondere bei Einwirkung von außen, sicherzustellen.

FeuerTRUTZ: Welche Änderungen sind an WDVS-Zulassungen vorgesehen?
DIBt: Hierzu haben wir ausführliche Hinweise erarbeitet, die wir auf unserer Homepage eingestellt haben und die zum Download zur Verfügung stehen.“ (FeuerTRUTZ Magazin 1.2015, Seite 24)

FeuerTRUTZ: Wird für zukünftige Zulassungen das Bemessungsszenario geändert?
DIBt: Ja, in den erwähnten Hinweisen werden zusätzliche konstruktive Maßnahmen erläutert, die erforderlich sind, um das Brandverhalten der WDV-Systeme mit Polystyroldämmung zu verbessern.

FeuerTRUTZ: Wie werden die Empfehlungen für Bestandsbauten aussehen?
DIBt: Ein Hinweispapier wird dazu momentan von der Projektgruppe WDVS der Bauministerkonferenz erarbeitet.

Kontakt zum DIBt:
Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Referat ZD 5, Frau Dr. Kirchner, www.dibt.de

Das Interview ist im FeuerTRUTZ Magazin 1.2015 erschienen.
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