ASR A2.2: Gefährdungsbeurteilung zum Brandschutz in Arbeitsstätten

Die ASR A2.2 fordert für Arbeitsstätten mit erhöhter Brandgefährdung über eine Grundausstattung hinausgehende zusätzliche Brandschutzmaßnahmen. Der Beitrag erörtert, welche der beispielhaft genannten Maßnahmen erforderlich und geeignet sind, um das geforderte Schutzziel zu erreichen. Grundlage ist die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung.

ASR A2.2: Gefährdungsbeurteilung zum Brandschutz in Arbeitsstätten (Durch die zielgerichtete Auswahl betriebsspezifischer Brandschutzmaßnahmen – wie z.B. die Ausstattung mit Feuerlöschern – können auch bei erhöhter Brandgefährdung die Schutzziele der ASR A2.2 erreicht werden.)
Abb. 1: Durch die zielgerichtete Auswahl betriebsspezifischer Brandschutzmaßnahmen – wie z.B. die Ausstattung mit Feuerlöschern – können auch bei erhöhter Brandgefährdung die Schutzziele der ASR A2.2 erreicht werden. (Foto:NürnbergMesse/Heiko Stahl)

Oktober 2018 / Von Nicole Laschinsky. Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Arbeitsstätten so eingerichtet und betrieben werden, dass Gefährdungen für die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten möglichst vermieden und verbleibende Gefährdungen möglichst gering gehalten werden.

Gefährdungsbeurteilung

Grundlage für die Bewertung und Festlegung von Schutzmaßnahmen ist grundsätzlich die Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes [1] (Gefährdungsbeurteilung), in der der Arbeitgeber auch festzustellen hat, inwieweit die Beschäftigten durch das Einrichten und Betreiben der Arbeitsstätte Brandgefährdungen ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können. Dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung folgend hat der Arbeitgeber dann entsprechende Brandschutzmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten gemäß den Vorschriften dieser Verordnung einschließlich ihres Anhangs festzulegen.

Info: Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung nach § 3 ArbStättV [2] ist die auf das Einrichten und Betreiben der Arbeitsstätte ausgerichtete systematische Ermittlung und Beurteilung aller möglichen Gefährdungen der Beschäftigten einschließlich der Festlegung der erforderlichen Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (vgl. FeuerTrutz Magazin 4.2017: Neue Arbeitsstättenregel ASR V3 zur Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen).

Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 5.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (September 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 5.2018

Schutzziele: Bekämpfung von Entstehungsbränden und selbstständige Flucht

Das Arbeitsschutzgesetz formuliert die durch die zu treffenden Maßnahmen unter Berücksichtigung aller Umstände verbindlich einzuhaltenden Schutzziele, um Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu gewährleisten (§ 3 (1) ArbSchG). Bei unmittelbarer erheblicher Gefahr für die eigene Sicherheit oder die Sicherheit anderer Personen müssen die Beschäftigten geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Schadensbegrenzung treffen und sich durch sofortiges Verlassen der Arbeitsplätze in Sicherheit bringen können (§ 9 (2) und (3) ArbSchG). Explizit sind Maßnahmen zur Brandbekämpfung und Evakuierung entsprechend der Art der Arbeitsstätte und der Tätigkeiten sowie der Zahl der Beschäftigten zu treffen (§10 (1) ArbSchG). Dazu muss nach Punkt 2.2 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung die Arbeitsstätte je nach Abmessung und Nutzung, der Brandgefährdung vorhandener Einrichtungen und Materialien sowie der größtmöglichen Zahl anwesender Personen mit einer ausreichenden Zahl geeigneter Feuerlöscheinrichtungen und erforderlichenfalls Brandmeldern und Alarmanlagen ausgestattet sein.

Bewertungskriterien für erhöhte und normale Brandgefährdungen

Die Begriffe "geeignete Feuerlöscheinrichtungen" und "ausreichende Zahl" beziehen sich auf die Erreichung der vorgenannten Schutzziele. Die ASR A2.2 nennt zu den zunächst unbestimmten Begriffen "entsprechend", "je nach", "geeignet" und "ausreichend" der ArbStättV näher definierte Bewertungskriterien und verweist explizit auf die Gefährdungsbeurteilung.

Die Begriffsdefinitionen der "normalen" und "erhöhten Brandgefährdung" enthalten dazu folgende Bewertungskriterien:

  • Wahrscheinlichkeit einer Brandentstehung: Wie günstig sind die örtlichen und betrieb­lichen Verhältnisse für eine Brandentstehung? Wann können mögliche Einwirkungen von Wärme, elektrischer, mechanischer oder chemischer Energie als Zündquellen wirksam werden? Explizit genannt werden Arbeiten (z.B. Schweißen, Brennschneiden, Trennschleifen, Löten) oder Verfahren (z.B. Farbspritzen, Flammarbeiten), bei denen eine besondere Brandgefährdung besteht.
  • Geschwindigkeit der ­Brandausbreitung: Ist bereits in der Anfangsphase eines Brandes mit einer schnellen Brandausbreitung oder großen Rauchfreisetzung zu rechnen? Bei der Bewertung der Brandgefährdung müssen die verschiedenen Nutzungen eines Gebäudes und deren Anordnung in Räumen hinsichtlich des Brandverlaufs, der Rauchentstehung und ihrer Ausbreitungsmöglichkeiten abgeschätzt und berücksichtigt werden.
  • Besondere Brandgefährdungen, z.B. dort wo durch Stoffe der Brandklassen D und F erhöhte Gefährdungen vorliegen oder brennbare Stäube, extrem oder leicht entzündbare Flüssigkeiten oder entzündbare Gase vorhanden sind, für deren Brandbekämpfung die in der Grundausstattung bereitgestellten Löschgeräte bzw. Löschmittel ungeeignet oder nicht ausreichend sind.
  • Gefährdung für Personen, Umwelt und Sachwerte: Gefährdungen für Personen ergeben sich insbesondere aus Rauch und toxischen Brandfolgeprodukten, aber auch z.B. durch eine hohe Zahl und/oder nicht mit den örtlichen Gegebenheiten vertraute anwesende Personen sowie in der Mobilität oder in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkte Personen.

Von einer erhöhten Brandgefährdung kann grundsätzlich bei den Arbeitsstätten oder Tätigkeiten ausgegangen werden, die in Tabelle 4 ASR A 2.2 genannt werden.

Da die erhöhte Brandgefährdung im Sinne der ASR A2.2 der erhöhten und hohen Brandgefährdung aus der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 800 "Brandschutzmaßnahmen" [5] entspricht, können ergänzend auch deren Bewertungskriterien herangezogen werden. Demnach liegt eine erhöhte Brandgefährdung auch vor, wenn entzündbare bzw. oxidierende sowie selbsterhitzungsfähige Stoffe oder Gemische in nicht nur geringer Menge vorhanden sind. Auch die TRGS 800 listet in Punkt 3.3 (4) bestimmte Arbeitsbereiche und Tätigkeiten auf, in denen grundsätzlich mit erhöhter Brandgefährdung gerechnet werden muss.

ASR A2.2: Gefährdungsbeurteilung zum Brandschutz in Arbeitsstätten (Tabelle: Beispielhafte Dokumentation von Brandschutzmaßnahmen bei erhöhter Brandgefährdung))
Tabelle: Beispielhafte Dokumentation von Brandschutzmaßnahmen bei erhöhter Brandgefährdung (Quelle: Laschinsky)

Erfordernis betriebsspezifischer Brandschutzmaßnahmen

Für alle Arbeitsstätten gelten die Anforderungen und Gestaltungshinweise an die Grundausstattung mit Feuerlöscheinrichtungen nach der ASR A2.2. In diesen Bereichen ist eine Bekämpfung von Entstehungsbränden mit den in der Grundausstattung bereitgestellten tragbaren Feuerlöschern nach DIN EN 3 ohne eigene Gefährdung durch Rauch- oder Wärmeentwicklung bei freier Sicht auf den Brandherd möglich. Für Arbeitsstätten mit normaler Brandgefährdung ist daher die Grundausstattung ausreichend.

Info: Bekämpfung von Entstehungsbränden

Der Arbeitgeber hat Beschäftigte zu benennen, die durch den sicheren Umgang mit und den Einsatz von Feuerlöscheinrichtungen zur Bekämpfung von Entstehungsbränden ohne Eigengefährdung und zur Sicherstellung des selbstständigen Verlassens (Flucht) der Beschäftigten (DGUV-Information 205-023) ermöglichen und somit Aufgaben der Brandbekämpfung und Evakuierung übernehmen (Brandschutzhelfer nach § 10 (2) ArbSchG). Entstehungsbrände sind dabei Brände mit so geringer Rauch- und Wärmeentwicklung, dass noch eine gefahrlose Annäherung von Personen bei freier Sicht auf den Brandherd möglich ist (Begriffsbestimmung der ASR A2.2).

Bei erhöhter Brandgefährdung sind jedoch zusätzliche betriebsspezifische Maßnahmen erforderlich. Diese kann auch schon bei Entstehungsbränden zu einer Eigengefährdung der Brandschutzhelfer führen und somit eine sichere Brandbekämpfung nicht mehr gewährleisten. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist im FeuerTrutz Magazin 5.2018 erschienen.
Er enthält  zusätzlich Informationen zu Schutzmaßnahmen bei erhöhter Brandgefährdung, der Zuordnung zusätzlicher Schutzmaßnahmen zu brandgefährdeten Bereichen und gibt ein Fazit.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 5.2018

Autorin

Nicole Laschinsky: Institut für Sicherheits- und Gefahrentraining; Lehrbeauftragte der HFU Hochschule Furtwangen, Security & Safety Engineering

Info: Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 – Maßnahmen gegen Brände, Mai 2018

Die Neufassung der ASR A2.2 "Maßnahmen gegen Brände" mit Ausgabe Mai 2018 ersetzt die Ausgabe von November 2012.
Auf der Webseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (herausgegeben vom Ausschuss für Arbeitsstätten, ASTA) steht die Neufassung zum Download zur Verfügung:
  ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände "Technische Regel für Arbeitsstätten"

Literatur

[1] Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), Stand 01.01.2016

[2] Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Stand 18.10.2017

[3] Technische Regel für Arbeitsstätten ASR V3 – Gefährdungsbeurteilung, Juli 2017

[4] Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 – Maßnahmen gegen Brände, Mai 2018

[5] Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 800 – Brandschutzmaßnahmen, Dezember 2010

[6] Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), 26.11.2010, zuletzt geändert am 29.03.2017

[7] BauA: Erläuterungen zentraler Aussagen der TRGS 800 "Brandschutzmaßnahmen"

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Letzte Aktualisierung: 01.10.2018

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