Aufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge

Hubrettungsfahrzeuge benötigen eine ausreichende Freifläche, um in Stellung gebracht zu werden. Interessanterweise bestehen in Deutschland zwei Regelwerke zur Bemessung dieser Fläche. Der Beitrag stellt diese vor und gibt Vorschläge zur Überarbeitung der Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr und der DIN 14090.

Aufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge
(Bild: 495756 auf Pixabay)

Von Matthias Dietrich. Besonders bei Standardbauten kommt der Führung des zweiten Rettungswegs über Rettungsgeräte der Feuerwehr eine große Bedeutung zu. Gemäß § 33 Abs. 3 Musterbauordnung (MBO) erfolgt bei Rettungshöhen von mehr als 8 m die Anleiterung i.d.R. durch Hubrettungsfahrzeuge der Feuerwehr [1].

Neben den Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr (MRFlFw) [2] existiert mit der DIN 14090 eine weitere technische Regel [3]. Als bauordnungsrechtlich verbindliche Planungsgrundlage wurden in den meisten Bundesländern die vorgenannten Musterrichtlinien als technische Baubestimmung eingeführt. Diese sind insbesondere bei der Planung von Aufstellflächen auf Grundstücken maßgeblich. Auch auf der öffentlichen Verkehrsfläche werden diese Richtlinien regelmäßig als Bewertungsgrundlage herangezogen.

Die Richtlinien unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Arten der Anleiterung. Dabei handelt es sich

  1. um "Aufstellflächen rechtwinklig zu Außenwänden" zur "Frontalanleiterung" und
  2. um "Aufstellflächen entlang von Außenwänden" im Zuge der "Parallelanleiterung".

In der Praxis fällt es vermehrt schwer, die in den Richtlinien definierten Flächen nachzuweisen. Vor diesem Hintergrund wurde durch den Verfasser im Rahmen eines Fachbeitrags in der Fachzeitschrift BRANDSchutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung die Frage aufgeworfen, ob im Zuge einer Anpassung eine praxisgerechte Erleichterung bei der Bemessung der Aufstellflächen erzielt werden kann, ohne das bestehende Sicherheitsniveau zu reduzieren [4].

Muster-Richtlinien und Normenwelt

Vergleicht man die Vorgaben der Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr mit der Normenwelt der Hubrettungsfahrzeuge, so fällt auf, dass diverse Abweichungen bestehen. In den Erläuterungen der Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr [5] erfolgt ein Bezug zur DIN 14090. Diese wiederum verweist auf die einschlägigen Normen für Feuerwehr-Drehleitern. Die heute üblichen Drehleitern DLK 23-12 gemäß DIN 14701 [6] bzw. DLAK 23/12 gemäß DIN EN 14043 [7] gewährleisten eine Nennrettungshöhe von 23 m bei einer Nennausladung von 12 m.

Die Ausladung ist der horizontale Abstand zwischen der anzuleiternden Stelle und der Abstützung des Hubrettungsfahrzeug.

Soll das Hubrettungsfahrzeug auf beiden Fahrzeugseiten mit den maximalen Leistungsgrößen zum Einsatz gebracht werden, benötigen moderne Hubrettungsfahrzeuge eine Aufstellfläche von bis zu 5,20 m Breite. Diese besteht aus der eigentlichen Fahrzeugbreite von 2,50 m und der beidseitigen Abstützung von bis zu jeweils 1,35 m.

Dagegen sehen die Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr lediglich eine Breite der Aufstellfläche von 3,50 m vor. Hinzu kommt ein sog. "hindernisfreier Streifen", der bei der "Frontalanleiterung" beidseitig mind. 1,25 m und bei der "Parallelanleiterung" mind. 2 m auf der der Anleiterung abgewandten Seite betragen muss. Dieser hindernisfreie Streifen dient definitionsgemäß jedoch nicht zum Abstützen des Fahrzeugs, sondern lediglich als Schwenkbereich für den Überhang des Drehkranzes.

Ein hindernisfreier Streifen findet sich dagegen in der aktuellen Fassung der DIN 14090 nicht mehr. Darin wurden die Aufstellfläche und der hindernisfreie Streifen inzwischen zu einer gemeinsamen Fläche zusammengefasst. Die definierte Gesamtbreite dieser Aufstellfläche beträgt 5 m. Da der Schwenkbereich des Drehkranzes i.d.R. mit dem Flächenbedarf der Fahrzeugabstützung identisch ist, kann dieser Ansatz grundsätzlich begrüßt werden. Die in den Muster-Richt­linien über Flächen für die Feuerwehr auf 3,50 m begrenzte Breite der Feuerwehraufstellfläche hat zur Folge, dass bei einem 2,50 m breiten Hubrettungsfahrzeug lediglich eine Abstützung von beiderseits 0,50 m oder einseitig 1 m möglich ist. Dies bedeutet, dass in den Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr lediglich reduzierte Leistungsgrenzen bei der Personenrettung zugelassen werden. Beispielsweise beschränkt sich die zulässige Ausladung auf bis zu 9 m.

Betrachtet man die inhaltlichen Vorgaben der Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr, so stellt man fest, dass diese in ihren Grundzügen bereits seit mehreren Jahrzehnten ohne maßgebliche Änderungen bestehen. Die seit Jahrzehnten definierten Arten der Anleiterung und die zugehörige Konzeption der dafür erforderlichen Flächenplanung wurden jedoch niemals grundsätzlich überprüft und an die moderne Welt der Feuerwehr (bestehend aus Fahrzeugtechnik und Einsatztaktik) angepasst. Zudem beachten die Richtlinien bewusst entsprechende Sicherheiten.

Schließlich kann im konkreten Einsatzfall in der Regel nicht gewährleistet werden, dass ein Hubrettungsfahrzeug punktgenau auf der im Genehmigungsverfahren eingeplanten Stelle positioniert werden kann. Auch Baustellen oder rechtswidrig abgestellte Kraftfahrzeuge sollten dabei stets als unkalkulierbare Größe berücksichtigt werden. 

Anleiterhöhen von mehr als 18 m

Betrachtet man die Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr und die DIN 14090, so stellt man fest, dass sich die zulässigen Ausladungen bei einer anzuleiternden Höhe von mehr als 18 m erheblich reduzieren. Sowohl bei der "Parallelanleiterung" als auch bei der "Frontalanleiterung" werden ab dieser Anleiterhöhe lediglich Ausladungen von bis zu 6 m zugelassen (Abb. 2).

Aufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge
Abb. 2: Die Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr stellen bei einer Rettungshöhe von mehr als 18 m verschärfte Anforderungen an die maximal zulässige Ausladung. (Quelle: Dietrich)

Es ist interessant, dass eine derartige Einschränkung weder aus den Gesetzmäßigkeiten der Physik noch aus den Leistungsgrenzen eines Hubrettungsfahrzeugs abgeleitet werden kann. Entsprechend den Hebelgesetzen errechnet sich das konkrete Drehmoment aus der (horizontalen) Ausladung und der Last. Die konkrete Höhe der anzuleiternden Stelle ist dabei ohne Belang.

Auch die Leistungsdaten einer herkömmlichen Drehleiter rechtfertigen die vorgenannte Beschränkung der Ausladung auf lediglich 6 m nicht. Sowohl mit der Leiterlänge als auch mit den in diesem Fall wirkenden Drehmomenten lässt sich eine reduzierte Ausladung bei Anleiterhöhen von mehr als 18 m nicht begründen. 

Rückblick auf die technische ­Entwicklung der Kraftfahrdrehleitern:

In den 50er- und 60er-Jahren waren bei den Feuerwehren in Deutschland Kraftfahrdrehleitern vom Typ DL 25 weit verbreitet.
Die Vornorm der DIN 14701 aus dem Jahr 1957 definiert dazu entsprechende Steighöhen (heute als Rettungshöhe bezeichnet) bezogen auf die jeweilige Ausladung [8].

Auch wenn sich die technische Entwicklung der Kraftfahrdrehleitern in den Folgejahren stetig weiterentwickelt hat, blieben die vorgenannten Ausladungsgrenzen bis in die heutige Zeit unverändert. Dies könnte auf die Einsatzgrenzen der früher weit verbreiteten Drehleiter 18-12 zurückzuführen sein. Entsprechend der vorgenannten Bezeichnung gewährleistet die DLK 18-12 eine Rettungshöhe von 18 m bei einer Ausladung von 12 m. Interessanterweise lässt sich aber auch mit diesem Drehleitertyp eine Rettungshöhe von 23 m erzielen. Dies setzt allerdings voraus, dass das Hubrettungsfahrzeug einen Abstand von nicht mehr als 6 m zur Gebäudefassade aufweist. Aus diesem Grund wurde dieser Drehleitertyp bis 1988 auch häufig als DL(K) 23-6 bezeichnet [9]. Obwohl inzwischen durch die deutschen Feuerwehren fast ausschließlich Drehleiterfahrzeuge vom Typ DLK 23-12 bzw. DLAK 23/12 eingesetzt werden, ist eine entsprechende Begrenzung der Ausladung bei Rettungshöhen von mehr als 18 m bis heute in den aktuellen technischen Regeln enthalten. Auf die bestehende 18-m-Beschränkung zu verzichten wäre vertretbar, da die Musterbauordnung (und damit die jeweiligen Landesbauordnungen) inzwischen eine Personenrettung über Hubrettungsfahrzeuge ohnehin nur dann erlauben, wenn die zuständige Feuerwehr über die erforderlichen (!) Rettungsgeräte verfügt [01]. Somit ergeben sich für Feuerwehren, die lediglich eine DLK 18-12 als Rettungsgerät vorhalten, keine Nachteile.

Deshalb sollte die beschränkte Ausladung auf 6 m bei Anleiterhöhen von mehr als 18 m im Zuge einer künftigen Novellierung der Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr sowie der DIN 14090 entfallen.

Möglichkeiten, die "Frontalanleiterung" zu erleichtern

Bei der "Frontalanleiterung" sehen sowohl die Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr als auch die DIN 14090 vor, dass die Aufstellfläche bis zu mindestens 1 m vor die Fassadenfront geführt wird. Soweit das Einsatzfahrzeug vorwärts positioniert wird, ergibt sich damit (je nach Drehleiterfahrzeug) ein Abstand zwischen der Drehkranzmitte und der anzuleiternden Fassade von ca. 8 m.

Der reduzierte Abstand auf bis zu maximal 1 m ist kritisch zu hinterfragen. Da in den Richtlinien ansonsten eine maximale Ausladung von 9 m zugelassen wird, wäre anzuregen, dass die Aufstellfläche künftig lediglich bis zu einem Abstand von 2 m vor die anzuleiternde Fassade geführt werden muss. Dies ist für die praktische Umsetzung naheliegend, da der Überhang des Leiterparks mit Rettungskorb eines typischen Hubrettungsfahrzeugs vor dem Fahrzeug etwa 1 m beträgt. Dies bedeutet bereits gegenwärtig, dass ein Hubrettungsfahrzeug niemals bis zu 1 m vor die anzuleiternde Fassade angefahren werden kann, da in diesem Fall der Rettungskorb bereits die Gebäudefassade berühren würde. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 5.2020 des FeuerTrutz Magazins (November 2020) erschienen.
Dabei wird zusätzlich die Schräganleiterung behandelt und mögliche Anpassungen der Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr und der DIN 14090 betrachtet.
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Autor

Dipl.-Ing. Matthias Dietrich: Brandinspektor und Prüfsachverständiger für den Brandschutz Rassek & Partner Brandschutzingenieure Wuppertal (NRW) und Würzburg (BY)

Literatur / Quellen

[1] Musterbauordnung (MBO); Fassung November 2002 (zuletzt geändert durch Beschluss der Bauministerkonferenz vom 13.05.2016)

[2] Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr (MRFlFw); Fassung Februar 2007 (zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom Oktober 2009)

[3] Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.: "Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken"; DIN 14090; Fassung Mai 2003

[4] W. Kohlhammer GmbH; BRANDSchutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung: "Ansätze zur Überarbeitung der Vorschriften zu Aufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge" Ausgabe 09/2020

[5] Erläuterungen zu den Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr (MRFlFw); Fassung Februar 2007 (zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom Oktober 2009)

[6] Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.: "Hubrettungsfahrzeuge – Zweck, Begriffe, Sicherheitseinrichtungen, Anforderungen" sowie "Hubrettungsfahrzeuge – Drehleitern mit maschinellem Antrieb"; DIN 14701 (Teil 1 und 2); Fassung April 1989

[7] Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.: "Hubrettungsfahrzeuge für die Feuerwehr – Drehleitern mit kombinierten Bewegungen (Automatik-Drehleitern) – Sicherheits- und Leistungsanforderungen sowie Prüfverfahren"; DIN EN 14043; Fassung April 2014

[8] Fachnormenausschuss Feuerlöschwesen im Deutschen Normenausschuss (DNA): "Feuerlöschwesen – Kraftfahr-Drehleitern – Allgemeine Richtlinien"; DIN 14701 (Vornorm); Fassung Juli 1957

[9] Cimolino/Zawadke (Hrsg.), Kögler: "Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst – Typen: Ausführung und taktischer Einsatzwert"; ecomed SICHERHEIT, Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH; 1. Auflage 2006

[10] Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.: "Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken"; DIN 14090; Fassung Juni 1977

[11] Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland, Arbeitskreis Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz: "Empfehlungen (2012-3) zur Ausführung der Flächen für die Feuerwehr"; Sitzungsergebnis Oktober 2012 (aktualisiert 17.04.2013)

[12] Branddirektion Frankfurt a. Main – 37.G 2 Vorbeugung & Planung: "Leistungsfähigkeit von Hubrettungsfahrzeugen – Testverfahren"; Stand 06/2018

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Letzte Aktualisierung: 06.01.2021