BAuA veröffentlicht Fachgutachten zu Fluchtwegen in Arbeitsstätten

Ein von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beauftragtes Fachgutachten zeigt, wie Einengungen und Treppen auf Fluchtwegen die Evakuierungsdauer beeinflussen, auch im Falle einer zeitlich versetzten Nutzung der Wege. Das Gutachten kann kostenfrei heruntergeladen werden.

Beispielbild: Beleuchtetes Schild für Fluchtwege
(Bild: Heiko Stahl / NürnbergMesse)

Die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet den Arbeitgeber, dafür zu sorgen, dass sich Beschäftigte bei Gefahr unverzüglich in Sicherheit bringen können (§ 4 Abs. 4). Dabei spielt die Gestaltung von Fluchtwegen und Notausgängen eine wesentliche Rolle. Anzahl, Anordnung und Abmessung der Fluchtwege konkretisiert die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan". Da die hier enthaltenen Anforderungen teilweise aus früheren Richtlinien stammen, hat der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) eine Projektgruppe beauftragt, die ASR A2.3 fortzuschreiben. Zur Unterstützung hat die BAuA ein unabhängiges Fachgutachten in Auftrag gegeben.

Im Rahmen dessen wurde untersucht, inwieweit die Breite von Wegen, Treppen, Türen und Einengungen sowie eine zeitlich versetzte Nutzung der Fluchtwege bei der Flucht aus mehrstöckigen Gebäuden die Dauer der Evakuierung beeinflussen. Basis sind Berechnungen mit zwei voneinander unabhängigen mikroskopischen Simulationsmodellen, mit denen unter Beachtung des individuellen Verhaltens von Menschen Evakuierungen realitätsnah bestimmt werden können. Die Ergebnisse liefern eine Grundlage, um die derzeitigen Regelungen des Arbeitsschutzrechtes für Fluchtwegbreiten an den Stand der Technik anzupassen.

Mobiliar verzögert Evakuierung

Die Ergebnisse zeigen, dass sich kurze Einengungen auf Fluchtwegen in der Ebene kaum auf die Gesamtdauer der Evakuierung auswirken. Längere Einengungen auf horizontalen Fluchtwegen, beispielsweise durch abgestellte Möbel oder Material in Gängen, haben einen deutlichen Einfluss und verzögern die Evakuierung. Die Analysen zeigen weiterhin, dass ein steter linearer Zusammenhang zwischen Fluchtwegbreite und Gesamtdauer der Evakuierung besteht.

Treppen verlangsamen Besucherstrom

Wie das Gutachten darüber hinaus verdeutlicht, bremsen Treppen im Verlauf von Fluchtwegen den Personenstrom ab. Besteht ein Fluchtweg aus horizontalen (Gängen) sowie vertikalen Elementen (Treppen), können Einengungen entlang des Ganges einschließlich der in den Treppenraum mündenden Tür vernachlässigt werden, da sich der Personenstrom hauptsächlich durch die Treppen verlangsamt. Speziell für Schulen wurde festgestellt, dass die Evakuierungsdauer vor allem durch die Kapazitäten der Treppenräume bestimmt wird; die Dauer, bis die Klassenzimmer verlassen sind, fällt nicht ins Gewicht. Bei mehrstöckigen Gebäuden kann es ab einer bestimmten Personenbelegung der Etagen zu einer Verdichtung in den Treppenräumen sowie zu einem Rückstau in angrenzenden Bereichen in den Etagen kommen.

In einer weiteren Untersuchung wurden die Wechselwirkungen zwischen der Anzahl Ebenen, Anzahl Personen pro Ebene sowie der Treppenbreiten analysiert. Dabei zeigt sich, dass für eine Bemessung und Bewertung der lichten Breite von Treppen als Teil von Fluchtwegen neben dem Kriterium "maximale Anzahl der Personen im gesamten Einzugsgebiet einer Treppe" auch die Kriterien "sequenzielle Alarmierung" einzelner Etagen sowie "freier Fluss" beim Zugang zum Treppenraum in Abhängigkeit von der Personenbelegung in den Ebenen angewendet werden können. Das Kriterium "freier Fluss" kann insbesondere mit zunehmender Anzahl von Ebenen und gleichmäßiger Personenbelegung angewendet werden, beispielsweise bei Hochhäusern.

Der baua: Bericht "Fachgutachten zu Fluchtwegen in Arbeitsstätten - Einfluss von Wegbreite, Treppen, Türen und Einengungen auf die Entfluchtung" und der baua: Fokus "Fluchtwegbreiten in Treppenräumen von mehrgeschossigen Arbeitsstätten" stehen auf der Webseite der BauA als Download zur Verfügung.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
www.baua.de

Letzte Aktualisierung: 30.09.2020