BauO NRW 2018: Neuerungen im Brandschutz

Am 1. Januar 2019 ist in Nordrhein-Westfalen die neue Landesbauordnung in Kraft getreten. Ein Großteil der Änderungen im Text der BauO NRW 2018 bezieht sich auf den Brandschutz. Dieser Beitrag stellt betroffene Regelungsbereiche vor. Eine ausführliche Zusammenfassung ist als kostenloser Download verfügbar.

FeuerTrutz Magazin 2-2019: BauO NRW 2018 - Neuerungen im Brandschutz
Ziel der Anpassung materieller Brandschutzanforderungen in der BauO NRW 2018 ist die Anpassung an die Regelungen der Musterbauordnung. (Bild: FeuerTrutz)

Mai 2019 / Von Prof. Dipl.-Ing. Thomas Kempen. Die am 01.01.2019 für Nordrhein-Westfalen in Kraft getretene Landesbauordnung hat entsprechend dem Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung insbesondere eine Anpassung der materiellen Brandschutzanforderungen an die Regelungen der Musterbauordnung zum Ziel. Dies erklärt bereits einen großen Teil der neuen Regelungen. Ein Großteil der Änderungen im Text der BauO NRW 2018 bezieht sich auf den Brandschutz.

Im Folgenden werden die betroffenen Regelungsbereiche einzeln aufgeführt.

Der vollständige Artikel ist als Teil 1 eines zweiteiligen Beitrags in Ausgabe 1.2019 des FeuerTrutz Magazins (Januar 2019) erschienen. Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Magazin Ausgabe 1.2019

Beide Beiträge stehen außerdem als kostenloser Download zur Verfügung .

Gebäudeklassen

An die Stelle der bisher in Nordrhein-Westfalen verwendeten Höhenbegriffe (Gebäude geringer und mittlerer Höhe) treten jetzt fünf Gebäudeklassen.

Dabei wird ganz generell Höhe als das Maß der Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses, in dem ein Aufenthaltsraum möglich ist, über der Geländeoberfläche im Mittel beschrieben. Es genügt also wie bisher die Eignung als Aufenthaltsraum für eine entsprechende Höheneinstufung. Anders als bisher gilt das Höhenmaß generell – also auch bei der Hochhausgrenze – im Mittel bezogen auf die Geländeoberfläche.

Die Standard-Rettungsgeräte der Feuerwehr (DLK 23-12) sind ohne Weiteres geeignet, zusätzliche Höhenunterschiede, die sich aus der Mittelwertbetrachtung ergeben, zu überbrücken, sodass durchaus keine Verletzung von Schutzzielen vorliegt.

Die in den Gebäudeklassen genannten Grundflächen der Nutzungseinheiten sind nun immer Bruttogrundflächen (BGF). Dabei werden Kellergeschosse nicht mitgerechnet. Die auch in weiteren Paragrafen des Gesetzes genannten Grenzwerte für Grundflächen beziehen sich jeweils auf diese allgemeine Grundflächendefinition.

In der Gebäudeklasse 1 sind insgesamt vier Beschränkungen enthalten:

  1. freistehend
  2. Höhe ≤ 7 m
  3. ≤ 2 Nutzungseinheiten
  4. ≤ 400 m² BGF insgesamt

Es dürfte sich dabei also vor allem um freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser handeln. Weiterhin sind in die Gebäudeklasse 1 freistehende land- oder forstwirtschaftlich genutzte Gebäude und vergleichbar genutzte Gebäude eingestuft, ohne dass dafür Beschränkungen in der Fläche oder Höhe genannt werden.

In der Gebäudeklasse 2 entfällt die Beschränkung auf freistehende Gebäude, im Übrigen gelten die Beschränkungen der Gebäudeklasse 1, also die Fußbodenhöhe des obersten möglichen Aufenthaltsraums von 7 m, die Begrenzung auf nicht mehr als zwei Nutzungseinheiten und die Begrenzung der Bruttogeschossfläche auf insgesamt nicht mehr als 400 m².

Alle anderen Gebäude mit einer Höhe von bis zu 7 m (bisher Gebäude geringer Höhe) werden in Gebäudeklasse 3 eingestuft. Da dazu keine Nutzungsbeschränkungen genannt werden, dürfte der Gebäudeklasse 3 ein wesentliches Volumen der Bauvorhaben insbesondere im gewerblichen Bereich zufallen.

Die bisherigen Gebäude mittlerer Höhe werden zukünftig in zwei Gruppen unterteilt. In Gebäudeklasse 4 wird ein neuer Höhenwert von bis zu 13 m eingeführt. Hinter diesem Wert steht anders als bei den Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3, bei denen die Erreichbarkeit anleiterbarer Stellen über die vierteilige Steckleiter der Feuerwehr (L = 8,4 m) vorgesehen ist, und anders als in Gebäudeklasse 5, die bis zur Hochhausgrenze den Einsatz der Kraftfahrdrehleiter (DLK 23/12) vorsieht, kein spezifisches Rettungsgerät der Feuerwehr als Schutzziel im Hintergrund der Höhendefinition. Der 13-m-Wert ist ein festgelegter bzw. verhandelter Wert, der eine Bebauung mit vier oberirdischen Geschossen ermöglichen soll, bei denen die Feuerwiderstandsfähigkeit auf eine Beanspruchungszeit von 60 Minuten (hochfeuerhemmend) begrenzt wird. Es handelt sich also bei der Gebäudeklasse 4 insbesondere um eine Förderung der Bauweisen in Stahl und Holz.

Die Gebäudeklasse 5 nimmt alle sonstigen Gebäude bis zur Hochhausgrenze sowie unterirdische Gebäude auf.

Der Einstufung in die genannten Gebäudeklassen wird in den zukünftigen Genehmigungsverfahren besondere Bedeutung zukommen, weil sich mit den Gebäudeklassen, absteigend von 5 nach 1, wesentliche Erleichterungen im materiellen Brandschutz ergeben.

Info: Gebäudeklassen und Landesbauordnungen zum Download

Bei den "Brandschutz-Basics" finden Sie eine Übersicht zu den Gebäudeklassen der MBO . Dort steht auch eine tabellarische Übersicht der Regelungen aller 16 LBO zum kostenlosen Download bereit.

Hier stehen Ihnen die Bauordnungen der Bundesländer / Landesbauordnungen sowie die Musterbauordnung als pdf im Volltext zum Download zur Verfügung.

Zufahrten

Die bisher in § 5 der Landesbauordnung und unter den zugehörigen Ziffern der Verwaltungsvorschrift genannten Maße für Zugänge und Zufahrten entfallen in den Regelungen des neuen Gesetzes.

Zeitgleich mit der neuen Landesbauordnung ist für Nordrhein-Westfalen die Richtlinie über Flächen für die Feuerwehr (MRFlFw) bauaufsichtlich eingeführt worden. Diese Richtlinie übernimmt fast vollständig die alten Regelungen. Neue Werte ergeben sich bei der Mindestbreite der Aufstellfläche, die zukünftig 3,5 m statt bisher 3,0 m beträgt. Eine größere Breite ergibt sich ebenfalls bei Durchfahrten durch Gebäude mit einer Länge von mehr als 12 m. Auch für sie beträgt die Breite zukünftig 3,5 m. Diese Regelungen sind nur auf Neubauten anzuwenden, lösen also kein Anpassungsverlangen aus.

Schutzziele

Unverändert gelten die vier Grundschutzziele des Bauordnungsrechts im Brandschutz auch weiterhin. Sie sind nunmehr analog der Musterbauordnung in § 14 der BauO NRW verortet:

  • der Brandentstehung vorbeugen,
  • der Brandausbreitung vorbeugen,
  • die Rettung von Menschen und Tieren ermöglichen,
  • wirksame Löscharbeiten ermöglichen.

Bauarten und Bauprodukte

Bereits am 28.07.2017 sind die europarechtskonformen Regelungen zu Bauarten und Bauprodukten aus der Landesbauordnung in der 2016er-Fassung in Kraft getreten, die wortgleich in die 2018er-Bauordnung übernommen worden sind.

In der neuen Bedeutung des Begriffs ­„Bauarten“ ist die Trennung zwischen den Anforderungen an Bauprodukte sowie den baustellenbezogenen Anforderungen an Bauarten hervorgehoben.

Die neue Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VV TB NRW) ersetzt das bisherige System der Bauregellisten und der Anhänge zu den Listen der Technischen Baubestimmungen. Einer korrekten Verwendung der Begriffe sowie der Verwendbarkeitsnachweise und Übereinstimmungsbestätigungen sowie -erklärungen kommt bezogen auf die Dokumentation der im konkreten Projekt verwendeten Bauprodukte und Bauarten besondere Bedeutung zu. Doch wird es einige Zeit benötigen, bis die notwendige neue bauart- bzw. bauproduktbezogene Denkweise die alte rein formal auf die Verwendbarkeitsnachweise bezogene Denkweise ersetzen wird.

Brandverhalten und Feuerwiderstandsfähigkeit

Analog zur Musterbauordnung verabschiedet sich die neue Landesbauordnung NRW von einer Nennung konkreter Baustoff- und Feuerwiderstandsklassen in den gesetz­lichen Anforderungen. Die bisherige ­Nennung der Baustoffklassen (A, B1, B2) wird ersetzt durch die bauaufsichtlichen Begriffe „nicht brennbar“, „schwer entflammbar“ und „normal entflammbar“. Weiterhin nicht zulässig sind leicht entflammbare Baustoffe. Die bisher verwendeten Feuerwiderstandsklassen (F 30, F 90) werden ersetzt durch die bauaufsichtlichen Bezeichnungen „feuerbeständig“ und „feuerhemmend“. Neu hinzugetreten ist die Bezeichnung „hochfeuerhemmend“ für eine Feuerwiderstandsfähigkeit von 60 Minuten.

Die bisher im Gesetz enthaltene Kombination der Baustoffklassen AB (= in den wesentlichen tragenden Teilen nicht brennbar) entfällt zukünftig.

Dafür werden in § 26 (2) BauO NRW an die Anforderung „feuerbeständig“ die Forderungen geknüpft, dass deren tragende und aussteifende Bauteile aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen und bei raumabschließenden Bauteilen zusätzlich eine in Bauteilebene durchgehende Schicht aus nicht brennbaren Baustoffen haben. Bei hochfeuerhemmenden Bauteilen dürfen die tragenden und aussteifenden Teile aus brennbaren Baustoffen bestehen. Auch bei ihnen muss eine wirksame Bekleidung aus nicht brennbaren Baustoffen vorhanden sein.

Bauen mit Holz

Nicht nur die neue Gebäudeklasse 4 und die neue Definition der bauaufsichtlichen Anforderungen an das Brandverhalten und die Feuerwiderstandsfähigkeit der Bauteile fördern das Bauen mit Holz. Insbesondere die bundesweit erstmals verwendete Regelung in § 26 (3) BauO NRW zielt auf eine Förderung des Holzbaus ab. Danach ist die Verwendung brennbarer Baustoffe (Holz) auch bei raumabschließenden Bauteilen zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird und die Brand- und Rauchausbreitung nicht über definierte Abschnittsgrenzen hinweg erfolgt. Bisher liegen allerdings solche Nachweise nicht vor. Es handelt sich also um eine Regelung für die Zukunft.

Es ist bekannt, dass derzeit mehrere Forschungsaufträge durchgeführt werden mit dem Ziel, entsprechende Nachweise führen zu können, sodass zukünftig auch sichtbar mit Holz bekleidete Bauteile im Bauwesen Verwendung finden können.

Neue Didaktik

Die neue Landesbauordnung folgt in der Anforderungsstruktur den Regelungen in der Musterbauordnung. An den Anfang jeder Materialanforderung stellt die Bauordnung das maßgebliche Schutzziel und die allgemeine Forderung (i.d.R. „ausreichend lang“).

Es folgt die Nennung der konkreten Anforderungen, also der Anforderung an die Baustoffe, die Feuerwiderstandsfähigkeit oder an konkrete Abmessungen. Im dritten Schritt werden Ausnahmen angegeben („… Das gilt nicht für …“). Dieser Dreiklang ist bei allen Paragrafen, die die gesetzlichen Anforderungen an die Bauteile beschreiben, durchgängig eingehalten. Die Nennung des jeweils konkreten Schutzziels wird es zukünftig erleichtern, zu Abweichungen oder Erleichterungen eine passende Kompensation zu finden, soweit diese zur Erreichung des jeweiligen Schutzziels notwendig wird. […]

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Prof. Dipl.-Ing. Thomas Kempen hat die Neuerungen und Änderungen der BauO NRW 2018 hinsichtlich des Brandschutzes zusammengestellt. Die Beiträge sind in den Ausgaben 1.2019 und 2.2019 des FeuerTrutz Magazins erschienen und stehen als kostenloser Download zur Verfügung.


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Autor

Prof. Dipl.-Ing. Thomas Kempen: Honorarprofessor der FH Aachen; staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes; staatlich anerkannter Sachverständiger für Schall- und Wärmeschutz; beratender Ingenieur VBI; Bausachverständiger für Schäden an Gebäuden

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