Bauprodukt Rauchwarnmelder: Kriterien für die Melderauswahl

Vielen Fachleuten stellt sich die Frage, welche Kriterien ein Rauchwarnmelder erfüllen muss, um für ein bestimmtes Projekt geeignet zu sein. Dabei ist die Ansicht weit verbreitet, dass eine CE-Kennzeichnung ausreichend sei. Das ist jedoch mitnichten der Fall – dieser Beitrag erläutert, warum.

Rauchwarnmelder in Nahaufnahme
(Bild: Ei Electronics)

Von Thorsten Teichert. Die in allen Bundesländern eingeführte Rauchwarnmelderpflicht dient dem Schutz von Personen in Wohngebäuden – so konnten schon über 500 Menschenleben gerettet werden [1].

Die typische Formulierung in den Landesbauordnungen dafür lautet: „In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben.“

Die in den Landesbauordnungen beschriebenen „Rauchwarnmelder“ sind harmonisierte Bauprodukte nach der Europäischen Bauproduktenverordnung (BauPVO) [2].

Die Anforderungen an bestimmte Bauprodukte hat die EU-Kommission im Mandat M/109 an das Europäische Komitee für Normung CEN niedergelegt. Daraus erstellt das CEN mit der Bauproduktenrichtlinie harmonisierte Europäische Normen.

Für Rauchwarnmelder gilt die harmonisierte Produktnorm EN 14604:2005, die als deutsche Fassung in der DIN EN 14604 [3, 4] vorliegt. Die technischen Anforderungen an ferninspizierbare Rauchwarnmelder sind mangels harmonisierter Norm in der DIN SPEC 91388 [5] festgelegt. Die Anforderungen an Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung von Rauchwarnmeldern werden in der Anwendungsnorm DIN 14676-1 [6] beschrieben. Weil es sich um ein harmonisiertes Bauprodukt handelt, dürfen in Deutschland nur nach DIN EN 14604 zertifizierte Rauchwarnmelder auf den Markt gebracht und installiert werden. Die Norm legt im Anhang ZA acht „Wesentliche Merkmale“ für die Produkte fest:

  • Nennauslösebedingungen/-empfindlichkeit (Ansprechzeit) und Leistungsfähigkeit im Brandfall
  • Betriebszuverlässigkeit
  • Toleranz der Versorgungsspannung
  • Dauerhafte Betriebszuverlässigkeit der:
  • Ansprechverzögerung
  • Vibrationsfestigkeit
  • Feuchtigkeitsbeständigkeit
  • Korrosionsbeständigkeit
  • elektrischen Stabilität

Der Artikel ist in Ausgabe 4.2020 des FeuerTrutz Magazins (September 2020) erschienen.
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Konformitäts- und Leistungserklärung

Zur Überprüfung dieser Wesentlichen Merkmale listet die Norm 29 Prüfverfahren auf, die von einer notifizierten Zertifizierungsstelle durchzuführen sind. Mittels Erst- und Folgeprüfungen werden auch der Fertigungsprozess und die Qualitätssicherung beim Hersteller kontrolliert. Nach positivem Prüfbericht erstellt der Hersteller je eine Konformitäts- und eine Leistungserklärung. Erstere bestätigt die Konformität mit den einschlägigen EU-Richtlinien, wie beispielsweise der BauPVO und der EMV-Richtlinie und listet die zum Nachweis der jeweiligen Konformität angewendeten Normen auf. In der Leistungserklärung listet der Hersteller die Leistung des Rauchwarnmelders in Bezug auf die im Anhang ZA der DIN EN 14604 enthaltenen Wesentlichen Merkmale auf.

Da in der DIN EN 14604 keine Werte bzw. Stufen oder Klassen für Rauchwarnmelder festgelegt sind, steht dort bei Übereinstimmung mit den Anforderungen „erfüllt“ oder „bestanden“. Darüber hinaus kann und muss die CE-Kennzeichnung mit folgenden Mindestangaben am Bauprodukt angebracht werden:

  • Jahr des Inverkehrbringens
  • EN 14604:2005
  • Name/Handelszeichen und Adresse des Herstellers
  • Kennnummer des Produkttyps
  • Nummer der zum Produkt gehörenden Leistungserklärung
  • Kennnummer der notifizierten Stelle
  • Verwendungszweck: Brandschutz

Da in Deutschland keine weiteren bauaufsichtlichen Forderungen an Rauchwarnmelder gestellt werden, darf jeder Melder mit einer ordnungsgemäßen CE-Kennzeichnung auf den Markt gebracht und installiert werden.

CE nicht aussagekräftig

Eine CE-Kennzeichnung reicht trotzdem nicht immer aus, die Eignung eines bestimmten Rauchwarnmelders für eine konkrete Einbausituation zu beurteilen.
Der Hauptgrund dafür ist eine Besonderheit der BauPVO, die von der EU-Kommission festgelegt wurde und sinngemäß für alle Bauprodukte gilt. Danach bleibt es einem Hersteller von Rauchwarnmeldern – unabhängig von den Festlegungen in der eigentlich mit der BauPVO harmonisierten Norm DIN EN 14604 – selbst überlassen, für welche Wesentlichen Merkmale eine Leistung erklärt wird. 

Für eine ordnungsgemäße CE-Kennzeichnung muss lediglich für mindestens ein Merkmal die Leistung geprüft und auf der Leistungserklärung vermerkt werden. Für alle anderen, nicht geprüften Merkmale ist dann „NPD“ (No Performance Determined) anzugeben. Damit bleibt trotz detaillierter Anforderungen der Norm DIN EN 14604 unklar, warum der Hersteller nicht alle Wesentlichen Merkmale geprüft hat.

Der schwarze Peter für diese widersinnig anmutende Bestimmung liegt nicht nur bei der Europäischen Union. Die BauPVO stellt es den Mitgliedstaaten frei, auf nationaler Ebene die Erklärung aller acht Wesentlichen Merkmale oder das Erreichen von bestimmten Leistungswerten bzw. Klassen zu verlangen, z.B. im Rahmen der Bauwerksanforderungen. Für Rauchwarnmelder ist das in Deutschland nicht der Fall.

Wegen dieser Besonderheit der BauPVO sagt eine ordnungsgemäße CE-Kennzeichnung ohne zusätzlichen Blick in die Leistungserklärung also nichts darüber aus, ob alle im Anhang der DIN EN 14604 geforderten Wesentlichen Merkmale geprüft worden sind und ob das Bauprodukt Rauchwarnmelder gegebenenfalls für ein bestimmtes Projekt geeignet ist oder nicht.

In der Praxis sollten die Projektverantwortlichen wie z.B. Wohnungsunternehmen, Fachplaner und Installateure deshalb die Leistungserklärung des Herstellers genau prüfen. Taucht dort bei einem oder mehreren Wesentlichen Merkmalen die Bezeichnung „NPD“ auf, ist eine Eignung des Rauchwarnmelders zumindest kritisch zu hinterfragen.

Von Bedeutung ist auch die Zugänglichkeit der Leistungs- bzw. Konformitätserklärung und anderer Dokumente. Besonders im Niedrigpreissegment sind diese Unterlagen oft nur schwer oder gar nicht auffindbar bzw. nicht wie vorgeschrieben in Landessprache verfasst.

Qualitätsrauchwarnmelder von Markenherstellern sind im Regelfall nach allen acht Wesentlichen Merkmalen geprüft, und alle notwendigen Dokumente sind leicht zugänglich.

DIN EN 14604 legt nur ­Mindestanforderungen fest

Grundsätzlich legt die europäischen Produktnorm DIN EN 14604 lediglich die Mindestanforderungen an Rauchwarnmelder fest. Manche für einen langfristig störungsfreien und wirtschaftlichen Einsatz erforderlichen Eigenschaften werden gar nicht geprüft, wie beispielsweise der Stromverbrauch im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit von Langzeitbatterien.

Die 15 Jahre alte Norm lässt noch den Gebrauch von wechselbaren Alkalibatterien zu, die inzwischen nicht mehr Stand der Technik sind, ein Sicherheitsrisiko darstellen und als Quelle für zahlreiche Störungen gelten. Ebenso ist zu beachten, dass die Anforderungen an die Wesentlichen Merkmale auf eine durchschnittliche Wohnsituation bezogen sind.

Stellt eine bestimmte Einbausituation besondere Anforderungen, beispielsweise an Korrosionsbeständigkeit oder elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), ist die Eignung eines Rauchwarnmelders vom Fachplaner bzw. Installateur gesondert zu prüfen. Dazu ist im Regelfall ein genaues Studium der Datenblätter bzw. die Rücksprache mit dem Hersteller erforderlich.

Prüfsiegel
Abb. 2: Rauchwarnmelder mit dem Qualitätssiegel "Q" erfüllen im Vergleich mit der DIN EN 14604 deutlich höhere Anforderungen. (Quelle: Forum Brandrauchprävention e.V.)

Qualitätszeichen "Q"

Als Alternative zur aufwendigen Einzelprüfung steht für die einfache Erkennung von Qualitätsrauchwarnmeldern europaweit das freiwillige Prüfsiegel „Q“ zur Verfügung. Das seit dem Jahr 2012 vergebene Qualitätskennzeichen ergänzt die bestehenden Anforderungen der DIN EN 14604 und gilt ausschließlich für Geräte mit Zehnjahresbatterie. Rauchwarnmelder mit diesem Zeichen werden im Vergleich zur DIN EN 14604 nach deutlich höheren Anforderungen geprüft und zertifiziert, u.a. in Bezug auf elektromagnetische Abschirmung (EMV), Lagerfähigkeit, Temperaturschwankungen und Korrosionsbeständigkeit. Rauchwarnmelder mit „Q“-Zeichen eignen sich deshalb besonders für den Langzeiteinsatz. Die Zertifizierung erfolgt durch ein unabhängiges Prüfinstitut. Die Bedeutung des Qualitätssiegels lässt sich daran ablesen, dass in professionell verwalteten Wohnungsbeständen heute fast ausschließlich „Q-Melder“ zum Einsatz kommen.

Markenprodukte sparen Zeit und Geld

Auf der sicheren Seite sind Bauherren, Betreiber und Installateure grundsätzlich mit Qualitätsrauchwarnmeldern von Markenherstellern, die die gesetzlichen Bestimmungen transparent und offensiv einhalten und deren Produktqualität sich im langjährigen Einsatz bewiesen hat. Das gilt insbesondere für eine zuverlässige Stromversorgung über einen Zeitraum von zehn Jahren, die von den individuellen Umgebungsbedingungen am jeweiligen Einsatzort abhängt und sich im Labor nur schwer simulieren lässt.

Ein vernetzbares und an externe Systeme koppelbares Komplettsortiment aus Rauch-, Mehrkriterien- und Kohlenmonoxidwarnmeldern ermöglicht die Realisierung individueller und erweiterbarer Lösungen mit einheitlichem Qualitätsniveau.

Fazit und Ausblick

Die CE-Kennzeichnung des Bauprodukts Rauchwarnmelder reicht nicht immer aus, um bei der Melderauswahl den gesetzlichen Forderungen und den individuellen bzw. projektspezifischen Anforderungen in allen Facetten gerecht zu werden. Als Alternative zur aufwendigen Einzelprüfung von Leistungserklärungen lässt sich der Aufwand durch Verwendung von Rauchwarnmeldern mit „Q“-Zeichen bzw. Qualitätsrauchwarnmeldern von Markenherstellern minimieren. Eine Anpassung der harmonisierten Europäischen Produktnorm EN 14604 an geänderte Anforderungen und den technischen Fortschritt wäre wünschenswert, ist zum heutigen Zeitpunkt allerdings nicht absehbar.

Autor

Thorsten Teichert: Business ­Development Manager bei Ei ­Electronics; engagiert sich als Experte in verschiedenen Arbeitskreisen, Verbänden und Normungsgremien der Sicherheitstechnik in Deutschland.

Literatur / Quellen

[1] Dr. Sebastian Festag & Dr. Marion Meinert: Studie Wirksamkeit der Rauchwarnmelderpflicht, 2020.

[2] Verordnung (EU) Nr. 305/2011 des Europäischen­ ­Parlaments und des Rates vom 9. März 2011, Amtsblatt der Europäischen Union L88/5.

[3] DIN EN 14604:2012-09 Rauchwarnmelder. Deutsche ­Fassung EN 14604:2005.

[4] DIN EN 14604 Berichtigung 1:2018-09, Rauchwarnmelder; Deutsche Fassung EN 14604:2005; Berichtigung
1:2018-09.

[5] DIN SPEC 91388:2019-02 Technische Anforderungen an ferninspizierbare Rauchwarnmelder – Anforderungen an eine technische Einrichtung zur Ferninspektion in Bezug auf den Nachweis der Funktionsbereitschaft nach DIN 14676-1 eines Rauchwarnmelders nach DIN EN 14604.

[6] DIN 14676-1:2018-12 Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 1: Planung, Einbau, Betrieb und ­Instandhaltung

Der Artikel ist in Ausgabe 4.2020 des FeuerTrutz Magazins (September 2020) erschienen.
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Letzte Aktualisierung: 07.10.2020