Brandschutz bei Mischinstallationen

Rohrleitungssysteme in der Gebäudetechnik sind zu ca. 95 % Mischinstallationen – und unter Aspekten des Brandschutzes kritisch. Das DIBt verlangt daher für sie klassifizierte ­Abschottungen. Wichtig zu wissen ist für Brandschutzsachverständige, welche Verwendbarkeitsnachweise bei ­Mischinstallationen zu erbringen sind und welche Lösungen der Markt derzeit bietet.

FeuerTrutz Magazin 4-2018: Brandschutz bei Mischinstallationen
Insbesondere Versorgungsleitungen werden bevorzugt als Mischinstallation ausgeführt. Die Kombination von Metallrohren im Schacht und flexiblen Kunststoffrohren auf der Etage vereinfacht die Installation beträchtlich. (Quelle: Viega)

August 2018 / Von Markus Berger. Als Brandschutzsachverständiger während des Bauverlaufs oder bei der Abnahme Bauteile und Bauarten zu prüfen, gleicht einem Streifzug durch sämtliche Gewerke. Rohrleitungsinstallationen machen dabei nur etwa 5 % des Prüfungsumfangs aus. Doch sie können entscheidend sein, wenn es darum geht, für ein Objekt durch die eigene Unterschrift die Konformität mit geltendem Bauordnungsrecht zu bestätigen. Denn wer unterschreibt, bleibt – haftbar. Häufig wird dabei die Bedeutung von Mischinstallationen für den vorbeugenden Brandschutz unterschätzt. Denn hierfür hat das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) strenge Auflagen zur Abschottung der Rohrdurchführungen in feuerwiderstandsfähigen Decken und Wänden erlassen, die bereits seit 2013 in Kraft sind. Ungeachtet dessen gehören diese Forderungen noch nicht zum allgemeinen Wissensstand vieler Planer und Installateure. Typische Mischinstallationen bestehen aus nicht brennbaren Metallrohren im Strang für die Versorgung mit Trinkwasser, Heizung und Kühlung bzw. Gussrohren für die Entsorgung von Abwasser, jeweils kombiniert mit Anschlussleitungen aus brennbaren Kunststoffrohren in der Stockwerksverteilung.

Der Artikel ist in Ausgabe 4.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Juli 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 4.2018

So sieht die Installationspraxis in schätzungsweise 95 % der Gebäude aus, oft verborgen in Schächten und hinter Rohrdämmungen. Grund genug daher, bei solchen Mischinstallationen aus Sicht des vorbeugenden Brandschutzes die Vorgaben und wichtigsten Fehlerquellen zu kennen. Denn bei Versorgungsleitungen besteht z. B. die Gefahr, dass Metallrohre bei einem Feuer hohe Temperaturen auf die Kunststoffrohre im angrenzenden Brandschutzabschnitt übertragen und dort einen Sekundärbrand auslösen.

FeuerTrutz Magazin 4-2018: Brandschutz bei Mischinstallationen
Ein typisches Beispiel für eine Mischinstallation in der Heizungsinstallation. Für diese Bauart verlangt das DIBt jedoch eine klassifizierte Rohrabschottung – also eine abZ oder eine aBG. (Quelle: Viega)

In seinem Newsletter Ausgabe 2/2012 hat das DIBt für Metallrohre mit Anschluss von Kunststoffrohren Folgendes verfügt: "Für Metallrohre, die durch feuerwiderstandsfähige Bauteile geführt werden und an die ein- oder beidseitig des feuerwiderstandsfähigen Bauteils Kunststoffrohre angeschlossen werden, dürfen ab dem 01.01.2013 keine allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisse (mehr) erteilt werden. Der Verwendbarkeitsnachweis für klassifizierte Abschottungen solcher Mischinstallationen ist dann eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung." Die Bezeichnung allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) wurde inzwischen geändert auf allgemeine Bauartgenehmigung (aBG).

Grund dafür ist die zur Zeit laufende Neuordnung des deutschen Baurechts zur Harmonisierung mit Vorgaben der EU.

Dazu wurde die Musterbauordnung überarbeitet, die Bauregellisten wurden durch die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baube­stimmungen (MVV TB) abgelöst und einige neue Begriffe eingeführt.

Vorgeschrieben bei Mischinstallationen:
Heute Bauartgenehmigung (aBG), zuvor Zulassung (abZ)

Unabhängig von der Bezeichnungen abZ oder aBG sind die Verwendbarkeitsnachweise für Mischinstallationen sehr detailliert. In der Praxis kommt es daher recht häufig vor, dass sie von den Bauausführenden falsch interpretiert werden. Da Mischinstallationen jedoch nahezu in jedem Objekt zur üblichen Installationspraxis gehören, ist Brandschutzschachverständigen, die mit der Baubegleitung beauftragt wurden, zu empfehlen, Installationsarbeiten von Beginn an eng zu überwachen. Denn folgende Irrtümer, die später zu Problemen bei der Abnahme führen, sind weit verbreitet:

  • Irrtum 1: Nur Mischinstallationen von Entsorgungsleitungen, wie Abwasserfallrohre aus Guss mit angeschlossenen Stockwerk-Sammelleitungen aus Kunststoff, erfordern eine Abschottung mit abZ respektive aBG, da sie nicht ständig mit dem Medium gefüllt sind. Das ist falsch, weil sich das DIBt in seinem Newsletter generell auf alle Metallrohre bezieht. Und die werden i. d. R. als Steigleitungen für die Versorgung installiert. Die Gefahr ist, dass sich bei einem Brand die Metallrohre so weit erwärmen, dass sie die angeschlossenen Kunststoffrohre entzünden.
  • Irrtum 2: Versorgungsleitungen als Mischinstallation können nach den Vereinfachungen der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) abgeschottet werden. Das ist falsch, weil diese Richtlinie den Anschluss von Kunststoffrohrleitungen an Metallrohrleitungen noch nicht berücksichtigt.
  • Irrtum 3: Werden Stockwerksleitungen aus Kunststoff nicht unmittelbar über ein T-Stück an die Steigleitung aus Metall angeschlossen, sondern wird der Abzweig zunächst als Metallrohrleitung von rund 1 m Länge weitergeführt, sind die Vorgaben des DIBt erfüllt. Das ist falsch, weil das DIBt konkrete Vorgaben für die Brandschutzprüfung von Rohrabschottungen in Mischinstallationen macht. Auch die zuvor genannte Installationsvariante würde demnach eine aBG erfordern. Im Übrigen: Den Übergang von Metallrohrleitung auf Kunststoffrohrleitung entfernt vom Steigstrang zu setzen – womöglich im Estrich – ist bei SHK-Fachhandwerkern äußerst unbeliebt. Bevorzugt wird, den Abzweig direkt Steigstrang mit einem T-Stück anzuschließen, damit die Verbindungsstelle über eine Revisionsöffnung zugänglich bleibt.

Zwischenfazit:
Mischinstallationen sowohl als Entsorgungsrohrleitungen als auch Versorgungsrohrleitungen erfordern in jedem Fall eine Bauartgenehmigung (aBG) bzw. eine Zulassung (abZ). Bei der Brandschutzabnahme ist daher auf Vorlage dieser Nachweise zu bestehen. Doch auf welche Details ist zu achten, damit eine Installation den Vorgaben eines Verwendbarkeitsnachweises entspricht?

Detaillierung von Verwendbarkeitsnachweisen

FeuerTrutz Magazin 4-2018: Brandschutz bei Mischinstallationen
Exemplarisch ist die allgemeine Bauartgenehmigung Nr. Z-19.53-2258 "Abschottung für Rohrleitungen aus Metall mit Anschlussleitungen aus Kunststoff 'Viega Mischinstallation Versorgung'": Längen der Streckenisolierungen und Fabrikate der Verbinder werden dezidiert vorgegeben. (Quelle: Viega)

Der aktualisierte Begriff "Bauart(genehmigung)" verdeutlicht bereits den hohen Detaillierungsgrad von Verwendbarkeitsnachweisen für Abschottungen, denn eine Bauart ist das Ergebnis des Zusammenbaus verschiedener Bauprodukte.

Insbesondere für die Bauprodukte zur Rohrabschottung in Kombination mit den entsprechenden Rohrleitungen und Verbindern stehen in einer aBG exakte Fabrikate und Anordnungen, nicht Werkstoffe oder andere Sammelbegriffe. Eine beliebige Kombination von Produkten verschiedener Hersteller ist somit ausgeschlossen und nicht abnahmefähig. Folglich ist speziell den baubegleitenden Brandschutzexperten dringend zu empfehlen, während der Installation darauf zu achten, dass nur Produkte installiert werden, die in der zugrunde gelegten aBG auch expressis verbis genannt sind.

Doch eigentlich beginnt die Aufsicht schon bei der Ausschreibung. Es sollte darauf geachtet werden, dass für die Rohrleitungssysteme – ob Versorgungs- oder Entsorgungsleitungen – auch tatsächlich aBG für die Rohrabschottung von Mischinstallationen vorhanden sind. Spätestens bei der Ausführungsplanung müssen diese Verwendbarkeitsnachweise vorliegen.

FeuerTrutz Magazin 4-2018: Brandschutz bei Mischinstallationen

Mischinstallationen erkennen und prüfen

Brandschutzsachverständige, die erst bei der Abnahme involviert sind, stehen vor der besonderen Herausforderung, Mischinstallationen überhaupt zu erkennen und dann auf Konformität mit dem Verwendbarkeitsnachweis zu überprüfen. Wie erwähnt, ist jedoch bei den meisten Objekten davon auszugehen, dass zumindest die Versorgungsleitungen als Mischinstallation ausgeführt sind. Für die Entsorgung werden allerdings auch häufig durchgehend Kunststoffrohrleitungen genutzt.

Ein Problem bei der Abnahme von Mischinstallationen ist: Zu diesem Zeitpunkt sind die Rohrleitungen bereits gedämmt und Schächte eventuell verschlossen. Daher schreibt das DIBt vor, Abschottungen mit einem Schild dauerhaft zu kennzeichnen. Das Schild ist jeweils neben der Deckendurchführung an der Decke zu befestigen. Es muss folgende Informationen enthalten:

  • Bezeichnung und Nr. der Bauartgenehmigung (aBG)
  • Angabe zur Feuerwiderstandsfähigkeit
  • Name des Errichters der Abschottung
  • Monat/Jahr der Errichtung

Zusätzlich hat der Errichter – also das bauausführende Unternehmen – eine Übereinstimmungsbestätigung auszustellen als Erklärung, dass die Abschottung der aBG entspricht. Fehlende Übereinstimmungsbestätigungen und Abschottungen ohne Kennzeichnung sollten einen Brandschutzgutachter grundsätzlich misstrauisch machen. Es kann ein Zeichen fehlender Sensibilität für die Anwendung von Verwendbarkeitsnachweisen sein. Hier die häufigsten Verstöße aus der Praxis, speziell bei der Rohrabschottung von Mischinstallationen:

  • Ausgeschriebene Produkte wurden im Bauverlauf durch billigere ersetzt, für die jedoch keine entsprechenden Nachweise (aBG) vorliegen.
  • Verschiedene Baulose werden von unterschiedlichen Fachhandwerksunternehmen ausgeführt. Infolgedessen sind Steigstränge mit anderen Verbindern ausgeführt als Stockwerksleitungen.
  • Verwendbarkeitsnachweise, die nur für Entsorgungsleitungen gelten, werden für Versorgungsleitungen herangezogen.
  • Mindestabstände zwischen Rohrleitungen und/oder Abschottungen werden nicht eingehalten (es sei denn, der Verwendbarkeitsnachweis erlaubt den Nullabstand).
  • Restspalte zwischen Deckenlaibung und Rohrabschottung werden nicht konform mit dem Verwendbarkeitsnachweis verfüllt.

Es ist zu empfehlen, generell eine Abschottung pro Etage durch eine Inaugenscheinnahme zu überprüfen. Das schließt ein, einen Schacht ggf. zu öffnen und auf jeden Fall die Dämmung zu entfernen, um die Anschlüsse der Stockwerksleitung zu überprüfen. Diese Vorgehensweise ist auch Sachverständigen zu empfehlen, die im Rahmen von Ankaufsuntersuchungen Objekte auf den Brandschutz hin bewerten. Denn die Vorgabe des DIBt, Mischinstallationen mit einer Bauartgenehmigung (aBG) bzw. einer Zulassung (abZ) klassifiziert abzuschotten, gilt seit dem 1. Januar 2013.

Fazit

Mischinstallationen – die Kombination von Rohren aus nicht brenn­baren Werkstoffen und Rohren aus brennbarem Kunststoff – dominieren heute die Installationspraxis speziell in der Gebäudeversorgung mit Trinkwasser, Heizung und Kühlung. Für die Rohrabschottung von Durchführungen in feuerwiderstandsfähigen Decken verlangt das DIBt als Verwendbarkeitsnachweis eine aBG bzw. eine abZ. Diese Vorgaben sind sehr detailliert, werden aber auf den Baustellen oft in gravierendem Umfang ignoriert. Brandschutzsachverständige sowohl in der Funktion der Baubegleitung als auch Prüfsachverständige bei der Abnahme sollten daher genau hinsehen, damit der geschuldete Erfolg solcher Installationen auch tatsächlich erbracht wird.

Literatur

DIBt-Newsletter 02/2012 (18. April 2012) im vollständigen Wortlaut: www.dibt.de/de/DIBt/data/Newsletter/02_2012.pdf

Autor

Markus Berger: Leiter Kompetenzbereich Brandschutz/Schallschutz bei Viega; Fachplaner vorbeugender Brandschutz ­(EIPOS), Sachverständiger vorbeugender Brandschutz (EIPOS), Sachverständiger gebäudetechnischer Brandschutz (EIPOS), Sachverständiger brandschutztechnische Bau- und Objektüberwachung (EIPOS)

Mischinstallationen: rasante Erfolgsgeschichte

Noch vor rund 20 Jahren haben nicht brennbare Rohrsysteme aus einem durchgängigen Werkstoff Gebäudeinstallationen dominiert. Die Brandschutzvorgaben der DIN 4102 für sie stammen daher zum Teil noch aus den 1930er-Jahren.

Die ersten Kunststoffleitungen zur Abwasserentsorgung kamen zwar schon in den 1970er-Jahren auf dem Markt. Doch der mangelhafte Schallschutz dieser dünnwandigen Rohre stand einem nennenswerten Marktanteil noch im Weg. Erst in den 1980ern wurden dickwandige Abwasserrohre aus Kunststoff entwickelt, die auch den gewünschten Schallschutz erbrachten. Mischinstallationen aus Gussleitungen im Abwasserstrang und angeschlossenen Sammelleitungen aus Kunststoff wurden üblicher. Mischinstallationen bei Versorgungsleitungen wurden erst durch den Siegeszug der Pressverbindungstechnik in den 1990er-Jahren der Weg geebnet. Mit Beginn des neuen Jahrtausends standen dann Pressverbinder zur Verfügung, die den einfachen und sicheren Anschluss von Kunststoffleitungen im Stockwerk an den Steigstrang ermöglichten. Dieses Prinzip hat sich seitdem durchgesetzt. Strangleitungen aus Metall bieten die Vorteile einer hohen mechanischen Festigkeit bei geringer Längenausdehnung. Kunststoffrohre hingegen sind einfach abzulängen und von Hand zu biegen. Das macht z.B. die Verlegung in der Vorwand und den Anschluss von Verbrauchern einfach. Da die Geschichte der Mischinstallation also vergleichsweise jung ist, enthalten entscheidende ­Normen- und Regelwerke dazu noch keine Bestimmungen für den vorbeugenden Brandschutz. Somit erließ das DIBt entsprechende Vorgaben und Regelungen zur Abschottung von Mischinstallationen, die seit dem 1. Januar 2013 in Kraft sind.

Der Artikel ist in Ausgabe 4.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Juli 2018) erschienen.
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Anmerkung der Redaktion: Im FeuerTrutz Magazin 4.2018 (S. 18 ff) ist uns bei diesem Artikel ein Fehler unterlaufen. Rohrleitungssysteme in der Gebäudetechnik sind nicht, wie dort zu lesen, "zu ca. 5 % Mischinstallationen", sondern zu 95 %. Dafür ist der zu Beginn des Fließtextes genannte Prozentsatz für den Anteil von Rohrleitungsinstallationen am Prüfungsumfang von Brandschutzsachverständigen mit 15 % zu hoch angegeben. Hier wäre "5 %" die korrekte Angabe. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Im Online-Artikel wurden diese Fehler korrigiert.

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Letzte Aktualisierung: 20.08.2018

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