Brandschutz historischer Sonderbauten: Klöster

Viele der historischen Klosteranlagen in Deutschland werden nicht mehr als Klöster genutzt, sondern u.a. als Wohnungen, Pflegeheime, Schulen und Bildungseinrichtungen, Beherbergungsbetriebe und Ausstellungsräume. Aus dieser gemischten Nutzung in einem Komplex ergeben sich viele Brandgefährdungen, auf die der Beitrag eingeht.

Brandschutz historischer Sonderbauten Klöster: Sehr enge Einfahrt in einen Klosterhof
Abb. 1: Sehr enge Einfahrt in einen Klosterhof (Foto: Löschzug Rheda)

März 2018 / Von Sylwester Kabat. Viele Menschen sind heute auf der Suche nach Stille, Orientierung und Sinn und halten Einkehr in Klöstern. Während allgemein die religiöse Praxis schwindet, erleben die Klöster, die spirituelle Gastfreundschaft anbieten, eine starke Steigerung der Besucherzahl [1]. Mehr als 25.000 bis 40.000 Übernachtungen im Jahr zählen manche Klöster. Der Klosteraufenthalt kann unterschiedliche Formen, je nach Kloster und Angebot, annehmen [2].

Eine Klosteranlage besteht i.d.R. aus Kultur-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und eventuell weiteren Bauwerken. Die Klosterkirche bildet meist den räumlichen und geistlichen Mittelpunkt einer Klosteranlage. Besonders die großen Abteien stellen auch heute große Baukomplexe dar und müssten aus der Sicht des Brandschutzes als in sich abgeschlossene Betriebe betrachtet werden. Sie können neben der Klosterkirche und den Wohngebäuden auch verschiedene Werkstätten und Betriebe umfassen, z. B. Druckereien, Bäckereien, Kunstschmieden, große Landwirtschaftsgebäude, Brennereien und Brauereien. Andere Klöster unterhalten Gymnasien, Hochschulen und Berufsschulen mit Internaten, veranstalten öffentliche Konzerte oder betreiben Gaststätten mit Gästezimmern oder Hotels.

Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 1.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Januar 2018) erschienen.
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Brandgefahren in Klosteranlagen

Die Brandgefährdungen ergeben sich hier eben aus dieser gemischten Nutzung in einem Komplex. Brände in Klöstern haben gezeigt, dass vor allem die Personengefährdung in diesen Gebäuden nicht zu unterschätzen ist. Auch bei den seltenen Bränden in Klöstern in Deutschland gab es leider Tote und Verletzte. International wurde ein Brand in einem Kloster bekannt, der sieben Tote gefordert hatte (1986 im russisch-orthodoxen Kloster Zagorsk bei Moskau). Bei dem Brand in der Klosterkirche Maria Medingen in Mödingen 2015 ist eine Schwester durch Rauchvergiftung gestorben. Vor allem sind Schüler und Studenten in Internaten in Klosterkomplexen gefährdet. Meist sind die Rettungs- und Angriffswege für die Feuerwehr nicht ausreichend gesichert (s. Abbildung 1), doch da die Klosteranlagen bis auf die Klosterkirche für Außenstehende oft schwer zugänglich sind, beschäftigt sich auch der Brandschutz weniger mit diesen Bauten. Brandverhütungsschauen wären hier schon hilfreich und würden insbesondere aufdecken, dass die Treppen oft nicht ausreichend brandsicher von den Geschossen abgetrennt sind oder für den zweiten Rettungsweg weder eine zweite Treppe zur Verfügung steht noch anleiterbare Fenster für die Feuerwehr vorliegen.

Abgesehen von den großen Gefahren für die Menschen und Klöster sind auch die in den Gebäuden befindlichen wertvollen Kunstschätze gefährdet. Das können in erster Linie die Klosterbibliotheken sein, die wertvolle Buchausgaben aus vergangenen Jahrhunderten, Handschriften und einmalige Drucke verwahren. Hinzu kommen viele Gemälde, sowie Decken- und Wandmalereien.

Brandschutz historischer Sonderbauten: Klöster - Historische Feuerschutztüren in Klosteranlagen, die ersetzt werden sollten
Abb. 2 und 3: Historische Feuerschutztüren in Klosteranlagen, die ersetzt werden sollten. (Foto: Kabat)

Einige Abteien haben bereits ihre eigene Brandgeschichte, brannten mehrmals im Laufe der Jahrhunderte und wurden wiederaufgebaut. Die Brandursachen sind heute die gleichen wie in sonstigen Gebäuden und oft die Folge von Reparaturarbeiten. Brände haben in den letzten Jahrzehnten meistens die Obergeschosse der Klostergebäude und vor allem in einem Zug bis 200 m lange und mehrere hundert Jahre alte Holzdachstühle zerstört, z.B. 1949 im Franziskaner-Kloster in Kamp-Bornhofen, 1954 im Refektorium der Benediktinerabtei St. Mathias in Trier, 1964 im Kloster Andechs, 1964 in der Abtei Münsterschwarzach, 1977 in der ehemaligen Benediktinerabtei St. Blasien und 1979 im Kloster Benediktbeuern. Klosterbrände aus den letzten Jahren sind in der Tabelle "Klosterbrände der letzten Jahre" dargestellt. Dass durch die schnelle Ausbreitung von Bränden über Dachböden und Dachstühle meistens der ganze Klosterkomplex einschließlich der Klosterkirche bedroht ist, liegt auf der Hand.

Brandschutz historischer Sonderbauten: Klöster - T 90-Tür aus Holzwerkstoffen mit ­integrierter Feststellanlage zur Unterteilung einer Klosteranlage (Kloster Triefenstein)
Abb. 4: T 90-Tür aus Holzwerkstoffen mit ­integrierter Feststellanlage zur Unterteilung einer Klosteranlage (Kloster Triefenstein) (Foto: Kabat)

Das hohe Gefahren- und Verlustpotenzial ergibt sich in Klöstern aus folgenden Gegebenheiten:

  • große Baukomplexe mit unterschiedlicher Nutzung zum Teil durch hohe Anzahl von Kindern, Jugendlichen und Gästen,
  • bedeutende Bauwerke und Kulturgüter, vor allem in Klosterkirchen und -bibliotheken,
  • brennbarer Ausbau, vorwiegend aus Holz und
  • fehlende brandschutztechnische Abtrennungen und Brandabschnitte.

Zusätzliche und nutzungsbedingte Gefahren entstehen in ehemaligen Klosteranlagen, die nicht mehr als Klöster genutzt werden. Diese ergeben sich aus der geplanten Nutzungsänderung des Klosters und der bestehenden historischen Bausubstanz. Oft ist ohne Umbauten und brandschutztechnische Ertüchtigung die neue Nutzung einer ehemaligen Klosteranlage nicht möglich. Ähnliche Problematiken entstehen, wenn Klöster in historischen Objekten eingerichtet werden, die für ein Klosterleben nicht gedacht und gebaut waren.

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Brandschutzmaßnahmen in Klöstern

Brandschutz historischer Sonderbauten: Klöster - Beispiel der Ertüchtigung einer Brandmauer zwischen Kirche und Kloster (Kloster Andechs)
Abb. 5: Beispiel der Ertüchtigung einer Brandmauer zwischen Kirche und Kloster (Kloster Andechs) (Foto: Kabat)

Nicht wenige Klöster wurden in den letzten Jahrzehnten umgebaut und modernisiert. Dabei führten eigene Fachkräfte (Mönche) diverse Brandschutzmaßnahmen aus, z.B. Brandwände oder Brandmeldeanlagen. Diese haben in einigen Brandfällen größere Schäden verhindert. Es gibt allerdings Beispiele, bei denen umfangreiche Brandschutzmaßnahmen erst nach einem Großbrand in Angriff genommen wurden.

Historische Feuerschutzeinrichtungen, die ihre Funktion nicht mehr erfüllen können, sollten gegen neue ersetzt werden (s. Abbildung 2 und 3). Die wichtigste vorbeugende Brandschutzmaßnahme scheint hierbei die Herstellung von Brandwänden zu sein, und zwar

  • zwischen den Nutzungseinheiten der Klosteranlage (z.B. Klosterkirche, Schulgebäude, Wirtschaftsgebäude, Konventbau) (s. Abbildung 4 und 5) und
  • zur Unterteilung von ausgedehnten Klostergebäuden. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 1.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Januar 2018) erschienen und enthält eine Übersicht weiterer Brandschutzmaßnahmen in Klöstern sowie ein Fazit.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 1.2018

Autor

Dipl.-Ing. Sylwester Kabat: seit 2000 Brandschutzingenieur beim Kreis Gütersloh (Kreisbrandamtsrat); Fachplaner und freier Sachverständiger für Brandschutz in Baudenkmälern, Altbauten und für Kulturgut; mehrjährige Dozententätigkeit an der Ingenieurakademie-West e.V. (Düsseldorf), bei EIPOS (TU Dresden), für Denkmalschutzbehörden und Feuerwehren; Nachweisberechtigter für Brandschutz in Bayern

Literatur

[1] G. Kreppold: Die Verwaltung des Untergangs. Keine Hoffnung für Kloster und Kirche? Münsterschwarzach: Vier Türme Verlag 2017, S. 18.

[2] Siehe die Internetseite "Kloster auf Zeit. Klosterurlaub": www.kloster-auf-zeit.de

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