Brandschutz international: China

Die Zahl der in der Volksrepublik (VR) China jedes Jahr errichteten Gebäude ist im Vergleich zu Deutschland gigantisch. Für die Dynamik der Entwicklung von Millionenstädten und Metropolregionen im Reich der Mitte gilt das allemal. Welchen Stellenwert nimmt dabei der vorbeugende Brandschutz ein und wie funktioniert der Brandschutz in China überhaupt?

Brandschutz im Reich der Mitte
Abb. 1: In Chinas urbanen Zentren wohnen und arbeiten Millionen Menschen auf engstem Raum. Der vorbeugende Brandschutz ist in so einer Umgebung natürlich besonders bedeutsam. (Foto: ming chen on Unsplash)

Mai 2018 / Von Karl-Olaf Kaiser. Seit den frühen 1990er-Jahren und begünstigt durch die wirtschaftlichen Entwicklung infolge der Reformen von Deng Xiaoping wachsen in China Millionenstädte und Agglomerationen bisher nicht gekannter Dimensionen. Diese Urbanisierung ist verbunden mit erheblichen gesellschaftlichen Herausforderungen und Bedürfnissen, wie dem Bau von Infrastruktureinrichtungen für Erziehung und Bildung, Gesundheit, Kultur, Konsum, Transport usw. Mit zunehmendem Wohlstand in der Breite der Gesellschaft und vor dem Hintergrund der negativen Auswirkungen der radikalen Ausbeutung des eigenen Landes wachsen auch die Ansprüche, z.B. an den Umwelt- und Naturschutz, Nachhaltigkeit, Gesundheitswesen sowie die Sicherheit und Ordnung.

Natürlich sind es die architektonischen Leuchtturmprojekte, die regelmäßig die Aufmerksamkeit in der Fachwelt und breiten Öffentlichkeit erregen. Unbestritten spiegeln sich in diesen Projekten die zeitgenössische internationale und zunehmend die chinesische Architektur- und Ingenieurskunst wider – 2012 wurde der renommierte Pritzker Architekturpreis erstmals an einen Chinesen vergeben (Wang Shu).

Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 3.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Mai 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 3.2018

Die vielfältigen Herausforderungen, wie z.B. der vorbeugende Brandschutz, müssen im "Korsett" der vielfältigen chinesischen Regelungen gelöst werden, die durch staatliche Gesetze, Normen etc. gegeben sind. Dies gilt neben den spektakulären Projekten insbesondere für die überwiegende Masse von chinesischen Architekten, Ingenieuren und Baufirmen bei der Umsetzung einer unvorstellbaren Zahl von vermeintlich unspektakuläreren Projekten. Seit der Grundsteinlegung des BER in Berlin im Jahre 2006 entstanden in der VR China 60 neue Flughäfen und im 12. Fünf-Jahres-Plan für den Gesundheitssektor der Bau von 20.000 Krankenhäuser festgelegt (2011 – 2015) [1].

Häufig begegnet dem Autor in Deutschland in diesem Zusammenhang die Frage: "Gibt es in China denn überhaupt Brandschutz?" Die eindeutige Antwort lautet: Ja. Und das Niveau in Bezug auf staatliche Regelungen sowie Normen des vorbeugenden Brandschutzes ist dort vergleichbar mit dem in Deutschland.

Länderdossier: Brandschutz in China 110-7100125

Brandschutz in China: Weiterführende Informationen

Hersteller finden zahlreiche vertiefende Praxisinformationen im Länderdossier Brandschutz in China [2].
Das Länderdossier von Karl-Olaf Kaiser, dem Autor dieses Artikels, vermittelt Herstellern von Brandschutzprodukten, Planern, Immobilieninvestoren, Wirtschaftsverbänden und Außenhandelskammern in Deutschland gezielte Grundinformationen zum vorbeugenden Brandschutz in China.
Weitere Informationen zum Länderdossier "Brandschutz in China"

Gesetzliche Brandschutzregeln

Die maßgeblichen baurechtlichen Bestimmungen sind zentralstaatlich organisiert und gelten in allen 22 Provinzen, fünf autonomen Gebieten (z.B. der Inneren Mongolei oder Tibet), vier regierungsunmittelbaren Städten (Shanghai, Peking, Tianjin, Chongqing) und zwei Sonderverwaltungszonen (Hongkong, Macau) für die ca. 1.379 Milliarden Menschen (Stand 2016) – und somit für rund ca. 20 % der Weltbevölkerung. Das Baugesetz (aktuelle Fassung 2011), das seit 1997 "die Überwachung und Steuerung der Bautätigkeit und den Schutz der Ordnung des Baumarktes" in 85 Paragrafen regelt, ist durch alle am Bau Beteiligten zu beachten. In acht Kapiteln sind Regelungen zu Baugenehmigungsverfahren, Bauüberwachung, Qualifizierung von den am Bau beteiligten Bauherren, Planern, ausführenden Unternehmern, Anforderungen an Bauprodukte usw. formuliert. Für den Brandschutz sind diese Bestimmungen fachspezifisch im Feuerschutzgesetz konkretisiert, das es seit 2009 gibt. In 74 Artikeln sind darin z.B. Zuständigkeiten der zentralen Verwaltungsstrukturen, u.a. des Ministeriums für öffentliche Sicherheit (MPS), und lokaler Ebenen, Verantwortlichkeiten, brandschutztechnische Bauvorlagen (Brandschutzkonzept), Übereinstimmungs- und Abnahmeerklärungen bei Inbetriebnahmen von baulichen Anlagen geregelt. Trotz der stark zentralistischen Ausrichtung der Legislative (sowie des Staatswesens) sind auch die ergänzenden lokalen Vorgaben, die in den Provinzen und andernorts erlassen werden, zu beachten. Wie heißt es doch in einem chinesischen Sprichwort: "Der Himmel ist hoch und Beijing ist weit."

Rechtliche Vorgaben für Hersteller

Für Hersteller von Brandschutzprodukten finden sich im Feuerschutzgesetz die maßgeblichen Vorgaben für das Inverkehrbringen und den Verkauf ihrer Waren in der VR China. Zahlreiche Produktgruppen bedürfen hierfür einer nationalen Zertifizierung, des sogenannten China Compulsory Certificate (CCC), das es seit 2002 gibt. Für definierte Brandschutzprodukte (CCC) bedarf es einer speziellen Zertifizierung durch die zuständige Regierungsbehörde dem China Certification Center for Fire Products (CCCF). In diesem Zusammenhang sind zahlreiche weitere gesetzliche Regularien zu beachten, die mit dem legalen Eintritt in den lukrativen – aber auch herausfordernden – chinesischen Bauwirtschaftsmarkt stehen. In diesem Zusammenhang muss seit dem 1.1.2013 u.a. das staatliche Dekret 122 beachtet werden, das in 44 Artikeln essenzielle Informationen für Hersteller von Brandschutzprodukten beinhaltet. Neben den allgemeinen Bestimmungen und dem Geltungsbereich werden Marktzugang, die Verantwortlichkeiten und Pflichten in Hinsicht auf die Produktqualität, die Überwachung und Prüfung sowie die gesetzliche Haftung reguliert.

Seit dem 20.3.2018 haben sich wesentliche Neuerungen bzgl. der CCC-Markierung ergeben. Zum einen entfällt die bisherige zusätzliche Markierung spezieller Produktgruppen, d.h. bei Brandschutzprodukten anstatt CCC-F nun einheitlich CCC. Zum anderen wechselt die Zuständigkeit der verantwortlichen staatlichen Institution Certification and Accreditation Administration (CNCA) auf die jeweils zuständigen Zertifizierungsbehörden – für Brandschutzprodukte entsprechend zum CCCF.

Bei Produkten mit offiziell vorhandenen CCC-F Markierungen sollen diese von den jeweiligen Herstellern geändert werden. Die Abstimmung mit den ab März 2018 verantwortlichen staatlichen Stellen ist dringend geraten.

Brandschutztechnisches Planungsrecht

Eines der zentralen Planungswerkzeuge im vorbeugenden Brandschutz ist die seit dem 1.5.2015 geltende staatliche Norm GB 50016-2014 (Code for Fire Protection design of buildings). Sie ersetzt und vereinigt die vorher geltenden Bestimmungen der GB 50016-2006 (Code for Fire Protection design on building fire protection and prevention) sowie GB 50045-95 (Code for Fire Protection design of tall buildings).

Brandschutz im Reich der Mitte: Tabelle zur Klassifizierung zivil genutzter Gebäude
Klassifizierung zivil genutzter Gebäude (Quelle: Code for Fire Protection design of buildings GB50016-2014)

Die staatliche Norm (GB = Guo Biao) ist gültig für die Errichtung, Änderung und Erweiterung von Industriegebäuden, Lagern, zivil genutzten Gebäuden, Flüssigkeitstanks, Gastanks, Lagerplätze für brennbare Materialien und Straßentunnel. Wohngebäude mit einer Höhe von mehr als 27 m sowie mehrgeschossige Industriegebäude, Lager und andere zivil genutzte Gebäude mit einer Höhe von mehr als 24 m werden als Hochhäuser definiert. Auch in der chinesischen Planung werden Gebäude somit nach Art oder Nutzung sowie der Gebäudehöhe kategorisiert.

Die brandschutztechnischen Anforderungen für diese Gebäude werden in vier Klassen (I, II, III, IV) eingeteilt. Die Zuordnung durch die Planer und Genehmigungsbehörden soll unter Berücksichtigung der Tabelle 1 sowie den Aspekten Nutzung, Bedeutung des Gebäudes, Höhe sowie dem Brandausbreitungsrisiko erfolgen. Abhängig von der Gebäudeklasse, der Art oder Nutzung sowie der Gebäudehöhe ergeben sich die Feuerwiderstandsklassen von raumabschließenden Bauteilen. Diese variieren je nach Bauteil und Funktion (tragendes oder nichtragendes Bauteil, Brandwand, notwendige Treppe usw.) von 0,25 bis zu 3 Stunden. Hieraus leiten sich wiederum die Feuerwiderstandsklassen von Abschlüssen für Öffnungen, Abschottungen usw. ab. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 3.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Mai 2018) erschienen. Der Autor behandelt dort außerdem wichtige Änderungen und Ergänzungen im neuen "Code for Fire Protection design of buildings", die Qualifizierung der am Bau Beteiligten und gibt ein Fazit.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 3.2018

Autor

Dipl.-Ing. Karl-Olaf Kaiser: Studium der Sicherheitstechnik mit Schwerpunkt Brand- und Explosionsschutz; Freier Brandschutzconsultant mit Erfahrungen aus zahlreichen Großprojekten. Referent u.a. für DSF, EIPOS, VDI.; info@kaiserbrandschutzseminare.de

Literatur

[1] Nickl-Weller, C., Nickl. H., Matthys S.: Krankenhausarchitektur in China – Eine Perspektive deutscher Architekten in: Reisach U. (Hrsg.): Das Gesundheitswesen in China (Strukturen, Akteure, Praxistipps), Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2017

[2] Kaiser, Karl-Olaf: Brandschutz in China, FeuerTrutz Network GmbH, Köln 2017

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2017. 150 Seiten. € 1.250,–.

Letzte Aktualisierung: 24.05.2018

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