Brandschutz-Konjunkturbarometer 2020/2021: Geschäftsentwicklung in der Corona-Pandemie

Die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie haben vielen Branchen 2020 stark zu schaffen gemacht. Der Bausektor kam insgesamt noch glimpflich davon, aber wie sieht es in der Brandschutzbranche aus? Das FeuerTrutz Konjunkturbarometer zeichnet ein aktuelles Bild der Lage im vorbeugenden Brandschutz und zeigt, wie die Beteiligten auf das Jahr 2021 schauen.

Umfrage Konjunkturbarometer 2020/2021
(Bild: FeuerTrutz Network GmbH)

Von André Gesellchen. Die Geschäftsentwicklung im vorbeugenden Brandschutz (VB) folgt grundsätzlich der Baukonjunktur. In den letzten zehn Jahren profitierte die Branche vom Aufschwung des Bausektors, der u.a. von den Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten befeuert wurde. Doch die Folgen der Corona-Pandemie bzw. der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung spürt auch die Baubranche und mit ihr der Brandschutz. An den Ergebnissen des aktuellen FeuerTrutz Konjunkturbarometers lässt sich dies ablesen.

Folgen der Corona-Pandemie

Die meisten Baustellen und Projektplanungen liefen während des ersten Shutdowns im Frühjahr 2020 weiter. Und auch im Spätherbst mit seinen wieder stark ansteigenden Infektionszahlen kam das Baugeschehen keinesfalls zum Erliegen.

Brandschutzplaner berichteten allerdings davon, dass z.B. Genehmigungsbehörden und Brandschutzdienststellen zum Teil schlechter oder zeitweise gar nicht erreichbar waren. Für Brandschutz-Fachbetriebe und Wartungspersonal wurde es teilweise zu einer Herausforderung, die Kundenbetriebe zu betreten und die richtigen Ansprechpartner anzutreffen.

Da eine Reihe von Unternehmen die notgedrungene Stilllegung von Produktionsstätten oder Bürogebäuden nutzte, um hinausgezögerte Modernisierungen durchzuführen, konnten manche Brandschutzfirmen sogar ein coronabedingtes Zusatzgeschäft machen. Insgesamt fällt die Antwort der Teilnehmer auf die Frage "Wie haben sich die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie auf Ihren Geschäftserfolg ausgewirkt?" indifferent aus. Das Pendel schlägt nur leicht ins Negative aus (s. Abbildung 1). Hinzu kommt: In weniger als 10 % der Unternehmen kam es zu Entlassungen aufgrund der Pandemie, und nur in knapp einem Viertel der Unternehmen wurde Kurzarbeit geleistet.

Brandschutz Konjunkturbarometer 2021-2021
Abb. 1: Die Folgen der Pandemie schlugen 2020 auf den Geschäftserfolg in Summe nicht stark durch. (Bild: FeuerTrutz Network)

Geschäftsentwicklung 2020

Trotz der allgemeinen Verunsicherung durch die Coronakrise und obwohl auch die Unternehmen im vorbeugenden Brandschutz mit den Einschränkungen und Komplikationen zu kämpfen haben, die die versuchte Pandemieeindämmung mit sich bringt, schätzen die Befragten die aktuelle konjunkturelle Lage der Branche überwiegend positiv ein (s. Abbildung 2). Das Stimmungsbild fällt zwar deutlich negativer als in den Vorjahren aus, auffällig ist aber dennoch die geringe Zahl von Befragten, die auf der Skala eine deutlich negative Wertung wählten.

Brandschutz Konjunkturbarometer 2021-2021
Abb. 2: Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage im vorbeugenden Brandschutz (Dezember 2020) (Bild: FeuerTrutz Network)

Beim Blick auf das Geschäft mit unterschiedlichen Auftraggebern zeigt sich, dass die Privatkunden deutlich hinter dem Projektgeschäft mit gewerblichen und öffentlichen Kunden zurückblieben (s. Abbildung 3). Am besten hat 2020 mit Abstand der gewerb­liche Sektor abgeschnitten, ähnlich wie in den Vorjahren – allerdings mit weniger Dynamik. In Summe lässt sich festhalten, dass 2020 für die Brandschützer in Deutschland beruflich alles andere als ein verlorenes Jahr gewesen ist.

Brandschutz Konjunkturbarometer 2021-2021
Abb. 3: Das Geschäft mit gewerblichen Kunden hat 2020 am besten abgeschnitten. (Bild: FeuerTrutz Network)

Ausblick auf 2021

Bei der Einschätzung der Geschäftsentwicklung im gerade begonnenen Jahr 2021 rechnet die Branche mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. Allerdings wird für den Privatkundensektor und bei den öffentlichen Auftraggebern eine leichte Verbesserung der Lage erwartet.

Offenbar setzen einige Befragte auf kräftige Investitionsprogramme der öffentlichen Hand, um einer drohenden Wirtschaftskrise infolge der Pandemie entgegenzuwirken.

Brandschutz Konjunkturbarometer 2021-2021
Abb. 4: Für 2021 rechnen die Befragten mit leichten Zuwächsen bei privaten und öffentlichen Auftraggebern. (Bild: FeuerTrutz Network)

Und auch im Wohnungsbau wird sich perspektivisch an der weiteren innerstädtischen Verdichtung und am Wohnraummangel in den Ballungsräumen wenig ändern. So stieg auch die Zahl der genehmigten Wohnbauten 2020 weiter an. Für den Zeitraum Januar bis November 2020 meldet das Statistische Bundesamt einen Anstieg um 3,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den Zahlen sind die Baugenehmigungen sowohl für neue als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Wohngebäuden enthalten.

Bei der Frage, wie sich die verschiedenen Aufgabenbereiche im vorbeugenden Brandschutz in den kommenden zwei Jahren entwickeln werden, sticht aus den Antworten der befragten Brandschützer vor allem die Konzepterstellung positiv heraus (s. Abbildung 5). Im Punktescore liegt dieser Bereich deutlich vor allen anderen.
Darin spiegelt sich offenbar wider, dass die Mehrheit der Befragten selbst als Brandschutzplaner in der Konzepterstellung tätig ist.

Brandschutz Konjunkturbarometer 2021-2021
Abb.5: Der Konzepterstellung wird bis 2022 die beste Entwicklung zugetraut. (Bild: FeuerTrutz Network)

Die größten Herausforderungen

Der Fachkräftemangel bei ausführenden Firmen sowie in Planung, Genehmigung und Prüfung stellt die größte Herausforderung der Branche in den kommenden Jahren dar (s. Abbildung 6).

Knapp gefolgt durch die "Hohe Komplexität durch Gesetze und Verordnung" bereiten diese Faktoren den Befragten die größten Sorgen. Ein Bild, das sich in den letzten Jahren verfestigt hat – und Besserung ist nicht in Sicht.

Mögliche negative Folgen der Corona-Pandemie rangieren in der "Hitliste" der Herausforderungen nur im Mittelfeld. Möglich, dass diese Effekte momentan weniger spürbar und schlechter einschätzbar sind als schon lange konkret wirksame Probleme wie eben der Fachkräftemangel.

Der Umstieg auf BIM und die voranschreitende Digitalisierung werden kaum als Herausforderung begriffen. Entweder sehen die Befragten darin eher Chancen als Risiken, oder die Auswirkungen auf den eigenen Tätigkeitsbereich werden als nicht gravierend eingeschätzt.

Brandschutz Konjunkturbarometer 2021-2021
Abb. 6: Der Fachkräftemangel wird als deutlich gravierender eingeschätzt als die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. (Bild: FeuerTrutz Network)

Fazit

Die Pandemie hat sich insgesamt auf das Geschäft vieler Unternehmen im vorbeugenden Brandschutz nicht erheblich negativ ausgewirkt. Zwar wird die konjunkturelle Lage gegenüber den Vorjahren etwas schwächer gesehen, aber von einem dramatischen Einbruch kann keine Rede sein. Zudem blickt die Branche leicht optimistisch auf das Jahr 2021.

Autor

André Gesellchen: Chefredakteur und Leitung Programm FeuerTrutz Network GmbH

Über das FeuerTrutz-Konjunkturbarometer
Für das Konjunkturbarometer führt die FeuerTrutz Redaktion jährlich eine offene Onlinebefragung durch.
Zeitraum: Dezember 2020 / Anzahl vollständig beantworteter Fragebögen: 168

Der Artikel erscheint auch in Ausgabe 1.2021 des FeuerTrutz Magazins (Februar 2021).
Noch kein Abonnent? Testen Sie das FeuerTrutz Magazin im Mini-Abo mit 2 Ausgaben!

Das könnte Sie auch interessieren:

FeuerTrutz Brandschutz Magazin für Fachplaner
Testen Sie das Mini-Abo mit zwei Ausgaben!

FeuerTrutz Magazin: Print und Digital

Das FeuerTrutz Brandschutz Magazin für Fachplaner vermittelt Praxiswissen zu allen Bereichen des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes - auch als digitale Ausgabe als App oder Browserversion.

Letzte Aktualisierung: 04.02.2021