Brandschutzkongress: 5 Fragen an Markus Kraft

Markus Kraft ist Moderator im Brandschutzkongress 2019 und spricht in einem kurzen Interview über den Stand beim Holzbau aus Brandschutzsicht, den Konflikt zwischen Arbeitsschutzrecht und Brandschutz sowie den Brandschutz bei Sonderbauten und Bildungseinrichtungen.

Interview: Markus Kraft Best Practice
(Bild: Markus Kraft)

Herr Kraft übernimmt beim FeuerTrutz Brandschutzkongress 2019 die Moderation des Kongressblocks "Best Practice", in dem diese Themen in verschiedenen Vorträgen behandelt werden.

Herr Kraft, am zweiten Tag des FeuerTrutz Brandschutzkongresses 2019 präsentieren Sie den Kongressblock "Best Practice".
Einer der Vorträge in diesem Block behandelt "Sonderbauten in Holzbauweise". Dirk Kruse wird hierzu referieren. Wie steht es um den Holzbau aus Brandschutzsicht momentan?

In vielen Teilen Deutschlands ist Holzbau für Sonderbauten noch die Ausnahme. Dies führt zu Verunsicherungen bei Behörden und Brandschutzdienststellen. Viele ausführende Firmen sind weiterhin mit den komplexen Ausführungsdetails in Bezug auf die brandschutztechnische Kapselung von Holzbauteilen nach M-HFHHolzR überfordert. Insgesamt muss aus meiner Sicht hier noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden. Eine Vereinfachung und Konkretisierung der brandschutztechnischen Anforderungen in den Regelwerken wäre hilfreich.

Büro- und Verwaltungsbauten machen ein großes Volumen im Bausektor aus. Zu diesen Sonderbauten wird Christan Görtzen vortragen. Welche Knackpunkte gibt es beim Brandschutz in diesen Gebäudetypen?

Die Komplexität dieser Bauprojekte liegt heutzutage darin, dass flexible Nutzungskonzepte erforderlich sind. Hierzu sind die Erleichterungen des Baurechts für Verwaltungsnutzungen bis 400 qm sehr hilfreich. Oftmals ergeben sich aber bei diesen Gebäudetypen auch Anforderungen für Foyers und Eingangshallen, da diese gelegentlich auch für Veranstaltungen genutzt werden sollen. In Verbindung mit unterirdischen Großgaragen ergeben sich so komplexe Sonderbauten für die oftmals auch ingenieurmäßige Verfahren als Sondernachweise erstellt werden müssen.

Spielt hier auch der Konflikt zwischen Arbeitsschutzrecht und Brandschutz eine Rolle, die man beleuchten sollte?

Aufgrund der kontinuierlichen Fortentwicklung des Arbeitsschutzrechts mit den nachgeordneten Richtlinien (ASR) kommt es immer öfter zu Doppelregelungen mit dem Bereich des baulichen Brandschutzes. Zeitgleich wird aber der Arbeitsschutz im Baugenehmigungsverfahren von den Baubehörden nicht mehr geprüft. Gefährdungsbeurteilungen, wie diese im Arbeitsschutzrecht vorgesehen sind, werden oftmals von den zuständigen Behörden im Arbeitsschutz nicht als Begründung für Abweichung akzeptiert. Aufgrund dieser Schnittstellen, Doppelregelungen und fehlenden Kultur für schutzzielorientierte Abweichungen entsteht eine Lücke für Planer und Bauherren die immer öfter zu fehlender Planungssicherheit und Haftungsrisiken führt. Hier sind dringend Konkretisierungen der Anforderungen und Begriffe sowie verlässliche Verfahrensanweisungen für die Mitarbeiter der Arbeitsschutzbehörden durch den Gesetzgeber zu schaffen.

Sie selbst werden zum Brandschutz in Bildungseinrichtungen referieren. Können Sie schon verraten, welche Schwerpunkte Sie setzten wollen?

Zu den Bildungseinrichtungen gehören nicht nur Kitas und Schulgebäude. Am Beispiel des multifunktionalen Neubaus für die Folkwang Universität der Künste auf Zeche Zollverein in Essen soll aufgezeigt werden, welche Anforderungen neue Unterrichtsformen an die nutzbaren Gebäudekubaturen stellen und welche besonderen Lösungen im Brandschutz auch bei diesen Gebäudetypen erforderlich werden. Weiterhin werden Beispiele für Neu- und Umbauten im Brandschutz von Schulgebäuden gezeigt, die dem Trend nach offenen Lernzonen und anderen Unterrichtsformen Rechnung tragen.

Neu errichtete Schulgebäude sehen heute ganz anders aus als früher – viel offener und transparenter. Stellt das den Brandschutz nicht vor Probleme?

Das Schulsystem in Deutschland ist seit dem Pisa-Schock 2001 einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen. Dies führt auch unweigerlich zu neuen freieren Unterrichtsformen. Solche freien Unterrichtsformen sind in klassischen Schulgebäuden mit starren Klassenräumen und notwendigen Fluren nur schlecht umsetzbar. Daher ist im Bereich des Schulneubaus verstärkt eine Flexibilisierung der Flächen ähnlich wie bei Bürogebäuden zu beobachten. Der Trend geht zu offenen Lern- und Kommunikationszonen und insgesamt zu einer durchlässigeren Gebäudekubatur. Somit kann die aktuelle M-SchulBauR aus dem Jahre 2009 als grundlegend überholt angesehen werden. Auch in diesem Bereich ist zu erkennen, dass die Anforderungen an komplexe, schutzzielorientierte Brandschutzplanung mit Sondernachweisen in Form von Brand- und Räumungssimulationen deutlich zunehmen.

Zum Interviewpartner

Dipl.-Ing. Markus Kraft: Staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes und alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter der brandwerk solution gmbh + brandwerk traffic gmbh Sachverständige | Ingenieurgesellschaft mbH in Essen.

Brandschutzkongress 2019

Am 20. und 21. Februar 2019 findet der FeuerTrutz Brandschutzkongress 2019 in Nürnberg statt. Das Thema der zweitägigen Veranstaltung lautet: "Schutzziel Brandschutz: Konzepte und Lösungen für Standard- und Sonderbauten".

Die Top-Themen 2019:
- Konzepte für Sonderbauten: Best Practice und vermeidbare Fehler
- Bauprodukte und MVV TB – Was setzten die Länder um?
- MLAR, MIndBauRL, EltBauVO – FAQ zu Technischen Regeln
- Der Brandschutz unter Feuer: Angriff auf den 2. Rettungsweg

Weitere Informationen zum Brandschutzkongress 2019

Letzte Aktualisierung: 14.09.2018