Brandschutzkonzept: Erweiterung des BORUSSIA-PARKs in Mönchengladbach

Angelehnt an die Borussia-Raute wurde der Neubau von Borussia Mönchengladbach mit seiner charakteristischen Neigung von 8 Grad geplant. Hinter dieser Fassade galt es sieben verschiedene Nutzungen brandschutztechnisch zu realisieren und das Gebäude offen mit dem Stadion zu verbinden.

Brandschutzkonzept - Erweiterung des BORUSSIA-PARKs in Mönchengladbach
Bei der Erweiterung des BORUSSIA-PARKs in Mönchengladbach mit einem Neubau samt Verbindungsgang brachte vor allem die Vielfalt der Nutzungen brandschutztechnische Herausforderungen mit sich. (Bild: Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH, Mönchengladbach)

Von Michael Hamacher. Der architektonisch aufwendig geplante Neubau erweitert den etablierten BORUSSIA-PARK um einen Gebäudekomplex mit einer Fläche von rd. 15.000 m2, verteilt auf acht Etagen. Im Zentrum der Nutzung steht der Hotelbetrieb mit 131 Zimmern bzw. 259 Betten, der rund 40 % der Fläche beansprucht. Im Weiteren sind im Erdgeschoss das öffentlich zugängliche Vereinsmuseum mit einer Fläche von rund 1.100 m2 sowie der neue Fan-Shop mit rund 1.000 m2 Nutzfläche untergebracht.

Darüber hinaus beherbergt das Gebäude ein Reha- und Fitnesszentrum, Arztpraxen, vereinseigene Apartments für den längerfristigen Aufenthalt, Lounge- und Wellnessbereiche sowie einen Teil der Verwaltung des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Nicht nur an Spieltagen der Bundesliga, sondern auch für die bis zu 800 Veranstaltungen pro Jahr, die in Form von Konzerten, Konferenzen oder Tagungen in und um das Stadion stattfinden, besteht für Besucher nun die Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe zu übernachten. Für diese kurzen Wege, von denen auch die anderen Nutzungen profitieren, die unmittelbar mit dem Spielbetrieb und den anderen Veranstaltungen in Zusammenhang stehen, war die möglichst offene Anbindung an den sog. "Warmbau"des Stadions eines der wesentlichen Planungsziele.

Der Artikel ist in Ausgabe 3.2019 des FeuerTrutz Magazins (Mai 2019) erschienen. Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Magazin Ausgabe 3.2019

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1. Halbzeit – Die Herausforderungen

Bei der Planung des Brandschutzes lagen die Herausforderungen zum einen in der Unterbringung der sieben verschiedenen Nutzungen mit der Hotelnutzung, dem Museum und der Verkaufsfläche als Schwerpunkten, zum anderen und vor allem aber in der Gebäudeausdehnung, der offenen Anbindung ans Stadion und schließlich in der Neigung der Fassade, obwohl diese "nur"acht Grad beträgt. Ferner sollte der mittlere der drei geplanten Treppenräume als zum Erdgeschoss geöffnetes Atrium fungieren. Das Gebäude besitzt eine Grundfläche von rd. 2.600 m2 bei einer maximalen Ausdehnung in den auskragenden Obergeschossen von 102 m.

Brandschutzkonzept - Erweiterung des BORUSSIA-PARKs in Mönchengladbach
Sieben verschiedene Nutzungen unter einem Dach (Bild: sop Architekten, Düsseldorf erstellt durch Kohlmeyer Solbach Architekten PartGmbB, Düsseldorf)

Daraus resultiert eine Aufteilung des Gebäudes auf zwei Brandabschnitte durch eine Gebäudetrennwand, die etwa in der Mitte des Gebäudes angeordnet ist. Im Erdgeschoss sollte dagegen eine Brandabschnitttrennung wegen des gewünschten offenen Übergangs zwischen Museum und Fan-Shop vermieden werden. Der Wegfall der Gebäudetrennwand in diesem Geschoss war nur realisierbar, wenn sichergestellt ist, dass die Brandabschnitttrennung in den Obergeschossen sowie im Untergeschoss dadurch nicht über- bzw. unterlaufen werden kann. Eine weitere Brandabschnitttrennung als äußere Abtrennung galt es zwischen dem geplanten Neubau und dem bestehenden Warmbau des Stadions zu realisieren, wobei auch dafür eine offene Lösung erforderlich war, da der geplante Verbindungsgang als Bindeglied zwischen den beiden Baukörpern zugleich den Haupteingang sowohl für den Neubau bildet als auch für das Bestandsgebäude inklusive der VIP- und Businessbereiche des Stadions.

Unmittelbar an den Verbindungsgang schließt der mittlere Treppenraum in Form eines offenen Atriums an, der darüber hinaus zum Museum und zum Fan-Shop über möglichst große Öffnungen verfügen sollte. In den Obergeschossen sollte die Erschließung der einzelnen Ebenen aus architektonischen Gründen zudem über verglaste Schiebetüranlagen realisiert werden, ohne dass zusätzliche, wenn auch offen gehaltene Rauch- oder Feuerschutzabschlüsse erforderlich werden. Neben diesen Herausforderungen war es die geneigte Fassade des Gebäudes, die die Planungsbeteiligten vor eine besondere Aufgabe stellte.

Abgesehen von den Schwierigkeiten, die Vorhangfassaden mit überwiegendem Glasanteil mit sich bringen, sollte gerade die Neigung der Fassade hinsichtlich der Vermeidung eines Brandüberschlags von Geschoss zu Geschoss konstruktiv eine Herausforderung werden. Das größte Problem besteht darin, dass die brandschutztechnischen Anforderungen hinsichtlich des Feuerwiderstands und des Raumabschlusses von Decken wie auch der Feuerwiderstand bzw. die Baustoffklasse von Fassaden definiert sind, der Anschluss der Decke an die Fassade und damit die Maßnahmen zur Verhinderung eines Brandüberschlags weder bauordnungsrechtlich noch über technische Regelwerke eindeutig bestimmt werden. Regelungen für diesen Anschluss gibt es – abgesehen von den Vorgaben für Hochhäuser – nur in Form der grundsätzlichen Vorgabe, dass ein Brandüberschlag von Geschoss zu Geschoss zu verhindern ist. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 3.2019 des FeuerTrutz Magazins (Mai 2019) erschienen. Der Autor behandelt darin die Lösungen, die für Museum und Fan-Shop sowie den offenen Verbindungsgang und das Atrium gefunden wurden. Außerdem beschreibt er die Besonderheiten der geneigten Fassade.

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Bautafel Borussia-8-Grad

  • Bauherr: Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH
  • Bauzeit: November 2016 bis 13.02.2019 (Tag der Eröffnung)
  • Eröffnung des Museums FohlenWelt: 03.05.2019
  • Kosten: 31 Mio. €
  • Planung: sop Architekten, Düsseldorf
  • Generalunternehmer: Köster GmbH, Osnabrück
  • Generalunternehmer Elektroarbeiten inkl. technischer Brandschutz: Siemens AG,
    NL Düsseldorf
  • Ausführungsplanung: Dälken Ingenieurgesellschaft mbH, Georgsmarienhütte
  • Vorplanung Brandschutz: Brandschutz Pistel GmbH, Erkelenz
  • Brandschutzkonzept: HAMACHER – Ingenieurbüro für Brandschutz, Mönchengladbach

Autor

Michael Hamacher, M.Eng.: Studium Baulicher Brandschutz und Sicherheitstechnik an der TU Kaiserslautern; Rettungsingenieurwesen an der Fachhochschule Köln; seit 2007 Projektingenieur in Sachverständigenbüros für vorbeugenden Brandschutz; zertifiziert als hauptverantwortliche Person für Brandmeldeanlagen nach DIN 14675 (TÜV) einschließlich Planung und Projektierung von Brandmeldeanlagen; als staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes Inhaber des bundesweit tätigen, gleichnamigen Ingenieurbüros für Brandschutz mit Hauptsitz in Mönchengladbach

Literatur

[1] DIN 4102-4: 2016-05 "Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile“

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Letzte Aktualisierung: 01.07.2019

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