Brandschutzkonzepte für Schwimmbäder: Projektbeispiele und Lösungsansätze

Brandschutzkonzepte für Schwimmbäder sind eine eigene Herausforderung. Eine individuelle brandschutztechnische Betrachtung ist erforderlich. Der Beitrag stellt Lösungsansätze anhand von drei Konzepten unter Berücksichtigung der geltenden Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes vor.

Außenansicht Stadtbad Heidberg in Braunschweig (Architektenzeichnung)
Abb. 1: Stadtbad Heidberg in Braunschweig (Bild: Mischa Lötzsch 4[e] motions)

Von Volker Nees und Karin Lautenschläger. Nachfolgend werden anhand der Schwimmbäder – des Stadtbads Heidberg in Braunschweig, des Horner Bads in Bremen und des AquaFun in Kirchlengern – einige Besonderheiten des Bäderbaus erläutert. Dazu gehört die brandschutztechnische Geschosszusammenfassung, erläutert am Stadtbad Heidberg. Die Durchführung einer Evakuierungssimulation zur Ermittlung der höchstmöglichen Zahl der Gebäudenutzer wird am Beispiel des Horner Bads in Bremen begründet. Ebenso dient die Evakuierungssimulation der Planung und Ausführung von Rettungswegen. Weiter wird der Verzicht auf innere Brandwände am AquaFun in Kirchlengern verdeutlicht.

Bautafeln der Schwimmbäder

Horner Bad Bremen
Vorstraße 75, 28239 Bremen

  • Bauherr: Bremer Bäder GmbH, Bremen
  • Architekt: janßen bär partnerschaft mbB, Bad Zwischenahn
  • Brandschutzplanung: nees Ingenieure GmbH, Münster, Hamburg, München
  • Bruttogeschossfläche: ~11.700 m²
  • Baubeginn: Abbrucharbeiten Oktober 2018, Rohbau September 2019
  • Fertigstellung: geplant Oktober 2021

Stadtbad Heidberg Braunschweig
Sachsendamm 10, 38124 Braunschweig

  • Bauherr: Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH, Braunschweig
  • Projektsteuerung: CONSTRATA Ingenieur-Gesellschaft mbH, Bielefeld
  • Architekt: pbr Braunschweig, Braunschweig
  • Brandschutzplanung: nees Ingenieure GmbH, Münster, Hamburg, München
  • Bruttogeschossfläche: Bestand: ~4.000 m², Neubau: ~3.700 m²
  • Baubeginn: Juni 2019
  • Fertigstellung: geplant Februar 2021

AuqaFun Kirchlengern
Am Hallenbad 1, 32278 Kirchlengern

  • Bauherr: Gemeinde Kirchlengern, Kirchlengern
  • Architekt: Geising + Böker GmbH Architekten BDA, Hamburg
  • Brandschutzplanung: nees Ingenieure GmbH, Münster, Hamburg, München
  • Bruttogeschossfläche: ~3.000 m²
  • Baubeginn: Februar 2020
  • Fertigstellung: geplant Herbst 2021

Gebäudenutzer

Die Herausforderungen an die Erstellung eines schutzzielorientierten Brandschutzkonzepts für Schwimmbäder unterscheiden sich hinsichtlich der brandschutztechnischen Anforderungen des Gebäudes und des Gebäudenutzers. In einem Schwimmbad ist der ständig wechselnde Nutzerkreis zu berücksichtigen. Ein fest definierter Nutzerkreis unterscheidet sich von einem wechselnden Nutzerkreis hinsichtlich der Vertrautheit mit der Umgebung. Bei einem wechselnden Personenkreis handelt es sich um Personen, die sich in einem ihnen nicht bekannten Gebäude aufhalten und daher nicht mit der Rettungswegsituation vertraut sind.

Entscheidend für die Erstellung des Brandschutzkonzepts sind die Größe des Gebäudes, die geplanten Nutzungen und die anwesenden Personen. So wird eine individuelle Lösung in Übereinstimmung mit den Anforderungen des Bauherrn und der Behörden erzielt.

Gebäudeeinstufung

Für die Einstufung eines Gebäudes sind die Gebäudehöhe, die Nutzung und die Ausdehnung maßgebend. Die betrachteten Schwimmbäder stellen eine besondere Nutzung dar und bestehen aus einem Kellergeschoss mit der Schwimmbadtechnik und einem ebenerdigen Geschoss, dem Schwimmbereich.

Die vorliegenden Bäder werden in die Gebäudeklasse 3 eingestuft. Es handelt sich um Sonderbauten.

Sofern keine Veranstaltungen im Sinne der Versammlungsstättenverordnung stattfinden und der Schwimmbereich bestimmungsgemäß genutzt wird, werden Schwimmbäder nicht als Versammlungsstätte bewertet. Es handelt sich bei den anwesenden Personen im Schwimmbad um Badegäste (Sportler) und nicht um Besucher im Sinne der Versammlungsstättenverordnung.

Außenansicht/Eingangsbereich Horner Bad in Bremen (Architektenzeichnung)
Abb. 2: Horner Bad in Bremen (Bild: janßen bär partnerschaft mbB, Architekten und Ingenieure)

Gefahrenanalyse und Besonderheiten

Das Geschoss unterhalb des Schwimmbeckens dient der Schwimmbadtechnik und der Schwimmbadausstattung. Zur Ausstattung zählt z.B. die Bojenkette, die zur Aufteilung des Schwimmbeckens in einzelne Bahnen dient. Durch den Boden im Erdgeschoss im Stadtbad Heidberg (s. Abbildung 1 u. 2) werden die Versorgungsleitungen sowie die Bojenketten für die Schwimmbereiche geführt. Folglich steht der Bereich unter den Schwimmbecken im Kellergeschoss funktional mit den Schwimmbereichen im Erdgeschoss in Verbindung. Eine brandschutztechnische Geschosstrennung ist daher nicht möglich. Die Geschosse werden brandschutztechnisch zusammengefasst.

Innenansicht/Eingangsbereich Stadtbad Heidberg in Braunschweig mit Schwimmbecken (Architektenzeichnung)
Abb. 3: Das Schwimmbecken mit Bojenkette (Bild: Mischa Lötzsch 4[e] motions)

Brandmeldeanlagen in chlorhaltiger Umgebung

Brandmeldeanlagen dienen der frühzeitigen Branddetektion. Diese Anlage ist mit automatischen und/oder nicht automatischen Brandmeldern ausgestattet. Bei der Installation einer Brandmeldeanlage mit automatischen Brandmeldern ist die Besonderheit der Luftqualität in einem Schwimmbad zu berücksichtigen. Die Luftqualität steht durch den Einsatz von Chlor zur Erhaltung der Wasserqualität in Korrelation. Der in der Luft enthaltende Chloridanteil ist in der Planung zu beachten. Entscheidend für die Planung und Auslegung der Brandmeldeanlage mit automatischen Brandmeldern ist die Ausführung des Gebäudes. Über die Verwendung automatischer Brandmelder im Schwimmbereich entscheidet das Planungsteam individuell für das Gebäude. In den drei beschriebenen Bädern wird auf automatische Brandmelder oberhalb der Wasseroberfläche verzichtet.

Rettungswege

Die spezifischen Anforderungen an das Rettungswegsystem, das zum einen der Selbstrettung von Personen aus dem Gebäude und zum anderen dem Angriff der Feuerwehr dient, werden im Brandschutzkonzept berücksichtigt. Dafür sind die Rettungswege ausreichend zu dimensionieren. Notwendige Öffnungen im Zuge von Rettungswegen sind in Abhängigkeit von der Personenzahl des Gebäudes zu planen. Das Horner Bad (s. Abbildung 3) dient als Austragungsort für Wettkämpfe mit einem wettkampfgerechten Becken und Zuschauerplätzen. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 1.2021 des FeuerTrutz Magazins erschienen. Darin wird die Evakuierungssimulation beschrieben, die durchgeführt wurde, um eine höchstmögliche Nutzerzahl für das Schwimmbad festlegen zu können. Weitere Themen sind Abweichungen hinsichtlich Brandwände und Türen zwischen den Rauchabschnitten sowie die Darstellung im Brandschutzplan. Die Autoren geben außerdem eine Zusammenfassung mit den Besonderheiten für die Erstellung eines Brandschutzkonzepts für ein Schwimmbad.

Autoren

Volker Nees: Dipl.-Ing., Geschäftsführender Gesellschafter der nees Ingenieure GmbH Münster, München, Hamburg; staatlich anerkannter Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes; Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Münster; regelmäßige Fachvorträge zum Brandschutz

Karin Lautenschläger: B. Eng. Gebäudetechnik, Mitarbeiterin nees Ingenieure GmbH; vorbeugender Brandschutz; Brand- und Rauchsimulationen; Evakuierungssimulationen

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Letzte Aktualisierung: 09.03.2021