Brandschutzplanung im Bestand nach WTA

Bestehende Gebäude und Baudenkmale stehen oft im Widerspruch zu aktuellen Forderungen des Brandschutzes. Die neuen Merkblätter der WTA e. V. unterstützen dabei, derartige Konflikte zwischen dem Brand-, dem Bestands- und Denkmalschutz aufzulösen. Der Beitrag stellt den ersten Merkblattentwurf und die zukünftig geplante Struktur der WTA-Merkblätter zum Brandschutz vor.

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 1: Historischer Brandschutz (Bild: G. Geburtig)

Historischer Brandschutz und heutige Anforderungen

Im Verlauf der Jahrhunderte änderten sich die Brandschutzanforderungen stetig, wobei die Menschen immer wieder aus verheerenden Brandereignissen lernten und im Nachhinein das Bedürfnis nach einem größeren Brandschutz in den Gebäuden anwuchs. Aber anders als häufig verstanden, gibt es bereits seit vielen Jahrhunderten Bestrebungen der Menschheit, den Brandschutz bei Gebäuden zu verbessern und insbesondere die Nachbargebäude vor einer Ausweitung des Brandgeschehens weitmöglich zu bewahren (s. Abb. 2). Derartige Bestandskonstruktionen wurden üblicherweise auch weiterhin akzeptiert, selbst wenn die Vorschriften des Brandschutzes über die Jahrhunderte hinweg immer weiter spezifiziert worden sind. Somit ist bei der Anwendung der jeweiligen neuen Regeln auch eine gewisse Trägheit bei der Durchsetzung dieser wahrzunehmen. Deswegen stehen im bestehenden Gebäude historische Baudenkmale oftmals im Widerspruch zu den aktuellen Forderungen des Brandschutzes, was nicht selten zu größeren Konflikten, für die es gebührende Lösungen zu suchen gilt, führt.

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 2: Historische Brandmauer (Bild: G. Geburtig)

Nachträgliche Brandschutzanforderungen stellen immer eine immense Herausforderung für alle an einer Sanierung oder denkmalpflegerischen Behandlung Tätigen gleichermaßen dar: Nachrüstungen sind zuvorderst bei Baudenkmalen nur sehr schwer mit dem Bestand in den Einklang zu bringen. Nicht selten entstehen hohe Kosten, beteiligte Planer sind unsicher bei der Anwendung von Vorschriften oder Normen, die zunächst nur für Neubauten bestimmt sind, und Genehmigungsbehörden scheuen sich vor der Zulassung von Abweichungen.

Brandschutz im Bestand und bei Baudenkmalen nach WTA

Um diese mitunter scheinbar unlösbaren Konflikte bewältigen zu können, stellt sich die Wissenschaftlich-technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkerhaltung und Denkmalpflege (WTA e. V.) seit 2019 mit der Einrichtung des neuen Referates 11 Brandschutz der Aufgabe, ein Regelwerk für den angemessenen Umgang mit den Notwendigkeiten des Brandschutzes beim Gebäudebestand zusammenzustellen. Auf der Grundlage des jahrhundertelangen Erfahrungsschatzes des Handwerks, verbunden mit dem heutigen Wissensstand bis hin zu den Ingenieurmethoden des Brandschutzes sollen praxisorientierte Merkblätter geeignete Arbeitshilfen und damit anerkannte Regeln der Technik für den adäquaten Brandschutz bei bestehenden Gebäuden begründen.

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 3: Struktur der geplanten Merkblätter des Referates 11 [1] (Bild: WTA-Merkblatt E-11-1, Ausgabe 03.2020/D#)

Das Ziel des Referates Brandschutz ist es, in nächster Zeit auf ein Grundlagenmerkblatt aufbauend, eine ganzheitliche Strategie sowohl für die Brandschutzplanung im Bestand als auch für die geeignete Umsetzung der erforderlichen Brandschutzmaßnahmen bis hin zum Brandschutzmanagement zu entwickeln. Das Fundament konnte nunmehr mit dem Entwurf für das Merkblatt Brandschutz im Bestand und bei Baudenkmalen nach WTA I: Grundlagen gelegt werden, welches im März 2020 erschien. Dem sollen dann der in diesem ersten Merkblatt beschriebenen Struktur folgend weitere Merkblätter erscheinen, die sich mit den jeweiligen Detailfragen des Brandschutzes im Bestand auseinandersetzen. Diese werden zunächst die Grundlagenermittlung und die Analyse von bestehenden Bauwerken hinsichtlich des Brandschutzes, die unterschiedlichen Themen der Brandschutzplanung, der Barrierefreiheit und der Anlagentechnik für bestehende Gebäude in brandschutztechnischer Hinsicht, die Klassifizierung von Bestandsbauteilen und die Anwendung von Brandschutz-Ingenieurmethoden beim Gebäudebestand umfassen. Darüber hinaus sind Merkblätter zur Ausführungsplanung, der Bauphase, der Dokumentationserfordernisse und dem Brandschutzmanagement bei bestehenden baulichen Anlagen geplant. Für die Zukunft ist dann auch der Aufbau von WTA-Zertifizierungsregeln beabsichtigt, zu vergleichen mit denen für die Sanierputzsysteme oder für die Abdichtungsstoffe, die auf der Grundlage der Auswertung von Naturbränden und von Brandversuchen mit üblichen historischen Bestandskonstruktionen erarbeitet werden sollen (s. Abb. 3).

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 4: Das WTA-Merkblatt 8-12 gilt für Fachwerkgebäude weiterhin. (Bild: G. Geburtig)

Unabhängig von dieser Arbeitsstruktur, die sich das Referat Brandschutz gegebenen hat, wird das in der Praxis bewährte WTA-Merkblatt 8-12 Brandschutz von Fachwerkgebäuden und Holzkonstruktionen [2] des Referats Fachwerk / Holzkonstruktionen in der WTA e. V. der Fachwelt erhalten bleiben und in Kooperation der beiden Referate fortlaufend aktualisiert. Damit werden parallel zu den Arbeiten im Referat Brandschutz dort die erforderlichen brandschutztechnischen Planungsschritte für bestehende Gebäude mit brennbaren Bauteilen, dem richtigen Umgang mit erforderlichen Abweichungen und Erleichterungen in dieser Hinsicht sowie den verschiedenen hölzernen Trag- und Ausbaukonstruktionen und hinsichtlich des Feuerwiderstandes von Fachwerkwänden, Holzbalkendecken, unbekleideten Balken, Unterzügen und Stützen, Holztreppen sowie Verbindungsmitteln weiter detailliert betrachtet. Das WTA-Merkblatt 8-12 behält somit für Fachwerkgebäude und Bestandsgebäude mit hölzernen Konstruktionen weiterhin seine Gültigkeit.

Das Merkblatt E 11-1 im Kurzporträt

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 5: Merkblatt E-11-1 (Deckblatt) (Bild: WTA-Merkblatt E-11-1, Ausgabe 03.2020/D#)

Allgemein

Die Beteiligten bei einer Brandschutzplanung sehen sich mit aktuellen funktionellen, gestalterischen und baurechtlichen Anforderungen konfrontiert und haben zugleich ein oftmals geringeres brandschutztechnisches Niveau des Bestandes zu beachten. Diese Ungleichgewichtung zwischen dem heutigen Sicherheitsanspruch und dem überlieferten Sicherheitsvermögen führt in der Praxis leider des Öfteren zu Verwerfungen, welche entweder die Nutzbarkeit von Bestandsgebäuden für bestimmte Zwecke, deren Gestaltung, die denkmalpflegerische Wertigkeit oder die Wirtschaftlichkeit in Frage stellen. Dabei liegen vor allem in den vorbereitenden Planungsphasen des Brandschutzes erhebliche Chancen, eine angebrachte Bestandserhaltung zu ermöglichen. Das Merkblatt liefert dafür ein grundsätzliches Extrakt für eine richtige Behandlung von bestehenden baulichen Anlagen aus dieser Sicht und ist auch für solche Fälle geeignet, bei denen eine Brandschutzplanung wegen nicht vorhandener Bestandsunterlagen beauftragt wurde oder keine wesentlichen baulichen oder nutzungstechnischen Änderungen geplant sind.

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Abb. 6: Historische Treppe in einem modernisierten Museum (Bild: G. Geburtig)

Bestandsschutz und Brandschutz 

Als Ausgangspunkt für eine korrekte Handhabung werden in dem Merkblatt die Begriffe der zunächst stets gegebenen Rechtsposition des Bestandsschutzes in Beziehung zu den gegenwärtigen Forderungen des Brandschutzes bei einer Modernisierung (s. Abb. 6), einem Umbau oder einer Umnutzung (s. Abb. 7) erörtert. Es wird unterdessen zwischen den Gefahrbegriffen der abstrakten und der konkreten Gefahr unterschieden, Bezug auf das sich daraus im Einzelfall entwickelnde bauaufsichtliche Anpassungsverlangen genommen und der jeweilige prinzipielle Handlungsbedarf beschrieben. Während bei einer Modernisierung nicht ohne Weiteres Nachforderungen zu stellen sind, ziehen Umnutzungen – auch wenn zugleich kaum bauliche Veränderungen gewünscht werden – durchaus größere notwendige Veränderungen nach sich.

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 7: Umnutzung in eine Versammlungsstätte (Bild: G. Geburtig)

Vordergründig kommt es dabei natürlich auf die konkrete Rettungswegsituation an, wobei mitunter auch entweder eine schmerzhafte Nachrüstung erforderlich sein kann, wenn eine Vielzahl von Personen bei einem Brandfall gefährdet wären oder die bestehende Situation beispielsweise einem sog. Anleitermanöver standhalten muss (s. Abb. 8).

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Abb. 8: Anleiterversuch an einem Bestandsgebäude (Bild: G. Geburtig)

Brandschutzplanung

Zunächst ist es wichtig, den gegenständlichen Anlass für eine Brandschutzplanung exakt zu beschreiben, damit feststellen zu können, wann und wodurch ein Bestandsschutz mitunter durchbrochen wird und deswegen auch mit umfangreicheren Nachforderungen des Brandschutzes zu rechnen ist. Das Merkblatt gibt auch dazu wichtige Hinweise für die entsprechende Handlungsweise.

Ausgehend von einer archivalischen Bestandsanalyse über die notwendige Bestanderfassung und -beurteilung werden die erforderlichen Planungsstufen eingehend beschrieben und die jeweiligen Erfordernisse angegeben. Diese ist besonders für das gegenseitige Verständnis zwischen dem Bauherrn und den beteiligten Planern wichtig, weil derart verständlich wird, warum zu welchem Planungsstand eine entsprechende brandschutztechnische Planung notwendig ist.

Unter dem Kapitel der Brandschutzplanung werden zudem die Themen der Barrierefreiheit und des Kulturgutschutzes beleuchtet, denen u.a. zu einem späteren Zeitpunkt noch weiterführende Merkblätter gewidmet werden sollen.

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 9: Nicht gekennzeichneter Ausgang zu einem Rettungsweg in einem Baudenkmal (Bild. G. Geburtig)

Eine Auseinandersetzung mit dem Brandschutz bei Baudenkmalen erfolgte seitens der WTA e. V. bereits in enger Kooperation mit der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (VdL). Im Ergebnis dieser Zusammenarbeit entstand im Jahr 2014 das neue Arbeitsheft 13 zum Brandschutz bei Baudenkmalen [3] der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (VdL). Dieses bildet mittlerweile bereits die maßgebliche Grundlage für den richtigen Umgang mit dem Brandschutz bei Baudenkmalen, auf das im Merkblatt ebenfalls Bezug genommen wird. In der Abbildung 9 ist beispielsweise eine soeben restaurierte, zu einem Rettungsweg führende Tapetentür zu sehen, bei der auf eine übliche und denkmalpflegerisch nicht zu vertretende Rettungswegkennzeichnung verzichtet werden konnte. Es wurde stattdessen in diesem Schlossgebäude in dieser Hinsicht auf eine organisatorische Brandschutzmaßnahme zurückgegriffen.

Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich auch bei Baudenkmalen auf der Sicherung von Rettungswegen, denn der Grundsatz einer Brandschutzplanung lautet auch aus denkmalpflegerischer Sicht: „Bestandsschutz hört spätestens dort auf, wo Gefahren für Leben und Gesundheit bestehen“. [4] In diesem Fall entsteht ein Handlungsbedarf: Entweder ist unverzüglich nachzurüsten, oder – wenn das nicht denkmalverträglich geschehen kann – die Nutzung zu untersagen bzw. einzuschränken.

Bereits seit längerer Zeit besteht die Möglichkeit, die Dienlichkeit ausgleichender Maßnahmen mit Hilfe von Methoden des Brandschutzingenieurwesens nachzuweisen. Mittels anerkannter Verfahren können Nachweise erfolgen, dass für vorgegebene bzw. erforderliche Zeiträume die vorhandenen Rettungswege ausreichend zu benutzen bzw. wirksame Löscharbeiten möglich sind oder die Standsicherheit ausgewählter Bauteile gewährleistet ist. Die in den sicherheitstechnisch erforderlichen Zeiträumen einzuhaltenden Kriterien, die entweder der Begründung einer Abweichung oder dem Nachweis der geeigneten Maßnahme dienen können, sind aufgrund anerkannter Aspekte des Brandschutzes objekt- und schutzzielbezogen festzulegen. Im Merkblatt wird dabei auf die unter Wirkung der WTA e. V. erarbeitete DIN 18009-1 [5] verwiesen, welche die Basis für die Anwendung der Brandschutzingenieurmethoden bildet.

Eines der folgenden Merkblätter (s. Abb. 3) des Referates Brandschutz wird sich in der Zukunft dahingehend mit möglichen Anwendungen des Brandschutzingenieurwesens auf den Gebieten der Bauwerkserhaltung und der Denkmalpflege, der Findung von zulässigen Akzeptanzkriterien und geeigneten Praxisanwendungen für bestehende Gebäude beschäftigen.

Genehmigungsphase

In diesem Kapitel werden vorrangig die Unterscheidung der unumgänglichen und der lediglich optimierenden Brandschutzmaßnahmen aufgezeigt, das gebotene Prozedere für das Erlangen von Abweichungen und Erleichterungen veranschaulicht. Indessen erfolgt eine detaillierte Erläuterung der verschiedenen Formen von Abweichungen, die aus bauaufsichtlicher Sicht möglich sind, wobei ergänzend der korrekte Umgang mit der jeweiligen Abweichungsart zugeordnet wird. Bei einer entsprechend richtigen Vorgehensweise ist es dann möglich, weitgehende Spielräume für die Erhaltung bauzeitlicher Substanzerhaltung zu erzielen und dennoch eine behördliche Zustimmung zu erlangen.

Bauphase

Insbesondere während der Bauphase treten Gefährdungen durch Brände auf, was dennoch häufig unterschätzt wird und nicht zuletzt durch einen Brand auf der exponierten Baustelle des Humboldt-Forums im Berliner Stadtschloss im Frühjahr 2020 belegt wurde. Bereits alltägliche Arbeiten, wie schweißen, löten, Dachdeckungsarbeiten u. Ä. können ausreichen, um ein durchaus verheerendes Brandereignis auszulösen. Außerdem sind immer wieder Mängel durch das unsachgemäße Einbauen oder Verarbeiten mitunter komplexer Brandschutzprodukte, vor allem durch nicht ausreichende vorherige Beschäftigung mit den Herstellerrichtlinien etc. quasi vorprogrammiert.

Deswegen wurden in dem Merkblatt auch angebrachte Hinweise zur Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen gegeben, von der notwendigen Überwachung der Bauausführung, über ggf. erforderliche Interimskonzepte für Übergangslösungen, u. a. beim Bauen während einer weiteren (Teil-)Nutzung des Gebäudes bis hin zum Erfordernis der Prüfung sicherheitstechnischer Anlagen im Gebäude.

Dokumentation und Brandschutzmanagement

Da eine Baustelle ausdrücklich hinsichtlich der erforderlichen Brandschutzmaßnahmen nicht bereits mit der Beendigung der Bauarbeiten vollendet ist, widmet das Kapitel zur erforderlichen Dokumentation dieser. Es ist zu bedenken, dass die Rechtmäßigkeit des Bestandes nicht zuletzt von einer ausreichenden Dokumentation abhängt und damit der neue Lebenszyklus des Gebäudes beginnt. In mehreren Stufen wird beschrieben, wie das gelingt und welche wesentlichen Anforderungen dahingehend zu beachten sind.

Die organisatorischen Anforderungen des Brandschutzes runden die Wechselwirkungen der drei Säulen des Brandschutzes (bauliche, anlagentechnische und organisatorische Maßnahmen) ab und bilden nicht selten das Rückrad für das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Wirkungen. Diese Gesamtheit wird in dem Kapitel zum Brandschutzmanagement zusammengeführt und erläutert die entsprechenden Anforderungen während des Gebäudebetriebes, was namentlich von den Nutzern der sanierten oder modernisierten Gebäude ausreichend berücksichtigt werden muss.

Das betrifft im Besonderen den geschulten und sachverständigen Umgang mit den anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen, wie z. B. mit Brandmelde- und Alarmierungs-, Feuerlösch- oder Rauchabzugsanlagen (s. Abb. 10).

Die dauerhafte Funktionsfähigkeit solcher Anlagen ist für die ganzheitliche Wirkung eines Brandschutzkonzeptes außerordentlich wichtig und bewirkt im Gefahrenfall erst die ausreichende Sicherheit in der jeweiligen baulichen Anlage, in erster Linie für die in dem Gebäude befindlichen Nutzer und die (hoffentlich) rechtzeitig eingreifenden Feuerwehrleute.

Brandschutzplanung im Bestand nach WTA
Abb. 10: Wassernebellöschanlage, in einer historischen Decke kaum sichtbar installiert (Bild: G. Geburtig)

Mögliche Klassifikation von Bestandsbauteilen

Die Grundlage für den Einsatz von Bauprodukten und Bauarten des Brandschutzes zur Umsetzung der bauaufsichtlichen Anforderungen ist heutzutage die neue MVV TB [6] und hinsichtlich der brandschutztechnischen Klassifikationen von Bauteilen oftmals noch DIN 4102-4 [7], wonach Baustoffe in Baustoffklassen und Bauteile in Feuerwiderstandsklassen eingestuft werden. Doch die im Bestand vorhandenen Bauteile und Baustoffe sind des Öfteren nicht anhand dieser modernen Klassifikationsbestimmungen formal einzustufen, obwohl sie ausreichende Eigenschaften haben. Bestehende Gebäude und insbesondere Kulturdenkmale sind aber zugleich materielle Zeugnisse der Geschichte, die menschliche Leistungen, Gedankenwelten, Wertesysteme und Haltungen bis in unsere heutige Zeit überliefern, weshalb diese Zeugnisse möglichst authentisch sowie ohne Beeinträchtigungen erhalten bleiben sollen.

Daher gibt das Merkblatt abschließend erste Hinweise, in welcher Form die trotzdem gegebene brandschutztechnische Leistungsfähigkeit abweichender Bauteile dennoch richtig eingeschätzt werden kann und verweist auf geeignete Quellen, die dazu anzuwenden sind. Es wird u. a. auf eine aktuelle Auslegung des Normungsausschusses DIN NA 005-52-04 AA (DIN 4102-4) hingewiesen, nach der auch die früheren Fassungen der DIN 4102 zur Beurteilung herangezogen werden können.

Fazit und Ausblick

Mit dem Merkblattentwurf E-11-1 liegt nunmehr erstmalig eine Regelgebung für den richtigen und angemessenen Umgang hinsichtlich des Brandschutzes bei bestehenden Gebäuden und Baudenkmalen vor, die dazu beitragen möge, die häufiger in der Praxis auftretenden Konfliktsituationen bewältigen zu helfen.

Derzeit wird durch das Referat Brandschutz zudem die auf diesem Grundlagenblatt aufbauende Regelgebung durch die Bearbeitung von mehreren Merkblättern zu den Detailthemen des Brandschutzes im Bestand (s. Abb. 3) fortgesetzt. Wer dazu beitragen möchte, sei dazu herzlich eingeladen!

Anregungen und Einsprüche
Die Fachwelt ist aufgefordert, sich dazu zu positionieren und Anregungen bzw. Einsprüche an das Referat Brandschutz über die Geschäftsstelle der WTA e. V. bis zum 30.09.2020 einzureichen. Bereits für den Oktober 2020 ist die Einspruchssitzung geplant, damit das Merkblatt möglichst zügig als Grundlage für die Brandschutzplanung bestehender Gebäude und Baudenkmale in der abschließenden Fassung zur Verfügung steht und im Laufe der Zeit bestenfalls den Status einer anerkannten Regel der Technik erlangt.

Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) e.V.
www.wta-international.org

Übersicht aktueller WTA-Merkblätter
Brandschutz im Bestand und bei Baudenkmalen nach WTA I: Grundlagen (pdf)

Autor

Prof. Dr.-Ing. Architekt Gerd Geburtig: Planungsgruppe Geburtig; Fachautor und Dozent; Vorsitzender der regionalen Gruppe der WTA in Deutschland; Mitglied im Normungsausschuss Brandschutzingenieurverfahren (NABau) beim DIN; Prüfingenieur für Brandschutz

Literatur

[1] WTA-Merkblatt E-11-1, Brandschutz im Bestand und bei Baudenkmalen nach WTA I: Grundlagen, Ausgabe 03.2020/D

[2] WTA-Merkblatt 8-12, Fachwerkinstandsetzung nach WTA XII: Brandschutz von Fachwerkgebäuden und Holzbauteilen, Ausgabe 05.2017/D

[3] Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (VdL), Brandschutz im Baudenkmal, Arbeitsheft 13, Münster, 1. Aufl. 2014

[4] Brandschutzleitfaden für Gebäude besonderer Art oder Nutzung, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Berlin November 19982, S. 15

[5] DIN 18009-1:2016-09, Brandschutzingenieurwesen – Teil 1: Grundsätze und Regeln für die Anwendung, Berlin September 2016

[6] Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Amtliche Mitteilungen, Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (M VVTB) 2019/1, Ausgabe: 15.Januar 2020

[7] DIN 4102:2016-05, Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 4: Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile, Berlin Mai 2016

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Letzte Aktualisierung: 08.07.2020