DIvB: Urbane Nachverdichtung setzt gute Brandschutzplanung voraus

Eine Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover untersuchte die Möglichkeiten, vorhandene Flächen zusätzlich für Wohnungsbau zu nutzen und bestehende Gebäude aufzustocken. Das Deutsche Institut für vorbeugenden Brandschutz e.V. (DIvB) begrüßt urbane Nachverdichtung als Ansatz zur Linderung der Wohnungsnot.

März 2019. Durch die urbane Nachverdichtung könnten laut der "Deutschland-Studie 2019" bis zu 2,7 Mio. Wohneinheiten entstehen.
„Die Nachverdichtung der vorhandenen Bebauung ist ein guter Ansatz, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für vorbeugenden Brandschutz (DIvB) Jörg-Uwe Strauß. Allerdings müsse bereits in der Planungsphase ein hoher baulicher, anlagentechnischer und organisatorischer Brandschutz berücksichtigt werden.
Das größte Potenzial sieht die Studie in der Aufstockung von Gebäuden aus den 1950er- bis 1960er-Jahren sowie von Büro- und Verwaltungsgebäuden.
„Gerade bei der Aufstockung bestehender Gebäude muss der Brandschutz zwingend schutzzielorientiert überprüft und angepasst werden“, so Strauß. Dabei müsse in jedem Einzelfall bedacht werden, dass sich die Nutzungsart des Gebäudes möglicherweise ändert und sich anschließend mehr Menschen im Gebäude aufhalten. Im Fall eines Brandes müssen angemessene Flucht- und Rettungswege sowie weitere notwendige Brandschutzeinrichtungen gegen Feuer und Rauch vorhanden sein. Zudem darf die Feuerwehr durch den Umbau nicht in ihrem Löschangriff behindert werden.
In diesem Kontext sollte nach Ansicht des DIvB auch über Änderungen und Erleichterungen im Bauordnungsrecht nachgedacht werden. So könnten z. B. zusätzlich installierte Sicherheitsaufzüge als 2. baulicher Rettungsweg in aufgestockten Gebäuden anerkannt werden, wenn die Infrastruktur der Feuerwehr dies ermöglicht und ein wirksamer Löschangriff sichergestellt ist.
Solche Aufzüge unterstützen nicht nur die Selbstrettung der Bewohner, sondern ermöglichen ihnen zudem einen barrierefreien Zugang zur Wohnung und erhöhen dadurch den Wohnkomfort.
Generell wird der Aufwand für einen aktuellen vorbeugenden Brandschutz gegenüber den Vorteilen einer Nachverdichtung überschaubar bleiben: Schließlich sind Grundstück und Infrastruktur bereits vorhanden. Durch die effizientere Nutzung des Grundstücks ist es möglich, den zusätzlichen Wohnraum kostengünstig zu errichten. Eine Gebäudeaufstockung ist zudem für viele Immobilienbesitzer eine gute Gelegenheit, unsanierte Gebäude sowohl beim Energieverbrauch als auch in Sachen Brandschutz preiswert auf den neuesten Stand zu bringen.

Die Studie kann auf der Webseite der TU Darmstadt als pdf heruntergeladen werden: Deutschlandstudie 2019: Wohnraumpotenziale in urbanen Lagen / Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden

Deutsches Institut für vorbeugenden Brandschutz e.V. (DIvB)
www.divb.org

Letzte Aktualisierung: 21.03.2019