Feuerlöscheinrichtungen: Personen- und Sachwertschutz in Arbeitsstätten

Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, ihre Beschäftigten durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen vor Gefahren zu schützen. Eine mögliche Maßnahme ist der Einsatz von Feuerlöscheinrichtungen. Der Beitrag geht auf die Gefährdungsbeurteilung ein und beschreibt die Planung, Errichtung und das Betreiben von Löschanlagen in Arbeitsstätten.

Personenschutz und Sachwertschutz durch Feuerlöscheinrichtungen
Löschmittelflaschen einer Gaslöschanlage mit Wiegeeinrichtung zur Leckagekontrolle (Foto: BATEC Sicherheitsanlagen GmbH & Co. KG)

Dezember 2019 / Von Peter Gundermann. Da dem Arbeitgeber durch Rechtsvorschriften wie dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG [8]) und der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV [6]) die Verantwortung zum Schutz der Beschäftigten auferlegt wird, ist es seine Pflicht, durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen diese gesetzlichen Forderungen zu erfüllen.

Wenn es jedoch um den Sachwertschutz geht, obliegt es allein seiner Weitsicht und Sorgfaltspflicht, für sein Unternehmen entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Die o.g. gesetzlichen Vorschriften geben allerdings nur die Schutzziele vor und überlassen es dem Arbeitgeber, bei der Erfüllung seiner Pflichten die geeigneten und wirksamen Maßnahmen zu treffen.

Diese Vorgehensweise ist einerseits der Tatsache geschuldet, dass es völlig unmöglich ist, für die Vielzahl von Arbeitsstätten, die sich hinsichtlich der Nutzungsbedingungen, der Größe und insbesondere der Anzahl und Qualifikation der Beschäftigten unterscheiden, verbindliche Vorgaben in Rechtsvorschrift festzulegen, ohne Gefahr zu laufen, dass dabei Lücken bleiben bzw. Überregulierungen zustande kommen. Außerdem wird durch diese Rechtslage die Entscheidungsfreiheit des Arbeitgebers nicht unnötig eingeschränkt.

Um jedoch dem Arbeitgeber zur Umsetzung der in der ArbStättV fixierten Schutzziele eine Orientierung zu geben, hat der Gesetzgeber einen Ausschuss für Arbeitsstätten gebildet, in dem fachkundige Vertreter der relevanten Fachgremien vertreten sind.

Dieser Ausschuss hat die Aufgabe, dem Stand der Technik entsprechende Regeln für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in Arbeitsstätten zu ermitteln.

Werden diese technischen Regeln durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt gemacht, so gelten diese als allgemein anerkannter Stand der Technik. Arbeitgeber, die diese Regeln anwenden, können davon ausgehen, dass sie dadurch die Rechtsvorschriften erfüllen.

Grundausstattung für den Brandschutz in Arbeitsstätten

Für die Sicherung des Brandschutzes in Arbeitsstätten wurde als technisches Regelwerk die ASR A 2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ vom BMAS bekannt gemacht [7].

Auf der Basis einer Gefährdungsbeurteilung (siehe § 5 ArbSchG und § 3 ArbStättV) hat der Arbeitgeber zu ermitteln, ob für diese Arbeitsstätte bzw. einen bestimmten Bereich eine normale oder eine erhöhte Brandgefährdung vorliegt. Die Entscheidung darüber kann auf Basis der Definitionen und Beispiele der ASR A 2.2 und ergänzend auf Basis der TRGS 800 „Brandschutzmaßnahmen“ [11] getroffen werden.

Für jede Arbeitsstätte ist, unabhängig von der vorliegenden Brandgefährdung, die in der ASR A 2.2 festgelegte Grundausstattung mit Feuerlöschern zur Gewährleistung des Brandschutzes vorzusehen. Sofern lediglich eine normale Brandgefährdung vorliegt, kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass er mit dieser Grundausstattung seinen Pflichten zur Gewährleistung des Brandschutzes Genüge getan hat. Allerdings ist die Pflicht des Arbeitgebers damit noch nicht erfüllt, wenn er anhand des Kalkulationsschemas der ASR A 2.2 die Anzahl der erforderlichen Feuerlöscher ermittelt. Er muss auch feststellen, ob diese Feuerlöscher geeignet sind. Als Kriterien für diese Beurteilung gelten sowohl die Eignung der Feuerlöscher für die Brandbekämpfung der vorliegenden Brandstoffe, als auch die Eignung für die konkreten Bedingungen in der Arbeitsstätte einschließlich der Beurteilung hinsichtlich der Anwendung durch die Beschäftigten. Dazu sind z.B. folgende Hinweise in der ASR A 2.2 aufgeführt:

  • einfache Handhabung durch geringes Gewicht der tragbaren Feuerlöscher,
  • möglichst gleiche Funktionsweise bei Auslöse- und Unterbrechungseinrichtungen der Feuerlöscher,
  • mögliche Folgeschäden durch die Löschmittel sind zu berücksichtigen.

Personenschutz und Sachwertschutz durch Feuerlöscheinrichtungen
Objektschutzlöschanlagen an Bearbeitungsmaschinen (Foto: BATEC Sicherheitsanlagen GmbH & Co. KG)

Maßnahmen bei erhöhter Brandgefährdung

Für Arbeitsstätten, die nicht der normalen Brandgefährdung zugeordnet werden können, muss der Arbeitgeber zusätzlich zu dieser Grundausstattung Maßnahmen ergreifen. An dieser Stelle wartet die ASR A 2.2 mit nachfolgenden Beispielen auf, die bei einer erhöhten Brandgefährdung zur Sicherung des Brandschutzes als wirksam eingeschätzt werden.

  • Erhöhung der Anzahl der Feuerlöscher,
  • Bereitstellung von zusätzlichen Feuerlöscheinrichtungen, z.B. fahrbare Feuerlöscher oder Wandhydranten,
  • Ausrüstung mit Brandmeldeanlagen und
  • Einsatz von Löschanlagen.

Im Gegensatz zum detaillierten Algorithmus zur Ermittlung der erforderlichen Anzahl der Feuerlöscher für die Grundausstattung ist dies eine nicht abschließende Auflistung von möglichen Maßnahmen.

Die vielfältigen Gründe, die zur Feststellung einer erhöhten Brandgefährdung führen können, rechtfertigen auch eine Vielzahl unterschiedlicher zusätzlicher Maßnahmen oder deren Kombination.

So können z.B. auch organisatorische Maßnahmen oder die bauliche Eingrenzung von Bereichen mit erhöhter Brandgefährdung bzw. die Einbeziehung der Präsenz einer Werkfeuerwehr als geeignete Maßnahmen gelten. Maßgeblich für die Festlegung der konkreten Maßnahmen sind die Art der Gefährdung und die betrieblichen Bedingungen.

Daher sind umfassende Fachkenntnisse, praktische Erfahrungen und die Kenntnis der technischen Möglichkeiten zur Brandbekämpfung unabdingbare Voraussetzungen für die Festlegung der geeigneten Maßnahmen.

Oft wird der Arbeitgeber nicht ohne fachliche Beratung die notwendigen Maßnahmen festlegen können. Die Entscheidung zum Einsatz von Löschanlagen ergibt sich oft durch Forderungen aus dem Baurecht.

Bei der Gefährdungsbeurteilung für die Arbeitsstätte müssen jedoch insbesondere die Prozesse und technischen Einrichtungen betrachtet werden. Oft stellt sich dabei he­raus, dass nur für einen kleinen Bereich einer Arbeitsstätte, z.B. eine Verarbeitungsmaschine, einen bestimmten Arbeitsplatz oder einen Lagerbereich, eine erhöhte Brandgefährdung ermittelt wird.

Dann ist es durchaus gerechtfertigt, lokal wirkende Feuerlöscheinrichtungen einzusetzen. Der Vorteil automatischer Löschanlagen besteht darin, dass sowohl die Technik der Branderkennung als auch die Wahl des Löschmittels konkret auf den Gefährdungsbereich abgestimmt werden kann. Ist die Entscheidung für den Einsatz einer Löschanlage getroffen, so ist es der Arbeitgeber, der die Verantwortung für Planung, Errichtung und Betreiben trägt. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 6.2019 des FeuerTrutz Magazins (November 2019) erschienen. Dort werden außerdem die Planung, Errichtung und das Betreiben von Löschanlagen erläutert.

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Autor

Dipl.-Ing. Peter Gundermann: Ingenieurbüro für Brandschutz; Fachingenieur für Brandschutz; öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für handbetätigte Löschgeräte und Kleinlöschanlagen

Literatur

[1] Leitlinien zur Betriebssicherheitsverordnung; LASI-Veröffentlichung – LV 35

[2] Betriebssicherheitsverordnung vom 3. Februar 2015 (BGBl. I S. 49), zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 30. April 2019 (BGBl. I S. 554) geändert

[3] BekBS 1113, Bekanntmachung zur Betriebssicherheit „Beschaffung von Arbeitsmitteln“

[4] VdS 3813 – „VdS-anerkannte Errichterfirmen für Brandschutzanlagen“

[5] DGUV Information 205-026 Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Einsatz von Feuerlöschanlagen mit Löschgasen; herausgegeben von: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV); Ausgabe: Mai 2018

[6] Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV) Ausfertigungsdatum: 12.08.2004, zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 30. November 2016 (BGBl. I S. 2681; 2017 I 2839)

[7] ASR A 2.2 – Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A 2.2 „Maßnahmen gegen Brände“

[8] Verordnung über Arbeitschutzgesetz (Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG)

[9] LASI-Veröffentlichung – LV 40 „Leitlinien zur Arbeitsstättenverordnung“

[10] bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V.

[11] TRGS 800 (Brandschutzmaßnahmen)

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Letzte Aktualisierung: 13.12.2019

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