Fluorfreie Schaumfeuerlöscher: Umweltschutz statt Chemikalien

Der Einsatz fluorfreier Tenside macht Schaumfeuerlöscher umweltfreundlicher in der Anwendung, ohne ihre Effizienz zu beeinträchtigen. Neue Löschergenerationen setzen damit Maßstäbe bei der Bekämpfung von Entstehungsbränden der Klassen A und B.

Fluorfreie Schaumfeuerlöscher: Umweltschutz statt Chemikalien
Abb. 1: Mehr Umweltschutz, gleiche Leistung: Bei Feuerlöschern gibt es heute umweltfreundliche Alternativen. (Bild: Matthias Poczesniok auf Pixabay)

Von Jürgen Joseph. Etwa 80 % aller Entstehungsbrände in Deutschland werden mit mobiler Löschtechnik erfolgreich bekämpft [1]. Eine wichtige Rolle spielen dabei leistungsstarke Schaumfeuerlöscher. Sie sind für die Brandklassen A und B geeignet und verursachen relativ geringe Sekundärschäden. Jedoch stehen die in vielen herkömmlichen Feuerlöschern enthaltenen AFFF-Schaummittel (Aqueous Film Forming Foam) schon länger in der Kritik.

Mehrere relevante Umweltbehörden und Gremien haben sich in der Vergangenheit bereits dafür ausgesprochen, dass der Einsatz von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in Schaummitteln reguliert oder sogar verboten werden sollte, darunter die Europäischen Union mit der Europäischen Chemikalienagentur ECHA oder das POP Review Committee im Rahmen der Stockholm Convention. Und auch über die EU-Grenzen hinaus werden die Stimmen, die eine Regulierung oder ein Verbot der PFAS fordern, immer lauter.

In Deutschland wurde die Umweltschädlichkeit von AFFF-Schaummitteln vor rund zehn Jahren erkannt: Im Mai 2010 rief das Umweltbundesamt Hersteller und Anwender dazu auf, wo immer möglich auf den Einsatz von PFAS zu verzichten. In der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 steht dazu etwa: „Unternehmen, Kammern und Verbände sind gefragt, ihren Teil zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. So tragen z.B. Unternehmen für ihre Produktion und ihre Produkte die Verantwortung. Die Information der Verbraucher auch über gesundheits- und umweltrelevante Eigenschaften der Produkte sowie über nachhaltige Produktionsweisen ist Teil dieser Verantwortung.“ [2]

Die Gründe dafür sind nachvollziehbar: poly- und perfluorierten Chemikalien gelten als persistent, sind also in der Natur schwer oder gar nicht abbaubar. Daher haben sie sich seit ihrer Einführung weltweit ausgebreitet und können in lebenden Organismen nachgewiesen werden. Zudem sind manche Fluorverbindungen bioakkumulierend. Das bedeutet, dass sie sich in einem Lebewesen anreichern können. Diverse internationale Studien haben dies bereits belegt [3].

Umweltfreundlicher löschen

Da Löschschäume, die in Schaumfeuerlöschern der Brandklassen A und B eingesetzt werden, i.d.R. poly- und perfluorierte Chemikalien enthalten, tragen auch sie dazu bei, dass der Umwelt und somit auch Mensch und Tier geschadet wird. Doch sie machen nicht nur Probleme im Einsatz, sondern auch bei der Entsorgung: AFFF wird als Sonderabfall eingestuft und muss bei Temperaturen von rund 1.300 °C verbrannt werden, da die Fluorverbindungen erst bei dieser Temperatur sicher zerstört und unschädlich werden. Aus diesem Grund sind die Hersteller von Feuerlöschern mehr denn je gefordert, umweltfreundliche Alternativen zu entwickeln.

Die zu Johnson Controls gehörenden TOTAL Feuerschutz GmbH stellt sich dieser Herausforderung bereits seit geraumer Zeit. So wurden mit den Wasser-Feuerlöschern der WX-Generation bereits vor einigen Jahren erste Bemühungen in Richtung Umweltschutz angestellt. Die Geräte enthalten ein Löschmittel ohne Fluortenside. Dennoch erreichen sie sehr gute Leistungsdaten bei der Brandklasse A.

Für die Brandklasse B wurde 2019 ein 6-l-Schaumfeuerlöscher mit DIN-EN-3-Zulassung entwickelt. Dieser eignet sich zwar für den gewerblichen Einsatz, liegt aber im Rating, also in der Effizienz, noch unter den Modellen mit Fluorzusatz. Umweltfreundliche Technik muss somit durch den Einsatz von mehr Löschern erkauft werden. Denn die DIN EN 3 definiert die Wirksamkeit nicht nach Füllmenge, sondern nach Löschleistung, angegeben in Löschmitteleinheiten.

Im Oktober 2020 folgte daher ein weiterer Schritt in Richtung umweltfreundliche Löschtechnik: Mit dem Schaumlöschmittel TOTALON AB green + kann ohne Effektivitätseinbußen auf die Verwendung von per- und polyfluorierten Chemikalien verzichtet werden. Auf der Basis dieser Technologie erreicht etwa der Hochleistungsschaum-Aufladefeuerlöscher TOTAL SX 6 green ein Rating von 9 Löschmitteleinheiten und das Modell SX 9 green sogar ein Rating von 10. Auch bei dieser Tensid-Zusammensetzung wurde sichergestellt, dass elektrische Anlagen bis 1.000 V nach DIN EN 3 gefahrlos gelöscht werden können – wenn dabei der Mindestabstand von 1 m eingehalten wird.

Fluorfreie Schaumfeuerlöscher: Umweltschutz statt Chemikalien
Abb. 2: Die Schaumlöscher "SX6 green" und "SX9 green" sind trotz Umweltfreundlichkeit sehr effizient. (Bild: Johnson Controls)

Aufladefeuerlöscher nachrüsten

Gebäudebetreiber, die auf umweltfreundliche Feuerlöscher umsteigen wollen, können ebenfalls etwas für den Umweltschutz tun, ohne bestehende Modelle auszumustern. Aufladefeuerlöscher lassen sich in vielen Fällen einfach umrüsten. Da sie eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren haben, ist dies eine nachhaltige, kostensparende Option.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sowohl bei der Neuanschaffung als auch bei Nachrüstung von Schaumfeuerlöschern im gewerblichen Bereich sinnvoll sein kann, fluorfreier Schaumfeuerlöscher in die Investitionsentscheidung einzubeziehen.

Autor

Jürgen Joseph: Geschäftsführer der TOTAL Feuerschutz GmbH (eines Unternehmens der Johnson-Controls-Gruppe)

Quellen / Literatur

[1] Bundesverband Feuerlöschgeräte und -anlagen, www.feuerwehr-hamburg.de/2003/08/feuerloescher-erfolgreich-bei-der-brandbekaempfung

[2] Bundesregierung Nachhaltigkeitsstrategie 2016, S.10

[3] Pressemitteilung Umweltbundesamt; Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen; www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/kinderjugendliche-haben-zu-viel-pfas-imblut

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Letzte Aktualisierung: 15.02.2021