Integrierte Ansteuerung von Brandschutzklappen

Eine Neuentwicklung integriert die Ansteuerung der Brandschutzklappen direkt in den Feldbus der Brandmeldeanlage, sodass keine zusätzliche Steuerung notwendig ist. Zudem bietet die Lösung alle Vorteile eines EN54-konformen Peripherienetzwerks auch für die Funktionalität der Brandschutzklappen, ohne dass dafür ein eigenes Leitungsnetz erforderlich wäre.

FeuerTRUTZ Magazin 1-2018: Integrierte Ansteuerung von Brandschutzklappen
Abb. 1: Das optimale Zusammenspiel von Lüftungsanlage und Brandmeldesystem gewährleistet höchste Sicherheit im Brandfall. (Bild: Siemens)

März 2018 / Von Stefan Crass. Herkömmlicherweise werden automatische Brandschutzklappen bzw. ihre Antriebe über eine eigenständige Zentrale gesteuert, mit der sie über ein eigens dafür installiertes Leitungsnetz verbunden sind. Große Anlagen können dabei mehrere hundert Brandschutzklappen umfassen. Die BMZ kommuniziert in einem solchen Fall also nicht direkt mit jedem einzelnen Stellantrieb, sondern mit der Brandschutzklappen-Steuerzentrale. Technisch ist dagegen zunächst einmal wenig einzuwenden. Allerdings birgt das erforderliche Leitungsnetz Risiken: Im Fall einer Leitungsunterbrechung bzw. eines Kurzschlusses lassen sich die betroffenen Klappen nicht mehr ansteuern. Darüber hinaus steigert jeder einzelne Kabelstrang die allgemeine Brandlast im Gebäude. Und nicht zuletzt kostet die Verlegung bei der Erstinstallation und auch bei eventuellen späteren Erweiterungen Geld.

Brandschutzklappensteuerung über die BMZ

FeuerTRUTZ Magazin 1-2018: Integrierte Ansteuerung von Brandschutzklappen
Abb. 2: Über BACnet lassen sich Brandschutzklappen in Brandschutzsysteme, Managementplattformen und Automationsstationen von Siemens integrieren. (Bild: Siemens)

Neuentwicklungen zeigen einen anderen Weg: Die BMZ wird um eine neue Funktionalität erweitert, sodass sie direkt die Steuerung der Brandschutzklappen übernehmen kann. Eine zusätzliche Steuerzentrale ist damit ebenso wenig notwendig wie eine separate Verkabelung. Vielmehr sitzen die Steuermodule direkt auf dem Feldbus der Brandmeldeanlage (BMA), über den auch die Brandmelder und andere Peripheriegeräte mit der Zentrale kommunizieren.

Brandmeldesysteme nutzen heute multifunktionale Bussysteme. Sie sind frei skalierbar nach den gebäudespezifischen Anforderungen. Melder und Peripheriegeräte verfügen über integrierte Isolatoren. Bei herkömmlichen Systemen kann es nach einer Loop-Störung sehr lange dauern, bis Melder und Alarmgeräte wieder funktionieren. Dank Turboisolatoren erfolgt dies dagegen extrem schnell. So erreichen Alarme und Meldungen auch bei einer Leitungsunterbrechung die Zentrale ohne große Verzögerung und die Alarmierung mittels Alarmtongeber erfolgt praktisch unterbrechungsfrei und synchronisiert. Der Brandabschnitt ist damit weiter zuverlässig abgesichert. Turboisolatoren gewährleisten auf diese Weise eine unterbrechungsfreie und synchronisierte Alarmierung gemäß den Forderungen der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR, 2005).

FeuerTRUTZ Magazin 1-2018: Integrierte Ansteuerung von Brandschutzklappen
Abb. 3. Eine Neuentwicklung, wie sie Siemens seit Kurzem für das Brandmeldesystem Sinteso anbietet, erweitert die BMZ um eine neue Funktionalität, sodass sie direkt die Steuerung der Brandschutzklappen übernehmen kann. (Bild: Siemens)

Aus der Tatsache, dass die Brandschutzklappensteuerung direkt aus der BMZ und damit über das Peripherienetzwerk erfolgt, ergeben sich zahlreiche spezifische Vorteile: Das Gesamtsystem ist gemäß EN54 zugelassen. Weil das Feldbussystem im Loop, also ringförmig, verläuft, ist die Funktion auch bei Leitungsunterbrechung oder Kurzschluss jederzeit sichergestellt. Steuerbefehle laufen in diesem Fall in gegenläufiger Richtung an der Zentrale bzw. den Brandschutzklappen auf. Angesichts von nur einer ringförmigen Busleitung vereinfachen sich Planung, Installation, Inbetriebsetzung und Wartung. Spätere Erweiterungen der Anlage und die Nachrüstung zusätzlicher Brandschutzklappen sind jederzeit flexibel möglich. Auch ist die Brandlast geringer und der Installationsaufwand entfällt.

Zudem ist die Kommunikation mit den einzelnen Komponenten überwacht, was höchste Ausfallsicherheit gewährleistet: Wird ein Loop durch einen Kurzschluss oder eine Unterbrechung beschädigt, arbeitet das System im vollen Funktionsumfang weiter. Die Störung wird erkannt und kann behoben werden. Bei mehreren Fehlern geht das System in den „sicheren Betriebszustand“: Durch die damit verbundene Fail-Safe-Position der Steuerbausteine müssen die Brandschutzklappen automatisch geschlossen werden.

Fazit

Die Integration der Brandschutzklappensteuerung in die Zentrale beziehungsweise in das Feldbus-Peripherienetzwerk der Brandmeldeanlage bedeutet nicht nur einen geringeren Aufwand bei Installation und Verkabelung. Sie bringt auch weitere Vorteile mit sich: Als EN54-zugelassene Lösung mit Fail-Safe-Technologie bietet sie ein besonders hohes Sicherheitsniveau. Die Loop-Struktur gewährleistet eine kurzschluss- und unterbrechungssichere Kommunikation. Planung, Inbetriebsetzung und Erweiterungen werden ebenso einfacher wie die Durchführung und die Dokumentation wiederkehrender Prüfungen.

Autor

Dipl.-Ing. Stefan Crass: Seit über 20 Jahren Experte für technische Brandschutzlösungen bei der Siemens AG; berät als Senior Consultant Fire Safety in der Building Technologies Division vom Siemens-Standort Frankfurt/Main aus deutschlandweit Kunden der Gebäudetechnik

Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 1.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Januar 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 1.2018

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Letzte Aktualisierung: 07.03.2018

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