Interview: 5 Fragen zum barrierefreien Planen und Bauen

In der Rudolf Müller Mediengruppe, zu der auch FeuerTrutz gehört, leitet Tanja Buß das Geschäftsfeld "bfb barrierefrei bauen". Die FeuerTrutz Redaktion hat ihr fünf Fragen zum barrierefreien Planen und Bauen gestellt.

Interview mit 5 Fragen zum barrierefreien Planen und Bauen
Tanja Buß leitet das Geschäftsfeld "bfb barrierefrei bauen" in der Rudolf Müller Mediengruppe. (Bild: Verlagsgesellschaft Rudolf Müller)

Sie leiten in der Rudolf Müller Mediengruppe, zu der auch FeuerTrutz gehört, das junge Geschäftsfeld "bfb barrierefrei bauen". Weshalb wurde dieses Geschäftsfeld 2016 gegründet?

Tanja Buß: Wir werden alle immer älter und im Jahr 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahren alt sein. Und schon heute lebt jeder Zehnte mit einer anerkannten Schwerbehinderung, Tendenz steigend.

Das Gute ist: So vielfältig körperliche oder geistige Einschränkungen auch sein mögen, so groß sind die Möglichkeiten, diesen mit durchdachter Architektur zu begegnen. Und genau vor diesem Hintergrund haben wir vor zwei Jahren das neue Geschäftsfeld "bfb barrierefrei bauen" gegründet. Unser Ziel ist es, alle Bauschaffenden von der ersten Idee bis zur gebauten Lösung zu unterstützen und einen konstruktiven Beitrag zur Realisierung einer inklusiven Architektur zu leisten.

Welche Akteure treiben das Thema barrierefreies Planen und Bauen derzeit voran?

Tanja Buß: Architekten, Ingenieure und Bauausführende sind die ersten Ansprechpartner, wenn es um barrierefreie Gebäude oder die Barrierereduzierung im Bestand geht. Aber auch Genehmigungsbehörden und Kommunen sind gefordert, die steigenden gesetzlichen Anforderungen in die Praxis umzusetzen.

Einen großen Anteil haben auch die oft ehrenamtlich tätigen Behindertenbeauftragten, die z.B. bei öffentlich zugänglichen Bauprojekten angehört werden. Nicht zuletzt bemerkt man ein Umdenken auf Seiten der Bauherren. Immer mehr Investoren und Betreiber erkennen: Barrierefreiheit mausert sich zum Wettbewerbsvorteil.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie für eine breitere Akzeptanz des Themas?

Tanja Buß: Der baulichen Barrierefreiheit haftet noch immer das Image des Kostentreibers und Krankenhausdesigns an. Dabei bedeutet barrierefrei nichts anderes als eine komfortable und lebenslaufbeständig gestaltete Umgebung, von der im besten Fall alle profitieren. Die sinnvolle, bedarfsgerechte Umsetzung von Barrierefreiheit erfordert jedoch inter­disziplinäres Fachwissen und Augenmaß gleichermaßen. Es geht um weit mehr als um den Einbau von Rampen, Aufzügen oder Bodenindikatoren. Die Anforderungen sind komplex, manchmal widersprüchlich und Erfahrungen fehlen. Barrierefreies Bauen ist aber keine Frage der Kosten, sondern der richtigen Konzeption und vorausschauenden Planung.

Was tut sich in der Gesetzgebung und Normung? Ist die Barrierefreiheit dort bereits fest verankert?

Tanja Buß: Die Normenreihe DIN 18040 "Barrierefreies Bauen –Planungsgrundlagen" gibt es bereits seit mehreren Jahren. Der Teil 1 für öffentlich zugängliche Gebäude und Teil 2 für Wohnungen sind in fast allen Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt – wenn auch mit Einschränkungen. Dennoch ist der souveräne Umgang mit den Schutzzielen für viele Architekten und Planer noch ungewohnt. Denn je nach Gebäudeart und Nutzergruppe sind ganz unterschiedliche Lösungen angemessen und sinnvoll. Hier ein schlüssiges Konzept zu entwickeln, kann schwierig sein.

Daher empfiehlt es sich – insbesondere bei komplexeren Projekten, öffentlichen Gebäuden oder besonderen Nutzergruppen – frühzeitig einen Fachplaner für barrierefreies Bauen einzubinden. In unserer Experten-Datenbank können Sie übrigens nach entsprechend ausgebildeten Fachplanern suchen: www.bfb-barrierefrei-bauen.de/experten-datenbank/

Welche Informationsangebote gibt es für Planer, um sich in dem Bereich weiterzuentwickeln?

Tanja Buß: Im Geschäftsfeld "bfb barrierefrei bauen" widmen wir uns allen Themen rund um das barrierefreie und demografiefeste Planen und Bauen – speziell zugeschnitten auf die Baubranche und im Hinblick auf eine bedarfsgerechte und wirtschaftliche Umsetzung. Unser Herzstück ist der neue "Atlas barrierefrei bauen". Er bündelt auf über 1.200 Seiten die gesetzlichen Vorgaben und liefert Lösungen und Details für die verschiedenen Bauaufgaben, Bauteile und Nutzergruppen.

In unserem monatlichen Newsletter sowie im kostenlosen Themenheft berichten wir regelmäßig über gelungene Bauprojekte und Produktinnovationen. Und einmal jährlich diskutiert die Branche im Rahmen unserer Fachtagung "bfb barrierefrei bauen" über aktuelle Herausforderungen und Chancen. Alle Infos dazu unter www.bfb-barrierefrei-bauen.de

Info: Atlas barrierefrei bauen
Von Nadine Metlitzky und Lutz ­Engelhardt (Hrsg.).
Der Atlas bündelt die aktuellen gesetzlichen und normativen Vorgaben, liefert umfassende Planungshilfen und zeigt praxiserprobte Lösungen und Details für alle Bauaufgaben, Bauteile und Nutzergruppen.
Mehr Informationen unter www.bfb-barrierefrei-bauen.de/atlas/

Zur Gesprächspartnerin

Dipl.-Ing. Tanja Buß: Architektin, Leitung Geschäftsfeld "bfb barrierefrei bauen" in der Rudolf Müller Mediengruppe

Letzte Aktualisierung: 05.07.2018

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