Interview: "Gefragt sind Vernetzung und neue Arbeitsweisen"

Stefan Falk, Geschäftsführer VINCI Energies Deutschland Schutzsysteme, spricht in einem Interview über Digitalisierung, wie Gebäudebauer und -betreiber davon profitieren und was das für den Arbeitsalltag von Brandschutzplanern bedeutet.

April 2018. Datenerhebung und -analyse führen in fast allen Branchen zu automatisierten Abläufen, wovon Gebäudebauer und -betreiber auf vielfältige Weise profitieren können. Wie, das erklärt Stefan Falk im Interview am Beispiel von Predictive Maintenance. Er geht außerdem auf weitere erfolgversprechende Technologien ein und sagt, was im Alltag von Planern für Brandschutz, Sicherheit und Gebäudeinfrastruktur anders oder auch bleiben wird.

Das Interview ist in Ausgabe 2.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (März 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 2.2018

Interview mit Stefan Falk:
Unser Gesprächspartner Stefan Falk ist Geschäftsführer von VINCI Energies Deutschland Schutzsysteme. (Foto: VINCI Energies)

Sind "Monitoring" und "Predictive ­Maintenance" als Möglichkeiten der Digitalisierung in diesem Sektor realistisch umsetzbar?
Die Sensorik befähigt heute dazu, fast jeden Bereich zu überwachen und zu analysieren. Der Brandschutz bleibt da nicht außen vor, da sich das zugrundeliegende Datenflussmodell übertragen lässt. Die Sensormesswerte können genauso gut zum Brandschutzzweck in die Datenanalyse einfließen, die wiederum die Informationen für das Umsetzen von Predictive Maintenance liefert. Der Bedarf danach ist in der Praxis groß. Betreiber und Versicherer dürsten förmlich nach einer guten Lösung, die Anlagen überwacht und prädikative Instandhaltungsarbeiten ableitet und initiiert, wodurch sich die Anlagenverfügbarkeit weiter erhöht.

Was bremst oder behindert die Digitalisierung?
Wer Daten sammeln und auswerten will, muss zunächst eine technische Grundvo­raussetzung schaffen. Diese liegt im Zugang zur Cloud, bei dem es noch zu häufig hakt. Vor allem im Brandschutz und in der Sicherheitstechnik sind die Kunden besonders sensibel, manchmal vielleicht eine Spur zu viel. Dem wirkt nur eine sichere und transparente Lösung entgegen, die sicherstellt, dass Kundendaten nicht in falsche Hände geraten können.

Welche Konsequenzen entstehen für Gebäudebauer und -betreiber?
Gebäudebauer und -betreiber profitieren von der Digitalisierung. Verbessertes Monitoring der Anlagen schafft benötigte Freiräume für das Betreiberpersonal, weil wiederkehrende Kontrollen und Prüfungen durch Automatisierung unterstützt werden. Außerdem versetzen mehr sowie bessere Sensorik und die Anbindung an die Cloud einen Betreiber in die Lage, bei anstehenden technischen Alarmen besser und zielgerichteter zu agieren. Dies führt unweigerlich zu Kosteneinsparung. Die Effizienz und Arbeitserleichterung des Personals steigt noch stärker, wenn Unternehmen Augmented Reality für die Wartung einführen. Die Umsetzung dieser Technologie in einer Smart-Helmet-Anwendung für Servicetechniker markiert in dieser Entwicklung einen weiteren Meilenstein. Das Headup-Helmvisier stellt dem Techniker sämtliche Anlageninformationen sowie die nötigen technischen Daten der Anlage in Echtzeit zur Verfügung.

Online-Umfrage: BIM und Digitalisierung im Brandschutz

FeuerTRUTZ Network lädt alle im Brandschutz Tätigen ein, an einer Anwenderbefragung zum Thema "BIM und Digitalisierung im Brandschutz" teilzunehmen - die Umfrage läuft noch bis zum 16. April 2018.

Zur Online-Umfrage

Wie wird sich der Arbeitsalltag von Brandschutzplanern verändern?
Die Vernetzung der Planer untereinander wird wichtiger. Das gemeinsame und gleichzeitige Arbeiten an denselben Daten hat jedoch Konsequenzen. Es ergeben sich dadurch nicht nur neue Anforderungen an die Technik, sondern es verlangt von den Menschen, sich auf eine andere Arbeitsweise einzustellen.

Bei welchen Systemen kommt die Digitalisierung besonders schnell?
Wir setzen Digitalisierung bereits seit 20 Jahren ein, um unsere Planungen und Prozesse zu optimieren. In den nächsten Jahren wird sich der Fokus zur stärker mobilen Nutzung sowie Virtual und Mixed Reality verschieben.

Werden die vernetzten Systeme nicht angreifbarer und – spätestens nach dem ersten Softwareupdate von Anlagenteilen – in ihrer Vernetzung fehleranfälliger?
Wirksame Mechanismen müssen verhindern, dass z.B. eine Sprinkleranlage von außen gesteuert wird, egal wie oft ein Softwareupdate stattfindet. Vielversprechende Ansätze, das sicherzustellen, gibt es mit Geofencing und Ähnlichem. Sprinkleranlagen müssen auch in Zukunft autark funktionieren – unabhängig davon, wie weit die Digitalisierung voranschreitet.
 

Interview mit Stefan Falk: Gefragt sind Vernetzung und neue Arbeitsweisen
Schon heute und erst recht in naher Zukunft kommen zu den Verkehrsströmen in unseren Metropolen Datenströme hinzu, denn die Gebäude erzeugen immer größere Datenmengen und werden künftig wohl auch untereinander kommunizieren. Für Betreiber und Planer ergeben sich dadurch neue Herausforderungen und Chancen. (Foto: Pawel Nolbert on Unsplash)

Wird der Brandschutz als eigenständiger (Planungs-)Bereich bestehen bleiben oder reden wir bald "nur" noch umfassend von Gebäudesicherheit und haben nur noch einen Planer dafür?
Die Situation stellt sich doch folgendermaßen dar: Gebäude werden immer komplexer und größer, wobei die betrieblichen Erfordernisse die Gebäudestruktur definieren. Der nötige Brandschutz ist in sich schon sehr komplex, weshalb es sich als herausfordernd gestaltet, immer auf dem neusten Stand zu bleiben. Der Brandschutz umfasst eben nicht nur den Bau-, sondern auch den Technik- und den Organisationsbereich. Bei Sonderbauten muss die Planung zwischen den genannten drei Kernbereichen genau abwägen, welche Notwendigkeiten vorliegen. Gute Brandschutzplanung setzt fast alle Bedürfnisse und Erwartungen von Bauherren und Nutzern um. In Abhängigkeit von der Gebäudeart und Nutzung gibt es bei der Gebäudesicherheit weitere große Themenfelder wie Zutritt- und Videoüberwachung und vieles mehr zu beachten. Dies setzt ebenfalls umfangreiches Wissen voraus. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Brandschutz weiterhin eine hohe Spezialisierung erfordert. Aus diesem Grunde kann es den einzelnen Gesamtplaner nicht geben.

Welche Faktoren entscheiden künftig über den Erfolg von Planungsleistungen?
An einer Planung sitzen immer mehrere Spezialisten. Die Kunst besteht darin, sämtliche Planungsleistungen miteinander zu verzahnen und zu koordinieren. Zielführende Kommunikation ist daher das A und O für den Erfolg eines Projekts – am besten über moderne Systeme wie den "Digital Workplace" oder unternehmensinterne soziale Netzwerke.

Haben wir das fachlich qualifizierte Personal, um von der Planung über Errichtung bis hin zum Betrieb diese technischen Systeme flächendeckend umzusetzen?
Das Personal- und Fachkräftethema wird in der öffentlichen Debatte in den nächsten Jahren weiterhin an Bedeutung gewinnen. Fest steht: Nur Unternehmen, die sich der Personalentwicklung ausreichend widmen, bringen sich in die Position, für Anlagen- und Gebäudebetreiber ein verlässlicher Partner zu sein, der in der Planung, der Errichtung und der Wartung fachlich überzeugt. Wir bei VINCI Energies nehmen diese Herausforderung an und sind, wie in den vergangenen Jahren auch, gerade zum Top Employer in Deutschland ausgezeichnet worden.

Was raten Sie einem Brandschutzplaner oder Facherrichter heute, um sich auf den bevorstehenden Wandel vorzubereiten?
Der stetige Wandel macht eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung zwingend notwendig. Letztendlich geht es für uns alle darum, zwei entscheidende Fähigkeiten zu schulen und zu bewahren: offen für Neuerungen zu bleiben und die Gabe, sich zu vernetzen.

Info: Predictive Maintenance

Unter Predictive Maintenance versteht man einen vorausschauenden Ansatz, Maschinen und Anlagen proaktiv zu warten, um Ausfallzeiten zu verringern. Das Verfahren nutzt dazu von ­Sensoren erfasste Messwerte und Daten.

Zum Gesprächspartner

Stefan Falk: Geschäftsführer von VINCI Energies Deutschland Schutzsysteme

Das Inteview ist in Ausgabe 2.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (März 2018) erschienen.
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