Interview: "Gut durch die Pandemie gekommen"

Anfang März 2021 hat bei der svt Unternehmensgruppe mit Dr. Jens Reiners ein neuer CEO das Ruder übernommen. Im Interview Ende April 2021 sprachen er und Lothar Dombrowski, Geschäftsleiter und künftig Geschäftsführer der svt Brandschutz-Services, u.a. über die Akquisitionsstrategie und künftige Innovationen.

Screenshot eines Bildschirms mit Porträts von André Gesellchen, Dr. Jens Reiners und Lothar Dombrowski
Im digitalen Interview Ende April 2021: André Gesellchen (Leiter Programm, FeuerTrutz Network, links) mit Dr. Jens Reiners (CEO, svt Unternehmensgruppe, oben) und Lothar Dombrowski (Geschäftsleitung, svt Brandschutz-Services) (Quelle: FeuerTrutz Network)
Foto: FeuerTrutz Network

Herr Dr. Reiners, Sie sind seit 1. März Geschäftsführer der svt Unternehmensgruppe. Wie waren die ersten zwei Monate?

Dr. Jens Reiners: Die ersten beiden Monate waren toll. Ich bin sehr offen aufgenommen und willkommen geheißen worden. Mein Vorgänger Steffen Gerdau und ich hatten eine intensive Übergabephase. Eine Besonderheit war sicherlich, dass wir uns noch in der Corona-Pandemie befinden. Ein Teil des Kennenlernens mit den Mitarbeitern hat online stattgefunden. Aber wir haben alle Vorkehrungen getroffen, z.B. tägliche Schnelltests, Abstand und Mundschutz, damit ich auch Standorte und Werke besuchen konnte. Dabei habe ich viele Eindrücke bekommen und auch meinen ersten Brandversuch an einem unserer Entwicklungsinstitute miterlebt.

Für meinen Kollegen, Lothar Dombrowski, der als Geschäftsführer der svt Brandschutz-Services ja auch in eine neue Rolle schlüpft, war das sicher ein anderer Prozess, da er schon länger im Unternehmen ist.

Lothar Dombrowski: Ja, das stimmt, wir haben schon vor ungefähr einem Jahr den Geschäftsführerwechsel bei den Brandschutz-Services bekannt gegeben. Mein Vorgänger Martin Schwarz geht in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem er Großes geleistet hat. Und wir freuen uns sehr, dass er uns auch weiterhin beratend zur Verfügung stehen wird.

Herr Dr. Reiners, Ihr Vorgänger Steffen Gerdau wechselt in den Vorsitz des Beirats. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden künftig aus?

Dr. Jens Reiners: Wir haben in der Übergabephase ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Ich freue mich sehr, dass er mir und uns mit seinem Wissen als Sparringspartner erhalten bleibt. Die Zusammenarbeit wird in der neuen Konstellation positiv fortgeführt mit ihm als Vorsitzendem unseres Boards.

Der Bauwirtschaft geht es trotz Pandemie-Folgen vergleichsweise gut. Wie ist svt bisher durch die Krise gekommen?

Dr. Jens Reiners: Wir mussten uns vielen operativen Herausforderungen stellen, die wir aber gut gemanagt haben. Auch dank unserer loyalen Kundinnen und Kunden konnten wir uns mit einer stabilen Auftragslage gut entwickeln. Wir hatten zudem die finanziellen Mittel, einige Zusammenschlüsse umzusetzen, und sind stolz, dass wir 2020 erstmals die Umsatzmarke von 200 Mio. Euro realisiert haben. Zudem hat svt durch Neueinstellungen und Zusammenschlüsse die Marke von 1.000 Mitarbeitenden geknackt. Insofern sind wir gut durch die Krise gekommen.

Lothar Dombrowski: Die Auftragslage und die Prognose für 2021 sind stabil und weiterhin gut. Es wird aber Bewegung in den Markt kommen. Wir sehen durchaus Veränderungen. Mit Sicherheit wird das Bauen im Bestand an Bedeutung gewinnen, z.B. weil es mehr Umnutzungen gibt, wenn Büroflächen zusammengeführt werden. Wir sehen darin für uns einen positiven Impuls.

Zur Unternehmensgruppe gehören im Brandschutz u.a. Marken wie B.I.O., AIK oder Flamro. Jüngst hat svt weitere Brandschutz-Unternehmen gekauft, zuletzt DDL und die französischen Unternehmen Odice und Securo. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Dr. Jens Reiners: Wir wollen der Kompetenzträger der Brandschutzbranche sein. Unser Anspruch ist, organisch zu wachsen, aber auch das Unternehmen durch Zusammenschlüsse weiterzuentwickeln. Dabei geht es um zusätzliches Know-how sowie um Internationalisierung. Daher sind wir immer auf der Suche nach erfolgreichen Firmen, die uns geografisch oder beim Sortiment gut ergänzen. Odice ist als Zulieferer für Brandschutztüren, der auch in anderen Ländern wie Frankreich oder den USA stark vertreten ist, eine erfolgreiche Firma. Und Securo ist ein Unternehmen, das uns einen gewissen Footprint in Skandinavien bringt und innovative Produkte im Bereich hinterlüftete Fassaden entwickelt hat.

DDL wiederum ist ein beeindruckendes deutsches Unternehmen, das für uns das Thema Brandschutz bei druckdichten Durchführungen stärken soll. Insofern hat jede der genannten Akquisitionen eine gewisse Rolle. In Summe geht es darum, dass wir unseren Kunden mehr Kompetenz und ein besseres Portfolio auch im internationalen Kontext bieten.

In welchen Segmenten planen Sie in näherer Zukunft weitere Akquisitionen?

Dr. Jens Reiners:Konkrete Aussichten kann ich nicht geben, wir sind aber offen für weitere spannende Zusammenschlüsse. Es gibt viele tolle, mittelständische Firmen, auch im Brandschutz, die keine Nachfolgeregelung haben und für ihr Unternehmen eine positive Zukunft suchen. Wir streben Zusammenschlüsse auf Augenhöhe an und schützen das, was unsere neuen Partner stark gemacht hat.

Kommen wir zur Produktneuentwicklung. In welchen Segmenten wollen Sie da in Zukunft Schwerpunkte setzen?

Dr. Jens Reiners: Wir sind im F&E-Bereich sehr aktiv. An mehreren Standorten haben wir Entwicklungszentren und eigene Brandöfen. Wir wollen unseren Kunden das Leben leichter machen, etwa in Form einer einfacheren, schnelleren Montage, eines erweiterten Zulassungsumfangs oder einer verbesserten Produktperformance. Und es gibt natürlich viele kundenindividuelle Entwicklungsprojekte, etwa in den Bereichen Automotive, E-Mobilität oder Zugverkehr. Im 3. Quartal 2021 wird es einige Neuerungen geben, die wir z.T. auf der FeuerTrutz Messe zeigen.

Lothar Dombrowski: Auch in den Dienstleistungsbereichen wollen wir nach vorne gehen und haben Neuentwicklungen zu verzeichnen. Wir sind dabei, den Bereich Reinraumtechnologie aufzubauen. Wir haben Techniken für die Reinraumabschottung und bieten maßgeschneiderte Lösungen für den Schutz vor Viren, Stäuben und Gasen. Mit unserer Herstellerkompetenz können wir z.B. mit vorgefertigten Teilen bei der Montage Optimierungen erreichen, indem Zeit eingespart wird und Montagefehler vermieden werden. Im Bereich Schadensanierung und Umwelttechnik sind wir ebenfalls gut aufgestellt und wollen uns weiter im Markt etablieren.

Nicht selten klagen Hersteller im Brandschutz über lange Zulassungszeiträume. Wie lange dauert es bei svt im Schnitt von der Produktidee bis zum Marktstart?

Dr. Jens Reiners: Das ist unterschiedlich. Im Schnitt würde ich ca. fünf Jahre angeben. In unserer Branche geht es letztlich um Leib und Leben. Dass da Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht, ist sicher richtig. Beim Thema Zulassung sind wir, wie alle Branchenbegleiter, letztlich von der Arbeit des DIBt abhängig.

Zu svt gehört auch der Bereich Brandschutz-Services. Was bieten Sie da an?

Lothar Dombrowski: Zunächst sorgen wir bundesweit für den fachgerechten Einbau von Brandschutzsystemen. Dabei vereinen wir die Kompetenzen der Montage und die des Herstellers, sind also ein Komplettanbieter und können individuelle Lösungen erarbeiten. Ziel ist, unter Berücksichtigung baurechtlicher Anforderungen, aber auch abhängig von Nutzer- und Betreiberinte­ressen wirtschaftliche Lösungen zu erarbeiten. Gerade die Zusammenarbeit mit unserer F&E-Abteilung ermöglicht es, schnell Sonderlösungen für Kunden zu entwickeln. Wichtig ist auch die Dokumentation von Baumaßnahmen, die inzwischen einen deutlich höheren Stellenwert hat und für die wir uns entsprechend positioniert und technisch aufgestellt haben.

Diagramm mt Portfolio der svt Unternehmensgruppe
Zum Portfolio der svt Unternehmensgruppe zählen Produkte, Systeme und Materialien der Hersteller svt, Rolf Kuhn, Flamro, AIK, Odice und Securo sowie die Dienstleistungen in den Bereichen Schadensanierung und Brandschutz. (Quelle: svt Unternehmensgruppe)

Gut ausgebildete Fachkräfte sind auch im Brandschutz schwer zu finden. Wie versuchen Sie das Problem zu lösen?

Dr. Jens Reiners: Wir wollen ein erfolgreicher Arbeitgeber sein, der wächst und Entwicklungschancen sowie sichere Arbeitsplätze bietet. Bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter setzen wir auf die stolzen Kolleginnen und Kollegen, die wir schon haben, und die über Empfehlungen auch Menschen zu uns bringen.

Lothar Dombrowski: Wir gehen mit Fachvorträgen direkt in die Bildungsstätten: Meister- und Technikerschulen oder Hochschulen. Zum einen geht es darum, unser Know-how in die Ausbildung zu bringen, denn im Lehrplan ist der Brandschutz oft spärlich vertreten. Darüber schaffen wir es, künftige Mitarbeiter zu begeistern.

Ansonsten sind wir gerade im Umgang mit Covid flexibel geworden und haben auf digital umgestellt, u.a. das Onboarding neuer Kolleginnen und Kollegen, aber auch Schulungen und interne Fortbildungen.

Wie gehen Sie bei svt mit dem Thema Verbesserung der Nachhaltigkeit von Produkten und Geschäftsbetrieb um?

Dr. Jens Reiners: Das ist ein extrem wichtiges, aber auch ein breites Thema. Beim Geschäftsbetrieb geht es auch um den nachhaltigen Bestand des Unternehmens, um langfristig für Kunden und Mitarbeitende Sicherheit zu bieten. Es geht um nachhaltige Beziehungen und natürlich den ökologischen Footprint. Das Thema geht alle an, quer durch alle Bereiche und Abteilungen.

Lothar Dombrowski: Konkret bedienen wir wöchentlich Projekte im Holzbau. Dabei handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff. Und wir überarbeiten alle unsere Produktrezepturen – und gehen z.T. sogar über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus. Wir wollen aber auch gemeinsam mit unseren Kunden am Thema „zirkuläres Bauen“ arbeiten und unsere internen Prozesse dahin gehend ausrichten.

Wo sehen Sie im Brandschutz Potenziale für digitale Lösungen, und welchen Stellenwert hat die Digitalisierung für svt?

Lothar Dombrowski: Bei unseren Projekten gibt es zwei zentrale Punkte. Zum einen BIM als Unterstützung beim digitalen Planen. Wir stellen Planern BIM-Objekte zur Verfügung, die die richtigen Attribute für ihre Modelle enthalten. Das Ziel ist, durch optimierte Planung Gebäude noch sicherer zu machen. Zum anderen ist die Dokumentation zu nennen, die ich schon erwähnt habe. Für uns ist wichtig, dass der Kunde entscheidet, was er möchte. Denn man kann die Dokumentation „flach“ halten oder auch sehr tief betreiben. Wir sind für beide Bereiche mit einer entsprechenden App ausgerüstet und erreichen eine hohe Transparenz für alle Beteiligten auf dem Bau.

Dr. Jens Reiners: Der Stellenwert der Digitalisierung ist durch die Corona-Pandemie deutlich gestiegen. In der Kundenkommunikation haben wir daher die digitalen Medien stärker genutzt. Das wird z.T. auch so bleiben. Aber wir freuen uns natürlich, wenn man sich wieder real treffen kann, z.B. bei der FeuerTrutz Messe im Herbst.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview ist in Ausgabe 3.2021 des FeuerTrutz Magazins (Juni 2021) erschienen.
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Über die Gesprächspartner

Dr. Jens Reiners ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und seit März 2021 neuer CEO der svt Unternehmensgruppe. Seine Karriere startete er bei der DROEGE GROUP, bevor er zu HILTI wechselte und dort zuletzt als Geschäftsführer von HILTI Deutschland tätig war.

Lothar Dombrowski ist diplomierter Betriebswirt und seit 15 Jahren bei der svt Unternehmensgruppe tätig. Seit 2015 ist Lothar Dombrowski Mitglied der Geschäftsleitung der svt Brandschutz- Services und hat ab 1. Juli 2021 die Geschäftsführung dieser Gesellschaft übernommen.

Die svt Unternehmensgruppe

Seit mehr als 50 Jahren bietet die svt Unternehmensgruppe Dienstleistungen und Produkte im passiven baulichen Brandschutz sowie in der Schadensanierung an. Dabei werden u.a. Lösungen für die Bereiche Hoch- und Industriebau, Infrastruktur, Energie, Luftfahrt, Schiffe, Schienenfahrzeuge, Brandschutztüren und Batterien geschaffen. Seit 2020 befindet sich auch der planerische und organisatorische Brandschutz im Leistungsportfolio. Heute sind an mehr als 50 Standorten 1.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für svt tätig. Das Portfolio umfasst Produkte, Systeme und Materialien der Hersteller svt, Rolf Kuhn, Flamro, AIK, Odice, Securo und DDL.
Weitere Informationen unter www.svt.de

Letzte Aktualisierung: 05.07.2021