Interview zu brandschutztechnischer Objektüberwachung: "Qualität ist unschlagbar wirtschaftlich"

Mit brandschutztechnischer Objektüberwachung soll vor allem bei größeren Bauvorhaben sichergestellt werden, dass die geplanten und genehmigten Brandschutzeinrichtungen auch umgesetzt werden. Diese anspruchsvolle Aufgabe reduziert zudem die Zahl potenziell teurer und projektverzögernder Mängel. Die FeuerTrutz Redaktion sprach mit Stephan Bachmann über seine Erfahrungen in diesem Bereich.

Interview zu Brandschutztechnischer Objektüberwachung (Stephan Bachmann)
Als erfahrener Bauüberwacher weiß Stephan Bachmann, dass man neben dem notwendigen Fachwissen auf den Baustellen auch ein dickes Fell und Konfliktfähigkeit braucht. (Bild: Bachmann)

Herr Bachmann, worin genau besteht Ihre Aufgabe bei der brandschutztechnischen Bauüberwachung?

Bei der brandschutztechnischen Bauüberwachung bildet man das Bindeglied zwischen den Schnittstellengewerken und dem Unternehmen, das damit beauftragt wurde, die Maßnahmen des baulichen Brandschutzes im Projekt auszuführen. Die Herausforderung besteht darin, alle Maßnahmen im engen Rahmen des Projektterminplans zu koordinieren und dabei die Ausführungsqualität nicht aus dem Auge zu verlieren.

Ein weiterer sehr interessanter Aspekt ist die Entwicklung und Implementierung der Prozesse, z.B. eines funktionierenden Schottmanagements, oder die Standardisierung der genutzten Systeme. Daraus ergibt sich für das Unternehmen die Möglichkeit, einen hohen Qualitätsstandard festzulegen, auf den wiederum ein Qualitätsmanagement angewendet werden kann.

Was muss ein guter Objektüberwacher können – fachlich und im Umgang mit den anderen am Bau Beteiligten?

Als Objektüberwacher ist ein umfassendes Fachwissen über die rechtlichen Rahmenbedingungen sehr wichtig. Dieses Fachwissen kann man sich im beruflichen Alltag und durch den Besuch von Weiterbildungsmaßnahmen aneignen. Viel wichtiger ist es jedoch, ein Bauchgefühl für meine Projekte zu entwickeln. In den meisten Fällen bestätigt sich der erste Eindruck, den man von einem Projekt bekommt.

Viele Entscheidungen, die im Rahmen dieser Tätigkeit getroffen werden, sind auf der Beliebtheitsskala der Projektbeteiligten eher im unteren Drittel zu sehen. Daher benötigt man neben einer gewissen Resilienz gegen den Sturm der Entrüstung, der einem meist entgegenschlägt, natürlich auch das Talent, diese Entscheidungen zu moderieren.

Welche typischen Mängel finden Sie beim baulichen Brandschutz auf den Baustellen immer wieder?

Leider sind es sehr oft unzureichende Abstände zwischen den Abschottungen. Dabei kann dieser Mangeltyp eigentlich schon zu einem sehr frühen Projektzeitpunkt durch eine gute und präzise Planung ausgemerzt werden. Technisch ist es auch keine große Herausforderung mehr, Pläne mithilfe von Software regelbasiert zu prüfen.

Sehr häufig finden wir auch kleinere Abweichungen von den Verwendbarkeitsnachweisen. Kriminell wird es, wenn z.B. Hohlräume mit minderwertigen und zum Teil auch brennbaren Materialien verfüllt werden und dieser Pfusch am Bau mit einem sauberen Finish vertuscht werden soll.

Wie steht es um die Qualifikation der ausführenden Firmen im Allgemeinen?

Der Preisdruck in diesem Marktsegment ist sehr hoch. Da ein erheblicher Anteil der Unternehmen dem Preisdruck nachgibt, damit so etwas wie ein Gewinn am Ende steht, wird oftmals an qualifiziertem Personal gespart. Daraus resultiert leider eine ungenügende Qualität, wenn nicht effektiv kontrolliert wird.

Auch das notwendige Fachwissen über die Produkte und die Vorgaben, die sich aus den Anwendbarkeitsnachweisen und den Montageanleitungen ergeben, ist oft nur rudimentär oder gar nicht vorhanden. Leider habe ich bisher wenige Fachbauleiter oder Handwerker auf den Projekten angetroffen, die wirklich den notwendigen fachlichen Background haben, dieses zum Teil sehr komplexe Gewerk richtig umzusetzen. Ein Zusammenhang zwischen Preis und Qualität lässt sich in diesen Fällen meistens herleiten.

Aber es gibt natürlich auch die richtig guten Firmen, die über das notwendige Fachwissen und das handwerkliche Know-how verfügen, ein fachlich korrektes Werk abzuliefern. Oftmals fallen die Angebote, die diese Firmen abgeben, etwas höher aus; in der Gesamtbilanz sind sie dann aber unschlagbar wirtschaftlich, da sie keine Opportunitätskosten erzeugen, wie sie z.B. durch Terminverzug aufgrund mangelhafter Brandschutzmaßnahmen entstehen.

Welche Schritte sind wichtig, um von vornherein die gute bauliche Umsetzung des Brandschutzkonzepts zu erreichen?

Im Idealfall kommen das Brandschutzkonzept und die anschließende Bauüberwachung aus einer Hand. Das Brandschutzkonzept darf nicht nur eine Niederschrift der Bauordnung sein, sondern muss das Projekt ganzheitlich betrachten. Mithilfe solch guter Konzepte werden Schnittstellenprobleme zu einem sehr frühen Projektzeitpunkt erkannt, und es werden adäquate Maßnahmen zu deren Beseitigung eingeleitet. Beispielhaft ist die Entwicklung brandschutztechnischer Leitdetails zu nennen. Im Resultat ist eine qualitativ hochwertige brandschutztechnische Planung zu erwarten, die dann die bauliche Umsetzung und Kontrolle sehr erleichtert.

Wie hoch ist die Akzeptanz bei Bauherren und Investoren für die Notwendigkeit einer speziellen brandschutztechnischen Objektüberwachung?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Ich denke, dass dies sehr stark davon abhängt, welche guten, aber auch schlechten Erfahrungen die Bauherren mit einer brandschutztechnischen Objektüberwachung gemacht haben. Grundsätzlich muss ein Bauherr oder Investor zunächst viel Geld ausgeben, um eine sehr schwer messbare Leistung abzurufen. Nicht selten erhöhen sich aber die Projektkosten wegen einer zu späteren Beauftragung der Bau- und Objektüberwachung. Denn dann werden viele Mängel zu einem sehr späten Zeitpunkt aufgedeckt, die in der Folge nur unter sehr hohem zeitlichem und monetärem Aufwand beseitigt werden können, um überhaupt die Betriebssicherheit des Gebäudes attestieren zu können.

An welches Projekt erinnern Sie sich besonders gerne?

An ein Projekt, das ich als Werkstudent begleitet habe und das Bestandteil meiner Bachelorarbeit war. Ich wollte mir ein Bild vom Original machen, bevor ich das Modell für eine CFD-Simulation programmierte, und durfte einen sehr guten und erfahrenen Fachbauleiter Brandschutz begleiten, da das Gebäude begutachtet werden sollte. Diese Begehung war so interessant, dass ich dann noch so oft wie möglich mit zum Projekt gefahren bin, bevor es erfolgreich in Betrieb genommen wurde. Im Prinzip waren dies die ersten Erfahrungen, die ich in der Bau- und Objektüberwachung sammeln durfte. Die Faszination für diese facettenreiche und spannende Tätigkeit hält bis heute an und bereitet mir jeden Tag Freude.

Zum Gesprächspartner

Ing. Stephan Bachmann ist Fachplaner für Brandschutz, arbeitete mehrere Jahre als Brandschutz-Projektingenieur bei der Gruner GmbH, bevor er zur Ed. Züblin AG und damit verstärkt in die Bereiche Objektüberwachung und Dokumentation wechselte. Seit Anfang Oktober 2020 arbeitet er als Projektleiter Brandschutz bei der Carl Zeiss AG.

Das Interview ist in Ausgabe 6.2020 des FeuerTrutz Magazins (November 2020) erschienen.
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Letzte Aktualisierung: 25.01.2021