Interview zu Löschsystemen: "Einsatzberechtigung für die verschiedensten Nutzungen"

Die FeuerTrutz Redaktion sprach mit Peter Spitz, Sales Manager Fire Protection DACH bei Victaulic, über die Entwicklung im anlagentechnischen Brandschutz, mit besonderem Fokus auf automatischen Löschsystemen.

Interview automatische Löschsysteme
(Bild: Victaulic)

Herr Spitz, die Zahl der Brandtoten pro Jahr ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Liegt das auch an der Weiterentwicklung des anlagentechnischen Brandschutzes?

Spitz: Meiner Ansicht nach schon; stetige Innovationen im anlagentechnischen Brandschutz konnten die Sicherheit immer weiter erhöhen. Eine entscheidende Rolle spielt das Zusammenspiel zwischen Brandfrüherkennung und stationären automatischen Löschanlagen. Besonders effizient und zuverlässig sind moderne Sprinkleranlagen, die schnell auf Temperaturveränderungen reagieren. Der Brandherd lässt sich dadurch bereits im Keim ersticken.

Es gibt Bestrebungen, Sprinkleranlagen vermehrt in privaten Haushalten oder auch Alten- und Pflegeeinrichtungen einzusetzen. Kritiker weisen u.a. darauf hin, dass Installation und Wartung erhebliche Summen kosten und der Zugewinn an Sicherheit z.T. fraglich sei. Wie sehen Sie als Hersteller das?

Im Fall von Pflegeeinrichtungen und Altenheimen halte ich Sprinkleranlagen für unerlässlich. Angenommen, nachts bricht dort plötzlich ein Feuer aus, wie können dann dutzende von Menschen rechtzeitig evakuiert werden, von denen viele gehbehindert oder gar bettlägerig sind? Die Antwort lautet in vielen Fällen: Das ist nicht möglich. Diese Menschen können nicht rausrennen, wenn es nach Rauch riecht oder aus dem Nachbarzimmer qualmt. Sprinkler retten in diesem Fall Leben. Die Realität ist aber, dass mangels wirkungsvoller Brandschutzanlagen in diesen Einrichtungen eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen zu Schaden kommt. Auf einen Bewohner heruntergebrochen, kostet eine Sprinkleranlage nur wenige Euro im Monat. Und auch in den privaten Haushalten muss man sich fragen, wie viel die eigene Sicherheit und die der Familie wert ist.

Dass die Zahl der Brandtoten sinkt, ist natürlich eine sehr positive Entwicklung. Bei den Sachschäden sieht es aber anders aus; die steigen in Deutschland sogar an. Woran liegt das?

Rund jeder dritte Brand entsteht durch Elektrizität, oft handelt es sich um Kabelbrüche oder defekte elektronische Bauteile. Diese Komponenten kommen in der Industrie und den privaten Haushalten immer öfter zum Einsatz, das könnte ein Grund sein. Hinzu kommen menschliches Fehlverhalten und Wasserschäden. Dort, wo Löschwasser erheblichen Schaden anrichten kann, etwa in Rechenzentren oder Museen, gibt es bereits alternative Löschsystemkonzepte. Beispielsweise erzeugen hybride Anlagen zur Brandunterdrückung mittels Inertgas, z.B. Stickstoff, und mikroskopisch kleinen Wassertropfen einen Sprühnebel. Der reduziert den Sauerstoffanteil in der Luft, kühlt gleichzeitig den Brandherd und benötigt dabei extrem wenig Wasser. Werden künftig je nach Anforderung und Bedarf die geeignetsten Systeme ausgewählt, gehen auch die Sachschäden deutlich zurück.

Gibt es Industrien, in denen Sie besonderen Handlungsbedarf sehen?

Besonderen Handlungsbedarf sehe ich überall dort, wo leicht brennbares Material verwendet wird, etwa in Sägewerken. Außerdem sollten in Industrien noch mehr Brandschutzmaßnahmen ergriffen werden, in denen Feuer weitreichende Umweltschäden anrichten kann, wie in der Chemie- und Kunststoffindustrie.

Mit den Regelwerken nach FM ­Datasheets und NFPA 13 gibt es Alternativen zu dem in Deutschland etablierten nach VdS CEA 4001. Welche Rolle spielen diese beiden Regelwerke derzeit auf dem hiesigen Markt?

Den Marktanteil kann ich nicht genau beziffern. Meiner Einschätzung nach kommen diese Regelwerke vermehrt und zunehmend in der Industrie zum Einsatz. Die CEA 4001 ist etabliert in Büros, Einkaufszentren, Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Gebäuden.

Zeigt der Bedarf an unterschiedlichen Regelwerken, aber auch Löschanlagentypen, dass die Anforderungen auf dem Markt komplexer werden?

Auf jeden Fall. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Löschsystemen, die alle ihre Einsatzberechtigung für die verschiedensten Nutzungen haben. Die Wirksamkeit der Systeme ist, anders als früher, auch für die jeweiligen Einsatzgebiete nachgewiesen. Wie jede Investition ist ein Löschsystem mit entsprechenden Kosten verbunden, die sich untereinander erheblich unterscheiden. Diese Investitionskosten in Verbindung mit den Unterhaltskosten und architektonischen Belangen beeinflussen natürlich installierte Löschsysteme.

Welche technischen Innovationen werden sich im Brandschutz Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren durchsetzen?

Da spricht jetzt der Hersteller in mir. In der Wirtschaft steigen die Kosten aufgrund der immer höheren Preise für Energie und Rohstoffe, während die Löhne nicht fallen. Dieser Kostensteigerung kann man durch die Senkung der Arbeitszeiten entgegenwirken. Dazu trägt Victaulic bei, indem wir laufend Innovationen auf den Markt bringen, mit denen Anwender die Montagezeiten stark reduzieren können. Die gesamten Projektkosten können somit auf einem moderaten Niveau gehalten oder sogar gesenkt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Umwelt. Meiner Meinung nach gehört die Zukunft alternativen Löschsystemen, die im Betrieb die Umwelt nicht belasten, keine Entsorgungsprobleme mit sich bringen und keine Menschenleben gefährden. Dazu zählen die bereits erwähnten Stickstoff-Wassernebel-Hybridsysteme.

Stichwort Digitalisierung: Die Sicherheitsgewerke wachsen zusammen, und immer mehr technische Gebäudeeinrichtungen tauschen Daten aus. Führt das letztlich konkret zu mehr Sicherheit für die Nutzer?

Das Internet der Dinge bietet selbstverständlich auch für den Brandschutz enorme Chancen, gerade in puncto Sicherheit. Immer mehr Anlagen und Gebäudeteile werden mit Sensoren und Mikroprozessoren ausgestattet; daher lassen sich Daten besser austauschen und Sicherheitsbereiche effizient vernetzen. Auf Brände kann dann schneller und wirkungsvoller reagiert werden.

Zum Gesprächspartner

Peter Spitz ist Sales Manager Fire Protection DACH beim Sprinklerhersteller Victaulic

Das Interview ist in Ausgabe 4.2019 des FeuerTrutz Magazins (Juli 2019) erschienen.
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Letzte Aktualisierung: 05.09.2019

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