Brandschutzkongress: Was bewegt den betrieblichen Brandschutz?

Die Dinge im betrieblich-organisatorischen Brandschutz sind, u.a. durch die vor wenigen Monaten in neuer Fassung erschienene Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 – Maßnahmen gegen Brände in Bewegung geraten. Lars Oliver Laschinsky ist Moderator beim Brandschutzkongress 2019 und geht im Gespräch auf einige der aktuell viel diskutierten Themen ein.

Interview mit Lars Oliver Laschinsky: Was bewegt den betrieblichen Brandschutz?
(Bild: Lars Oliver Laschinsky)

Herr Laschinsky übernimmt beim FeuerTrutz Brandschutzkongress 2019 die Moderation des Kongressblocks "Organisatorischer Brandschutz", mit Vorträgen zum Explosionsschutz, der Neufassung ASR A2.2, dem Arbeitsschutz im Brandschutzkonzept sowie zum Brandschutz auf Baustellen.

Herr Laschinsky, im ersten Vortrag des Blockes tragen Sie selbst vor zum Thema "Explosionsschutz – Leitfaden für die Praxis". Welche Fragestellungen möchten Sie darin angehen?

Als Dozent und Referent in zahlreichen Seminaren, Fachtagungen und Kongressen zu den Themen Brand- und Explosionsschutz, sowie Gefahrstoffen, kenne ich zahlreiche Fragestellungen und weiß z.B., wie die physikalisch-chemisch geprägten Beurteilungen von Explosionsgefährdungen und die damit verbundenen technischen Beschreibungen von Schutzmaßnahmen im Betrieb praktisch umgesetzt werden können. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf den besonderen und spezifischen verfahrenstechnischen Anlagen und speziellen Produktionsbereichen, sondern auf den Arbeitsplätzen, Tätigkeiten und Betriebsmitteln, die in fast jedem Unternehmen in kleiner oder größerer Anzahl anzutreffen sind.

In welchen Bauten spielt das Thema Explosionsschutz eigentlich eine besondere Rolle? Gibt es Faktoren, die man da benennen könnte?

Die Nutzung sowie eine Be- und Verarbeitung von brennbaren Stoffen ist im Betriebsalltag selbstverständlich. Für den sicheren Umgang, aber auch die Lagerung und Entsorgung brennbarer Materialien gibt es zahlreiche bauliche, technische und organisatorische Brandschutzmaßnahmen. Gleichzeitig ist in allen Betrieben, in denen brennbare Stoffe hergestellt, be- bzw. verarbeitet, umgefüllt, gelagert, entsorgt oder transportiert werden, der Schutz vor Explosionen relevant. Werden bei Tätigkeiten im Handwerk, der Produktion, der Verfahrenstechnik sowie der Instandhaltung mit brennbaren Stoffen entzündbare Gase oder brennbare Flüssigkeiten freigesetzt oder entstehen durch Arbeitsverfahren brennbare Feststoffe in Staubform, kann die Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre nicht ausgeschlossen werden.

Ralf Höhmann informiert im Anschluss über die Neufassung der ASR A2.2. Worum geht es bei diesem Thema?

Während für Arbeitsstätten mit normaler Brandgefährdung eine festgelegte Grundausstattung mit Feuerlöschgeräten ausreichend ist, fordert die ASR A 2.2 für Arbeitsstätten mit erhöhter Brandgefährdung über diese Grundausstattung hinausgehende zusätzliche Brandschutzmaßnahmen. Die aktualisierte Fassung der ASR A 2.2 füllt die grundsätzlichen Vorgehensweisen der Gefährdungsbeurteilung nach ASR V 3 zur sachgerechten und praxisnahen Umsetzung mit konkreten Bewertungskriterien und möglichen Brandschutzmaßnahmen. In der Praxis stellt sich oftmals die Frage, welche der beispielhaft genannten Maßnahmen erforderlich und geeignet sind, um das geforderte Schutzziel zu erfüllen.

Der dritte Beitrag des Kongressblocks dreht sich um das Thema "Arbeitsschutz im Brandschutzkonzept". Rechnen Sie damit, dass Referent Dr. Achim Stöckmann Arbeitsschutz und Brandschutz als nicht kompatible Regelungsbereiche präsentieren muss? Es gibt ja immer wieder durchaus vielbeachtete Konflikte zwischen beiden Bereichen.

Die Vorschriften aus Baurecht und dem Arbeitsschutzrecht ergänzen sich. Es sind immer beide Rechtsbereiche zu berücksichtigen. Dabei ist die jeweils strengere Anforderung umzusetzen. Zu Missverständnissen führt in der Praxis allerdings der unterschiedliche Blickwinkel: Das Baurecht betrachtet den Baukörper und die genehmigte Nutzung, während das Arbeitsschutzrecht die durchgeführten Tätigkeiten in den Vordergrund stellt.

Um diese weitergehenden Anforderungen in einem bautechnischen Brandschutznachweis oder -konzept zu berücksichtigen, ist die Integration des Arbeitsschutzes in die Planung von Arbeitsstätten von grundlegender Bedeutung. Daraus ergeben sich beim Neu- bzw. Umbau von Arbeitsstätten insbesondere für Brandschutz- und Feuerlöscheinrichtungen sowie für Fluchtwege und Notausgänge ergänzende Anforderungen an die (Bau-)Planung. Bei der Planung einer baulichen Anlage als Arbeitsstätte, sollte vor der Einrichtung des Objektes geprüft werden, ob die Vorgaben des Arbeitsschutzrechtes eingehalten werden können. Sonst ist ggf. keine oder nur eine eingeschränkte Nutzung möglich.

Nach dem Einrichten einer Arbeitsstätte lassen sich bauliche Veränderungen nur mit einem zusätzlichen Aufwand realisieren. Mit einer Gefährdungsbeurteilung können auch wesentliche brandschutztechnische Anforderungen an die Arbeitsstätte bereits in der (Bau-)Planungsphase berücksichtigt werden und damit kostspielige und aufwendige Umbauten und Nachrüstungen vermieden werden.

"Brandschutz auf Baustellen" lautet der Titel des Abschlussvortrags in Ihrem Kongressblock. Lutz Battran wird zu diesem Thema vortragen. Welche Punkte sind beim Brandschutz in der Bauphase eigentlich kritisch?

Zum Wesen einer Baustelle gehört es, dass sie sich mit dem Baufortschritt täglich ändert und es so keinen Regelbetrieb gibt. Zu den speziellen Brandgefährdungen, die sich branchenspezifisch aus den Materialien, Arbeitsmitteln und Arbeitstechniken der Bauarbeiten ergeben, kommen noch solche hinzu, die Folge der speziellen Baustellensituation sind. Baustellen sind insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass die geplanten brandschutztechnischen Einrichtungen noch nicht eingebaut bzw. noch nicht wirksam sind. Bereits bei der Planung und Ausführung von Neu- und Umbaumaßnahmen sowie Nutzungsänderungen ist zu prüfen, wie diese sich auf die bereits festgelegten Brandschutzmaßnahmen und somit auf das Brandschutzkonzept auswirken.

Für welche Berufsgruppen ist der Besuch des Kongressblocks organisatorisch-betrieblicher Brandschutz besonders interessant?

Natürlich zielt der Themenbereich des betrieblichen Brandschutzes besonders auf die Brandschutzbeauftragten. In der Praxis ist ein Dialog zwischen allen Beteiligten aus Zulassung, Planung, Ausführung und Umsetzung des Brandschutzes notwendig. Der organisatorische Brandschutz ist die Schnittstelle im Brandschutzkonzept zwischen Planung, Genehmigung, Umsetzung und Kontrolle der Brandschutzmaßnahmen. Daher können wir auch den Fachplanern und Konzepterstellern im Brandschutz die Teilnahme an diesem Kongressblock empfehlen.

Der Verein der Brandschutzbeauftragten in Deutschland (VBBD) unterstützt als ideeller Träger bereits seit dem ersten FeuerTrutz-Brandschutzkongress in Nürnberg den Themenbereich des betrieblichen und organisatorischen Brandschutz. Warum ist diese Veranstaltung von besonderer Bedeutung für den VBBD?

Es ist unser Ziel, einen interessanten Treffpunkt für viele Fachkräfte aus den Bereichen des baulichen, technischen und organisatorischen Brandschutz zu bieten. Der FeuerTrutz-Brandschutzkongress informiert nicht nur über aktuelle Änderungen und technische Lösungen, er fördert auch den Dialog und die Diskussionen zum Zusammenwirken von baulichen, technischen und organisatorischen Lösungen im Brandschutz.

Zum Interviewpartner

Lars Oliver Laschinsky: Fachlehrer im Brand- und Explosionsschutz; Institut für Sicherheits- und Gefahrentraining; Lehrbeauftragter der HFU Hochschule Furtwangen, Security & Safety Engineering; Honorardozent für das EIPOS-Institut der TU Dresden; 1. Vorsitzender des Vereins der Brandschutzbeauftragten in Deutschland e.V. (VBBD)

Brandschutzkongress 2019

Am 20. und 21. Februar 2019 findet der FeuerTrutz Brandschutzkongress 2019 in Nürnberg statt. Das Thema der zweitägigen Veranstaltung lautet: "Schutzziel Brandschutz: Konzepte und Lösungen für Standard- und Sonderbauten".

Die Top-Themen 2019:
- Konzepte für Sonderbauten: Best Practice und vermeidbare Fehler
- Bauprodukte und MVV TB – Was setzten die Länder um?
- MLAR, MIndBauRL, EltBauVO – FAQ zu Technischen Regeln
- Der Brandschutz unter Feuer: Angriff auf den 2. Rettungsweg

Weitere Informationen zum Brandschutzkongress 2019

Letzte Aktualisierung: 10.10.2018