Interview zur Entwicklung bei Feuerschutzabschlüssen: "Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden"

Über die Entwicklung bei Feuer- und Rauchschutztüren, den Einstieg von Hörmann in den Markt der Feuerschutzvorhänge und den Einfluss der Digitalisierung sprach FeuerTrutz mit Martin J. Hörmann, persönlich haftender Gesellschafter der Hörmann KG Verkaufsgesellschaft, inmitten des Messetrubels auf der BAU 2019.

Interview zur Entwicklung bei Feuerschutzabschlüssen (Martin Hörmann)
Martin J. Hörmann (rechts) im Gespräch mit FeuerTrutz-Redaktionsleiter André Gesellchen am Hörmann-Stand auf der BAU 2019. (Foto: FeuerTrutz)

Herr Hörmann, wir treffen uns hier auf Ihrem Messestand auf der BAU 2019 in München. Welchen Stellenwert hat diese Messe für Ihr Unternehmen?

Für uns ist die BAU die wichtigste Messe weltweit. Deshalb versuchen wir auch, alle Neuheiten und Innovationen im Zweijahresrhythmus auf den Punkt präsentieren zu können.

Die Hörmann Gruppe ist in Europa Marktführer für Tore und Türen. Welche Rolle spielt dabei das Segment der Brand- und Rauchschutztüren?

Das ist ein ganz wichtiges Segment in unserem breiten Produktportfolio. Wir haben in Europa allein sieben Fertigungswerke, in denen ausschließlich Feuerschutzabschlüsse hergestellt werden. Man sieht schon daran, wie wichtig Feuerschutz, Rauchschutz und Funktionstüren für Hörmann sind.

In den letzten Jahren haben Türen mit Sicherheitsfunktionen in Sachen Ästhetik große Fortschritte gemacht. Man sieht das an den dezenten Zargen, den Oberflächen und ganz deutlich bei Türen mit Glaselementen. Bei Ihnen hier am Stand lässt sich das ja auch gut beobachten. Stoßen wir da langsam an technische Grenzen, oder erwarten Sie künftig noch "schlankere" Türen, die dennoch Feuerwiderstand bieten?

Der Trend geht sicherlich in Richtung noch schlanker und puristischer. An der einen oder anderen Stelle sind bestimmt Grenzen erreicht, die aber auch dazu gemacht sind, überschritten zu werden. Der Markt wird diesen ästhetischen Trends daher sicher noch weiter folgen.

Infolge der europäischen Harmonisierung öffnen sich die Märkte in Europa auch im Baubereich zunehmend. Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie im Hinblick auf Brandschutztüren?

Wir haben den Eindruck, dass die neuen europäischen Bestimmungen einen großen Einfluss haben, vor allem in Bezug auf die Einheit des Elements. Nach CE wird ja nur noch das Element komplett betrachtet, d. h., Türblatt, Zarge und Beschläge, vom Schloss über Bänder und Obentürschließer sollten aus einer Hand geliefert werden, darauf stellen wir uns ein.

Es gibt vereinzelt Berichte über gefälschte Kennzeichnungen von Brandschutztüren, die in Deutschland verbaut wurden, und auch Zweifel an der Leistungsfähigkeit von im Ausland geprüften Türen werden immer wieder geäußert. Sind das Einzelfälle oder sehen Sie da ein größeres Problem auf uns zukommen?

Ich kann bestätigen, dass es in einigen Ländern in Europa große Probleme gibt, da geprüfte Türen nicht das halten, was sie versprechen. Dagegen wird man über die Marktaufsicht und Wettbewerbsbehörden vorgehen müssen, denn wenn das bei einem Feuerschutzabschluss der Fall ist, stellt es eine Gefahr dar und ist zudem eine Verzerrung des Wettbewerbs. Als großer Hersteller können wir so etwas natürlich nicht hinnehmen.

Um Brand- und Rauchschutztüren zu planen, auszuwählen bzw. auszuschreiben, korrekt einzubauen, zu dokumentieren und zu warten, müssen die Beteiligten eine ganze Menge beachten, zumal sich bei der Normung auf europäischer Ebene einiges tut. Sehen Sie als Hersteller auch eine Aufgabe darin, die Kunden dabei zu unterstützen?

Ja selbstverständlich, das machen wir auch schon länger. Wir fangen dabei mit unserem Ausschreibungsprogramm, das Planer und Architekten unterstützt, ganz vorne an. Hörmann macht aber auch viel über Schulungen für Montage oder rechtliche Hintergründe für unsere Partner, damit sie sich im Objektgeschäft gut behaupten können.

Welche Neuheiten können die am Brandschutz interessierten Besucher der BAU 2019 auf Ihrem Stand sehen?

Allen voran ist da unser Einstieg in das Segment der Feuerschutzvorhänge, das wir bislang nicht bedient haben, zu nennen. Unser neuer Feuerschutzvorhang FlexFire ist bis zur Feuerbeständigkeitsklasse E120 geprüft worden.

Im Bereich Feuerschutz zeigen wir zudem viele Detailverbesserungen und Erweiterungen.

Schon auf der BAU 2017 haben Sie einige digitale Lösungen präsentiert, was zeigen Sie in diesem Jahr?

Wir arbeiten an verschiedenen Aspekten der Digitalisierung. Herausheben möchte ich den Bereich der Hausautomation, den wir mit der Lösung "homee" ganz neu aufgesetzt haben. Damit öffnen wir unsere Produkte einerseits für andere Hausautomationssysteme, schaffen andererseits aber auch ein eigenes offenes System. Das wird uns einen großen Schritt weiterbringen.

Die Digitalisierung materialisiert sich ja nicht nur in Produkten, sondern sie wirkt sich auch stark auf interne Prozesse und die Prozesse der Kunden wie Architekten und Fachplaner aus – Stichwort BIM. Wie gehen Sie mit den Fragestellungen und Herausforderungen um, die sich daraus ergeben? Ist das bei Hörmann "Chefsache"?

Wir haben eine Abteilung, die sich ausschließlich um das Thema BIM-Daten kümmert. Momentan ist das noch ein Spagat zwischen Aufwand und Nutzen, aber wir glauben ganz fest daran und möchten Vorreiter sein. Wir haben schon über 100 Hörmann-Produkte als BIM-Modelle abgebildet, was ein sehr guter Grundstock für Architekten ist.

Auf der BAU vor zwei Jahren haben Sie z. B. die Mehrheitsbeteiligung an dem italienischen Unternehmen Pilomat verkündet, einem der weltweit führenden Anbieter von Barrieren zum Schutz vor unbefugtem Befahren von Grundstücksflächen durch Pkw oder Lkw. Das Thema "Sicherheit" im Allgemeinen wird von Hörmann in den letzten Jahren stärker betont. Es scheint mir eines Ihrer kommunikativen Leitthemen zu sein. Warum ist das so?

Das ist ein Thema, das wir immer wieder in den Vordergrund stellen, denn es ist ein Megatrend, der auch gut zu vielen unserer aktuellen Produkte passt. Die Poller sind sicherlich im High-Security-Sektor angesiedelt, aber unser neuer Produktbereich, die Schranken, die wir hier auf der BAU neu zeigen, ist eine weitere sicherheitsrelevante Anwendung. Bei den Haustüren haben wir auch noch mal einen obendrauf gesetzt mit den serienmäßigen RC3- und RC4-geprüften Haustüren, denn auch im privaten Bereich ist Sicherheit ein wichtiges Thema.

Zum Gesprächspartner

Martin J. Hörmann ist persönlich haftender Gesellschafter der Hörmann KG Verkaufsgesellschaft mit Hauptsitz in Steinhagen. Die Hörmann Gruppe ist Europas führender Anbieter für Tore, Türen, Zargen und Antriebe. Das Familienunternehmen wird heute in der dritten und vierten Generation vom Enkel und den Urenkeln des Firmengründers August Hörmann geleitet.

Das Interview ist in Ausgabe 2.2019 des FeuerTrutz Magazins (März 2019) erschienen. Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Magazin Ausgabe 2.2019

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Letzte Aktualisierung: 23.04.2019

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