Kommentar: Der Fortschritt ist eine Schnecke

Die Bauministerkonferenz will das Bauen mit Holz in höheren Gebäuden einfacher machen und die Musterbauordnung entsprechend anpassen: Holz könnte dann als Baustoff für hochfeuerhemmende oder feuerbeständige Bauteile eingesetzt werden. Unklar ist, welche Länder diese Vorgabe wann und wie in ihren Landesbauordnungen umsetzen werden. Ein Kommentar von Reinhard Eberl-Pacan, Vorstandsvorsitzender BFSB e.V.

Kommentar: Der Fortschritt ist eine Schnecke
Bundesweit soll das Bauen mit Holz in höheren Gebäuden vereinfacht und die MBO entsprechend angepasst werden. (Foto: SCHÄFERWENNINGERPROJEKT GmbH)

Bauministerkonferenz beschließt mehr Klimaschutz

Nachhaltig und kostensparend; so soll es sein, das Gebäude der Zukunft. Doch der Weg dahin ist steinig und umstritten. Hohe Hindernisse und weite Umwege verlangsamen den Fortschritt. Nun wollen die Bauministerinnen und Bauminister der Länder (BMK) einen Durchbruch schaffen und Ergebnisse des Wohngipfels [1] von 2018 umsetzen. Bei ihrer Herbstkonferenz Ende September 2019 haben sie nach eigener Einschätzung richtungsweisende Beschlüsse gefasst, die Bauen kostengünstiger und klimafreundlicher machen sollen [2]. Bundesweit soll das Bauen mit Holz in höheren Gebäuden einfacher und die Musterbauordnung (MBO) [3] entsprechend angepasst werden. Wird dieser Beschluss Realität, darf künftig nach MBO Holz als Baustoff für hochfeuerhemmende oder feuerbeständige Bauteile eingesetzt werden. Unklar bleibt weiterhin, welche Länder diese Vorgabe wann und wie in ihren Landesbauordnungen (LBO) umsetzen werden.

Anpassungen in der MBO

Viereinhalb Jahre nach der erfolgten Liberalisierung des Holzbaus in der LBO Baden-Württemberg [4] und fast ein halbes Jahr, nachdem mit Bremen das sechste Bundesland aus der breiten Phalanx der „Holzbaubehinderer“ ausgebrochen ist, besinnt sich die BMK auf die Herausforderung, kostengünstiges Bauen sowie die erforderliche Sicherheit der Nutzer unter einen Hut zu bringen. Dabei sollen nun zusätzlich die Umwelt und das Klima so weit wie möglich geschont werden. So gerät das „Bauen mit Holz als Königsweg in den Fokus aller Bundesländer. Es reift nun bundesweit die Erkenntnis, dass Holz bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung ein besonders umweltschonender und klimaverträglicher Baustoff ist, mit dem vielfältige Bauaufgaben gut und kostengünstig gelöst werden können. Natürlich müssen den ambitionierten Beschlüssen nun Taten innerhalb der Bundesländer folgen.

Dort sind die beschlossenen Anpassungen der MBO tatsächlich in der jeweiligen LBO umzusetzen. Allzu oft erweisen sich jedoch die Vorgaben der MBO als „Muster ohne Wert“ und einheitliche Regelungen scheitern an landesspezifischen Vorlieben und Widerständen.

Vereinheitlichung der LBO

Der Vorstoß der BMK für kostenoptimiertes umweltschonendes Bauen ohne Kompromisse bei Sicherheit und Brandschutz darf nicht ins Leere laufen. Der Anpassung aller LBO in punkto Nachhaltigkeit und Energieeinsparung muss die seit langem von vielen Akteuren im Baugeschehen – u.a. von der Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige im vorbeugenden Brandschutz (BFSB) – geforderte grundsätzliche Vereinheitlichung der LBO folgen. Ein einfaches, handhabbares und verständliches Bauordnungsrecht war ein weiteres Ziel des o.g. Wohngipfels. Es ist an der Zeit für ein solches zu sorgen; damit der Fortschritt beim Bauen keine Schnecke bleibt.

Autor: Reinhard Eberl-Pacan, Vorsitzender des Vorstands Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.

Dieser Beitrag ist als Verbandsmitteilung des VdBP in Ausgabe 6.2019 des FeuerTrutz Magazins erschienen.

Kontaktadresse:
BFSB Bundesvereinigung Fachplaner und ­Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.
Geschäftsstelle:
Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz
Brunnenstr. 156, 10115 Berlin
Tel.: +49 30 700 800 951
Fax: +49 30 700 800 940
info@bfsb-online.de
www.bfsb-online.de

Literatur

[1] „Gemeinsame Wohnraumoffensive von Bund, Ländern und Kommunen“ Ergebnisse des Wohngipfels am 21.09.2018 im Bundeskanzleramt

[2] Dirk Hundertmark, Tim Radtke; Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration: Information für die Medien; Kiel, 27. September 2019

[3] Musterbauordnung – ­Fassung November 2002; zuletzt geändert am 22.02.2019

[4] Landesbauordnung für Baden-­Württemberg (LBO); vom 5. März 2010

[5] ARGEBAU, Muster-Feuerungsverordnung Stand September 2017 (zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom 28.01.2016 und 27.09.2017)

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