Neues Prüfverfahren für asbesthaltige Brandschutzklappen

Ein neues Prüfverfahren soll Gebäudebetreibern den rechtssicheren Betrieb von asbesthaltigen Brandschutzklappen ermöglichen. Doch der Versuch einer bau- und arbeitsschutzrechtlichen Einordnung zeigt, dass es die bestehende Problematik nicht langfristig lösen kann.

Asbestschleuse
Abb. 1: Asbestschleuse (Bild: Franz/Bergische Universität Wuppertal)

Von Anke Kahl, Philipp Franz, Daniel Drost. Noch heute sind in Deutschland große Mengen Asbest in Gebäuden verbaut. Aufgrund der kanzerogenen Eigenschaft von Asbest und der zunehmenden Abnutzung der Bausubstanz kommt der regelmäßigen Bewertung der Sanierungsdringlichkeit von schwach gebundenen Asbestprodukten mithilfe der Asbestrichtlinie [1] sowie den sicheren Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) gemäß TRGS 519 [2] eine große Bedeutung zu.

Für asbesthaltige Brandschutzklappen sieht die Asbestrichtlinie eine pauschale Einstufung in die Dringlichkeitsstufe III und somit eine Neubewertung in einem Intervall von fünf Jahren vor. Diese Einstufung resultiert aus einer Untersuchung der Faseremission von asbesthaltigen Brandschutzklappen aus dem Jahr 1989 [3]. Da die derzeit noch betriebenen asbesthaltigen Brandschutzklappen bedeutend älter sind als diejenigen in der vorgenannten Untersuchung, ist es jedoch fraglich, ob diese noch repräsentativ für die heutige Situation ist.

Eine alternative Regelung für die regelmäßige Neubewertung asbesthaltiger Brandschutzklappen enthält die Asbestrichtlinie nicht, sodass unklar ist, ob ihre Anwendung in dieser Hinsicht noch zielführend ist.

Problematische Funktionsprüfungen

Ein weiteres Problem stellt die jährlich an Brandschutzklappen durchzuführende Funktionsprüfung dar, bei der das Klappenblatt testweise fallengelassen wird.

Alternativ kann eine Brandschutzklappe auch mithilfe einer Kontaktprobe nach VDI 3877 Blatt 1 [5] auf Asbesthaltigkeit überprüft werden. Beim testweisen Fallenlassen des Klappenblatts ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Asbestfasern freigesetzt werden. Diese können schließlich in den Arbeitsbereich der prüfenden Person oder in andere von der RLT-Anlage versorgte Räume gelangen und zu einer Personengefährdung führen, vgl. [3, 6].

Schemazeichnung: Asbesthaltige Bestandteile einer Brandschutzklappe
Abb. 2: Asbesthaltige Bestandteile einer Brandschutzklappe (Quelle: Darstellung in Anlehnung an Küpper, Robert [10])

Die erfolgreiche Funktionsprüfung ist eine Voraussetzung dafür, dass asbesthaltige Brandschutzklappen weiterhin betrieben werden dürfen. Diese Prüfpflicht resultiert primär aus den geltenden Prüfbescheiden, die zum Zeitpunkt der Zulassung der Brandschutzklappen ausgestellt worden sind [4]. Aus den Prüfbescheiden geht zudem hervor, welche Bestandteile in den Brandschutzklappen asbesthaltig sind. Dazu gehören, wie in Abbildung 2 beispielhaft dargestellt, typischerweise das Klappenblatt und die Anschlagdichtung. Mithilfe des Typenschildes und des Herstellungsdatums lässt sich einer Brandschutzklappe eindeutig der zugehörige Prüfbescheid zuordnen.

Bei ASI-Arbeiten an und mit asbesthaltigen Materialien und Erzeugnissen ist die Technische Regel TRGS 519 [2] einzuhalten. Sie weist die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen aus, die sich an der ebenfalls in diesem Regelwerk definierten Toleranzkonzentration (100.000 Fasern/m³) und der Akzeptanzkonzentration (10.000 Fasern/m³) von Asbestfasern in der Raumluft orientieren. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung muss vor der Funktionsprüfung die zu erwartende Asbestfaserkonzentration ermittelt werden. Das Freisetzungspotenzial durch die Funktionsprüfung ist dabei maßgeblich vom Zustand der asbesthaltigen Bestandteile abhängig und konnte bisher nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand ermittelt werden. Aus diesem Grund kann es sein, dass sich Prüfdienstleister nicht in der Lage sehen, die Funktionsprüfung an asbesthaltigen Brandschutzklappen rechtskonform und wirtschaftlich durchzuführen.

Wenn die zu erwartende Asbestfaserkonzentration bei der Gefährdungsbeurteilung nicht ermittelt wird, ist grundsätzlich vom „worst case“ auszugehen, sodass die Arbeitsschutz-maßnahmen der TRGS 519 vollumfänglich umgesetzt werden müssen.

Diese sind jedoch mit einem sehr hohen Arbeits- und Zeitaufwand verbunden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Anforderung, dass die betroffenen Arbeitsbereiche erst nach einer erfolgreichen Freigabemessung wieder genutzt werden dürfen. Da die Auswertung solcher Messungen mehrere Tage andauern kann, ist dafür die temporäre Stilllegung eines Gebäudes oder eines Gebäudeteils erforderlich. Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine solche Maßnahme in der Regel nicht realisierbar. Wenn auf die Durchführung der Funktionsprüfung verzichtet wird, ist der weitere Betrieb einer Brandschutzklappe baurechtlich nicht mehr zulässig und die Sanierung bzw. der Austausch erforderlich. Dies ist ebenfalls mit einem nicht zu unterschätzenden Kostenaufwand verbunden. Wenn ein Gebäudebetreiber weder den weiteren Betrieb noch die Sanierung finanzieren kann, verbleibt nur die Stilllegung des Gebäudes. Darin zeigt sich das ganze Ausmaß des Konflikts zwischen der Wirtschaftlichkeit und der Rechtskonformität beim Umgang mit asbesthaltigen Brandschutzklappen.

Neues Prüfverfahren soll Klarheit über den Zustand der asbesthaltigen Brandschutzklappen verschaffen

Ein Ansatz zur Abhilfe für diese Problematik findet sich in einem neu entwickelten Prüfverfahren eines deutschen Prüfdienstleisters [7]. Mit diesem Prüfverfahren soll im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung in Echtzeit ermittelt werden können, ob durch die Funktionsprüfung Asbestfasern freigesetzt werden. Dabei wird der individuelle Zustand der asbesthaltigen Komponenten nach definierten Prüfkriterien durch eine von dem Prüfdienstleister speziell ausgebildete und im Umgang mit Asbest sachverständige Person untersucht. Mithilfe einer Sicht- und Tastprüfung werden u.a. die sog. Prall-Elastizität, der Beschädigungsgrad und die Neigung zur Ausfaserung der asbesthaltigen Komponenten geprüft. Anhand dieser Kriterien kann die sachverständige Person erkennen, ob die asbesthaltigen Komponenten eine stabile und feste Konsistenz aufweisen oder ob sie porös sind und zerfasern können. Wenn die Beschaffenheit und die Konsistenz der asbesthaltigen Bestandteile einwandfrei sind, wird eine Freisetzung von Asbestfasern durch die Funktionsprüfung ausgeschlossen.

In diesem Fall ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, dass die umfangreichen Arbeitsschutzmaßnahmen der TRGS 519 [2 nicht umgesetzt werden müssen. Die eigentliche Funktionsprüfung der Brandschutzklappen wird dann von dem Prüfpersonal einer beliebigen Wartungsfirma durchgeführt, was auch im laufenden Betrieb möglich ist. Nach einer erfolgreichen Funktionsprüfung werden die asbesthaltigen Komponenten nochmals durch die im Umgang mit Asbest sachverständige Person untersucht. Wenn der einwandfreie Zustand erneut bestätigt wird, ist die Prüfung der Brandschutzklappe insgesamt erfolgreich abgeschlossen. Fällt eine der drei Einzelprüfungen jedoch negativ aus, kann die Prüfpflicht nicht erfüllt werden, und die Brandschutzklappe muss gegen eine neue ausgetauscht werden.

Das neue Prüfverfahren soll den Gebäudebetreibern Klarheit über den Zustand der asbesthaltigen Brandschutzklappen verschaffen und wird dementsprechend auch für die Bewertung der Sanierungsdringlichkeit im Sinne der Asbestrichtlinie [1] genutzt. Bei einem positiven Prüfergebnis soll es schließlich als Nachweis für die Erfüllung der Betreiberpflichten (Bewertung der Sanierungsdringlichkeit und Durchführung der Funktionsprüfung) dienen.

Das neue Prüfverfahren ist nach Aussagen des deutschen Prüfdienstleisters im Rahmen von langjährigen und aufwendigen Forschungstätigkeiten an asbesthaltigen Brandschutzklappen in einem Bestandsgebäude entwickelt worden.

Eine hohe Zahl durchgeführter Messungen der auftretenden Asbestfaserkonzentrationen in der Raumluft soll schließlich die empirische Beweisführung ermöglicht haben, dass die Durchführung der Funktionsprüfung zu keiner Erhöhung der natürlichen bzw. normalen Hintergrundbelastung in der Raumluft führt, sofern die asbesthaltigen Komponenten die eigens entwickelten Prüfkriterien erfüllen. Dadurch sieht sich der Prüfdienstleister in der Lage, vor der Durchführung der Funktionsprüfung mit geringem Aufwand beurteilen zu können, ob es zu einer Personengefährdung durch Asbestfasern kommt. Somit scheint also eine wirtschaftliche und praxisorientierte Lösung für die umstrittene Problematik asbesthaltiger Brandschutzklappen gefunden zu sein.

An dieser Stelle ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Prüfdienstleister auf Nachfrage nicht bereit war, Einblick in die messtechnische Nachweisführung zu gewähren oder die Sicht- und Tastprüfung detailliert zu erläutern. Führt man sich die Ergebnisse älterer Untersuchungen von Brandschutzklappen auf Asbestfaseremissionen vor Augen, ist eine skeptische Betrachtung des Prüfverfahrens durchaus angebracht. Bereits 1989 konnte nachgewiesen werden, dass selbst durch die Funktionsprüfung von Brandschutzklappen mit intakten asbesthaltigen Komponenten wenige Asbestfasern freigesetzt werden, die zu erhöhten Asbestfaserkonzentrationen in den Lüftungsleitungen führen [3]. In einer weiteren Untersuchung konnten auch im Arbeitsbereich erhöhte Asbestfaserkonzentrationen infolge einer Funktionsprüfung festgestellt werden [6]. Da die derzeit noch im Betrieb befindlichen asbesthaltigen Brandschutzklappen bedeutend älter sind als diejenigen in den beiden Untersuchungen, scheint es nicht realistisch, dass heute in vielen Fällen keine Asbestfasern durch die Funktionsprüfung in den Arbeitsbereich oder in umliegende Räume gelangen. Somit ist eine abschließende arbeitsschutzrechtliche Beurteilung und Einordnung des Prüfverfahrens für Außenstehende leider nicht möglich, weshalb die Bestätigung der Nachvollziehbarkeit und Wirksamkeit des Prüfverfahrens durch einen staatlichen oder einen anderen unabhängigen Akteur weiterhin geboten ist.

Das neue Prüfverfahren ist zudem nur als ein mittelfristiger Lösungsansatz für das komplexe Problem asbesthaltiger Brandschutzklappen anzusehen. Denn es ist zu berücksichtigen, dass sich der Zustand der asbesthaltigen Brandschutzklappen mit der Zeit so weit verschlechtern wird, dass immer mehr Brandschutzklappen das neue Prüfverfahren nicht bestehen werden. Wenn eine zeitnahe Sanierung dann nicht möglich bzw. finanziell nicht tragbar ist, stehen die Gebäudebetreiber erneut vor der Herausforderung eines rechtssicheren Betriebs der asbesthaltigen Brandschutzklappen. Der Bedarf einer wirtschaftlichen und langfristig ausgelegten Lösung bleibt also weiterhin bestehen. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel behandelt die Bewertung der Sanierungsdringlichkeit durch das neue Prüfverfahren und geht auf den Zeit- und Kostenaufwand ein, außerdem wird zum Abschluss ein Fazit gezogen.

Der Artikel ist in Ausgabe 6.2020 des FeuerTrutz Magazins (Dezember 2020) erschienen.
Noch kein Abonnent? Testen Sie das FeuerTrutz Magazin im Mini-Abo mit 2 Ausgaben!

Autoren

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Anke Kahl: Leiterin des Fachgebiets Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit Bergische Universität Wuppertal; Sachverständige im Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)

M.Sc., Daniel Drost: Studium Sicherheitstechnik, Vertiefung Brandschutz und Arbeitssicherheit. Berufseinstieg als Brandschutzingenieur

M.Sc., Philipp Franz: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet ­Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit Bergische Universität Wuppertal

Quellen/Literatur

[1] Deutsches Institut für Bautechnik: Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden (Asbest-Richtlinie). Fassung: Jan. 1996.

[2] Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Technische Regeln für Gefahrstoffe: Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (TRGS 519). Ausgabe: Januar 2014; Fassung: 31.10.2019.

[3] Schumm, H. P.; Beutler, M.; 1989: Bericht über die Untersuchung von ­Brandschutzklappen auf Asbestfaseremissionen (gekürzte Fassung). Filderstadt: Technischer Überwachungsverein Stuttgart e.V.

[4] TROX GmbH: Prüfbescheide von 1974 bis 1999.

[5] Verein Deutscher Ingenieure: VDI-Richtlinie 3877 Blatt 1: Messen von Innenraumverunreinigungen – Messen von auf Oberflächen abgelagerten Faserstäuben – Probenahme und Analyse (REM/EDXA). Ausgabe: September 2011.

[6] Bünger, Sven; 2004: Zustand von alten Brandschutzklappen: Ist das, aus brandschutztechnischen Gesichtspunkten, 1- oder 2-malige Betätigen des asbesthaltigen Klappenblatts vertretbar? Beitrag auf dem 13. Forum Asbest im Jahr 2004 zum ­Erfahrungsaustausch der Sachkundigen.

[7] TÜV Nord Systems GmbH & Co. KG: Asbesttechnische und baurechtliche Prüfung von Brandschutzklappen. Ausgabe: 2018.

[8] Verein Deutscher Ingenieure: VDI-Richtlinie 3492: Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Messen von Immissionen – Messen anorganischer faserförmiger Partikel – Rasterelektronenmikroskopisches Verfahren. Ausgabe: Juni 2013.

[9] Drost, Daniel; 2020: Darstellung und Beurteilung der Problematik beim Umgang mit asbesthaltigen Brandschutzklappen. Wuppertal: Bergische Universität Wuppertal.

[10] Eigene Darstellung in Anlehnung an Küpper, Robert; 2003: Brandschutzklappen und Flanschdichtungen in der Praxis der Asbestsanierung. Beitrag auf dem 12. Forum Asbest im Jahr 2003 zum Erfahrungsaustausch der Sachkundigen.

Das könnte Sie auch interessieren:

FeuerTrutz Brandschutz Magazin für Fachplaner
Testen Sie das Mini-Abo mit zwei Ausgaben!

FeuerTrutz Magazin: Print und Digital

Das FeuerTrutz Brandschutz Magazin für Fachplaner vermittelt Praxiswissen zu allen Bereichen des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes - auch als digitale Ausgabe als App oder Browserversion.

Letzte Aktualisierung: 04.03.2021