Neufassung des Brandschutzleitfadens für Gebäude des Bundes

Nach vielen Abstimmungsrunden wurde im Juli der neue Brandschutzleitfaden des Bundes verabschiedet. Der Beitrag stellt die wesentlichen Neuerungen wie z.B. den neuen Abschnitt zu Fotovoltaikanlagen oder die ergänzte Stellung des Brandschutzbeauftragten vor.

Neufassung des Brandschutzleitfadens für Gebäude des Bundes
Deutsche Botschaft in Tokio. Für Auslandsbauten werden jetzt hilfsweise Kriterien und Verfahrensvorschriften für bestehende Gebäude herangezogen, bei denen eine Übereinstimmung mit dem Stand der Brandschutzvorschriften zum Zeitpunkt der Errichtung unterstellt wird. (Bild: BBR-Foto-Archiv)

September 2019 / Von Paul Schmitz. Der Brandschutzleitfaden für Gebäude des Bundes wurde 1998 das erste Mal aufgelegt und seitdem über die Grenzen der staatl. Bauverwaltung hinaus bekannt. Er fand auch bei den Bauverwaltungen der Länder, der Kommunen sowie bei Architekten und Brandschutzplanern Anwendung und hat sicherlich dazu beigetragen, dass bei Gebäuden des Bundes – und nicht nur dort – der Brandschutz angemessen berücksichtigt wird.

Den zuständigen Fachplanern von öffen­tlichen Gebäuden stellt sich die Aufgabe des Brandschutzes heute nicht mehr als eigenständige Lösung ihres Gewerks, sondern als integraler Teil eines individuellen Brandschutzkonzepts für das Gebäude. Der Planer hat bereits beim Entwurf die Anforderungen des Bauordnungsrechts zu berücksichtigen. Generell ist eine frühzeitige Einbindung von im vorbeugenden Brandschutz fachkundigen Stellen (z.B. Bauaufsicht, Feuerwehr) bzw. eine Abstimmung (Architekt mit Statiker, Umweltbehörden, Hersteller von Bauprodukten) in der Planungsphase vor der verbindlichen Entscheidung über die Bauausführungen sicherzustellen. Somit können innerbetriebliche Belange berücksichtigt, Umplanungen vermieden und Genehmigungsverfahren optimiert und beschleunigt werden. Ziel des Brandschutzleitfadens in seiner nunmehr vierten Auflage ist es weiterhin, einheitliche Brandschutzgrundsätze für Planung, Durchführung, Betrieb und Instandhaltung vorzugeben. Der Leitfaden ist ganz bewusst keine Zusammenstellung von materiellen Anforderungen der Landesbauordnung.

Er bringt vielmehr den Zweck und die Ziele des Brandschutzkonzeptgedankens klar zum Ausdruck und leitet zur Erstellung von ganzheitlichen Brandschutzkonzepten an. Der Leitfaden erlaubt dem Fachplaner, über eine Schutzzielbetrachtung und Risikoabwägung die Vollständigkeit seines gebäudespezifischen Brandschutzkonzepts zu überprüfen. Auf Veranlassung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) ist ein Arbeitskreis mit Brandschutzexperten aus der Wissenschaft, der Feuerwehr, der Privat- und der Versicherungswirtschaft sowie wichtigen Bauverbänden einberufen worden, der einige Neuerungen in den Leitfaden hat einfließen lassen.

FeuerTrutz Magazin 5-2019: Neufassung des Brandschutzleitfadens für Gebäude des Bundes (Cover)

Neuerscheinung Brandschutzleitfaden
Der Brandschutzleitfaden für Gebäude des Bundes ist kostenlos zu beziehen unter:
Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 481009, 18132 Rostock
Servicetelefon: 030 18 272 2721
Servicefax: 030 1810 272 2721
Mail: Publikationen@bundesregierung.de
Artikelnummer: BMI 19004

Auf der Webseite des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat kann der Brandschutzleitfaden für Gebäude des Bundes kostenlos als pdf heruntergeladen werden.

Checkliste für Brandschutzbegehungen

Basierend auf der erfassten Bestandssituation für fünf Bundesländer konnte für die Verwaltungsgebäude des Bundes abgeschätzt werden, dass der Brandschutz grundsätzlich gemäß den bauordnungsrechtlichen Anforderungen ausgeführt wurde. Abweichungen vom bauaufsichtlich geforderten Brandschutzniveau wurden insbesondere bei der Ausführung der Rettungswege (brennbare Baustoffe in den notwendigen Rettungswegen, mangelhafter Verschluss von Öffnungen und fehlerhafte Nutzung von Türen), der Abschnittsbildung (Fehlen von Brandwänden, mangelhafte Abschottung von Leitungen durch abschnittsbildende Bauteile und nicht konformer Abschluss von Öffnungen in Trennwänden) sowie der Verlegung und Abschottung von Leitungsanlagen festgestellt.

Auch wenn eine Verallgemeinerung der Erkenntnisse bzw. ein Bezug der Feststellungen zum Errichtungszeitpunkt der Gebäude nicht abgeleitet werden konnte, wurde im Leitfaden eine umfangreiche Checkliste für brandschutztechnische Begehungen zur Standardisierung der Überprüfung der Bundesgebäude entwickelt und umgesetzt. Diese Checkliste basiert auf dem erstellten Begehungskatalog und dem entwickelten Bewertungssystem mit Brandsicherheitskategorien.

Fotovoltaikanlagen

Neufassung des Brandschutzleitfadens für Gebäude des Bundes
Die Neufassung des Leitfadens enthält nun einen Abschnitt zu Fotovoltaikanlagen. (Bild: andreas160578 auf Pixabay)

Die Feuerwehren müssen die Brandbekämpfung in der Nähe elektrischer Anlagen immer unter Berücksichtigung der VDE 0132 [1] durchführen. Um die elektrischen Gefahren im Brandfall für die Einsatzkräfte zu minimieren, sind daher auch für Fotovoltaikanlagen Sicherheitsanforderungen zu stellen. Beispielhaft seien genannt:

  • mögliche Abschalt- und Kurzschließung am Fotovoltaik-Element,
  • Leitungsführung vom Fotovoltaik-­Element bis zur DC(Gleichstrom)­Abschalteinrichtung in feuerbeständiger Brandschutzqualität,
  • Abschaltelemente an den Fotovoltaik-­Elementen mit Fernauslösung in der Nähe des Hausanschlusssicherungskastens,
  • Abschaltelemente zur Stromlosschaltung der gesamten Hausinstallation inklusive der Gleichstrom führenden Leitungen in der Nähe des Hausanschlusssicherungskastens.

Fachbauleitung Brandschutz

Die bereits in den Vorgängerversionen beschriebene Fachbauleitung wird in der Neufassung nochmals erheblich detaillierter beschrieben. Zur Sicherstellung von Qualitätsanforderungen an die Umsetzung von Brandschutzplanungen in die gebaute Realität ist es generell sinnvoll, die Bauleitung besonders mit den brandschutztechnischen Belangen der Baustelle zu betrauen. Bei Standardbauten kann diese Aufgabe vom Bauleiter übernommen werden. Bei besonders komplexen oder anspruchsvollen Bauvorhaben kann die Einschaltung einer speziellen „Fachbauleitung Brandschutz“ auch Gegenstand der Baugenehmigung sein.

In diesen Fällen sollte vorzugsweise der Brandschutzplaner eingeschaltet werden, der auch die brandschutztechnische Konzeption für das betreffende Bauvorhaben entwickelt hat.

Der Artikel ist in Ausgabe 5.2019 des FeuerTrutz Magazins (September 2019) erschienen.
Noch kein Abonnent? Testen Sie das FeuerTrutz Magazin im Mini-Abo mit 2 Ausgaben!

Betrieblich-organisatorischer Brandschutz

Die Stellung des Brandschutzbeauftragten wurde dazu neu aufgenommen. In Betrieben mit erhöhter Brandgefahr ist regelmäßig ein Brandschutzbeauftragter zu bestellen. Rechtliche Grundlage dafür sind z.B. die bauordnungsrechtlichen Vorgaben in den Sonderbauverordnungen oder Forderungen aus dem baurechtlichen Genehmigungsverfahren. Letztere ergeben sich vielfach aus einer individuell für das Objekt erstellten Gefährdungsbeurteilung mit den zugehörigen brandschutztechnischen Risikoabschätzungen. Der Brandschutzbeauftragte sollte schriftlich bestellt werden. Dabei sind die Zuständigkeitsbereiche und die Aufgaben möglichst detailliert zu beschreiben [2]. Eine der wichtigsten Aufgaben des Brandschutzbeauftragten im Rahmen des betrieblich-organisatorischen Brandschutzes ist die Erstellung einer Brandschutzordnung nach DIN 14096 [3].

Hinweise Denkmal- und Kulturschutz

Neufassung des Brandschutzleitfadens für Gebäude des Bundes
Der Denkmalschutz wurde im Leitfaden nun um den Begriff Kulturschutz erweitert und beschrieben. (Bild: manhhai / CC BY 2.0)

Der vorbeugende Brandschutz in historischen Gebäuden ist einerseits eng mit dem Denkmalschutz und andererseits auch mit dem Kulturgutschutz verknüpft. Nicht selten entstehen dadurch Schutzzielkonflikte, die nur durch ein zielorientiertes und ganzheitliches Brandschutzkonzept gelöst werden können. Im Gegensatz zum Denkmalschutz, der sich auf eher ältere Bestandsbauten bezieht, kommt dem Kulturgutschutz auch schon bei modernen Neubauten gegebenenfalls eine wichtige historische, archäologische, literarische, künstlerische oder wissenschaftliche Bedeutung zu und er sollte in der Bauplanungsphase berücksichtigt werden.

Großveranstaltungen in Gebäuden des Bundes

Wer in öffentlichen Gebäuden, Schulgebäuden, Werkhallen, fliegenden Bauten oder ähnlichen baulichen Einrichtungen eine Einzelveranstaltung (z.B. in Foyers) mit großen Menschenansammlungen durchführen möchte, muss beachten, dass Veranstaltungen dieser Art Nutzungsänderungen darstellen und somit Sicherheitshinweise der Versammlungsstättenverordnung [8] bzw. landespezifische Regelungen für Großveranstaltungen einzuhalten und auf jeden Fall genehmigungspflichtig sind.

Brandschutzkonzept und Brandschutzingenieurmethoden

Das als Brandschutzkonzept dargestellte Atriumgebäude mit Versammlungsstättennutzung wurde nun praxisnäher gestaltet, als das Beispiel in der Vorgängerversion des Leitfadens. Für dieses Gebäude wurden sowohl die Plandarstellungen, das Brandschutzkonzept als auch die ingenieurtechnischen Nachweise für eine Abweichung neu erstellt. Sie bauen aufeinander auf bzw. ergänzen sich.

Barrierefreies Planen und Bauen

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts barrierefreies Bauen hinsichtlich des Brandschutzes fanden Eingang in den BS-Leitfaden. Für Gebäude des Bundes gilt die DIN 18040 Teil 1 [4] (auch Leitfaden barrierefreies Bauen des BMI [5]). Barrierefreies Planen und Bauen bedeutet, Wohnungen, Gebäude sowie öffentliche Orte so zu planen und zu bauen, dass sie barrierefrei sind, also von allen Menschen ohne besondere Erschwernisse genutzt werden können. Vor dem Hintergrund der örtlichen Gegebenheiten bzw. besonderen Nutzungen und der Grundsätze des Brandschutzkonzepts ist u.a. zu klären, ob Eigenrettung anzustreben ist, betriebliche Maßnahmen ausreichen oder eine Rettung durch fremde Hilfe sicherzustellen ist.

Aspekte des Umweltschutzes

Zu den bauordnungsrechtlichen Schutzzielen gehört auch der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Umweltschutz).

Neben den Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung der Brandentstehung und zur Begrenzung der Brandausbreitung einschließlich der wirksamen Brandbekämpfung ist in besonderer Weise der Schutz von Gewässern und des Grundwassers vor verunreinigtem Löschwasser und wassergefährdenden Stoffen im Brandschutzkonzept zu beachten.

Die Auslegung von Löschwasserrückhaltungsanlagen ist baurechtlich in den Löschwasserrückhalterichtlinien (LöRüRL) [6] der Bundesländer definiert. Ergänzend zu den bauordnungsrechtlichen Vorschriften sind die Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes [7] zu berücksichtigen.

Kompensationsmaßnahmen

Der Arbeitskreis sah die Gefahr, dass der Anwender die Tabelle der Kompensationsmaßnahmen nach Anlage 5 des Brandschutzleitfadens der Fassung 2006 wegen der Detaillierung als Regel versteht und auch so anwendet. Diesem Zweck sollten die Tabellen jedoch nicht dienen. Um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass man Kompensationen prinzipiell aus der Schublade ziehen kann, sondern dass sie notwendige Folgerungen einer Abweichung von materiellen Anforderungen zur Erreichung eines Schutzziels sind, wurde in der Neufassung auf die Tabellen verzichtet. Stattdessen verdeutlichen jetzt zwei Beispiele die Vorgehensweise bei der Auswahl von Kompensationsmaßnahmen. Diese Beispiele belegen, dass Kompensationsmaßnahmen im Rahmen eines Brandschutzkonzepts stets einer objektspezifischen Risikobewertung unterliegen und durchaus individuelle, auf den Einzelfall bezogene Lösungen sind.

Sachgerechte Risikobewertung

Dabei können Fehleinschätzungen ­vermieden werden, indem beispielsweise Kompensationsmaßnahmen nicht vorgesehen werden, die den beabsichtigten Zweck nicht erfüllen oder wesentliche Aspekte unbeachtet lassen. Die Komponenten eines Brandschutzkonzepts sind ­miteinander ­erknüpft oder sie bedingen sich teilweise gegenseitig oder bauen aufeinander auf, sodass es sinnvoll ist, diese gegenseitigen Abhängigkeiten und Verknüpfungen zu ­analysieren bzw. herauszuarbeiten. Ein derartiger systematischer Ansatz wird in einer tabellenförmigen Aufbereitung dargestellt und öffnet den Blick auf eine konzeptionelle Brandschutzplanung.

Brandfallmatrix

Eine Brandfallsteuermatrix wird notwendig, wenn funktionale Abhängigkeiten des anlagentechnischen Brandschutzes dargestellt werden müssen. Der Umfang der Brandfallsteuermatrix ist abhängig von der Komplexität der Abhängigkeitsfunktionen zwischen einzelnen Anlagenteilen. Grundsätzlich sollten die Abhängigkeitsfunktionen auf das absolut notwendige Maß begrenzt werden.

Fazit

Im Ergebnis sind die Mitglieder des Arbeitskreises Brandschutzleitfaden überzeugt, dass die jetzt vorliegende 4. Auflage des Brandschutzleitfadens für Gebäude des Bundes die Bemühungen von Planern, Nutzern und Betreibern von Gebäuden so unterstützen kann, dass Planung, Erstellung und Unterhaltung von Gebäuden zu jeder Zeit die Brandsicherheit gewährleisten kann.

Autor

Dipl.-Ing. Paul Schmitz: Referent im Referat II4 als brandschutztechnischer Sachverständiger für Bauten des Bundes im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Leiter des Arbeitskreises Brandschutzleitfaden des Bundes; Mitglied im vfdb, Referat 1: „vorbeugender Brandschutz“

Literatur

[1] DIN VDE 0132 VDE 0132:2018-07: Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung im Bereich elektrischer Anlagen

[2] Einheitliche Richtlinie von vfdb, DGUV und VdS Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten Herausgeber: DGUV

[3] DIN 14096: Brandschutzordnung – ­Regeln für das Erstellen und Aushängen

[4] DIN 18040-1 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude Ausgabe: 2010-10

[5] Leitfaden Barrierefreies Bauen, Herausgeber: Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI)

[6] Richtlinie zur Bemessung von Löschwasser-Rückhalteanlagen beim Lagern wassergefährdender Stoffe – LöRüRL

[7] Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz – WHG)

[8] Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (Muster- Versammlungsstättenverordnung – MVStättVO)

Der Artikel ist in Ausgabe 5.2019 des FeuerTrutz Magazins (September 2019) erschienen. Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Magazin Ausgabe 5.2019

Das könnte Sie auch interessieren:

FeuerTrutz Brandschutz Magazin für Fachplaner
Testen Sie das Mini-Abo mit zwei Ausgaben!
FeuerTRUTZ Magazin
Das FeuerTrutz Brandschutz Magazin für Fachplaner vermittelt Praxiswissen zu allen Bereichen des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes - auch als digitale Ausgabe als App oder Browserversion.

Letzte Aktualisierung: 17.09.2019

  • Newsletter von FeuerTrutz Network

    Unser kostenloser Newsletter FeuerTrutz Brandaktuell informiert Sie alle zwei Wochen über Neuigkeiten aus der Brandschutzbranche und Fachthemen im vorbeugenden Brandschutz.

    In unserem kostenloser Newsletter Bauprodukte AKTUELL erhalten Sie vierteljährlich Informationen über Neuigkeiten und rechtliche Änderungen zum Thema Bauprodukte.

    Beide Newsletter informieren über die Fachmedienangebote der Rudolf Müller Mediengruppe sowie Produkte unserer Werbekunden. Durch Angabe meiner E-Mail Adresse und Anklicken des Buttons „Absenden“ erkläre ich mich bis zu meinem jederzeit möglichen Widerruf damit einverstanden, dass mir Sie mir diese Informationen per E-Mail zusenden. Ich kann jeden einzelnen der beiden Newsletter jederzeit über den im Newsletter befindlichen Abmeldelink abbestellen.

    *Pflichtangaben

    Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.