Novellierte DIN 14676 veröffentlicht

Die überarbeitete Anwendungsnorm für Rauchwarnmelder (RWM) DIN 14676 "Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung" ist im Oktober 2018 mit Ausgabedatum 2018-12 in zweigeteilter Fassung veröffentlicht worden. Der Beitrag geht auf die Inhalte der Neufassung ein.

Novellierte DIN 14676 veröffentlicht: Die Neufassung der Anwendungsnorm markiert einen Meilenstein für die Weiterentwicklung des Marktes für Rauchwarnmelder.
Die Neufassung der Anwendungsnorm markiert einen Meilenstein für die Weiterentwicklung des Marktes für Rauchwarnmelder. (Bild: Ei Electronics)

Dezember 2018 / Von Philip Kennedy. Der DIN-Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) hatte am 29.09.2017 einen Entwurf zur Anwendungsnorm DIN 14676 „Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung“ [1, 2] der Fachöffentlichkeit zur Prüfung und Stellungnahme vorgelegt (das FeuerTrutz Magazin berichtete [3]). Nach der letzten Sitzung des Normenausschusses ist sie mit Ausgabedatum 2018-12 im Oktober vorab für die Öffentlichkeit bereitgestellt worden.

Ab sofort erscheint die Norm in zwei Teilen: Die DIN 14676-1 [1] umfasst „Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung“ von Rauchwarnmeldern, während die DIN 14676-2 [2] „Anforderungen an den Dienstleistungserbringer“ beschreibt.

Novellierte DIN 14676 veröffentlicht: Menschen mit eingeschränktem Wahrnehmungsvermögen benötigen eine Warnung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip, z.B. ein Hörgeschädigtenmodul.
Menschen mit eingeschränktem Wahrnehmungsvermögen benötigen eine Warnung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip, z.B. ein Hörgeschädigtenmodul. (Bild: Ei Electronics)

Dieser Teil der Norm legt die Anforderungen für den Nachweis der Kompetenz von Fachkräften fest, die Rauchwarnmelder projektieren, einbauen und instandhalten. Die DIN 14676-1 umfasst u.a. erstmals Verfahren zur Ferninspektion von Rauchwarnmeldern.

Die Anforderungen an die Melder werden in einer DIN SPEC „Technische Anforderungen an ferninspizierbare Rauchwarnmelder — Anforderungen an eine technische Einrichtung zur Ferninspektion in Bezug auf den Nachweis der Betriebsbereitschaft eines Rauchwarnmelders nach DIN EN 14604“ beschrieben. Diese soll im Januar 2019 erscheinen.

Ferninspektion von Rauchwarnmeldern

In der DIN 14676-1 sind drei Verfahren mit jeweils unterschiedlichen Eigenschaften und Anforderungen an die Inspektion von Rauchwarnmeldern definiert:

Nach Verfahren A werden die Rauchwarnmelder wie bisher alle zwölf Monate vor Ort geprüft und gegebenenfalls instandgesetzt. Diese Melder benötigen keine zusätzlichen Funktionen im Vergleich zu den Anforderungen der DIN EN 14604 [4].

Bei der „Teil-Ferninspektion“ nach Verfahren B der DIN 14676-1 müssen Rauchkammer, Energieversorgung, Demontage und Beschädigungen wiederkehrend und selbstständig geprüft werden. Abweichungen sind dem Nutzer mindestens am Rauchwarnmelder anzuzeigen. Der Status der Geräte ist spätestens alle zwölf Monate auszulesen und an die inspektionsverantwortliche Stelle zu übertragen. Die Raucheintrittsöffnungen und die Funktion des Warnsignals sind mindestens alle 30 Monate und die Melderumgebung (50 cm frei von Hindernissen) mindestens alle 36 Monate vor Ort zu inspizieren und zu dokumentieren.

Bei „Kompletter Ferninspektion“ nach Verfahren C müssen alle Funktionen nach Verfahren B aus der Ferne geprüft werden. Eine Vor-Ort-Inspektion ist bei diesen Meldern nicht mehr notwendig.

Novellierte DIN 14676 veröffentlicht: Für die unterschiedlichen Verfahren zur Ferninspektion nach DIN 14676-1 müssen verschiedene Kriterien automatisch aus der Ferne prüf- und auslesbar sein.
Für die unterschiedlichen Verfahren zur Ferninspektion nach DIN 14676-1 müssen verschiedene Kriterien automatisch aus der Ferne prüf- und auslesbar sein. (Quelle: Ei Electronics)

DIN SPEC für Ferninspektionsmelder

Die DIN SPEC legt genau wie die DIN 14676 lediglich Mindestvoraussetzungen fest. Für die Hersteller bleibt genügend Spielraum, sich mit zusätzlichen Merkmalen zu positionieren. So basiert z.B. die Datenübertragung des neuen Ferninspektionsrauchwarnmelders Ei650FA-SC327 von Ei Electronics auf dem „Open Metering System“ OMS auf der Basis des „Wireless M-Bus“.

FeuerTrutz Spezial 2018: Sicherheitssysteme

Der Artikel wurde im FeuerTrutz Spezial "Sicherheitssysteme" veröffentlicht. Das Spezial ist als Sonderteil zum FeuerTrutz Magazin 6.2018 im November 2018 erschienen.

Das Spezial zum Thema Sicherheitssysteme kann kostenlos als pdf heruntergeladen werden:


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Der Melder kontrolliert über die Anforderungen nach Verfahren B der DIN 14676-1 hinaus auch das Warnsignal automatisch. Wird die Kontrolle der Raucheintrittsöffnungen und des Melderumfelds von den Nutzern übernommen, ist ein Betreten der Wohnung zu Inspektionszwecken überflüssig.

Fachinstallateure und Dienstleister haben damit die Wahl, ob sie ihren Kunden eine Inspektion ohne Betreten der Wohnung im Zehn-Jahres-Intervall oder eine Teil-Ferninspektion mit zweieinhalbjähriger Vor-Ort-Kontrolle anbieten. Die Privatsphäre der Wohnungsnutzer wird in beiden Varianten nicht verletzt, da ausschließlich melderspezifische Daten erfasst und übermittelt werden.

Umfangreiche Novellierung

Über die Regelungen der Ferninspektion hinaus wurde die DIN 14676 umfassend überarbeitet, wobei zahlreiche Praxiserfahrungen aus den letzten sechs Jahren in die Norm eingeflossen sind [3]. So wird auf die Vernetzung von Warnmeldern sowie auf Kohlenmonoxid-, Wärme- und Mehrfachsensorwarnmelder eingegangen. Diese dürfen bauordnungsrechtlich geforderte Rauchwarnmelder allerdings nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Die DIN 14676-1 geht auch ausführlich auf den Einsatz von Rauchwarnmeldern in Wohnräumen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen ein. Bei Bewohnern mit eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit sind zusätzliche Maßnahmen zu treffen, um diesen Personen eine Selbstrettung zu ermöglichen.

Die DIN 14676-2 legt die Anforderungen für den Nachweis der Kompetenz von Dienstleistern fest, die Rauchwarnmelder projektieren, einbauen und instandhalten.

Im Unterschied zur Vorversion besitzen die Kompetenzanforderungen jetzt normativen Status. Die Bedeutung der Fachausbildung wurde damit deutlich gestärkt.

Insgesamt markiert die Neufassung der DIN 14676 einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung des Rauchwarnmeldermarktes und legt die Grundlage für weitere Innovationen.

Neufassung DIN 14676 auf einen Blick

Die DIN 14676 wurde umfassend überarbeitet und an den Stand der Technik angepasst. Die wichtigsten Änderungen in Kürze:

DIN 14676-1
Beschreibung von Verfahren zur Inspektion von Rauchwarnmeldern:

  • Verfahren A: jährliche Vor-Ort-Inspektion
  • Verfahren B: Teil-Ferninspektion; automatische Prüfung von Rauchsensorik, Energieversorgung, Demontageerkennung und funktionsrelevanter Beschädigung, alle 30 Monate Vor-Ort-Inspektion der Raucheintrittsöffnungen und Funktion des Warnsignals sowie alle 36 Monate Umfeldüberwachung (50 cm frei von Hindernissen)
  • Verfahren C: komplette Ferninspektion; automatische Prüfung aus der Ferne, keine Vor-Ort-Inspektion

Detaillierte Hinweise zur Vernetzung von Rauchwarnmeldern
Beschreibung von Kohlenmonoxid-, Wärme- und Mehrkriterienwarnmeldern
Barrierefreie Rauchwarnmelderlösungen
Behandlung von Wohnküchen

DIN 14676-2
Anforderungen an die Kompetenz von Dienstleistern (normativ)

Autor

Philip Kennedy: Geschäftsführer der Ei Electronics GmbH; Mitglied im Normenausschuss DIN 14676 sowie im Forum Brandrauchprävention e.V.

Literatur

[1] DIN 14676-1:2018-12, Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 1: Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung

[2] DIN 14676-2:2018-12, Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 2: Anforderungen an den Dienstleistungserbringer

[3] PHILIP KENNEDY. Normen für Rauchwarnmelder. FeuerTrutz Magazin, 2018, (1)

[4] DIN EN 14604:2009-02, Rauchwarnmelder Deutsche Fassung EN 14604:2005

Der Artikel ist im FeuerTrutz Spezial 2018 zum Thema Sicherheitssysteme (November 2018) erschienen. Das Spezial kann kostenlos als pdf heruntergeladen werden.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Spezial 2018: Sicherheitssysteme

Letzte Aktualisierung: 21.12.2018

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