Produktnorm für Innentüren DIN EN 14351-2

Die Entwicklungsphase dieser "letzten großen Produktnorm" war lang, aber nun ist die DIN EN 14351-2 auf der Zielgeraden. Sie beschreibt 20 technische Eigenschaften von Innentüren – von der "normalen" Zimmertür bis zur Objekttür mit Anforderungen an Schall- und Brandschutz. Im November 2019 soll die Harmonisierung erfolgen, die eine CE-Kennzeichnung von Innentüren ermöglicht.

Produktnorm für Innentüren DIN EN 14351-2
Die unterschiedlichen Einsatzzwecke von CE-Zeichen und Leistungserklärung (LE) (Grafik: ift Rosenheim)

August 2019. Tischler, Monteure und der Bauelementehandel sollten sich mit den Regelungen der Norm und der CE-Kennzeichnung intensiver auseinandersetzen. Innentüren sind in der Verwendung und durch die gelebte Baupraxis ein etwas unübliches Bauelement. Denn die Produktnorm beschreibt in Absatz 1 "Anwendungsbereich" drei Verwendungszwecke mit recht unterschied­liche Konsequenzen für die Unternehmen:

  • a) Türen in "Fluchtwegen",
  • b) Türen "für besondere Verwendungszwecke" z.B. an den Schall-/Wärmeschutz oder an die Luftdichtheit. Dazu gehören auch motorisierte Drehflügeltüren und
  • c) Türen "lediglich zur Verbindung" von Räumen, an die keine besonderen Anforderungen gestellt werden. Diese oft als Standard- oder Zimmertüren bezeichneten Türen fallen gemäß Kommissionsentscheid zur Überprüfung der Leistungsbeständigkeit in das Konformitätssystem 4.

Dies bedeutet, dass der Hersteller bei Türen mit Verwendungszweck "c" die notwendigen Nachweise selbst erstellen darf.

Dazu zählen Aussagen zur Innenraumemission (Freisetzung gefährlicher Stoffe), zur Stoßfestigkeit bei verglasten Türen mit Verletzungsrisiko, Angaben zur lichten Öffnungshöhe sowie Aussagen zum Brandverhalten der Bauteile. Letzteres ist nichts Neues, denn in Deutschland bestand schon immer die Anforderung, dass alle in Gebäuden verwendeten Baustoffe mindestens normal entflammbar sein müssen. Nach der jetzt gültigen europäischen Klassifizierung ist dies die Klasse "E" oder "B2" nach alter deutscher Lesart gemäß DIN 4102.

Produktnorm für Innentüren DIN EN 14351-2 (Tabelle: Aufgaben des Herstellers und der notifizierten Stelle in Abhängigkeit vom
Aufgaben des Herstellers und der notifizierten Stelle in Abhängigkeit vom "Konformitätssystem" (AVCP-Verfahren – Assessment and Verification of Constancy of Performance) (Tabelle: ift Rosenheim)

Was sind Innentüren gemäß Produktnorm?

Während Fenster meistens mit Blend- und Flügelrahmen, Dichtungen und Glas aus einer Hand kommen, wird bei Innentüren oft die Zarge zuerst von einem Unternehmen montiert, später wird dann das Türblatt "eingehängt", und am Schluss kommt eine dritte Firma und installiert Schließzylinder der Schließanlage. Die Produktnorm gilt aber nur für betriebsfertige Produkte mit den zugehörigen Baubeschlägen, Türschließern, Oberlichtern und Seitenteilen sowie dem Türblatt und der Zarge als wesentlichen Komponenten. Türblätter oder Zargen allein können daher nicht CE-gekennzeichnet werden. Damit stellt sich die Frage, ob und wer dann eine CE-Kennzeichnung machen darf bzw. muss. Hersteller ist derjenige, der alle Komponenten einer Tür herstellt oder anbietet und "in den Verkehr" bringt.

Entscheidend ist dabei nicht, dass Türblatt und Zarge gemeinsam geliefert werden, sondern dass die Komponenten eindeutig als zusammengehörige Einheit gekennzeichnet wurden und eine Verwechslung z.B. durch den Monteur ausgeschlossen wird. Dabei kann der Hersteller durch eine genaue Definition einzelner Komponenten einen Austausch oder Einsatz von Komponenten zulassen. In diesem Fall müssen die Anforderungen an die Produktqualität sowie die Art und Weise der Verwendung, Montage, Einstellung etc. vom Hersteller einer CE-gekennzeichneten Tür eindeutig festgelegt sein. Dies ist gerade für die Verwendung von Beschlägen wichtig. Denn ein Hersteller kann mit Bezug auf die deutschen Beschlagnormen, Maße und Toleranzen eine Austauschbarkeit sicherstellen, ohne dass die Eigenschaften des CE-gekennzeichneten Produkts verändert werden.

Das bedeutet aber nicht, dass Zargen und Türblätter nicht allein in den Handel gelangen dürfen bzw. gehandelt werden können. Denn in Deutschland können Montagebetriebe einfache Zimmertüren (Typ "c") aus einzelnen Zargen und Blättern auch ohne CE-Zeichen zusammenbauen, wenn dies im direkten ­Auftrag des Bauherrn erfolgt – d.h., dass diese gemäß BauPVO nicht als CE-kennzeichnungsfähige Bauprodukte in den Verkehr gebracht wurden. Der Bauherr benötigt dann allerdings zur Erfüllung der baurecht­lichen Anforderungen einen Nachweis der Normalentflammbarkeit (s. VV TB, C 2.6.3 bzw. D 2.2).

Zum Nachweis des Brandverhaltens können in vielen Fällen die Festlegungen der EU-Kommission (Tabellenverfahren) genutzt werden, die auf der Website des DIBt zu finden sind.

Veränderung einer Tür mit CE-Zeichen

Wenn vor Ort eine bereits von einem anderen Unternehmen eingebaute und abgenommene Tür verändert wird, führt dies nicht zu einer Änderung bestehender CE-Zeichen, weil die Tür dann ja schon "in Verkehr gebracht" wurde. Es gibt auch keine Verpflichtung, für eine alte Tür ein "neues" CE-Zeichen zu erstellen. Dies gilt aber nicht für ein noch zu lieferndes Türelement mit CE-Zeichen, wenn vom Händler Änderungen durchgeführt werden. Dann muss bewertet werden, ob diese Änderungen die deklarierten Eigenschaften und Merkmale wesentlich beeinflussen. Wenn dazu keine Informationen des Türherstellers vorliegen, ist zu vermuten, dass die wesentlichen Merkmale verändert werden können.

Bei Änderungen kann der Händler damit zum Hersteller werden, der das Produkt in Verkehr bringt. Er unterliegt dann der Pflicht zur CE-Kennzeichnung. Ein praktisches Beispiel wäre der Einfluss auf das Brandverhalten oder den Feuerwiderstand, der bereits durch einen Anstrich maßgeblich verändert werden kann. Dies gilt ebenso für eingesetzte Glaselemente, die den Schallschutz wesentlich ändern können. Es ist aber anzunehmen, dass die meisten Türhersteller in ihren Systemunterlagen übliche Änderungen zulassen, z.B. den nachträglichen Einbau bzw. Austausch handelsüblicher Türspione, Griffe oder Schließzylinder.

Der Auftragnehmer bzw. Monteur muss aber die schriftlichen Angaben des Herstellers genau lesen und prüfen, ob die Veränderung zulässig ist oder nicht.

Innentüren mit Brand- und Rauchschutz

Für Innentüren mit Anforderungen an den Feuerwiderstand und die Rauchdichtheit gilt neben den Anforderungen der EN 14351-2 auch die EN 16034. Ob dies die Koexistenzphase der EN 16034 ändert, ist schwierig ­einzuschätzen, da diese Entscheidung bei der EU- Kommission liegt. Beantragt ist eine gemeinschaftliche Koexistenzphase von EN 16034 mit EN 14351-2 von drei Jahren. Dies war ein Vorschlag der frz. "Normungskollegen", der im Normenausschuss breite Zustimmung gefunden hat. Das ift Rosenheim rechnet damit, dass diesem Vorschlag gefolgt wird.

ift Rosenheim: Das ift Rosenheim ist eine europaweit notifizierte Forschungs-, Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle und international nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert. Im Mittelpunkt steht die praxisnahe, ganzheitliche und schnelle Prüfung und Bewertung aller Eigenschaften von Fenstern, Fassaden, Türen, Toren, Glas und Baustoffen. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung von Produktqualität, Konstruktion und Technik sowie Normungsarbeit und Forschung. Die Zertifizierung durch das ift Rosenheim sichert eine europaweite Akzeptanz.

Der Artikel ist in Ausgabe 4.2019 des FeuerTrutz Magazins (Juli 2019) erschienen.

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Letzte Aktualisierung: 08.08.2019

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