600 m² Glas: Rahmenloser Brandschutz für Bürogebäude mit Atrium

Offene Arbeitsräume gestalten und gleichzeitig strenge brandschutztechnische Auflagen erfüllen: Eine große Herausforderung, wie der Neubau der AEB-Firmenzentrale in Stuttgart zeigt. Die Architekten entschieden sich für Brandschutz mit optisch rahmenlosen Ganzglaswänden und Ganzglastüren.

Rahmenloses Brandschutzglas für Bürogebäude mit Atrium
Die fertiggestellte neue AEB-Firmenzentrale (Bild: Promat, Ratingen)

November 2019 / Von Günter Siegler. Die offene Unternehmenskultur der Softwarefirma AEB sollte sich auch architektonisch im Raumkonzept der neuen Firmenzentrale widerspiegeln: eine hochflexible Arbeitswelt auf einer Nettogrundfläche von rund 9.000 m2 sollte entstehen, in der sich die über 400 Mitarbeiter rundum wohlfühlen. Ein großzügiges, 21 m hohes zentrales Atrium inmitten eines fünfgeschossigen Gebäudekomplexes entstand. Im EG befinden sich nun eine vom Atrium abgehende Kantine sowie Konferenzräume und ein Sportbereich. In vier Obergeschossen wurden offen zum Atrium hin umlaufende Balkone platziert, die zum Teil über aufgeweitete Flure verfügen.

Dort können sich die Mitarbeiter zum interaktiven Arbeiten zusammenfinden. Von den Balkonen gelangt man dann in die Großraumbüros mit flexiblen Arbeitsplätzen und Think Tanks als Rückzugsbereichen.

Bautafel

  • Projekt: Neubau des AEB-Headquarters
  • Bauherr: AEB GmbH
  • Architekt: Riehle+Assoziierte GmbH+Co. KG
  • Brandschutz: Promat GmbH
  • Verarbeiter: Lindner Group KG
  • Baujahr: 2017
  • Produkte/Konstruktionen: Ganzglaswände F1-30 mit Ganzglastüren 30
  • Auftragsvolumen: 660 m2 Glas
  • Investitionsvolumen: 32 Mio. Euro

Brandschutztechnische Lösungen

Die Brandschutzanforderungen der Baubehörde forderte die brandschutztechnische Abtrennung des Atriums von den Büroräumen über alle Stockwerke hinweg. Wegen der lufträumlichen Verbindung der Geschosse über das Atrium muss die brandschutztechnische F90-Anforderung der Decke in die Vertikale „geklappt“ werden: in Form von Brandschutzwänden und -türen, die den Atriumumgang von den Arbeitsbereichen sicher abtrennen und die Geschosse in verschiedene Brandschutzeinheiten unterteilen. Das Architekturbüro fand eine Lösung, die die gewünschte Architektur mit der erforderlichen Sicherheit kombiniert: Ganzglaswände aus Brandschutzglas in flächenbündiger Optik – Schallschutz inklusive. „Die Lösungen sind komplett rahmenlos erhältlich und in sehr großer Fläche einsetzbar“, so Architekt Hannes Riehle. „Dank der Transparenz erkennt man gar nicht, dass es sich um Brandschutzglas handelt. So lassen sich die Brandschutzauflagen umsetzen, ohne dass die Filigranität des offenen Bürokonzepts leidet.“

Rahmenloses Brandschutzglas für Bürogebäude mit Atrium
Das mit Brandschutzglas großzügig ausgestattete Atrium mit Blick in die Büros und die Kantine im Erdgeschoss (Bild: Promat, Ratingen)

Glas als sichere Lösung

Die verbauten F1-Ganzglaswände sind entsprechend brandschutztechnisch geprüft und allgemein bauaufsichtlich zugelassen. Sie sind mehrschichtig aufgebaut – mit zwei Glasscheiben und einem Brandschutzgel dazwischen. Dabei kommen die Glaswände ganz ohne glasteilende Profile aus, benötigen also weder Zwischenpfosten zur statischen Aussteifung noch Abdeckungen der vertikalen Glasstöße. Die riegellose Ausführung, die lediglich mit Silikonfugen an den vertikalen Glaskanten versehen ist, sorgt für eine gleichmäßige Lichtdurchflutung der angrenzenden Räume. Da allein das Erdgeschoss eine Deckenhöhe von über 3,50 m aufweist, waren Glasflächen in einer sehr großformatigen Abmessung notwendig. Daher fiel die Wahl auf das sehr stabile Verbundsicherheitsglas. Insgesamt wurden 660 m2 Glasfläche verbaut. Bei den Türen entschieden sich die Architekten für ein rahmenloses Ganzglastür-System.

Im Gegensatz zu anderen marktgängigen Systemen benötigt es keine umlaufenden Profilkonstruktionen wie Pfosten-Riegel mehr, besteht also lediglich aus rahmenlosen Glastürblättern in ein- oder zweiflügeligen Ausführungen, die sich nahtlos in die absturzsichernden Ganzglaswände einfügen. Um die Optik der Türen im gesamten Gebäude einheitlich zu halten, lieferte der Hersteller zudem einige F0-Türen aus „normalem“ Glas, die in den Räumen eingesetzt wurden, wo kein zusätzlicher Brandschutz nötig war. „Aufgrund der enormen Menge an Brandschutzverglasung war der Neubau eine Herausforderung für Planung, Logistik und Montage. Zumal die Scheiben ein immenses Gewicht aufweisen“, so Detlef Temmen von der Lindner Group, die neben dem Einbau der Systeme auch für die Trockenbauleistungen verantwortlich war. Die bis zu 260 kg pro Stück wiegenden Glaskolosse mussten erstmal sicher in den Neubaukomplex gelangen. „Das Atrium war so lange offen zugänglich, bis die Innenglasfassaden in den Innenraum transportiert und dann mit Kränen und automatisierter Robotertechnik an den Balkonen um die Arbeitsbereiche herum passgenau integriert wurden. Die Brandschutztüren wurden über sehr schmale Stahlprofile direkt an der Glaswand eingebunden.“

Promat GmbH

Promat ist eine Marke der Etex Building Performance GmbH – eines der führenden Anbieter von Lösungen im Trockenbau und im bautechnischen Brandschutz.

Der Artikel ist in Ausgabe 5.2019 des FeuerTrutz Magazins (September 2019) erschienen.

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Letzte Aktualisierung: 15.11.2019

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