Rauchwarnmelder: Überarbeitung und Neuerungen der DIN 14676

Der DIN-Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) legte am 29. September 2017 einen Norm-Entwurf E DIN 14676 "Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung" der Öffentlichkeit zur Prüfung und Stellungnahme vor. Der Beitrag stellt die Überarbeitung und die Neuerung der zweigeteilten Norm vor.

FeuerTRUTZ Magazin 1-2018: Normen für Rauchwarnmelder
Abb. 1: Die Neufassung der Anwendungsnorm markiert einen Meilenstein für die Weiterentwicklung des Marktes für Rauchwarnmelder. (Bild: Ei Electronics)

Februar 2018 / Von Philip Kennedy. Die Kommentierung des Normentwurfs ist bis zum 29. Januar 2018 vorgesehen, eine endgültige Fassung der DIN 14676 wird im zweiten Quartal 2018 erwartet [1, 2]. Da die endgültige Norm vom vorliegenden Entwurf abweichen kann, sollte in aktuellen Projekten nicht die im Entwurf vorliegende Version, sondern die derzeit gültige Norm DIN 14676: 2012-09 [3] verwendet werden.

Der Artikel ist in Ausgabe 1.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Januar 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTRUTZ Magazin Ausgabe 1.2018

Einordnung in die Vorschriftenlandschaft

Rauchwarnmelder sind Bauprodukte, deren Inverkehrbringen durch die Europäische Bauproduktenverordnung (Construction Products Regulation/CPR) geregelt ist. Die dazugehörige, mandatierte Produktnorm ist die EN 14604 "Rauchwarnmelder" [4]. Erfüllt ein Produkt deren Anforderungen, erstellt der Hersteller eine Leistungserklärung und bringt den Rauchwarnmelder mit einem CE-Kennzeichen in Europa auf den Markt. In Deutschland sind gemäß den Landesbauordnungen in Wohnungen Rauchwarnmelder nach DIN EN 14604 zu installieren.

Die Anwendungsregeln für Einbau, Betrieb und Instandhaltung von Rauchwarnmeldern in Europa können gemäß CPR national festgelegt werden. Diese Rolle übernimmt in Deutschland die DIN 14676, die zugleich als "allgemein anerkannte Regel der Technik" (aaRdT) gilt. Werden deren Anforderungen beachtet, gilt die in allen Landesbauordnungen sinngemäß enthaltene Forderung "Rauchwarnmelder sind so anzubringen und zu betreiben, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird" als erfüllt. Bei Nichtbeachtung drohen allen Baubeteiligten spätestens im Schadensfall unter Umständen erhebliche Schadensersatzforderungen.

Zwei getrennte Normen

Normen für Rauchwarnmelder: Funkvernetzung
Abb. 2: Durch die Funkvernetzung wird der Gefahrenwarnton eines Melders im ganzen Wohnbereich hörbar. Voraussetzungen sind eine sichere Stromversorgung und eine zuverlässige Datenübertragung. (Bild: Ei Electronics)

Die nunmehr 30-seitige Norm erscheint jetzt in zwei Teilen: Die Anwendungsnorm E DIN 14676-1 umfasst "Einbau, Betrieb und Instandhaltung" von Rauchwarnmeldern, während die Dienstleistungsnorm E DIN 14676-2 "Anforderungen an die Fachfirma" beschreibt. Die Inhalte wurden umfangreich überarbeitet und an neue technische Entwicklungen angepasst. In die Neufassung sind zahlreiche Praxiserfahrungen aus der Anwendung von Rauchwarnmeldern eingeflossen. So wurde das Kapitel 4 in der E DIN 14676-1 über Planung und Einbau ergänzt, konkretisiert und eindeutiger formuliert.

Zukunft gehört der Vernetzung

Die Empfehlungen zur Anwendung vernetzungsfähiger Rauchwarnmelder (jetzt im Anhang B) wurden in der E DIN 14676-1 überarbeitet und deutlich erweitert. So wird jetzt eine Vernetzung von Rauchwarnmeldern empfohlen, wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die akustische Warnung eines Rauchwarnmelders nicht oder zu spät zu hören ist (s. Abbildung 2). Der vorliegende Normentwurf macht deutlich, in welchen Anwendungsfällen vernetzte Rauchwarnmelder eingesetzt werden sollten. Darüber hinaus geht die E DIN 14676-1 auch auf den Einsatz von Rauchwarnmeldern in Smart Home-Systemen ein (s. Abbildung 3). Deutlich hingewiesen wird dabei auf den rückwirkungsfreien Betrieb, sodass die Rauchalarmierungsfunktion, der Normalbetrieb und die Störungssignalisierung der Rauchwarnmelder nicht beeinträchtigt werden dürfen. Zudem sollte die Kommunikation der Melder untereinander auch bei Ausfall der Netzstromversorgung oder eines hausinternen WLANs noch möglich sein.

Normen für Rauchwarnmelder: Ankopplung von Rauchwarnmeldern an Smart Home-Systeme
Abb. 3: Die E DIN 14676-1 geht auch auf die Ankopplung von Rauchwarnmeldern an Smart Home-Systeme ein. Voraussetzungen dafür sind zuverlässige Funkverbindungen, eine jederzeit gesicherte Stromversorgung sowie eine rückwirkungsfreie Ankopplung. (Bild: Ei Electronics)

Einsatz von anderen Meldern

Im neuen Anhang D der E DIN 14676-1 wird erstmals auf Warnmelder eingegangen, die auf andere Kenngrößen als Rauch reagieren. Aufgeführt sind Kohlenmonoxid-, Wärme- und Mehrfachsensorwarnmelder. Diese dürfen bauordnungsrechtlich geforderte Rauchwarnmelder grundsätzlich nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. So können z.B. Wärmewarnmelder in Küchen installiert werden, wo Rauchwarnmelder ungeeignet sind. Kohlenmonoxidwarnmelder dürfen nach E DIN 14676-1 nicht zur frühzeitigen Warnung vor Brandrauch und Bränden eingesetzt werden. Sie sollen ausschließlich vor giftigem Kohlenmonoxid warnen, dass z.B. bei defekten oder unsachgemäß betriebenen Feuerstätten austreten kann. Aus diesem Grund wird im Normentwurf empfohlen, Räume mit Feuerstätten zusätzlich mit Kohlenmonoxidwarnmeldern auszustatten. Der Einsatz von Mehrfachsensorwarnmeldern ist dann zulässig, wenn diese Melder primär auf die Kenngröße Rauch reagieren und nach DIN EN 14604 geprüft sind.

Barrierefreie Rauchwarnmelder-Lösungen

Normen für Rauchwarnmelder: Warnung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip
Abb. 4: Menschen mit eingeschränktem Wahrnehmungsvermögen benötigen eine Warnung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip, wie es z.B. ein Hörgeschädigtenmodul bietet. (Bild: Ei Electronics)

Im Anhang E der E DIN 14676-1 wird ausführlich auf den Einsatz von Rauchwarnmeldern in Wohnräumen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen eingegangen. Bei Bewohnern mit eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit sind zusätzliche Maßnahmen zu treffen, um diesen Personen eine Selbstrettung zu ermöglichen. Für Menschen mit geringem bzw. fehlendem Hörvermögen ist die Wahrnehmung der Gefahren­warnung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip – z.B. optisch und taktil – zu gewährleisten (s. Abbildung 4). Die Zusatzeinrichtungen sind individuell auszuwählen und nach Herstellerangaben instandzuhalten.

Sonderfall offene Wohnküchen

Im Normentwurf erstmals berücksichtigt wurden Wohnküchen und Küchen mit offenem Zugang zu Wohnräumen, in denen Rauchwarnmelder z.B. durch Kochdämpfe Täuschungsalarme auslösen können. Empfohlen werden "geeignete Rauchwarnmelder mit einem Mindestabstand von 3 m bis zum Herd". Nach Anhang D der E DIN 14676-1 ist der Einsatz von Mehrfachsensorwarnmeldern zulässig, wenn diese primär auf die Kenngröße Rauch reagieren, nach DIN EN 14604 geprüft sind und der Hersteller eine Leistungserklärung erstellt hat. Wie in der aktuellen Normversion dürfen "in Küchen, die als Fluchtweg dienen" die Rauchwarnmelder auch an der Wand montiert werden, sofern sie dazu geeignet sind.

Ferninspektion erstmals normativ geregelt

In Kapitel 6 der E DIN 14676-1 wird dem Einsatz von Rauchwarnmeldern mit Fernauslese-Funktionen erstmals eine normative Basis geliefert. Die notwendigen Grundlagen dazu wurden von einem Arbeitskreis unter Beteiligung von Rauchwarnmelder-Herstellern, Verbänden und dem KRIWAN-Testzentrum erarbeitet und durch den DIN-Normenausschuss Rauchwarnmelder in den vorliegenden Normentwurf E DIN 14676-1 übernommen. Die Ferninspektion von Rauchwarnmeldern wird insbesondere von der Wohnungswirtschaft nachgefragt, um aufwendige vor-Ort-Termine bei den Mietern zu vermeiden.

Drei Meldertypen

Um die Möglichkeit der Ferninspektion auf eine normative Grundlage zu stellen, werden in der E DIN 14676-1 drei Meldertypen mit jeweils unterschiedlichen Eigenschaften und Anforderungen an die Inspektion definiert. Darüber hinaus wurde der bisher im gleichen Abschnitt verwendete Begriff "Wartung" durch "Instandsetzung" abgelöst und in einen eigenständigen Abschnitt überführt. "Einzelmelder" entsprechen den bisher eingesetzten Rauchwarnmeldern und werden wie bisher alle 12 Monate vor Ort geprüft und gegebenenfalls instandgesetzt. Diese Melder benötigen keine zusätzlichen Funktionen gegenüber den Anforderungen der DIN EN 14604.

Bei "Meldern mit Teil-Ferninspektion" müssen Rauchkammer, Energieversorgung, Demontageerkennung und Warnsignale wiederkehrend und selbstständig mindestens alle 12 + 3 Monate geprüft werden. Abweichungen sind dem Nutzer mindestens am Rauchwarnmelder anzuzeigen. Der Status der Geräte ist mindestens alle 12 + 3 Monate auszulesen und an die inspektionsverantwortliche Stelle zu übertragen. Die Raucheintrittsöffnungen und die Melder-Umgebung sind alle 36 + 6 Monate vor Ort zu inspizieren und zu dokumentieren.

"Melder mit kompletter Ferninspektion" entsprechen Rauchwarnmeldern mit Teil-Ferninspektion, wobei zusätzlich die Raucheintrittsöffnungen und die Melder-Umgebung aus der Ferne geprüft werden müssen. Eine vor-Ort-Inspektion ist bei diesen Meldern nicht mehr notwendig. Für Melder mit Ferninspektionsfunktion ist eine elektronische Verschmutzungskompensation der Rauchkammer vorgeschrieben, für Melder ohne wird diese empfohlen.

Dienstleistungsnorm E DIN 14676-2

Die Zweiteilung des Entwurfs der DIN 14676 beachtet eine EU-Entscheidung, wonach Anwendungsnormen keine Qualifizierungsmaßnahmen beschreiben dürfen. Zusätzlich wurden die Anforderungen der im April erschienenen DIN EN 16763 "Dienstleistungen für Brandsicherheitsanlagen und Sicherheitsanlagen" berücksichtigt. Die E DIN 14676-2 legt die Anforderungen für den Nachweis der Kompetenz von Dienstleistern fest, die Rauchwarnmelder projektieren, einbauen und instandhalten. Im Unterschied zur Vorversion besitzen die Kompetenzanforderungen jetzt normativen Status. Die Bedeutung der Fachausbildung wurde damit deutlich angehoben. Wie bisher werden die Anforderungen an eine Fachkraft für Rauchwarnmelder sowie Form und Inhalte der vorgeschriebenen Prüfung beschrieben. Der Nachweis herstellerspezifischer Kenntnisse entfällt zukünftig und wird durch "Grundkenntnisse über Übertragungstechniken und Vernetzungen" ersetzt. Der Kompetenznachweis muss wie bisher alle fünf Jahre aktualisiert werden.

Fazit

Die Neufassung der DIN 14676 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Professionalisierung des immer noch jungen Marktes für Rauchwarnmelder in Deutschland. Indem aktuelle Technologien und Trends genauso berücksichtigt wurden wie konkrete Praxiserfahrungen der letzten fünf Jahre, beschreibt sie einen verlässlichen Handlungsrahmen für die Zukunft. Dem Konzept der Ferninspektion verleiht sie erstmalig eine normative Grundlage und macht damit den Weg für neue Entwicklungen und Angebote frei. Aber auch die Berücksichtigung der Anforderungen von Menschen mit speziellen Bedürfnissen und das konkrete Aufzeigen von Anwendungssituationen für vernetzte Rauchwarnmelder gehören zu den wegweisenden Änderungen der neuen Norm. Dass der Kompetenznachweis für Dienstleistungserbringer von einem informativen auf einen normativen Status heraufgesetzt wurde, unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Fachausbildung.

Hinweis: Alle Angaben in dem Artikel beziehen sich auf den Entwurfsstand der E DIN 14676 Teil 1 und 2 vom 29. September 2017. Bis zur endgültigen Veröffentlichung der Norm werden durch das Kommentierungsverfahren noch Änderungen bzw. Abweichungen erwartet.

Autor

Philip Kennedy: Geschäftsführer der Ei Electronics GmbH und Mitglied im Normenausschuss DIN 14676 sowie im Forum Brandrauchprävention e.V.

Literatur

[1] DIN 14676-1:2017-10 – Entwurf "Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 1: Einbau, Betrieb und Instandhaltung"

 [2] DIN 14676-2:2017-10 – Entwurf "Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 2: Anforderungen an die Fachfirma"

 [3] DIN 14676:2012-9, Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Einbau, Betrieb und Instandhaltung, www.beuth.de

 [4] DIN EN 14604:2009-02 "Rauchwarnmelder" Deutsche Fassung EN 14604:2005

Der Artikel ist in Ausgabe 1.2018 des FeuerTRUTZ Magazins (Januar 2018) erschienen.
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Letzte Aktualisierung: 27.02.2018

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