Richtiger Umgang mit Verwendbarkeitsnachweisen und Abweichungen

Der Umgang mit Verwendbarkeitsnachweisen und mit Abweichungen davon stellt die Praxis immer wieder vor Probleme. Zulassung, Prüfzeugnis, Übereinstimmungsnachweis – was wird wann benötigt? Dipl.-Ing. Thomas Krause-Czeranka beschreibt in seinem Beitrag den richtigen Umgang mit Verwendbarkeitsnachweisen und den Abweichungen.

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Nicht fachgerecht ausgeführte Kabelabschottung während der Brandprüfung (Foto: BELFOR Prevention (Deutschland) GmbH)

September 2012 / Von Thomas Krause-Czeranka. Die Bauordnungen der Länder unterscheiden zwischen Bauprodukten und Bauarten. Das Zusammenfügen von Bauprodukten zu einer baulichen Anlage oder zu einem Teil einer baulichen Anlage wird als Bauart bezeichnet. Soweit es sich um Bauprodukte handelt, die in Übereinstimmung mit einer bekannt gemachten technischen Regel erstellt werden können, sprechen wir von einem geregelten Bauprodukt. Wenn es jedoch keine technische Regel gibt oder von dieser wesentlich abgewichen wird, handelt es sich um ein nicht geregeltes Bauprodukt. Ähnlich gilt dies für die Bauarten.

Als Verwendbarkeitsnachweise nennen die Bauordnungen der Länder für nicht geregelte Bauprodukte:

  • die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ)
  • das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis (abP)
  • die Zustimmung im Einzelfall (ZiE)

Bei den meisten verwendeten Systemen im vorbeugenden baulichen Brandschutz handelt es sich jedoch um nicht geregelte Bauarten

  • Plattenkonstruktionen, wie z.B. Lüftungsleitungen und Installationskanäle,
  • leichte Trennwände, die nicht nach DIN 4102-4 erstellt sind,
  • Unterdecken,
  • Rohrummantelungen bzw. Abschottungen an Rohrleitungen deren Funktion auf der Anordnung einer Rohrummantelung/Streckenisolierung beruht).

Der Nachweis der Verwendung dieser nicht geregelten Bauarten ergibt sich aus der Bauregelliste A Teil 3. Als Verwendbarkeitsnachweis wird für diese Konstruktionen ein abP verlangt.

Bei Kabel- und Rohrabschottungen, deren Funktion auf dem Verschluss des Rohrquerschnittes beruht oder auch bei Kombiabschottungen handelt es sich streng genommen auch um Bauarten, da diese aus verschiedenen Bauprodukten auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Auf europäischer Ebene sprechen wir in diesem Fall von einem Bausatz. Als Verwendbarkeitsnachweis für diese Konstruktionen gilt im nationalen Verfahren eine abZ und im europäischen Verfahren eine europäische technische Zulassung (ETA = European Technical Approval). Grundlage für eine ETA ist eine europäische Zulassungsleitlinie (ETAG = Guideline for European Technical Approval), die das Nachweisverfahren regelt. Im Falle der Abschottungen ist dies die ETAG 026. Beide Nachweisverfahren sind grundsätzlich parallel möglich. Es können z. B. für eine Kabelabschottung sowohl eine abZ als auch eine ETA als Verwendbarkeitsnachweis existieren.

Weitere typische Brandschutzsysteme, die im vorbeugenden baulichen Brandschutz verwendet werden, sind Feuerschutzabschlüsse und Absperrvorrichtungen. Bis zum Jahr 2003 existierten für Stahltüren der Feuerwiderstandsklassen T 30-1 technische Regeln (DIN 18081 und DIN 18082), die diese Feuerschutzabschlüsse als Bauprodukte regelten. Beide waren in der BRL A Teil 1 bis zu der Ausgabe 2003/1 aufgeführt. Diese Normen wurden zurückgezogen und sind aus der BRL gestrichen worden. Für alle Feuerschutzabschlüsse ist als Verwendbarkeitsnachweis jetzt eine abZ erforderlich.

Absperrvorrichtungen gegen die Übertragung von Feuer und Rauch bei Lüftungsanlagen (Brandschutzklappen) sind in der BRL B Teil 2 aufgeführt und benötigen als Verwendbarkeitsnachweis (zurzeit) eine abZ. Zukünftig werden die Brandschutzklappen über eine eigene Produktnorm (DIN EN 15650) geregelt und in Übereinstimmung damit in Verkehr gebracht. Als Übereinstimmungsnachweis wird dann ausschließlich das CE-Zeichen dienen.

Eine ZiE wird notwendig, wenn bei der Verwendung geregelter Bauprodukte bzw. Bauarten von den in der BRL A Teil 1 bekannt gemachten technischen Regeln wesentlich abgewichen wird oder wenn bei der Verwendung nicht geregelter Bauprodukte bzw. Bauarten von dem entsprechenden Verwendbarkeitsnachweis (abZ oder abP) wesentlich abgewichen wird. Die nicht wesentliche Abweichung gilt gemäß den Bauordnungen der Länder (Abs. 1 § 22 MBO) als Übereinstimmung. Mit der Erteilung einer ZiE kann ein Bauprodukt oder eine Bauart verwendet werden. Die ZiE wird durch die Oberste Bauaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes erteilt, bezieht sich immer auf ein bestimmtes Bauvorhaben, ist also nicht übertragbar.

Der Verwendbarkeitsnachweis und die zugehörige Übereinstimmungserklärung sind die grundlegenden Dokumente für die Verwendung eines Bauproduktes bzw. für die Anwendung einer Bauart und sind die Grundlage für die Dokumentation. Diese Dokumente sind dem Bauherrn zu überreichen und ggf. an die zuständige Bauaufsichtsbehörde weiterzuleiten.

Soweit die Theorie! Was ist aber bitte eine nicht wesentliche Abweichung von einem Verwendbarkeitsnachweis?

Was ist eigentlich eine Abweichung?

Versucht man sich an eine Definition des Begriffs Abweichung gelangt man schnell in den Bereich des Qualitätsmanagements. Dort wird die Abweichung als eine Überschreitung festgelegter Toleranzgrenzen oder als Nichtbefolgung festgelegter Verfahrensschritte beschrieben. Synonyme für den Begriff Abweichungen finden sich einige, wie z.B. Unterschied, Differenz, Schwankung, Divergenz, Abgrenzung, aber auch Meinungsverschiedenheit. Letzteres passt häufig, wenn wir über das Thema Abweichungen diskutieren.

Unterscheiden müssen wir zunächst die unterschiedlichen Arten von Abweichungen, mit denen wir bauordnungsrechtlich konfrontiert werden. Die Erfahrung zeigt, dass in der Praxis häufig Unklarheiten bestehen, wie eine Abweichung im bauaufsichtlichen Sinne korrekt einzuordnen ist. Die korrekte Einordnung der Art der Abweichung ist aber ausschlaggebend für die weitere Nachweisführung im bauaufsichtlichen Verfahren.

Bauordnungsrechtlich unterscheiden wir folgende Abweichungen (s. Abbildung 1):

  • Abweichungen von Eingeführten Technischen Baubestimmungen (ETB):
    „Die von der obersten Bauaufsichtsbehörde durch öffentliche Bekanntmachung als Technische Baubestimmungen eingeführten technischen Regeln sind zu beachten. Bei der Bekanntmachung kann hinsichtlich ihres Inhalts auf die Fundstelle verwiesen werden. Von den Technischen Baubestimmungen kann abgewichen werden, wenn mit einer anderen Lösung in gleichem Maße die allgemeinen Anforderungen des Absatzes 1 erfüllt werden; § 17 Abs. 3 und § 21 bleiben unberührt.“ (§ 3 Abs. 3 MBO)
  • Abweichungen von Anforderungen der Bauordnung (materielle Abweichung):
    „Die Bauaufsichtsbehörde kann Abweichungen von Anforderungen dieses Gesetzes und aufgrund dieses Gesetzes erlassener Vorschriften zulassen, wenn sie unter Berücksichtigung des Zwecks der jeweiligen Anforderung und unter Würdigung der öffentlich-rechtlich geschützten nachbarlichen Belange mit den öffentlichen Belangen, insbesondere den Anforderungen des § 3 Abs. 1 vereinbar sind. (…).“(§ 67 Abs. 1 MBO)
  • Abweichungen von Verwendbarkeitsnachweisen für Bauprodukte bzw. Bauarten:
    Hierbei wird grundsätzlich zwischen wesentlichen und nicht wesentlichen Abweichungen unterschieden. Die wesentliche Abweichung führt zu einer ZiE durch die oberste Bauaufsichtsbehörde. Die nicht wesentliche Abweichung gilt als Übereinstimmung mit dem Verwendbarkeitsnachweis. (§ 17 ff. MBO)

Während die Abweichungen von ETB bzw. die materiellen Abweichungen relativ klar zu benennen sind und der bauaufsichtliche Umgang damit sowohl seitens des Fachplaners als auch seitens der unteren Bauaufsichtsbehörde Normalität ist, umgibt den Bereich der Abweichungen von Verwendbarkeitsnachweisen ein scheinbar nebelhafter Schleier. Die vordringlichste Frage, die sich stellt ist:

Was ist eine nicht wesentliche Abweichung?

Einen Versuch der Definition, die den Sachverhalt gut wiederspiegelt, stammt von Dipl.-Phys. J. Pennings (Leiter der Prüfstelle Brandverhalten von Bauteilen; MPA NRW):

„Eine nicht wesentliche Abweichung ist eine Abweichung von einer durch einen Verwendbarkeitsnachweis beschriebenen Konstruktion, die keinen so negativen Einfluss auf die Feuerwiderstandsfähigkeit der Konstruktion hat, dass sich die Feuerwiderstandsklasse der Konstruktion verschlechtert.“

Die berechtigte Frage, die aus dieser Definition resultiert, ist jedoch, wer diese nicht wesentliche Abweichung bestätigt und wer in der Lage ist, die nicht wesentliche Abweichung zu beurteilen. Da diese gemäß der Bauordnungen der Länder als Übereinstimmung angesehen wird, dokumentiert der Übereinstimmungsnachweis auch die nicht wesentliche Abweichung. Die Art des Übereinstimmungsnachweises wird in der BRL bzw. über den Verwendbarkeitsnachweis geregelt. Tabelle 1 zeigt eine Auswahl typischer Systeme des vorbeugenden baulichen Brandschutzes, den dazugehörigen erforderlichen Verwendbarkeitsnachweis sowie die Art des Übereinstimmungsnachweises.

Bauprodukte benötigen im Allgemeinen einen Nachweis der Übereinstimmung mit den entsprechenden technischen Regeln oder Verwendbarkeitsnachweisen. Diese Übereinstimmung wird durch die Kennzeichnung des Bauproduktes mit dem Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) dokumentiert. Die Bestätigung einer nicht wesentlichen Abweichung obliegt dem Hersteller des Bauproduktes.

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Auswahl von Systemen des vorbeugenden baulichen Brandschutzes

Bei allen Bauarten nach BRL A Teil 3 erfolgt der Übereinstimmungsnachweis durch eine Übereinstimmungserklärung des Anwenders der Bauart. Dieser bestätigt, dass die Bauart entsprechend den Bestimmungen des abP ausgeführt wurde und die hierbei verwendeten Produkte den Bestimmungen des abP entsprechen (s. Vorbemerkungen zu BRL Abschnitt 2.3). Die einzelnen Bauprodukte der Bauart benötigen wiederum einen Nachweis durch den Hersteller des Bauproduktes. Die Bestätigung einer nicht wesentlichen Abweichung bezüglich der Anwendung der Bauart obliegt dem Anwender.

Feuerschutzabschlüsse gelten als Bauprodukte und werden dementsprechend mit dem Ü-Zeichen gekennzeichnet. Darüber hinaus ist für die Montage der Tür eine Übereinstimmungsbestätigung des Anwenders erforderlich. Diese ergibt sich aus der abZ des Feuerschutzabschlusses. Die Bestätigung einer nicht wesentlichen Abweichung des Bauproduktes kann nur vom Hersteller erfolgen.

Eine Sonderstellung nehmen die Abschottungssysteme ein, die nicht in der BRL aufgeführt sind und für die als Verwendbarkeitsnachweis eine abZ erforderlich ist. Bei der Art der Anwendung dieser Systeme handelt es sich in der Regel eher um Bauarten als um Bauprodukte, da diese Systeme aus verschiedenen Bauprodukten zusammengefügt werden. Die einzelnen Bauprodukte benötigen einen Übereinstimmungsnachweis vom Hersteller. Der Anwender der Abschottung erklärt aber die Übereinstimmung mit den Bestimmungen der abZ und auch, dass die hierbei verwendeten Produkte den Bestimmungen der abZ entsprechen. Die Bestätigung einer nicht wesentlichen Abweichung bzgl. der Anwendung der Abschottung obliegt dem Anwender.

Die im europäischen Verfahren erteilten ETA für Abschottungssysteme, die über die BRL B Teil 1 im Geltungsbereich von Leitlinien für ETA geregelt sind, beinhalten die CE-Kennzeichnung der Bauprodukte durch den Hersteller, das die nationale Kennzeichnung, das Ü-Zeichen, ersetzt. Die im nationalen Verfahren notwendige Übereinstimmungsbestätigung durch den Anwender ist nicht über die Zulassungsleitlinie (ETAG 026) geregelt, da es sich dabei um eine rein nationale bauaufsichtliche Anforderung handelt. Diese Forderung bleibt jedoch bestehen und ist über die Liste der Technischen Baubestimmungen (LTB Anlage 1/7) geregelt. Der Anwender muss die Übereinstimmung der Abschottung mit den Bestimmungen der ETA bestätigen und die Abschottung dauerhaft kennzeichnen.

Die Frage, wer die nicht wesentliche Abweichung bestätigen muss, ist selbst zwischen Oberster Bauaufsicht der Länder und dem Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) strittig. § 22 Abs. 1 und 2 MBO erläutern den Übereinstimmungsnachweis bei Bauprodukten durch den Hersteller. In Bezug auf die Regelung bei Bauarten wird in § 22 Abs. 3 MBO darauf verwiesen, dass die Absätze 1 und 2 entsprechend gelten. In den Bauordnungen der Länder wird allerdings die Übereinstimmungserklärung durch den Anwender bei Bauarten nicht ausdrücklich erwähnt. Aus Sicht des Autors hat die Bestätigung der nicht wesentlichen Abweichung bei der Anwendung von Bauarten formal durch den Anwender zu erfolgen. In wie weit der Anwender rein fachlich dazu in der Lage ist eine Abweichung qualitativ zu beurteilen bleibt ist fraglich.

Der Artikel ist in gekürzter Form im FeuerTRUTZ Spezial Band 3 – Abschottungen und Beschichtungen (September 2012) erschienen.
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Abweichungen in der Praxis

In der Praxis beginnen die Probleme häufig mit einer unzureichenden Planung der notwendigen Brandschutzmaßnahmen, insbesondere an haustechnischen Anlagen. Die Ausführung bzw. Umsetzung fachgerechter Brandschutzmaßnahmen speziell bei Abschottungen an Leitungsanlagen gemäß den Vorgaben der bauaufsichtlichen Nachweise ohne Abweichungen ist meist nicht möglich.

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Übersicht bauaufsichtlicher Abweichungen (Quelle: Krause-Czeranka)

Vielfach scheitert eine fachgerechte Umsetzung bereits daran, dass sich die Beteiligten nicht ausreichend mit den Verwendbarkeitsnachweisen auseinandersetzen. Grundlegende und maßgebliche Vorgaben für die Ausführung und Montage einer Abschottung finden sich in jeder Zulassung. In den besonderen Bestimmungen einer abZ für eine Kabelabschottung findet sich z. B. unter Punkt 1.2 der Anwendungsbereich des Zulassungsgegenstandes. Darin sind u.a. maximale Abmessungen, Mindestdicken und Bauteilanforderungen geregelt. Des Weiteren finden sich dort Bestimmungen für Entwurf und Ausführung.

Die letzte Seite der Anlagen einer abZ enthält jeweils ein Muster für eine Übereinstimmungsbestätigung des Anwenders. Auf dem Deckblatt der Zulassung findet sich neben Zulassungsnummer, Zulassungsgegenstand und Angaben zum Antragsteller (Inhaber des Verwendbarkeitsnachweises) vor allem die Angabe zur Geltungsdauer. AbZ und abP werden in der Regel für einen Zeitraum von 5 Jahren erteilt.

Da die Anforderungen an das Leistungsspektrums von Abschottungen an Leitungsanlagen in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, werden die abZ zunehmend umfangreicher und komplexer. Insbesondere gilt dies für Kombiabschottungen, für die nach der abZ eine Schulungspflicht des Anwenders gefordert wird. Umfang, Art und Weise der Schulung sind allerdings nicht vorgegeben.

Selbst für jemanden, der sich mit dem Thema baulicher Brandschutz und Verwendbarkeitsnachweise beschäftigt, ist das Studium einer Zulassung oft eine Herausforderung. In Planung und Ausführung werden aus diesem Grund gern Produktkataloge und Produktbeschreibungen hinzugezogen. Allein die Angaben bzw. Auszüge aus Produktkatalogen können aber das Studium der Zulassung nicht ersetzen!

Die Fehleranfälligkeit bzw. Abweichungsanfälligkeit bei Abschottungen ist sicherlich auch abhängig vom verwendeten System. Betrachtet man allein die Abstandsregeln in einer abZ für eine Kombiabschottung, bedarf es schon einer sehr exakten Planung, um nach der Installation der Leitungen die Bestimmungen der abZ einzuhalten. Gerade aber der Begriff Kombiabschottung suggeriert, dass mit einem solchen System alle Probleme von Mischbelegungen „erschlagen“ werden können. Zwischen Theorie und Praxis sind Abweichungen vorprogrammiert. Wie oben ausgeführt obliegt die rechtsverbindliche Bestätigung der zulassungskonformen Umsetzung und auch einer evtl. nicht wesentlichen Abweichung zu den Ausführungsbestimmungen der Abschottung dem Anwender.

Dies setzt jedoch voraus, dass der Anwender in der Lage ist, die Abweichung qualitativ zu beurteilen. Berücksichtigt man die Marktmechanismen und die Situation auf der Baustelle könnte man die provokante These aufstellen, dass der eine alles unterschreibt, um seine Rechnung stellen zu können, und der andere alles ablehnt und in Zweifel zieht, um eben diese Leistung zu bemängeln. Selbstverständlich ist dies nicht die Regel und einige Fachunternehmen im baulichen Brandschutz investieren in die Ausbildung ihrer Fachmonteure und engagieren sich für eine einheitliche Ausbildung der Brandschutzfachkraft. Rein fachlich gesehen empfiehlt es sich, bei Unklarheiten zur Art der Abweichung den Inhaber des Verwendbarkeitsnachweises zu kontaktieren. Dieser kennt u.U. die Leistungsreserven seines Systems und kann damit Hinweise oder Empfehlungen bezüglich der Einordnung der Abweichung geben. Im Zweifelsfall sollte man jedoch einen Sachverständigen bzw. eine anerkannte Prüfstelle (z.B. MPA NRW) hinzuziehen.

Fazit

Die Voraussetzung für einen richtigen Umgang mit Verwendbarkeitsnachweisen macht es erforderlich, sich sowohl mit den bauaufsichtlichen Zusammenhängen als auch mit den Systemen, die zum Einsatz kommen sollen, auseinanderzusetzen. Letzteres insbesondere, da diese Systeme in ihrem Leistungsspektrum umfangreicher und komplexer werden. Im Bereich der Beurteilung einer Abweichung befinden wir uns leider in einer Grauzone. Der Umgang mit Abweichungen von Verwendbarkeitsnachweisen erfordert Erfahrungen und Kenntnisse bezüglich der verwendeten Systeme. Im Einzelfall ist zu der qualitativen Beurteilung einer Abweichung von einem Verwendbarkeitsnachweis die Erfahrung aus Brandprüfungen unter Berücksichtigung der Einbausituation und des angestrebten Schutzzieles notwendig. Vielfach wird auf den Baustellen Schwarzweißmalerei betrieben. Die hundertprozentige Umsetzung eines Verwendbarkeitsnachweises ist selten möglich. Wir müssen lernen, mit Abweichungen umzugehen, diese einzuordnen und zu dokumentieren.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Krause-Czeranka: Freiberuflicher Mitarbeiter der MPA NRW; Ingenieurbüro Krause-Czeranka; www.kc-brandschutz.de

Der Artikel ist in gekürzter Form im FeuerTRUTZ Spezial Band 3 – Abschottungen und Beschichtungen (September 2012) erschienen.
Hier erhalten Sie weitere Informationen zur Reihe FeuerTRUTZ Spezial.