Sanierung und Erweiterung Abtei Michaelsberg: Umsetzung der Brandschutzverglasung

Die Abtei Michaelsberg in Siegburg ist ein gelungenes Beispiel für die Umnutzung einer ursprünglichen Klosteranlage in eine Tagungs- und Bildungsstätte. Der Beitrag geht auf die Sanierung der Bestandssubstanz ein und stellt die Umsetzung der Brandschutzverglasung vor.

Sanierung und Erweiterung Abtei Michaelsberg - Umsetzung der Brandschutzverglasung: Das ehemalige Kloster befindet sich gut 50 m oberhalb der Stadt Siegburg auf dem Michaelsberg.
Abb. 1: Das ehemalige Kloster befindet sich gut 50 m oberhalb der Stadt Siegburg auf dem Michaelsberg. (Bild: HOBA)

Dezember 2018 / Von Claudia El Ahwany. Die Benediktinerabtei ist ein Gebäude mit Geschichte. Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 lebten darin zahlreiche Mönche, anschließend diente es als Kaserne, Schule, Zuchthaus und Lazarett. In den letzten Jahrzehnten – d.h. bis ins Jahr 2010 – wurde es wieder als Kloster genutzt und soll auch zukünftig ein geistiges Zentrum bleiben. Derzeit sind dort sechs indische Priester des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten (OCD) und das Katholisch-Soziale Institut (KSI) untergebracht, das dort eine Tagungsstätte betreibt. Infolgedessen erwies sich eine umfassende Sanierung und Erweiterung des Gebäudeensembles als unumgänglich.

Info: Abtei Michaelsberg, Siegburg

  • 1064 n. Chr. gegründet als Benediktinerabtei
  • Bis 2010 unterschiedliche Nutzungen wie Kaserne, Schule, Zuchthaus, Lazarett
  • 2011 löste sich der Konvent der Benediktiner auf, im Sommer 2013 kehrte mit der Gründung des Karmel Michaelsberg das klösterliche Leben auf den Berg zurück. Sechs indische Mönche leben seitdem in Siegburg und übernehmen in der Stadt und der Region pastorale und seelsorgerische Aufgaben.
  • Die Planung begann im Mai 2013, der Bau im Mai 2014 und die Fertigstellung fand im Mai 2017 statt. Die Umsetzung der Verglasungen erfolgte durch die Holzbau Schmid GmbH & Co. KG und die Schreinerei Fritz & Alfred Müller GmbH

Projektumsetzung

Sanierung und Erweiterung Abtei Michaelsberg - Umsetzung der Brandschutzverglasung
Abb. 2: Um die Silhouette des Bergs möglichst nicht zu beeinflussen setzten die Architekten den erforderlichen Neubau auf die Höhe des Sockels des ehemaligen Klosters. (Bild: HOBA)

Eine wichtige Aufgabenstellung war, dass die Silhouette des Bergs möglichst nicht beeinflusst werden sollte (s. Abbildung 2). Der Neubau, der sich farblich an den Sockelbereich der Abtei anpasst und 17 m unterhalb des Klosters liegt, erfüllt diese Anforderungen.

Sanierung und Erweiterung Abtei Michaelsberg - Umsetzung der Brandschutzverglasung: Diese Tür im freien Glasumfeld ist so in die Brandschutzverglasung eingebaut, dass die Türzargen keinerlei Verbindung mit den umlaufenden Rahmen haben.
Abb. 3: Diese Tür im freien Glasumfeld ist so in die Brandschutzverglasung eingebaut, dass die Türzargen keinerlei Verbindung mit den umlaufenden Rahmen haben. (Bild: HOBA)

Seine Fassade nimmt Gestaltungselemente des Bestandsgebäudes auf und bildet so mit ihm eine harmonische Einheit. In ihm sind das Restaurant und die Räume, in denen das KSI arbeitet, sowie 100 Pkw-Stellplätze auf zwei Ebenen untergebracht.

Die Abtei selbst wurde renoviert, aber insgesamt nur wenig verändert. Der frühere Kreuzgang blieb z.B. ebenso erhalten wie die Mönchszellen. Sie erhielten allerdings jeweils ein Bad und wurden zu Hotelzimmern umgebaut.
Sowohl im Neubau als auch im Altbau befinden sich Tagungsräume, die beim Altbau in den vorhandenen Bestand integriert werden konnten.

Insgesamt legten die Planer großen Wert darauf, den architektonischen Charakter des ehemaligen Klosters zu erhalten und gleichzeitig den Anforderungen einer modernen Versammlungsstätte gerecht zu werden.
Selbstverständlich mussten sie dabei auch etliche Bauvorschriften berücksichtigen.

Brandschutzverglasung

Als Versammlungsstätte muss das Gebäudeensemble u.a. die Anforderungen an den Brandschutz erfüllen. Es waren die Vorschriften der Landesbauordnung und der Versammlungsstättenverordnung zu berücksichtigen.

Sanierung und Erweiterung Abtei Michaelsberg - Umsetzung der Brandschutzverglasung: In dem Treppenraum baute die Schreinerei Fritz & Alfred Müller mehrere absturzsichernde Verglasungen der Kategorie A ein (vgl. Kasten), die im Brandfall mindestens 30 Minuten lang ihre Funktion erfüllen (F30)
Abb. 4: In dem Treppenraum baute die Schreinerei Fritz & Alfred Müller mehrere absturzsichernde Verglasungen der Kategorie A ein (vgl. Kasten), die im Brandfall mindestens 30 Minuten lang ihre Funktion erfüllen (F30). (Bild: HOBA)

Beim Kloster Siegburg übernahm die Firma Hoba den Einbau der Brandschutztüren. Insgesamt sind in dieses Bauwerk 45 Brandschutzobjekte eingebaut – darunter auch eine Besonderheit (s. Abbildung 3): Die Hoba-Tür im freien Glasumfeld.
Diese zeichnet sich durch ihre minimalistische Konstruktion aus. Denn sie ist so in die Brandschutzverglasung integriert, dass die Türzargen keinerlei Verbindung mit den umlaufenden Rahmen mehr haben.

Im Treppenhaus des Neubaus sind mehrere absturzsichernde Verglasungen (s. Abbildung 4) montiert, die im Brandfall mindestens 30 Minuten lang ihre Funktion (F30) erfüllen.
Dank der die vertikalen Silikonfugen, die die Glasscheiben zum Teil miteinander verbinden, fügen sich die Brandschutzelemente in die Gestaltung des ehemaligen Klosters ein und tragen zu einer angenehmen Raumatmosphäre bei.

Info: Brandschutzglas

Brandschutzgläser können heute nicht nur dem Feuer widerstehen, sondern verhindern auch den Durchgang der Hitzestrahlung. Brandschutzgläser (F-Gläser) bestehen aus einem mehrschichtigen System, das sich aus Verbund- oder Einscheiben-Sicherheitsgläsern und chemischen Substanzen zusammensetzt. Diese geben bei einer bestimmten Temperatur Wasser frei und schäumen auf. Da dies meist jedoch nicht genügt, um das gewünschte Schutzziel zu erlangen, reagiert die nachfolgende Schicht auf die gleiche Weise. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis der geplante Feuerwiderstand erzielt ist. Daher kann die Scheibe auf der brandabgewandten Seite gefahrlos berührt werden.

Autorin

Dipl.-Ing. Claudia El Ahwany: Architektin mit einer redaktionellen Zusatzausbildung (Henri-Nannen-Journalisten-Schule). Sie betreibt seit ca. zehn Jahren eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit, womit sie Unternehmen aus der Baubranche betreut.

Der Artikel ist in Ausgabe 6.2018 des FeuerTrutz Magazins (November 2018) erschienen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum FeuerTrutz Magazin Ausgabe 6.2018

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Letzte Aktualisierung: 21.12.2018

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