Technische Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen

Brandmeldeanlagen (BMA) in Gebäuden sind oft direkt auf die Feuerwehrleitstelle aufgeschaltet. Damit die Kommunikation uneingeschränkt funktioniert, müssen technische Details geregelt sein. Dieser Beitrag erläutert die technischen Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen im bauaufsichtlichen Kontext.

Technische Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen
Abb. 1: Die Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen regeln auch die Anforderungen zur Alarmweiterverfolgung im Gebäude durch die Feuerwehr. (Bild: Matthias Dietrich)

Oktober 2019 / Von Stefan Rassek. Fast jede Feuerwehr regelt die technischen Details für die Kommunikation zwischen BMA und der Leitstelle in sog. "Technischen Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen" (TAB).

Es stellt sich die Frage, ob darin nur technische Details geregelt werden. Sind diese TABs zwingend zu beachten? In welchen Kontext stehen diese Regelungen mit den bauaufsichtlichen Anforderungen?

Baurechtliche Anforderungen an Brandmeldeanlagen

In vielen Sonderbauvorschriften wie z.B. der Muster-Verkaufsstättenverordnung, der Muster-Versammlungsstättenverordnung oder der Muster-Garagenstellplatzverordnung werden für bestimmte Gebäudetypen BMA gefordert. In den meisten Fällen sind diese Anlagen auch auf die Leitstelle der Feuerwehr aufzuschalten. Der Gesetzgeber sieht also vor, dass bei einer Branddetektion automatisch die Feuerwehr alarmiert wird. Über Art und Ausführung der (technischen) Schnittstelle zwischen dem Gebäude und der Feuerwehr schweigt sich der Gesetzgeber aus.

Das bedeutet, es bestehen in den Sonderbauvorschriften keine detaillierten Vorgaben, wie eine solche Aufschaltung auf die Leitstelle der Feuerwehr aussehen muss. Das gleiche gilt für BMA, die in Gebäuden zur Kompensation von Abweichungstatbeständen eingebracht werden sollen. Im Rahmen einer Baugenehmigung wird oftmals baurechtlichen Abweichungen nur zugestimmt, wenn die zur Kompensation vorgesehene BMA auch auf die Leitstelle der Feuerwehr aufgeschaltet wird. Demnach muss diese BMA auch über eine definierte Schnittstelle mit der Leitstelle der Feuerwehr verbunden werden.

Die TABs

Als die Normenvielfalt und die technischen Spezifikationen für Brandmeldeanlagen noch wenig konkrete Vorgaben machten, haben die Feuerwehren in Deutschland die sogenannten "Technischen Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen” – kurz TAB – veröffentlicht. Diese Regelungen werden gemeinde- oder landkreisbezogen definiert, zum Teil mit einigen wesentlichen inhaltlichen Unterschieden. Eine einheitliche Vorgabe für die gesamte Bundesrepublik – ähnlich dem System der Musterbauordnung – gibt es nicht. Die meisten TABs folgen dem inhaltlichen Aufbau, dass Formalitäten zur Antragstellung und Ansprechpartner benannt sowie die Übertragungswege zwischen der Leitstelle der Feuerwehr bzw. dem Konzessionär und dem Gebäude erläutert werden. Weiterhin werden konkrete Anforderungen an den Aufbau und den Betrieb einer BMA in dem Gebäude gestellt sowie Details zur Anbindung beispielsweise von Löschanlagen erläutert. Darüber hinaus werden jedoch auch (An-)Forderungen an Gebäudefunkanlagen, Feuerwehrpläne, Brandfallsteuerungen für Aufzüge und zur (Räumungs-)Alarmierung gestellt. Neben der Einhaltung von DIN-Normen werden teilweise auch privatwirtschaftliche Normen beispielsweise des VDE – Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. und der VdS Schadenverhütung GmbH genannt und als verbindliche Planungsgrundlage auferlegt.

Baurechtlicher Kontext

Wie ist eine solche TAB nun im bauaufsichtlichen Kontext zu sehen? Es bleibt festzustellen, dass eine TAB keine weitergehende Bauvorschrift darstellt, die auf der Grundlage einer Landesbauordnung oder im Kontext des § 85 Muster-Bauordnung z.B. in eine Sonderbauvorschrift erlassen wurde. Ebenso handelt es sich bei einer TAB nicht um eine eingeführte Technische Baubestimmung. Auch die sich derzeit im Entwurfsstand befindliche Anlage 14 der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV-TB) sieht keine Einbindung einer TAB vor. Die jeweils zuständigen Bauministerien haben eine solche TAB auch nicht als Dekret oder Handlungsanweisung erlassen. Eine TAB wird demnach lediglich dann bauordnungsrechtlich verbindlich, wenn der Brandschutzfachplaner in seinem Brandschutznachweis die TAB aufführt und dieser Nachweis im Rahmen des Bauantrags genehmigt wird. Oder die Einhaltung einer TAB wird seitens der zuständigen Genehmigungsinstanz als entsprechende Auflage in der Baugenehmigung formuliert. Wenn der Bauherr also über die Baugenehmigung zur Umsetzung einer TAB verpflichtet wird, ist diese in Gänze zu beachten.

Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass für die Gemeinde als Träger des Feuerschutzes damit ebenso eine bindende Verpflichtung besteht. Unklar ist derzeit, wie zu verfahren ist, wenn eine TAB aktualisiert wird. Wird eine Bestandschutzwahrung auf der Grundlage der TAB zum Zeitpunkt der Genehmigung des Gebäudes (technisch) sichergestellt? Es sollte selbstverständlich sein, dass nicht jede Aktualisierung einer TAB zu einem Anpassungsverlangen in einer bestandgeschützten baulichen Anlage führen darf.

Soll auf die TABs verzichtet werden?

In den letzten Jahrzehnten wurden diverse (europäische) Planungs- und Ausführungsnormen veröffentlicht, die einen technischen Standard für bauordnungsrechtlich erforderliche Brandmeldeanlagen definieren. Ein konkreter Verweis dazu in einer TAB ist daher entbehrlich. Es besteht eher die Gefahr – und dieses ist auch in einigen TABs zu finden –, dass normative Begriffe verwechselt werden. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 5.2019 des FeuerTrutz Magazins (September 2019) erschienen. Der Autor geht darin der Frage nach, ob auf TABs verzichtet werden kann, und gibt anschließend ein Fazit.

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Autor

Dipl.-Ing. Stefan Rassek: Prüfsachverständiger für den Brandschutz Rassek & Partner Brandschutzingenieure Wuppertal (NRW) und Würzburg (BY)

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Letzte Aktualisierung: 21.10.2019

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