Theater im Kraftwerk: Neubau für zwei Theater in Dresden

Brandschutzkonzept: Auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerkes im Zentrum von Dresden wurde das Kraftwerk für die Kultur errichtet, in dem zwei Theater auf vier Spielstätten „Theater ohne Ende“ aufführen können. Über diese Bauaufgabe, die im Neubau viele Theatereinrichtungen vereint, aber auch eine alte Kraftwerkshalle einbezieht, wird in diesem Beitrag aus brandschutztechnischer Sicht berichtet.

Theater im Kraftwerk: Neubau für zwei Theater in Dresden
Die alte Maschinenhalle vor Baubeginn (Quelle: Borchert)

Januar 2017 / Von Burkhart Borchert. Mit der Staatsoperette Dresden besitzt die Landeshauptstadt von Sachsen das einzige Operettentheater in Deutschland. Das Theater hat eine jahrzehntelange Tradition und befand sich in einem Vorort von Dresden. Die baulichen Voraussetzungen entsprachen jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen, sodass eine bauliche Lösung wie auch ein besserer Standort gefunden werden mussten. Ähnliches traf auf das größte Jugendtheater Deutschlands, das Theater Junge Generation, zu. Nach mehr als zehn Jahren Suche wurde im Jahr 2012 von den Stadtverordneten Dresdens ein Beschluss zum Neubau eines gemeinsamen Theaters am Standort des ehemaligen Kohlekraftwerks Mitte verabschiedet.
Das in der Altstadt gelegene Areal weist auf seinem Gelände Gebäude aus verschiedenen Epochen auf. Das Kraftwerk Mitte in Dresden war ein Kohlekraftwerk, das seit 1895 bestand und 1994 stillgelegt wurde. Die alte Maschinenhalle des Kraftwerkes sollte in den Neubau integriert werden. Es wurde ein Anforderungskatalog der Theater hinsichtlich des Spielbetriebes und aller nachgelagerten Einrichtungen aufgestellt und eine Kostenermittlung durchgeführt. Diese Kostenvorgabe wurde zwingender Bestandteil des Wettbewerbs.
Am Wettbewerb beteiligten sich in der Vorphase mehrere Generalunternehmer. Diese bezogen jeweils einzeln das Architekturbüro und die jeweiligen Fachplaner mit ein. Zusammen mit dem Architekturentwurf war eine verbindliche Preisaussage des jeweiligen Generalunternehmers vorzulegen. Die Baukosten sollten sich dabei auf ca. 92 Mio. € belaufen. Da nur ein Anbieter die Grundpreisfestlegungen einhielt, wurde sein Entwurf im Wettbewerb als Einziger gewertet. 2013 wurde das Stuttgarter Unternehmen Ed. Züblin AG mit dem Bau beauftragt. Die Übergabe der neuen Spielstätte wurde für Oktober, die Eröffnung für Dezember 2016 festgeschrieben.

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Architekturentwurf

Zur Bauaufgabe gehörten der Neubau der Operette mit 700 Plätzen, das Theater Junge Generation mit 350 Plätzen, die Sanierung der früheren Maschinenhalle als Eingangsfoyer sowie der Einbau der Puppenbühne und des Studiotheaters mit jeweils 125 Plätzen. Ein großer Bereich für Werkstätten und Kulissenlager war in dem Gebäudekomplex einzugliedern. Zudem waren entsprechende Büroräume für die Intendanz und Verwaltung sowie Garderobenräume für die Künstler vorzusehen. Zahlreiche Probenräume mussten ebenfalls integriert werden. Die Begrenzungen der Fläche und die Menge der geforderten Funktionen an diesem Standort führten dazu, dass deutlich in die Höhe gebaut werden musste. Es wurde außerdem entschieden, die Theaterwerkstätten nicht in das Gebäude zu integrieren, sondern dafür eine neue Halle an einem anderen Standort zu errichten. Der Entwurf von Prof. Jörg Friedrich (pfp Architekten, Hamburg) stellte eine Lösung für all die gewünschten Funktionen dar – auch unter Einbeziehung der Altbausubstanz.

Der Besucher betritt die neuen Spielstätten über ein zentrales Foyer im Mittelteil der ehemaligen Maschinenhalle. Von dort können alle vier Spielstätten unmittelbar betreten werden. Durch Beibehaltung der gesamten Dachkonstruktion sowie der ursprünglichen Brückenkräne und einzelner ursprünglicher Installationen werden interessante Details der früheren Maschinenhalle erlebbar gemacht.
In der Halle wurden die zwei kleineren Spielstätten boxenartig eingeschoben und integriert. Der anschließende neu gebaute Foyerbereich erschließt die zwei großen Säle der Staatsoperette bzw. das Theater Junge Generation. Hinter dem Bühnenbereich befinden sich die Lagerräume für Dekorationen. Im äußeren Eckbereich sind in dem Probenturm über mehrere Geschosse Probenräume angeordnet. Des Weiteren sind entsprechend den heutigen Anforderungen umfangreiche technische Räume vorhanden. Bei der äußeren Gestaltung wurde versucht, Anklänge an die alte Kraftwerksgeschichte dieses Standortes zu finden. So erheben sich die zwei verklinkerten Bühnentürme und der mit Glas verkleidete Probenturm über einen Sockel, der mit Cortenstahl verkleidet wurde.

Grundzüge des Brandschutzkonzeptes

Ausgangspunkt der brandschutztechnischen Bearbeitung bildeten u.a. die Sächsische Bauordnung und die Sächsische Versammlungsstättenverordnung in den entsprechenden zum Erstellungszeitpunkt des Brandschutzkonzeptes in Sachsen gültigen Fassungen [1] [2]. Die Muster-Versammlungsstättenverordnung [3], die zum damaligen Zeitpunkt vorlag, hatte bei der letzten Anpassung der Verordnung in Sachsen nicht vollständig Eingang gefunden. In der Planung wurde sie aber in einigen Punkten berücksichtigt. Von der architektonischen Lösung ausgehend ist das Foyer mit der alten Maschinenhalle der wichtigste Gebäudebereich für die Erschließung und ein Schwerpunkt der Brandschutzbetrachtung. Hier sind Brandlasten vorhanden, da hier u.a. die Garderobe für die Besucher, Verkaufseinrichtungen und die Kasse angeordnet sind. Zudem kann das Foyer auch für kleine Veranstaltungen genutzt werden. Das Foyer wurde entsprechend den gesetzlichen Anforderungen mit einer Sprinkleranlage ausgestattet. Das erlaubte es u.a., das Dachtragwerk der alten Maschinenhalle beizubehalten, das aus zwar sanierten, aber keinen Feuerwiderstand aufweisenden filigranen Stahlbindern besteht. Am Foyer grenzen die einzelnen Säle der vier Einrichtungen an.

Flucht- und Rettungswege

Theater im Kraftwerk: Neubau für zwei Theater in Dresden
Geometrie und Randbedingungen des Bühnenbereichs für die Entrauchungsberechnung (Quelle: Borchert)

Es wurde schon zu Beginn der Planung festgelegt, dass alle Säle separate Ausgänge unabhängig vom Foyer bekommen, um eine sichere Rettungswegführung bei einem Brand im Foyer zu gewährleisten.
Durch die Zuordnung aller Bereiche zu mindestens zwei Treppenräumen ist eine Anleiterung durch die Feuerwehr im Brandfall nicht erforderlich.
Ein weiterer Schwerpunkt der Brandschutzbetrachtung war der Probenturm. Hier wurde festgelegt, dass in den einzelnen Probenräumen insgesamt bis zu 400 Personen gleichzeitig anwesend sein dürfen. Diese Probenräume werden nicht für öffentliche Vorstellungen genutzt. Für die gleichzeitige Nutzung der Spielstätten und der Räume im Probenturm mussten aufgrund der vorhandenen Rettungswegsituation bzw. der Fluchtwegbreiten im Ausgangsbereich des Erdgeschosses differenzierte Betrachtungen der zulässigen Personenzahlen im jeweiligen Bereich vorgenommen werden. Bei voller Nutzung aller Spielstätten ist aber immer noch eine begrenzte interne Nutzung der Räume im Probenturm zulässig.
Als grundsätzliche Evakuierungsszenarien aus den Spielstätten wurden im Brandschutzkonzept für den öffentlichen Bereich zwei Evakuierungsfälle vorgesehen: Einerseits ist die Flucht der Besucher zu organisieren, wenn es auf der Bühne oder im Zuschauerraum brennt. Hier stehen alle Rettungswege aus den einzelnen Sälen sowie das Foyer als Rettungsweg zur Verfügung. Andererseits muss bei einem Brand im Foyer auf Rettungs- und Fluchtwege zurückgegriffen werden, die sonst im Betrieb nicht durch die Besucher genutzt werden. Bestandteile des Brandschutzkonzeptes sind hier u.a. eine dynamische Fluchtwegsteuerung, eine automatische Sprachalarmierung für den öffentlichen Bereich sowie organisatorische Maßnahmen.

Abtrennungen/Unterteilungen

Es wurden Werkstätten, Lagerräume und Technikräume sowie die einzelnen Säle entsprechend ihrer Größe und den gesetzlichen Anforderungen brandschutztechnisch unterteilt bzw. abgetrennt, sodass ein Brand begrenzt und für die Feuerwehr beherrschbar bleibt. So wurde auch der Funktionserhalt brandschutztechnisch notwendiger Anlagen in den Technikräumen sichergestellt.
Wichtig ist insbesondere die brandschutztechnische Abtrennung zwischen Großbühne und Zuschauerraum. Hier ist ein Schutzvorhang (sogenannter eiserner Vorhang) gesetzlich vorgeschrieben. Die beiden Großbühnen wurden zudem mit Sprühwasserlöschanlagen ausgestattet, die auch den Schutzvorhang beaufschlagen. Weitere brandschutztechnische Trennungen im Gebäude wurden durch Brandwände und Trennwände mit Brandschutztüren vorgesehen. […]

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Autor

Dipl.-Ing. Burkhart Borchert: Seit Jahrzehnten als Prüfingenieur für Standsicherheit und seit 2000 als Prüfingenieur für Brandschutz tätig. Im Dresdner Büro werden neben statischen Berechnungen für Einzelaufgaben auch zahlreiche Brandschutzkonzepte für Sonderbauten erstellt.

Literatur

[1] Sächsische Bauordnung (SächsBO) vom 28. Mai 2004 [inzwischen ersetzt durch eine neue Fassung vom 11. Mai 2016]
[2] Sächsische Versammlungsstättenverordnung (SächsVStättVO) vom 7. September 2004
[3] Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (Muster-Versammlungsstättenverordnung – MVStättVO), Juni 2005
[4] Eurocode 1: Einwirkung auf Tragwerke – Teil 1-2: Allgemeine Einwirkungen – Brandeinwirkungen auf Tragwerke, DIN EN 1991-1-2, Fassung 2010-12

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