Auswahl von Rauchwarnmeldern: Welcher ist der richtige?

Die Einführung der Ferninspektion und technische Neuerungen erhöhen die Anforderungen an die strukturierte Planung von Rauchwarnmeldern in Wohngebäuden. Gemäß DIN 14676-1 sind für eine Ferninspektion Melder der Bauweise B oder C erforderlich. Zusätzliche Funktionen wie eine Vernetzung oder eine barrierefreie Ausführung sind derzeit nur mit Rauchwarnmeldern der Bauweise A realisierbar.

Welcher Rauchwarnmelder ist der richtige?
Abb. 1: Die Fernauslesung von Rauchwarnmeldern – hier im "walk-by"-Verfahren – macht den Zutritt zur Wohnung zu Inspektionszwecken überflüssig. (Bild: Ei Electronics)

Mai 2020 / Von Philip Kennedy. Die im Dezember 2018 in Kraft getretene Norm DIN 14676-1 [1] schafft die normativen Voraussetzungen, die gesetzlich geforderte "Sicherstellung der Betriebsbereitschaft" über die Gerätelebensdauer von zehn Jahren vollständig aus der Ferne vorzunehmen. Damit wird das Betreten von Wohnungen zur Inspektion von Rauchwarnmeldern überflüssig. Mit Verfügbarkeit der Ferninspektion als zusätzlicher Installationsvariante steigt allerdings auch die Komplexität bei der Planung von Rauchwarnmeldern im Wohngebäude. Die DIN 14676-1 legt in Verbindung mit der DIN SPEC 91388 [2] drei verschiedene Bauweisen für Rauchwarnmelder fest: Geräte der Bauweise A werden ausschließlich vor Ort von einer Fachkraft inspiziert, während Melder der Bauweisen B und C teilweise oder komplett ferninspizierbar sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die am Markt verfügbaren ferninspizierbaren Rauchwarnmelder ausschließlich für den Stand-alone-Einsatz eignen. Rauchwarnmelder der Bauweise A hingegen erlauben zusätzliche Funktionen wie z.B. eine Vernetzung, sind aber für die Ferninspektion ungeeignet. Gleichzeitig gewinnen zusätzliche Funktionalitäten, die über die Mindestanforderungen der Landesbauordnungen (LBO) hinausgehen, immer mehr an Bedeutung. So bringt die wachsende Digitalisierung von Gebäuden zunehmend die Anbindung vernetzter Rauchwarnmelder an andere gebäude- und sicherheitstechnische Systeme mit sich. Auch für Anforderungen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen müssen geeignete Lösungen sowohl für die Gefahrenwarnung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip als auch für die barrierefreie Bedienung geplant werden (s. Kasten und Abbildung 3).

Barrierefrei sicher

Das Thema Barrierefreiheit hat mittlerweile Einzug in viele Landesbauordnungen gehalten, denn Menschen mit Unterstützungsbedarf benötigen besondere Brandschutzlösungen. Die Anwendungsnorm DIN 14676-1 gibt im Anhang E „Empfehlungen für Bewohner mit besonderen Bedürfnissen“. Leben Senioren oder Kinder im Haushalt, werden vernetzte Rauchwarnmelder empfohlen, die alle Anwesenden ohne Zeitverzug warnen. Familienmitglieder oder Assistenzpersonal können bei Gefahr schnell reagieren und bei der Selbstrettung helfen.

Barrierefreiheit in Wohnungen ist definiert in der Norm DIN 18040-2 [7], die Bestandteil der Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) ist. Die Anwendung der Norm ist verbindlich, wenn sie im Zuge der Umsetzung der MVV TB in die Technischen Baubestimmungen des jeweiligen Bundeslandes übernommen wird.

Bei der Ausstattung von Wohngebäuden mit Rauchwarnmeldern sind die Anforderungen von Bauherren, Betreibern und Bewohnern deshalb gleichermaßen frühzeitig und vorausschauend zu berücksichtigen. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich nicht nur für Neubauten, sondern auch beim Austausch von Rauchwarnmeldern nach zehnjähriger Betriebsdauer, der zurzeit in zahlreichen Bundesländern ansteht. Da die neuen Rauchwarnmelder wiederum für einen Zehnjahreszeitraum geplant werden, sollten kommende Marktentwicklungen ebenfalls berücksichtigt werden.

So erlauben Rauchwarnmelder der Bauweisen B und C, deren Datenübertragung mittels offener Standards erfolgt, einen gemeinsamen Betrieb mit fernauslesbaren Verbrauchszählern. Das kann z.B. im Hinblick auf die Umsetzung der novellierten EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EED) [3] interessant sein.

Der Artikel ist auch in Ausgabe 2.2020 des FeuerTrutz Magazins (Februar 2019) erschienen.

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Mindestausstattung nach LBO

Ausgangspunkt für die Planung von Rauchwarnmeldern in Wohngebäuden sind immer die gesetzlichen Anforderungen der jeweils geltenden LBO. Diese sehen als Mindestausstattung nach der Produktnorm DIN EN 14604 [4] zugelassene Rauchwarnmelder in allen Schlafzimmern, Fluren und teilweise in Aufenthaltsräumen vor (für einen Überblick siehe z.B. [5]). I.d.R. werden die Melder als Stand-alone-Geräte mit Zehnjahreslithiumbatterien ausgeführt. Eine Funkvernetzung ist möglich, erfolgt dann aber auf freiwilliger Basis.

Ferninspektion und zusätzliche Funktionen

Die Anwendungsnorm DIN 14676-1 legt in Kapitel 6 die Instandhaltung von Rauchwarnmeldern fest. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei die regelmäßige Inspektion der Melder. Vor der Planung weiterer Funktionalitäten ist deshalb die Frage nach dem bevorzugten Inspektionsverfahren zu stellen. Soll im Rahmen der Instandhaltung nach DIN 14676-1 die Ferninspektion zum Einsatz kommen, so ist festzulegen, ob eine Teilferninspektion mit Geräten der Bauweise B oder eine vollständige Ferninspektion mit C-Meldern ausgeführt werden soll.

Welcher Rauchwarnmelder ist der richtige?
Abb. 2: Die DIN 14676-1 legt für Rauchwarnmelder drei verschiedene Bauweisen mit unterschiedlichen Inspektionsverfahren fest. (Bild: Ei Electronics)

Im nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die Installation vernetzter Rauchwarnmelder gewünscht oder sogar erforderlich ist. Leben z.B. in einem Teilbereich Menschen mit besonderen Bedürfnissen, müssen vernetzte Melder mit Warneinrichtungen nach dem Zwei-Sinne-Prinzip oder einer Signalweiterleitung zu Assistenzpersonal installiert werden. Generell können funk- und drahtvernetzte Warnmelder in großen und mehrgeschossigen Wohneinheiten für einen erhöhten Sicherheitsstandard sorgen. Schlägt ein Rauchwarnmelder Alarm, werden alle anderen Melder in der Nutzungseinheit ebenfalls in den Alarmzustand versetzt. Vernetzte Warnmelder lassen sich über geeignete Schnittstellen mit Systemen der Sicherheits- oder Gebäudeautomationstechnik und Smart-Home-Systemen verbinden. Wichtig zu wissen: Nach der derzeitigen Marktlage ist eine Vernetzung ausschließlich mit Rauchwarnmeldern der Bauweise A realisierbar, die gemäß DIN 14676-1 einmal jährlich vor Ort zu inspizieren sind.

Mehrzweckgebäude und Hochhäuser

Manche Gebäudearten bzw. -nutzungen erfordern eine differenzierte Betrachtungsweise. So befinden sich in Mehrzweckimmobilien gewerbliche Nutzungseinheiten wie Arztpraxen und Büros mit Wohnungen im selben Gebäude. Häufig existieren behördliche Auflagen zur Installation einer Brandmeldeanlage (BMA) in bestimmten Gebäudebereichen, während für die Wohnungen unverändert die Rauchwarnmelderpflicht gemäß LBO gilt. In solchen Fällen sollten die verschiedenen Optionen durch den Betreiber gut abgewogen werden. Denkbar ist z.B., auf freiwilliger Basis auch die kleineren gewerblichen Nutzungseinheiten mit vernetzten Rauchwarnmeldern auszustatten. Für Wohngebäude, die gemäß der jeweiligen LBO als Hochhaus eingestuft sind, gelten oftmals besondere Brandschutzvorschriften. Die Ausstattung der Wohnungen mit Rauchwarnmeldern hat grundsätzlich wie bei einem normalen Wohngebäude zu erfolgen. In Bundesländern, in denen auf die Musterhochhaus-Richtlinie [6] referenziert wird, sollen Rauchwarnmelder im Neubau als fest verdrahtete Melder als 230-V-Version mit ausfallsicherer Stromversorgung ausgeführt werden.

Welcher Rauchwarnmelder ist der richtige?
Abb. 3: Vernetzte Rauchwarnmelder ermöglichen barrierefreie Funktionen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. (Bild: Ei Electronics)

Fazit und Ausblick

Planung, Installation und Betrieb von Rauchwarnmeldern sind einem kontinuierlichen Wandel unterlegen. Normative Änderungen und neue technologische Entwicklungen erfordern eine strukturierte und vorausschauende Planung.

Sowohl im Neubau als auch beim Austausch von Rauchwarnmeldern lohnt es sich also, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und die Lösung zu wählen, die den Anforderungen von Bauherren, Betreibern und Bewohnern am ehesten gerecht wird. Eines wird sich jedoch nicht ändern: Ein Rauchwarnmelder ist in erster Linie ein technisches Frühwarngerät, das Leben retten soll. Und diese Funktion erfüllt jeder Melder – unabhängig von der Bauweise.

Autor

Philip Kennedy: Geschäftsführer der Ei Electronics GmbH und Mitglied im Normenausschuss DIN 14676 sowie im Forum Brandrauchprävention e.V.

Rauchwarnmelder für Wohngebäude bedarfsgerecht auswählen

Ei Electronics hat ein Whitepaper zusammengestellt, das Bauherren, Betreiber und Installateure bei der bedarfsgerechten Auswahl von Rauchwarnmeldern für Wohngebäude unterstützt. Der Leitfaden gibt einen Überblick über die gesetzlichen und normativen Rahmenbedingungen, erläutert die Bauweisen und die technischen Funktionen von Rauchwarnmeldern sowie die Möglichkeiten der Ferninspektion. Das Whitepaper wird ergänzt durch Anwendungsbeispiele mit Einsatzempfehlungen. Das Whitepaper steht unter www.eielectronics.de/RWM-Auswahl kostenlos zum Herunterladen bereit.

Literatur

[1] DIN 14676-1:2018-12 Rauchwarnmelder für Wohnhäuser, Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung – Teil 1: Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung

[2] DIN SPEC 91388:2019-02 Technische Anforderungen an ferninspizierbare Rauchwarnmelder – Anforderungen an eine technische Einrichtung zur Ferninspektion in Bezug auf den Nachweis der Funktionsbereitschaft nach DIN 14676-1 eines Rauchwarnmelders nach DIN EN 14604

[3] Richtlinie (EU) 2018/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2018 zur Änderung der ­Richtlinie 2012/27/EU zur Energieeffizienz. In: Amtsblatt der Europäischen Union 61. Jahrgang (2018), L 328

[4] DIN EN 14604:2012-09 Rauchwarnmelder. Deutsche Fassung EN 14604:2005

[5] Rauchwarnmelderpflicht: Bestimmungen der einzelnen Bundesländer: Ei Electronics Rauchwarnmelder, www.eielectronics.de/wissen/gesetzgebung [Zugriff am: 20.01.2020]

[6] Muster-Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern (Muster-Hochhaus-Richtlinie – MHHR):2012-02. Fassung April 2008 zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom Februar 2012

[7] DIN 18040-2:2011-09 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 2: Wohnungen

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Letzte Aktualisierung: 04.05.2020