Wirksamkeit von Sprachalarmanlagen (SAA)

Sprachalarmanlagen dienen im Fall einer Brandalarmierung zur Übertragung von Anweisungen an Besucher und Bedienstete. Die Sprachverständlichkeit der SAA ist ein wichtiges Planungskriterium und wird spätestens zur Inbetriebsetzung messtechnisch erfasst. Der Beitrag erläutert, was zum Erreichen dieses Planungsziels beachtet werden muss.

Wirksamkeit von Sprachalarmanlagen SAA
Abb. 1: Sprachalarmanlagen müssen auch unter anspruchsvollen akustischen Bedingungen wirksam sein, z.B. wie hier zu sehen in einer Bahnhofshalle. (Bild: Andreas Simon)

Juli 2020 / Von Andreas Simon. Sprachalarmanlagen werden zumeist dort ausgeführt, wo eine entsprechende Verordnung unter bestimmten Randbedingungen dies erfordert oder auch die Risikoanalyse zur brandschutztechnischen Gesamtbetrachtung eine Notwendigkeit zum Einsatz einer Sprachalarmanlage ergibt. So sind Sprachalarmanlagen oft in Versammlungsstätten, Verkaufsstätten, Schulgebäuden, Hotels, Flughäfen, Bahnhöfen und Verwaltungsgebäuden vorzufinden. Die bei Sprachalarmanlagen zur Übertragung eingesetzten Lautsprecher müssen gemäß DIN VDE 0833-4 Festlegungen für Anlagen zur Sprachalarmierung im Brandfall [1] nach DIN EN 54-24 [2] zertifiziert sein.

Für die meisten Beschallungsaufgaben stellt diese Voraussetzung keine Einschränkung mehr dar, weil für annähernd jede typische Raumsituation die dazu passenden Lautsprecher von den Herstellern zertifiziert wurden.

Dies suggeriert also schon, dass es nicht einen Standardlautsprecher gibt, um sämt­liche Beschallungsaufgaben zu lösen, sondern eine auf verschiedene Randbedingungen zugeschnittene Beschallungslösung geplant und später ausgeführt werden muss. Diese verschiedenen Randbedingungen werden vorwiegend durch die Dimension der zu beschallenden Räume, durch die im jeweiligen Raum vorherrschenden akustischen Bedingungen, durch die zu erwartenden Störgeräusche und durch die geometrischen und strukturellen Gegebenheiten im jeweiligen Raum definiert.

An dieser Stelle mögen die architektonischen Anforderungen ebenfalls unter den Randbedingungen der geometrischen und strukturellen Gegebenheiten einsortiert werden. Praktisch betrachtet heißt dies also, dass die Lautsprecher oftmals nicht an die eigentlich akustisch optimalen Positionen gebracht werden können, da diese unter Umständen architektonisch nicht akzeptabel sind oder die statischen Bedingungen eine Montage von Lautsprechern nicht ermög­lichen. Gemeinsam mit den raumakustischen Randbedingungen, die als Nachhallzeit definiert werden können, und den zu erwartenden Störgeräuschen ergibt sich sodann die eigentliche Aufgabenstellung. Dabei ist es also erforderlich, planerisch festzulegen, welche Lautsprecher mit welchem Funktionsprinzip und welcher Wirkungsweise wo positioniert und ausgerichtet werden. Auch die elektroakustische Ansteuerung und die Einspeisung mit mehreren Stromkreisen (z.B. bei der Forderung der Sicherheitsstufe II) sind dabei zu berücksichtigen. In der DIN 14675 Brandmeldeanlagen – Teil 1: Aufbau und Betrieb [3] ist in der Phase der Planung die Festlegung des Wirkungsumfangs auf der Basis identifizierbarer Risiken und bekannter Randbedingungen vorzunehmen. Ebenso ist definiert, dass die planerischen Anforderungen nach DIN VDE 0833-4 erfüllt werden müssen.

Demnach ist die Planung der SAA mit besonderem Fokus auf deren Wirksamkeit unter Berücksichtigung aller Randbedingungen vom zertifizierten Fachplaner aufzustellen. Vermehrt konnte in den vergangenen Jahren festgestellt werden, dass im Rahmen der Fachplanung versucht wurde, die Schaffung der planungssicheren Inhalte auf die Facherrichter abzuwälzen, ohne dass diese einen expliziten Planungsauftrag erhalten haben. Wer auch immer im individuellen Projekt als zulässiger, zertifizierter Fachplaner die Aufgabe hat, die Planungssicherheit herzustellen, wird sich damit konfrontiert sehen, abzuwägen, welcher Aufwand betrieben werden muss, um die geforderte Sprachverständlichkeit der Sprachalarmanlage mit größtmöglicher Sicherheit zunächst planerisch erreichen zu können. Dabei bietet es sich an, die Aufgabenstellung näher zu differenzieren. Unter bestimmten Voraussetzungen können vereinfachte Planungsmethoden angewandt werden, um die erforderliche Planungssicherheit in Bezug auf die zu erreichende Sprachverständlichkeit und somit die Wirksamkeit der SAA zu erreichen.

Vereinfachte Planungsmethoden

Das Erreichen einer auskömmlichen Sprachverständlichkeit hängt von mehreren Faktoren ab. Dabei spielen die raumakustischen Eigenschaften des zu beschallenden Raums eine maßgebliche Rolle.

Die raumakustischen Eigenschaften wiederum werden maßgeblich vom Volumen und von der Ausgestaltung der raumbegrenzenden Oberflächen beeinflusst.

Auch die Anwesenheit von Personen kann die raumakustischen Eigenschaften wesentlich beeinflussen. Ein weiterer äußerer Faktor, der die Sprachverständlichkeit tangiert, sind Störgeräusche. Diese können durch Personen, Verkehrslärm, Maschinen und Geräte sowie alle übrigen akustischen Ereignisse, die der Sprachverständlichkeit nicht zuträglich sind, verursacht werden. Daher kommt es im Besonderen auf den Abstand zwischen dem Störgeräuschpegel und dem Sprachpegel der Durchsage an. Eine weitere nicht unwesentliche Beeinflussung der Sprachverständlichkeit besteht in Effekten, die die Beschallungsanlage selbst verursacht.

Einer der wichtigsten Effekte ist die Maskierung. Die sogenannte Selbstverdeckung wird ab etwa 80 dBA wirksam und verschlechtert mit größer werdendem Schalldruckpegel die Sprachverständlichkeit. Dies ist auch die Erklärung dafür, dass bei der Einstellung der Beschallungsanlage die Vergrößerung des Pegels ab einem bestimmten Pegelniveau zu einer Verringerung der Sprachverständlichkeit führt. Es ist leicht zu erkennen, dass der Planer die konträr auf die Sprachverständlichkeit einwirkenden Randbedingungen beherrschen muss. Einerseits muss ein Sprachpegel erreicht werden, der genügend Abstand zum Störgeräuschpegel hat, und andererseits darf der Sprachpegel nicht zu groß werden, um den Maskierungseffekt zu vermeiden. […]

Weiterlesen? Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 3.2020 des FeuerTrutz Magazin (Juli 2020) erschienen. Darin erläutert der Autor ausführlich die vereinfachten Planungsmethoden und erklärt, wie eine Simulation der Sprachverständlichkeit durchgeführt werden kann.

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Autor

Dipl.-Ing. Andreas Simon: öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK zu Köln für Beschallung; Berater und Gutachter; Prokurist und Fachplaner bei Graner + Partner Ingenieure; Fachreferent für SAA und ENS, Fachbuchautor; Mitglied im Normungswesen der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik DKE 713.1.17 „Sprachalarmanlagen und elektroakustische Notfallwarnsysteme“

Literatur

[1] DIN VDE 0833-4 "Festlegungen für Anlagen zur Sprachalarmierung im Brandfall"

[2] DIN EN 54-24 "Brandmeldeanlagen – Teil 24: Komponenten für Sprachalarmierungssysteme – Lautsprecher"

[3] DIN 14675 "Brandmeldeanlagen – Teil 1: Aufbau und Betrieb"

[4] DIN CEN/TS 54-32 (VDE V 0833-4-32) "Brandmeldeanlagen – Teil 32: Projektierung, Montage, Inbetriebnahme, Betrieb und Instandhaltung von Sprachalarmsystemen"

[5] Andreas Simon: Sprachalarmanlagen und elektroakustische Notfallwarnsysteme, Auflage 1, Dezember 2018, Hüthig

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Letzte Aktualisierung: 23.07.2020