Der anlagentechnische Brandschutz nimmt in Deutschland einen immer größeren Stellenwert ein. Das gemeinsame Seminar von bvfa und FeuerTrutz behandelt aktuelle Neuerungen in der Löschtechnik.
Die Schwerpunkte des gemeinsamen Kompakt-Seminars „BRANDSCHUTZDIREKT Löschtechnik“ von bvfa und FeuerTrutz liegen in der Information und Wissensvermittlung zu aktuellen Fragestellungen des anlagentechnischen Brandschutzes.
Programm
ab 08:30 Uhr: Akkreditierung der Teilnehmenden
ab 09:00 Uhr: Besuch der Fachmesse
09:30 Uhr: Beginn des Seminars mit Begrüßung durch Jörg Wilms-Vahrenhorst, bvfa
09:40 Uhr: Impulsvortrag: Anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen – welchen Beitrag leisten sie in aktuellen Forschungsvorhaben?
(Univ-Prof. Dr.-Ing. Zehfuß, Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz, Materialprüfanstalt für das Bauwesen)
10:10 Uhr: Herausforderungen beim Schutz von Shuttle- und Behälterkompaktläger: Schutz durch Sauerstoffreduzierungsanlagen
(Frederic Scharnhorst, Minimax GmbH)
10:45 Uhr: Autostore in the World: Herausforderungen beim Schutz von Autostoresysteme (Vortrag in Englisch)
(Dr.-Ing. Ingunn Haraldseid, Autostore AS)
11:20 Uhr: Kaffeepause / Besuch der Fachmesse
11:45 Uhr: PFAS freie Schaummittel in Wasserlöschanlagen: Informationen über neue Anerkennungsverfahren, den Umgang in Wasserlöschanlagen und zu hydraulischen Berechnungen
(Patrik Steinhoff, VdS Schadenverhütung)
12:20 Uhr: Umrüstung bestehender Wasser- und Schaumlöschanlagen auf PFAS-freie Schäume aus Sicht eines erfahrenen Zumischsystemherstellers
(Andreas Hulinsky, FireDos GmbH)
12:55 Uhr: Mittagspause / Besuch der Fachmesse
14:10 Uhr: Trennstationen nach DIN 14467 – Anwendungsfall, Einsatzmöglichkeiten und Einsatzgrenzen
(Lars Biskupek, Alfred Schneider GmbH & Co. KG)
14:45 Uhr: Abweichung mit System – Schutzziel erreicht! Einsatz von Sprinkleranlagen im schutzzielorientierten Brandschutz
(Philipp Wedeking, Staatlich anerkannter Sachverständiger zur Prüfung des Brandschutzes NRW)
15:20 Uhr: Kaffeepause
15.45 Uhr: Sprinkleranlagen – Baurecht versus Sachwertschutz: Wo liegt der Unterschied aus Sicht eines Prüfsachverständigen?
(Björn Schmitz, Fa. WilmsWeiler)
16:20 Uhr: Bauteilanerkennungen in Deutschland: Innovationen und Regelwerke im modernen Brandschutz
(Witali Engelhardt, FM Approvals)
17:00 Uhr: Ende der Veranstaltung
Kurzbeschreibung der Vorträge
Impulsvortrag: Anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen – welchen Beitrag leisten sie in aktuellen Forschungsvorhaben?
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jochen Zehfuß, Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB), Materialprüfanstalt für das Bauwesen (MPA)
Das Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB) der Technischen Universität Braunschweig zählt zu den führenden Brandschutz-Forschungseinrichtungen in Deutschland und Europa. Mit der Inbetriebnahme des Zentrums für Brandforschung (ZeBra) steht eine einzigartige Forschungsinfrastruktur zur Erforschung der Branddynamik zur Verfügung. Anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Brandsicherheit. Insbesondere bei Verwendung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen sowie bei der Lagerung von Hochvoltspeichern ist die frühzeitige Detektion und Alarmierung ein wesentlicher Konzeptbaustein. Im Zuge der Entwicklung alternativer Rettungswegkonzepte für bestehende Gebäude, die nur über einen Rettungsweg verfügen, können Löschanlagen bei Vorhandensein von Holztreppen eine adäquate Kompensationsmaßnahme bilden. Die Modellierung der Löschwirkung von Sprinkleranlagen erfolgt im Rahmen von ingenieurtechnischen Nachweisen bisher vereinfacht über eine Reduzierung der Wärmefreisetzungsrate nach Sprinklerauslösung. Der direkte Einfluss der Sprinklerung auf die Branddynamik durch veränderte Thermik, Wasserdampf-, und Rauchschichtbildung kann nicht abgebildet werden. In einem aktuellen Forschungsvorhaben werden experimentelle Untersuchungen zur Spraycharakteristik geführt, die Grundlage für ein numerisches Modell zur Berücksichtigung der Sprinklerwirkung sind.
Herausforderungen beim Schutz von Shuttle- und Behälterkompaktlagern – Schutz durch Sauerstoffreduzierungsanlagen
Frederic Scharnhorst; Minimax GmbH, Löschsystemmanager, Region West
Der Vortrag behandelt die technischen, normativen und betrieblichen Aspekte, die bei der Planung, Umsetzung und dem Betrieb von Sauerstoffreduzierungssystemen in hochverdichteten, automatisierten Lagerumgebungen zu beachten sind. Ausgangspunkt ist die besondere Gefährdungslage in Shuttle? und Behälterkompaktlagern: hohe Energiedichte, enge Stapelung und ein hoher Grad an Automatisierung und Fördertechnik machen präventive Maßnahmen oft wirkungsvoller als rein reaktive Löschkonzepte. Der Vortrag zeigt Vor- und Nachteile gegenüber wasserbasierten Lösungen, wie Sauerstoffreduzierungssysteme den Vollbrand verhindern können, welche Grenzen und Risiken bestehen und welche praktischen Lösungen sich in der Praxis bewährt haben.
Autostore in the World - Herausforderungen beim Schutz von Autostoresysteme (Vortrag in Englisch)
Dr.-Ing. Ingunn Haraldseid; Autostore AS, Director Product Safety
AutoStore ist ein kubusbasiertes automatisiertes Lager- und Bereitstellungssystem, das entwickelt wurde, um den wachsenden Anforderungen an schnelle Lieferungen und effiziente Lagerabläufe gerecht zu werden. Da diese Konfiguration relativ neu ist, berücksichtigen die bestehenden Brandschutznormen ihr einzigartiges Design nicht. Über einen Zeitraum von 17 Jahren hat AutoStore umfangreiche Brandtests durchgeführt, um das Brandverhalten innerhalb der dichten Kubuskonfiguration zu verstehen und wirksame Schutzstrategien zu entwickeln. Im Jahr 2022 zeigten erfolgreiche Tests, dass eine vollständige Löschung nur mit Sprinklern in Deckenhöhe bei einer Deckenhöhe von 9,1 Metern möglich ist, allerdings bei hohem Systemdruck. Bei Folgeoptimierungstests im Jahr 2025 wurde eine vollständige Löschung bei einer reduzierten Höhe von 8,5 Metern und einem deutlich niedrigeren Betriebsdruck von 4,5 bar erreicht. Diese Ergebnisse zeigen, dass kleine Anpassungen der Deckenhöhe und der Entfernung der Sprinkler zum Gitter die Leistung des Sprinklersystems für Würfellager wie AutoStore erheblich verbessern können.
PFAS-freie Schaummittel in Wasserlöschanlagen: Informationen über neue Anerkennungsverfahren, den Umgang in Wasserlöschanlagen und zu hydraulischen Berechnungen
Patrik Steinhoff; VdS Schadenverhütung
Die Regulierungen für PFAS-haltige Schaummittel (*PFAS - Per- und PolyFluorierte AlkylsubStanzen) haben dazu geführt, dass von den Schaummittelherstellern in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen worden sind, um leistungsfähige Ersatzprodukte zu entwickeln. Mit der Entwicklung fluorfreier Produkte, welche nicht länger dieselben Wirkmechanismen im Vergleich zu PFAS haltigen Produkten besitzen, mussten angepasste Methoden zur einheitlichen Bewertung der Leistungsfähigkeit der Schaummittel in stationären Wasserlöschanlagen entwickelt werden. Als ein Verfahren wird die Methodik gemäß VdS 3896 „Wirksamkeitsnachweise für Schaummittel Anwendungsfälle und Wirksamkeitsnachweise für Schaummittel in stationären Wasserlöschanlagen“ vorgestellt. Ein weiterer Fokus liegt auf den Grenzen der Aussagekraft der Wirksamkeitsnachweise sowie der Übertragung der Ergebnisse aus letzteren in die praktische Anwendung. Hierzu gehört neben möglichen Komponentenbindungen und produkt- bzw. anwendungsspezifischen Wasserbeaufschlagungen auch der Themenbereich der hydraulischen Nachweisführung.
Umrüstung bestehender Wasser- und Schaumlöschanlagen auf PFAS-freie Schäume aus Sicht eines erfahrenen Zumischsystemherstellers
Andreas Hulinsky; FireDos GmbH, Leiter Konstruktion & Entwicklung
PFAS-freie Schaumkonzentrate stellen Zumischsysteme vor neue Herausforderungen. Der Vortrag zeigt einen praxiserprobten Weg, damit der Zumischer zuverlässig seine Soll-Zumischrate trifft: Wir beginnen bei den Schaummitteldaten und leiten daraus den Premixbedarf ab. Es folgen die Bewertung des Bestands und die Überprüfung nach geltenden Regelwerken – gestützt durch interne Prüfergebnisse. Wir zeigen, welche Datengrundlagen Hersteller von Zumischern vorhalten sollten, um belastbare Zusagen geben zu können (leistungs- und viskositätsbezogene Kennfelder, Saug- und Überlastverhalten, Druckverlustdaten, kombinierte Feld- und Labornachweise) und welche Prüfausstattung dafür notwendig ist (hochleistungsfähiger Prüfstand mit realitätsnahen Messstrecken, präzise Zumischraten- und NPSH-Messung, belastbare Viskositätsbestimmung). Ein weiterer Schwerpunkt liegt außerdem auf der saugseitigen Auslegung. Abgerundet durch klare Praxisempfehlungen zu Reinigung, Umbau/Retrofit, die Analyse typischer Fehlerbilder sowie die dokumentierte, premixsparende Zumischratenprüfung wird das Hauptziel sichergestellt: die ordnungsgemäße Funktion im Ernstfall.
Trennstationen nach DIN 14467 – Anwendungsfall, Einsatzmöglichkeiten und Einsatzgrenzen
Lars Biskupek; Alfred Schneider GmbH u. Co KG, Bereichsleitung Feuerschutz
Die Trennstation TS nach DIN 14467 schließt als neue Löschwasserübergabestelle die Lücke zwischen Trinkwasserschutz und zuverlässiger Löschwasserversorgung. Auf Grundlage der Risikobewertung nach DVGW W 551-5 kann das stagnierende Wasser in Feuerlösch- und Brandschutzanlagen unter Einhaltung der dort genannten Rahmenbedingungen der Flüssigkeitskategorie 3 zugeordnet werden – eine Absicherung über freien Auslauf ist damit nicht mehr erforderlich. Der Vortrag erläutert die Systemanforderungen und Einsatzvoraussetzungen der Trennstation, stellt den Aufbau und die Funktionsweise der Bauart DAE mit Doppelabsperreinrichtung vor, ordnet die Trennstation in die zulässigen Einsatzbereiche nach DIN 1988-600 ein und benennt zudem die Einsatzgrenzen.
Abweichung mit System – Schutzziel erreicht! Einsatz von Sprinkleranlagen im schutzzielorientierten Brandschutz
Philipp Wedeking; Staatlich anerkannter Sachverständiger zur Prüfung des Brandschutzes NRW
Sprinkleranlagen: Baurecht versus Sachwertschutz - Wo liegt der Unterschied aus Sicht eines Prüfsachverständigen?
Björn Schmitz; WilmsWeiler GmbH & Co. KG, Prüfsachverständiger Feuerlöschanlagen
Sprinkleranlagen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen baurechtlichen Anforderungen und wirtschaftlich motiviertem Sachwertschutz. Während das Baurecht als öffentlich-rechtliche Grundlage in erster Linie den Schutz von Leben und Gesundheit sicherstellt, verfolgt der Sachwertschutz das Ziel, Schäden an Gebäuden, Anlagen und Waren möglichst gering zu halten und Betriebsunterbrechungen zu vermeiden. Diese unterschiedlichen Schutzziele führen zwangsläufig zu abweichenden technischen Anforderungen und Bewertungsmaßstäben. Aus Sicht eines Prüfsachverständigen ist die klare Unterscheidung zwischen beiden Ansätzen essenziell. Im baurechtlichen Kontext steht die Frage im Vordergrund, ob die Sprinkleranlage die Vorgaben des genehmigten Brandschutzkonzepts erfüllt und einen ausreichenden Beitrag zur Personenrettung und Brandbegrenzung leistet. Hierbei handelt es sich um gesetzlich definierte Mindestanforderungen. Im Sachwertschutz hingegen liegt der Fokus auf einer möglichst hohen Wirksamkeit und Zuverlässigkeit der Anlage, häufig mit deutlich erhöhten Anforderungen an Auslegung, Redundanz und Betriebssicherheit, beispielsweise nach VdS-Richtlinien. Der Vortrag beleuchtet die zentralen Unterschiede zwischen beiden Perspektiven, zeigt typische Konfliktfelder aus der Praxis auf und verdeutlicht die daraus resultierenden Herausforderungen für Betreiber, Errichter, Planer und Versicherer. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, warum die Bewertung einer Sprinkleranlage immer im jeweiligen Kontext erfolgen muss und weshalb baurechtliche und wirtschaftliche Anforderungen nicht automatisch deckungsgleich sind.
Bauteilanerkennungen in Deutschland: Innovationen und Regelwerke im modernen Brandschutz
Witali Engelhardt; FM Approvals, Manager New Business Europe
Moderne Brandschutzsysteme werden zunehmend durch Automatisierung, Vernetzung und datenbasierte Technologien geprägt. Smarte Sensorik, automatisierte Funktionen und kontinuierliche Überwachung erhöhen die Zuverlässigkeit und Effizienz, schaffen jedoch zugleich neue Risiken, insbesondere im Bereich Cybersecurity. Der Vortrag zeigt, wie innovative Brandschutztechnologien zur wirksamen Risikominimierung beitragen können und welche Anforderungen sich daraus für Prüfung und Zulassung ergeben. Ein Schwerpunkt liegt auf Bauteilanerkennungen in Deutschland und Europa, insbesondere der CE-Kennzeichnung nach der Bauproduktenverordnung gemäß harmonisierten Normen (hEN) oder ETA/EAD. Zudem wird erläutert, wie internationale leistungsbasierte Zertifizierungen, z.B. durch FM Approvals, mit nationalen und europäischen Regelwerken zusammenspielen und Innovationen rechtskonform in den Markt überführt werden.
Das Seminar BRANDSCHUTZDIREKT Löschtechnik findet jährlich parallel zum Brandschutzkongress sowie zur FeuerTrutz Fachmesse statt und wird vom von bvfa - Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. und FeuerTrutz gemeinsam durchgeführt.
Der Besuch der Fachmesse ist am Seminartag für Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer inklusive.
An wen richtet sich das Seminar?
Das Seminar richtet sich hauptsächlich an Planer:innen, Betreiber:innen, Industrieunternehmen, Versicherer und Errichterfirmen.
Anreise und Aufenthalt
Veranstaltungsort
NürnbergConvention Center NCC Ost
Raum: Shanghai
Messezentrum
90471 Nürnberg
Anreise und Übernachtung
Der Besuch der Fachmesse ist am Seminartag inklusive. Informationen zur Anreise und zu den Vorteilen des Messetickets mit der Bahn sowie eine Übersicht der Partnerhotels mit Sonderkonditionen
finden Sie hier
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Abendveranstaltung: Sommerabend im Messepark
Am Abend des ersten Messetages, 24. Juni 2026, verwandeln wir den Messepark in eine sommerliche After Work Location mit Grillstationen, kühlen Drinks und gemütlicher Biergarten-Atmosphäre. Die Tickets sind über den
Ticketshop der NürnbergMesse erhältlich
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