Dieses Bild zeigt einen Panoramablick über die Dächer einer historischen europäischen Altstadt, mit engen Gassen und traditionellen Gebäuden, die sich bis zum Horizont erstrecken.
In Staffel 2 des Podcasts FeuerTrutz On Air geht es um Chancen und Herausforderungen beim Brandschutz im Bestand. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG)

Planung | Ausführung 2026-01-22T13:39:22.813Z „Ich vergleiche uns oft mit Jägern und Sammlern“

Im Gespräch mit Bernd Steinhofer, Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz und Geschäftsführer der STEINHOFER Gruppe

Bestandsgebäude stellen den vorbeugenden Brandschutz vor vielfältige Herausforderungen. Veränderte Nutzungen, lückenhafte Dokumentation und historische Bauordnungen erfordern detaillierte Recherche und vor allem individuelle Lösungen. Bestandsschutz und Wirtschaftlichkeit bleiben dabei zentrale Aspekte. Im Interview geht Dipl.-Ing. Bernd Steinhofer auf Chancen und Herausforderungen beim Brandschutz im Bestand ein.

Dipl.-Ing. (FH) Bernd Steinhofer ist Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz und Geschäftsführer der STEINHOFER Gruppe. Gemeinsam mit rund 40 Mitarbeitenden kümmert er sich dort vor allem um Brandschutzprojekte. In Staffel 2 war Bernd Steinhofer in unserem Podcast zu Gast und hat mit André Gesellchen über die Bewertung von Bestandsgebäuden gesprochen.

André Gesellchen: Herr Steinhofer, aus welchen Gründen setzen Sie sich in der Regel mit dem Brandschutz von bestehenden Gebäuden auseinander, was sind die Anlässe dafür, dass solche Projekte auf Ihrem Schreibtisch landen?

Bernd Steinhofer: Das ist bei uns ein sehr vielschichtiges Thema. Zum einen ist es natürlich in Zeiten von Nachhaltigkeit wichtig, dass bestehende Gebäude nicht einfach abgerissen werden, wenn sich die Nutzung ändert, sondern dass die Substanz weiterverwendet wird.

Dann kommen logischerweise Projekte auf unseren Tisch, wenn es um denkmalgeschützte Objekte geht, die ein Kulturgut darstellen und somit dem jeweiligen Zeitgeist folgen müssen. Und es geht ganz klassisch um Umnutzungen und Umbauten, sei es in der Industrie oder im Gewerbebau. Zum anderen gibt es Bestandsobjekte, die erweitert werden müssen, seien es Schulen, Kindergärten oder Universitäten. All dies sind Bereiche, in denen der Brandschutz im Bestand in den Fokus rückt.

Gibt es dennoch Gemeinsamkeiten bei solchen Projekten? Womit beschäftigen Sie sich z. B. immer zu Beginn?

Im Grunde ist es ein sehr ähnliches Vorgehen bei vielen Objekten, denn am Anfang muss man sich von der Bestandsimmobilie aus brandschutztechnischer Sicht ein Bild machen. Das heißt z. B. zu schauen, was haben wir denn eigentlich für Dokumentationsunterlagen, welche Genehmigungen liegen vor, was ist die geplante und einmal genehmigte Nutzung dieses Objekts?

Man hat also ein Potpourri verschiedener Pläne, vielleicht auch Brandschutznachweise, eventuell irgendwelche Prüfberichte. Man stöbert, sammelt und versucht einen Überblick zu bekommen und möglichst viele Informationen über Bauwerk, Substanz, Historie zusammenzutragen. Das Ziel ist, möglichst viel davon weiterzuverwenden, was den Nachhaltigkeitsgedanken, aber auch den Wirtschaftlichkeitsgedanken widerspiegeln soll.

Podcast FeuerTrutz On Air

Das Interview mit Bernd Steinhofer ist ein Auszug aus dem Gespräch in Folge 7 des Podcasts FeuerTrutz On Air. In dieser Folge geht es um Bewertung von Bestandsgebäuden – sie ist auf allen gängigen Streamingplattformen  sowie auf unserer Webseite abrufbar .

Der Podcast ist bei verschiedenen Streamingdiensten gestartet und bietet spannende Einblicke in die Brandschutzbranche. In Staffel 1 dreht sich alles um den Brandschutz im Industriebau. Staffel 2 befasst sich mit Chancen und Herausforderungen beim Brandschutz im Bestand.

Alle Infos rund um den Podcast  gibt es hier .

Warum ist diese Recherche in alten Unterlagen wie z. B. der Baugenehmigung so wichtig? 

Die Recherche in alten Unterlagen dient dazu, dass der Bauherr oder der Betreiber sich auf etwas stützen kann, das schon einmal genehmigt wurde. Denn es ist im Grundgesetz geregelt, dass generell ein Bestandsschutz in Anspruch genommen werden kann. Dieser Bestandsschutz hilft dem Bauherrn und dem Betreiber natürlich auch, die Kosten im Griff zu behalten und nicht immer dem aktuellen Stand entsprechen zu müssen. Wobei natürlich jeder Bestandsschutz auch seine Grenzen hat.

Stichwort Unterlagen, die zusammentragen werden müssen: Wie dick ist der Stapel am Ende auf Ihrem Schreibtisch, und woraus besteht er?

Wünschenswert ist natürlich: so dick wie möglich! Ein wenig vergleiche ich uns Brandschützer immer mit unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern. Das heißt, alles, was wir bekommen können, nehmen wir dankbar an. Grundlegend brauchen wir natürlich zum einen die Baugenehmigung, um zu sehen, wofür das Gebäude eine Betriebszulassung hat. Zur Baugenehmigung gehören auch die genehmigten Pläne, denn oft hilft es nicht, wenn nur Planunterlagen übergeben werden, bei denen der Genehmigungsstempel fehlt. Wir wissen alle, dass sich im Zuge eines Realisierungsvorhabens die Planstände immer wieder ändern.

Natürlich ist es zudem wichtig, dass wir Zulassungen und Normen aus der Bestandszeit haben. Denn wenn man weiter zurückdenkt, waren vor 30 oder 40 Jahren die Genehmigungen teilweise sehr dünn formuliert. Es war noch nicht üblich, dass ein Brandschutzkonzept für jedes Gebäude vorhanden war, das genehmigt und vielleicht sogar durch einen Prüfsachverständigen geprüft wurde. Somit kommt als weiteres Thema noch das Baujahr als Anhaltspunkt hinzu, um zu schauen, welche bauzeitliche Bauordnung gegolten hat. In den alten Bauordnungen kann man zumindest die Grundanforderungen herausarbeiten.

Ähnlich verhält es sich mit Normen und Richtlinien. Ein Beispiel kann die Thematik Brandmeldeanlagen sein. Früher hatten die Normen der Brandmeldeanlagen natürlich ganz andere Ausführungsvorgaben als heute. Wenn wir eine 40 Jahre alte Brandmeldeanlage in einem Gebäude nach heutigen Maßstäben beurteilen würden, dann hieße das einmal komplett raus und wieder neu rein. Genau das wollen wir eigentlich vermeiden. Wir wollen ein sicheres Gebäude auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite soll der Bauherr auch nicht über die Maßen wirtschaftlich belastet werden. Eine gute Grundlage an Dokumenten hilft uns bei dieser Aufgabe.

Haben Sie vielleicht noch ein Beispiel von einem Gebäude, bei dem es besonders aufwendig war, die wichtigen Unterlagen zusammenzubekommen?

Da fallen mir durchaus mehrere Gebäude ein, bei denen sich aber auch zeigte, dass sich diese Arbeit rentiert. Beispielsweise ging es um ein Bauwerk in Frankfurt am Main mit entsprechenden Bauabschnitten, bei denen auch zwei Hochhaustürme dabei waren. Dazu mussten wir im Bauarchiv der Stadt Frankfurt recherchieren. Nachdem wir dort einen Termin vereinbart hatten, kamen wir in das Archiv, und die Mitarbeiter schoben uns wagenweise die Aktenordner zu.

Es zeigte sich, dass dieses Objekt, das augenscheinlich aus einem Guss hätte sein können, doch nicht aus einem Guss war, sondern aus mehreren Bauabschnitten aus verschiedenen Jahren bestand. Es gab x-fache Genehmigungen, Umnutzungen, Teilgenehmigungen usw. Aber diese Mühen, die wir hatten, um alles zusammenzutragen, haben uns dabei geholfen, die Bestandssituationen aufrechtzuerhalten und zu zeigen, dass die Hochhausgebäude einen Anspruch haben, in der Neuzeit weiterzuleben. Auch mit den Behörden war die Zusammenarbeit sehr kooperativ. So konnten wir diese bestandsgenehmigten Situationen mit den heutigen Schutzanforderungen in Einklang bringen und ein wieder funktionierendes und sicheres Gebäude konzipieren. [...]

Das ausführliche Interview ist in Ausgabe 6.2025 des FeuerTrutz Magazins (Dezember 2026) erschienen und basiert auf dem Gespräch in unserem Podcast FeuerTrutz On Air .

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zuletzt editiert am 26. Januar 2026