Archiv 2014-05 DIN 4102 aus ZFM 2.2014
Entwicklung DIN 4102-4:1994 bis zum Erscheinen der DIN 4102-4 neu (Foto: FeuerTRUTZ Magazin)

Recht 2014-05-09T00:00:00Z DIN 4102-4 (neu) – Hinweise für die Praxis

Als Folge der Eurocodes, die zum 1. Juli 2012 bauaufsichtlich eingeführt wurden, musste die DIN 4102-4 maßgeblich überarbeitet werden. Der Beitrag berichtet über die Neufassung.

Mai 2014 / Von Dipl.-Ing. Christiane Hahn. Wegen der längerfristig geplanten Einführung der Eurocodes zum 01.07.2012 über die Muster-Liste der Technischen Baubestimmungen hat der Normenausschuss Bauwesen beschlossen, die DIN 4102-4 zu überarbeiten. Von dieser Einführung ausgenommen war der Bereich Mauerwerksbau, der nunmehr zum 01.01.2015 mit einer Übergangszeit von einem Jahr eingeführt werden soll. Für die Überarbeitung war die Vorgabe umzusetzen, Doppelungen zu vermeiden, da Doppelregelungen gemäß den bauaufsichtlichen Vorgaben nicht zulässig sind. Daher war entgegen den Wünschen aus der Praxis eine Restnorm zu erarbeiten.
Die DIN 4102-4 (neu) wird aber nicht nur eine Restnorm sein, sondern in Teilbereichen zusätzlich eine Anwendungsnorm zu den Eurocodes. Ausführungsdetails, die in den Eurocodes fehlen und daher auch nicht in die Nationalen Anwendungsdokumente (NA) eingeführt werden konnten, werden weiterhin in der DIN 4102-4 enthalten sein.
Dieser Bereich der Anwendungsnorm soll als Grundlage für die Überarbeitung der Eurocodes dienen. Auch wurde diskutiert, die DIN 4102-4 komplett zurückzuziehen. Dagegen gab es aber vehemente Einsprüche aus der Praxis, weitere Angaben dazu im Folgenden.
Die NA zu den „heißen“ Eurocodes liegen mit der Fassung 12-2010 Mauerwerk 06-2013 vor. Der NA Mauerwerk hatte u.a. wesentlichen Einfluss auf die DIN 4102-4 (neu) Abschnitt Mauerwerk, da erst mit der Verabschiedung des NA endgültig sicher war, welche Bereiche für DIN 4102-4 als Restnorm und zusätzlich als Anwendungsnorm zum NA für die DIN 4102-4 (neu) übrigblieben. Der NA „heiß“ war abhängig von der Verabschiedung des NA „kalt“, die erst Ende 2012 erfolgte.

Inhalt – Grundlagen

Archiv 2014-05 DIN 4102 aus ZFM 2.2014 Tab.1
Tabelle: Inhaltsverzeichnis der DIN 4102-4 (neu)

Der Aufbau der Norm ist an die europäische Norm angepasst worden, d. h., der Inhalt ist wie in Tabelle 1 gegliedert. Als Voraussetzung für die Aufnahme von Baustoffen und Bauteilen als klassifizierte Bauprodukte gilt nach wie vor, dass es sich i. d. R. um genormte Produkte handelt, d. h., hier hat sich nichts geändert. Für einige Produkte, die schon lange zulassungspflichtig sind, besteht Bestandsschutz.
Je Baustoffart – Beton, bewehrter Porenbeton, Stahl, Verbund, Holz, Mauerwerk – ist ein eigener Abschnitt gebildet worden und die Reihenfolge entspricht im Wesentlichen der Reihenfolge in den Eurocodes.
Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, nach einer Fortschreibung der Eurocodes ggf. ganze Abschnitte aus der DIN 4102-4 herauszunehmen. Im Bereich der klassifizierten Baustoffe wurden entsprechende Unterabschnitte gebildet.
Im Anschluss an die aufgeführten Abschnitte wurden die Abschnitte Ausbau sowie Klassifizierte Sonderbauteile entwickelt. Der Verbundbau ist nicht mehr enthalten, weil die Vertreter des Verbundbaus festgestellt haben, dass dieser abschließend im Eurocode geregelt ist. Der Inhalt in DIN 4102-4 (neu) ist nicht mehr nach Bauteilen – z. B. Wände, Decken usw. – gegliedert, sondern nur innerhalb der einzelnen Baustoffarten. Abschließend erfolgen wieder Literaturhinweise, die als Nachweise herangezogen werden können. Unter anderem wegen der neuen DIN-Formate hat die DIN 4102-4 (neu) wieder einen Umfang von über 200 Seiten.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die DIN 4102-4 ausschließlich Klassifizierungen nach DIN 4102 enthält, z. B. F 30 bis F 180. Die Klassifizierungen beruhen auf der Bemessung und Prüfung nach nationalen Normen sowie der Einheitstemperaturzeitkurve (ETK). Klassifizierungen in den Eurocodes beruhen auf der Klassifizierungsnorm DIN EN 13501. Es besteht ein Vermischungsverbot der nationalen und europäischen Klassifizierungen. Die bauaufsichtlichen Anforderungen können entweder nach DIN 4102 oder DIN EN 13501 nachgewiesen werden, s. a. Bauregelliste A Teil 1 Anlage 01. [...]

Der vollständige Artikel ist in Ausgabe 2.2014 des FeuerTRUTZ Magazins erschienen.
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Zusammenfassung

In diesem Beitrag werden die wesentlichen Änderungen der DIN 4102-4 (neu) gegenüber der DIN 4102-4:1994 durch eine Darstellung der Grundzüge der einzelnen Abschnitte zusammengefasst und die Bereiche der Restnorm sowie der Anwendungsnorm zu den Eurocodes erläutert. Als Verwendbarkeitsnachweis wird zukünftig die DIN 4102-4 neben den Eurocodes verwendet, wobei bei den tragenden Bauteilen die Eurocodes maßgebend sind und die DIN 4102-4 als Anwendungsnorm dient und für die übrigen Bauteile als Restnorm. Für Bestandsbauten darf weiterhin die DIN 4102-4:1994 verwendet werden, da diese Bauten nach den alten Bemessungsnormen errichtet wurden.
Es muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass in der Bemessung von Bauteilen ein Mischungsverbot der verschiedenen Bemessungsverfahren – globales Sicherheitskonzept mit Teilsicherheitskonzept – besteht. Entweder wird nach dem „kalten“ Eurocode in Verbindung mit dem dazugehörenden „heißen“ Eurocode und den jeweiligen NA bemessen oder nach nationalen Bemessungskonzepten in Verbindung mit der DIN 4102-4. Die DIN 4102-4 (neu) enthält weiterhin nur nationale F-Klassen nach DIN 4102-2 und keine europäischen REI-Klassen nach DIN EN 13501-2. Die Verknüpfung der verschiedenen Klassen mit den bauaufsichtlichen Anforderungen erfolgt über die Bauregelliste.
Für Ausführungsregeln ist die DIN 4102-4 (neu) jedoch auch eine Anwendungsnorm für die Eurocodes, da viele in Deutschland seit Langem geregelte Details bisher nicht in die Eurocodes übernommen wurden. Weitere Ausführungsdetails werden wie bisher über die Literaturstelle in DIN 4102-4 (neu) geregelt.

Autorin

Dipl.-Ing. Christiane Hahn: Geschäftsführende Gesellschafterin HAHN Consult Ingenieurgesellschaft für Tragwerksplanung und Baulichen Brandschutz mbH; ö.b.u.v. Sachverständige für Brandschutz IK Nds; staatlich anerkannte Sachverständige für die Prüfung des Brandschutzes IK Bau NRW; Sachverständige des DIBt; Obfrau DIN 4102-4; Mitglied weiterer Normenausschüsse; deutsche Delegierte in CEN TC 127 und CEN TC 250

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zuletzt editiert am 27. April 2021
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