2014-11 zfe 06.2014 Ein Holzbau für die Zukunft
Die hinterlüftete Holzfassade schafft eine diffusionsoffene Außenwandkonstruktion. (Bild: Abb.: Perspektive Roswag Architekten)

Planung | Ausführung 2014-11-13T00:00:00Z Ein Holzbau für die Zukunft

„Lösungen für eine zukünftige Gesellschaft, die auf fossile Ressourcen weitgehend verzichten kann“, lautet die Vision des Planungsteams von Roswag Architekten. Für die Firma FLEXIM entwarfen sie den Neubau des Berliner Hauptsitzes in Holz-Hybrid-Bauweise: eine Herausforderung für den Brandschutz.

Von Nina Köhler / November 2014. Die FLEXIM Flexible Industriemesstechnik GmbH ist ein international führendes Unternehmen auf dem Gebiet der Entwicklung und Herstellung von Ultraschall-Durchflussmessgeräten. Zur Deckung des wachsenden Raumbedarfs entsteht in Berlin-Marzahn ein neues, stufenweise erweiterbares Firmengebäude.

Entwurfskonzept und Baubeschreibung

Das Gebäude wird entsprechend einem Höfekonzept in mehreren Bauabschnitten errichtet, um dem Expansionsbedarf des Unternehmens gerecht zu werden. Im ersten Bauabschnitt wird ein Baukörper mit zwei Höfen und einer Bruttogeschossfläche (BGF) von ca. 13.700 m 2 errichtet. Im Eingangsgeschoss gruppieren sich das Foyer, der Empfang, eine Cafeteria mit Küche und Außenterrasse sowie diverse Schulungsräume um ein offenes Atrium. Verschiebbare Trennwände ermöglichen eine flexible Nutzung der Räume. Über eine Freitreppe gelangt der Nutzer hinauf zum Boulevard im ersten Obergeschoss (OG). Als Erschließungszone verbindet er die Bauteile und erschließt Besprechungs- und Sozialräume.
Darüber befinden sich die Arbeitsräume der Mitarbeiter. Dachflächen sind als Dachterrassen oder Gründach ausgebildet. Das Untergeschoss (UG) umfasst als Lager und Logistikebene die Anlieferung von Waren über den Ladehof im Norden, ein Hochregallager, die Verpackung, Kommissionierung, den Warenausgang sowie Laboratorien und die allgemeinen Haustechnikräume. Zwei Treppenkerne mit Lastenaufzügen ermöglichen eine kreisläufige Erschließung der Produktions- und Fertigungsbereiche. Sie schaffen einen Warenkreislauf, der vom Wareneingang im UG über die Verarbeitung in den OG zurück ins UG zur Kommissionierung und zum Warenausgang, wieder im UG, reicht.
Das Gebäude wird in Holz-Hybrid-Bauweise mit hochgedämmten Außenbauteilen errichtet. Dabei werden weitgehend CO 2 -neutrale Baustoffe (Holz, Cellulose) eingesetzt. So besteht die Baukonstruktion ab dem Erdgeschoss (EG) aus einem Holz-Hybrid-Skelettbau mit Holz-Beton-Verbunddecken und einer vorgehängten Holzrahmen-Fassade. Zur Aussteifung dienen die Aufzugs- und Treppenschächte in Stahlbeton.

Der vollständige Artikel ist im FeuerTRUTZ Magazin 6.2014 erschienen.
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Brandschutzkonzept

Das übergeordnete Brandschutzkonzept beschreibt einen Industriebau, dessen tragende Bauteile mit einem Feuerwiderstand von 90 Minuten ausgeführt werden, damit sie die Anforderung im Brandfall ausreichend lange tragfähig erfüllen und die erforderlichen Lösch- und Rettungsmaßnahmen der Feuerwehr ermöglichen.
Nur die obersten Geschosse, die einer reinen Büronutzung dienen, werden – wie Dachgeschosse in Anlehnung an die Bauordnung – auf feuerhemmend herabgestuft. Tragende Bauteile (z. B. Decken) werden jedoch – abweichend von der Bauordnung – aus brennbaren Baustoffen hergestellt. Der Feuerwiderstand wird dadurch nicht eingeschränkt, da diese Bauteile bis zu einem rechnerischen Abbrand von 90 Minuten tragfähig sind.
Ebenso werden Brandabschnitte durch raumabschließende Bauteile mit einem Feuerwiderstand von 90 Minuten getrennt. Trennwände von Nutzungseinheiten, die Flucht- und Rettungswege für Personen sicherstellen (z. B. in der erdgeschossigen Versammlungsstätte), werden feuerhemmend konzipiert. Flucht und Rettung von Personen sowie der zeitnahe Einsatz der Feuerwehr wird zusätzlich verbessert durch die Entrauchung einzelner Bereiche und eine flächendeckende Brandmeldeanlage (BMA, Kategorie 1) als Kompensation für verschiedene Abweichungen von der Bauordnung für Berlin (BauO Bln) [1].

Baurechtliche Einstufung

Gemäß § 2 BauO Bln wurde das Gebäude in die Gebäudeklasse (GK) 5 und als Sonderbau, „Gebäude mit mehr als 1600 m² Brutto-Grundfläche des Geschosses mit der größten Ausdehnung“, eingestuft. Wegen der Hauptnutzungen, Forschung, Produktion, Fertigung und Verwaltung wurde das Gebäude gemäß Muster-Industriebaurichtlinie (M-IndBauRL) [2] als Industriebau beurteilt: „Industriebauten sind Gebäude oder Gebäudeteile im Bereich der Industrie und des Gewerbes, die der Produktion (Herstellung, Behandlung, Verwertung, Verteilung) oder Lagerung von Produkten oder Gütern dienen.“
Dieser Industriebau wird mit einer Brandmeldeanlage (BMA) erstellt und ist gemäß Abschnitt 3.12 M-IndBauRL in die Sicherheitskategorie K 2 „Brandabschnitte oder Brandbekämpfungsabschnitte mit automatischer Brandmeldeanlage“ einzustufen. Die BMA überwacht den gesamten Gebäudekomplex und wird auf die zuständige Meldestelle der Feuerwehr aufgeschaltet.
Für die erdgeschossig gelegenen Schulungs-, Meeting-, Ausstellungs- und Cafeteriabereiche mit zeitweise über 200 Besuchern wurde zusätzlich die Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStätt-VO) [3] herangezogen.

Äußere Erschließung

2014-11 zfe 06.2014 Ein Holzbau für die Zukunft
Mobile Wände ermöglichen im EG eine flexible Nutzung und für Veranstaltungen können ca. 550 Sitzplätze aufgestellt werden. (Zeichnung: Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz)

Das Gebäude entsteht auf einem Eckgrundstück, das von zwei Straßen erschlossen wird und für die Feuerwehr über gekennzeichnete Zufahrten erreichbar ist. Für das UG mit den Produktions- und Lagerflächen ist in der Mitte des Geländes ein Ladehof vorgesehen, der über eine Zufahrt mit Rampen erreichbar ist. Vor dem Haupteingang befindet sich ein befestigter Vorplatz. Auf den Straßen befinden sich Unterflurhydranten, die genügend Löschwasser für den Erstangriff der Feuerwehr von der Straßenseite gewährleisten. Wegen der großen Entfernung hinterer Bauteile von der Straße wird auf dem Grundstück ein zusätzlicher Überflurhydrant erstellt. Für eine schnelle Löschwasserversorgung innerhalb des Gebäudes sind in den Treppenräumen Löschwasserleitungen vorgesehen. Die Einspeisung erfolgt jeweils von außen. [...]

Fazit

Ökologische Wünsche der Bauherren nach Niedrigenergiebauweisen und eine kurze Bauzeit durch Vorfertigung sind einige der Gründe, die das Bauen mit Holz immer interessanter werden lassen. Gebäude aus Holz sind daher Ausdruck zeitgemäßen Bauens. Trotzdem sind komplexere und höhere Gebäude aus Holz nur durch eine Vielzahl an Abweichungen vom Baurecht möglich. Damit dabei das geforderte Sicherheitsniveau eingehalten wird, sind bauliche und anlagentechnische Kompensationen erforderlich, die sowohl im Brandschutznachweis als auch in der Ausführungsplanung geplant und auf der Baustelle konsequent überwacht werden müssen.

Bautafel
Bauherr: Flexim GmbH
Entwurf: Roswag Architekten
Tragwerksplanung: Ziegert | Seiler Ingenieure und BRF GmbH
Brandschutzkonzept und -planung: Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz
Klimadesign, Simulationen, EnEV Nachweis: IB Hausladen und ISB Schneider & Bauer mbH
Projektsteuerung: Büro Jens Schubring

Literatur
[1] Bauordnung für Berlin (BauO Bln) vom 29. September 2005 (GVBl. S. 495), zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. Juni 2011
[2] Muster-Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau (Muster-Industriebau-Richtlinie – M-IndBauRL), Stand Juli 2014
[3] Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (Muster-Versammlungsstättenverordnung – MVStättVO), Fassung Juni 2005, zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom Juli 2014
[4] DIN 18091:1993-07: „Aufzüge; Schacht-Schiebetüren für Fahrschächte mit Wänden der Feuerwiderstandsklasse F 90“

Autorin
Nina Köhler, M.Sc. Architektur: Seit 2011 Mitarbeit im Büro Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz; seit 2012 Studium zum Master Brandschutz an der DISC/TU Kaiserslautern; vorraussichtlicher Abschluss „Master Engineering“ (M. Eng.) Frühjahr 2015


Der vollständige Artikel ist im FeuerTRUTZ Magazin 6.2014 erschienen.
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zuletzt editiert am 27. April 2021
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